UNIVERSITY OF TORONTO
ITALIA-ESPANA
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WO "0 (4.4 9:
EX-LIBRIS M. A. BUCHANAN
PRESENTED TO
THE LIBRARY
BY
PROFESSOR MILTON A. BUCHANAN
OF THE DEPARTMENT OF ITALIAN AND SPANISH
1906-1946
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1
3४८९
LSanık : ६8
9 Ch | Pantſch atantra:
Fünf Bücher
{120110८ Sabeln, Märchen und Erzählungen. `
Aus dem Sanskrit 18८४1९६1
mit Einleitung und Anmerkungen
von
Cheodor Benfey.
Zweiter Theil.
Ueberjeßung und Anmerfungen.
Zeipzig: छ. भ. ४ ८०५५५58.
1859.
—R
1 १११८. 4४८. abe 90 । 11. x तकभ जवर
Inhaltsüberficht des zweiten Theils.
Seite Weberjegung des Pantſchatantra ............... ....... 1— 363 1 Erfles Buch. Verfeindung von Freunden. , ...-.. .. 3 Erfte Erzählung: Der übergefchäftige Me. .....2.......... 8 Zweite Erzählung: Der Schafal und die Paufe...........- 21 Dritte Erzählung: Dantila und der Schloßfeger....-:....-- 27 Bierte Erzählung: Drei Misgeſchicke aus eigner Schuld..... 34 Fünfte Erzählung: Der Weber als Bilhnu................ 48 Sechste Erzählung: Die Krähen und die Schlange ......... 57 Siebente Erzählung: Der Kranicy und der Krebs ....... 58 Achte Erzählung: Der Löwe und der कवर... ......... 62 Neunte Erzählung: Die Wanze und die Laus.............. 71 Zehnte Erzählung: Der blaue Schafal ,. eo. 73 Eifte Erzählung: Der Löwe, feine Minifter und das Kameel.. 80 Zwölfte Erzählung: Der Strandläufer und der Drean....... 87 Dreizehnte Erzählung: Die unfolgfame Scildfröte ...... 90 Dierzehnte Erzählung: Die drei File... ............... 91 Bunfzehnte Erzählung: Der Bund der Schwachen gegen den Bine अ 10 1 419 4... 95 Scchhszehnte Erzählung: Der liftige Schafal , ... ....... 103
Siebenzehnte Erzählung: Die Affen und der Vogel Sutfchimufha 111 Achtzehnte Erzählung: Der Affe und das Sperlingsweibchen... 112
Neunzehnte Erzählung: Dharmabuddhi und Päpabuddhi ..... 113 Zwanzigfte Erzählung: Kranich, Krebs und Ichneumon... 118 Einundzwanzigfte Erzählung: Wunder über Wunder......... 120 2040040 zum erfien 23... ११५१५५५५, कन्द, 124
Rang BR. RER ER AED. 124
VI Inhaltsüberſicht.
Seite Erſte Erzählung: Der König der durch unbedachte Rede ſeinen Leib भ्यव... ... 9. 124 Nachtrag IE... u... na ee 128 Zweite Erzählung: Die danfbaren Thiere und der undanfbare Menſhee 1 128 Nachtrag IH.........:.:-...... 000 a 132 Dritte Erzählung: Der Schwan und die Eule........... 133 Rai IV EIERN. A820. ORT 0914... 135 Vierte Erzählung: Löwe und Zimmermann....... .. .. 135 Nachtrag IVb. Darftellung der vierzehnten Erzählung in der berliner Sandichrift -.... 3. = ` 137 Nachtra 22422222: 2:20 जन इ 138 Fünfte Erzählung: Ein alter Schwan rettet eine ſchon ges fangene Schar von Schwäͤnen 139 Nachtrag ४१. , , ८; 5.41 14. ४.4 BITTE RR 140 Sechste Erzählung: Der Widder und der Löwe ...-....-- 140 Nachtrag: ण. 4४.14. १.4. 0 न IE 141 Siebente Erzählung: Der verbrannte Bettelmöndh...... .. 142 Achte Erzählung: Der verzauberte Brahmanenfohn ...... 144 Neunte Erzählung: Der Götter Ohnmacht gegen den Gott १९6 Ed EEE ER 146 1.1.119. 1 22 RES Bee 2 1—x 148 Zehnte Erzählung: Die durch verfchiedenen Umgang verfchies den gearteten Papagaiengefchwilter.........-.... 0... 149 Eifte und zwölfte Erzählung: Die drei Freunde ......... 150 Elfte Erzählung: Der kluge Feind - ++. 150 Zwölfte Erzählung: Der thörichte Freund .............: 154 Zweites Buch. Erwerbung von Freunden +++ 156 Erfte Erzählung: Die Maus und die beiden Mönche ........ 169 Zweite. Erzählung: Warum Mutter. Sandili enthülfte Seſam— fürner für unenthülfte verfauft...........2senrcn.. 172 Dritte Erzählung: Der allgugierige Schafal ...........- 174 Vierte Erzählung: Was ein einziger Spruch werth ift.....-- 183 Fünfte Crzählung: Der arme Somilafa..........srrereees 190 Scchste Erzählung: Die Hoden des छह... +++ 194 Radtrag zum zweiten कवी... १५११५१५ ५१११११५५१* 207 1.11 207
Erfte Erzählung: Die Elefanten und die Mäufe........- 208
Snhaltsüberfidt. णा
। Seite ae en art. 7. RR OR 210 Zweite Erzählung: Tfchitränga’s frühere Gefangenfchaft und 1 1. . 210 Drittes Sud. Krieg der Krähen und der Eulen....... 213 Erfte Erzählung:. Der fchlaue Hafe........ 4 226 Zweite Erzählung: Die Kabe als Richter zwifchen Sperling ER 19 231 Dritte Erzählung: Ein Brahmane wird um eine Ziege geprellt 238 Dierte Erzählung: Die Schlange und die Ameifen.......... 240 Fünfte Erzählung: Die Gold fpendende Schlange .......... 244 Sechste Erzählung: Die Schwäne und der fremde Vogel.. 245 Siebente Erzählung: Der Jäger und die Tauben... ........ 247
Achte Erzählung: Der alte Ehemann und die junge Frau.... 252 Neunte Erzählung: Wenn fich die Böfen zanfen, kommt's den
Be + > 4. IR. . 254 Zehnte Erzählung: Die beiden Schlangen, die eine der andern Bebeimniß verraihenn 256
Eifte Erzählung: Der Zimmermann und fein treulofes Weib... 258 Zwölfte Erzählung: Die verwandelte Maus foll fich einen Bräu—
श 1.1.444. 9. DAT Lee: 262 Dreizehnte Erzählung: Der Gold entleerende Vogel und die Shoren , Die ihn: befaßen ५५. 4४44४... .. 267 BDierzehnte Erzählung: Der vorfichtige Schafal............. 268 Bunfzehnte Erzählung: Die Schlange, die fich von den Fröfchen vertan 01. 33751 RER 4... 273 Sechszehnte Erzählung: Der Brahmane und fein ehebreche: EN DD ^ 1. क १ 276 Raditrag zum dritten Buch. Eingang der Darftellung der zwölften Erzählung in den hamburger Handſchriften . . . . . . . . . . . . .. 281 Erſte Erzählung: Die Kleider der Heiligen ................ 283 Diertes Buch. Verluſt von fchon Befeffenem........... 285
Erite Erzählung: Der Froſchkönig ruft eine Schlange zu Hülfe 289 Zweite Grzählung: Der Efel, der weder Herz noch Ohren hat 295-
Dritte Erzählung: Der Töpfer als Kriegsmann ............ 299
Vierte Erzählung: Der junge Schafal in der Löwenfamilie 301 Fünfte Erzählung: Wie eine Fran Liebe belohnt............ 303 Sehöte Erzählung: श्प्वपाधा . , 4 ,१,,,,,,.. 306
Siebente Erzählung: Der Efel im Tigerfell ............... 308
VIII
Inhaltsüberſicht.
Seite
Achte Erzählung: Die von ihrem Galan betrogene Ehebrecherin 310 Neunte Erzählung: Das Kameel mit der Glode ,.......... 313 Zehnte Erzählung: Wie der Schafal fich gegen Löwe, Tiger,
Leopard und einen andern Schafal im Befik eines todten
@lefanten" व... 57[ 316 Elfte Erzählung: Der Hund in der Fremde 319 Sünftes Buch. Handeln ohne forgfältige Prüfung ........... 321 Erſte Erzählung: Die beiden Moreeee 321 Zweite Erzählung: Die Brahmanin und das Ichneumon..... 326 Dritte Erzählung: Die Schäße fuchenden Brahmanen ....... 327 Vierte Erzählung: Je gelehrter deito verkehrter.......... 332 Fünfte Erzählung: Die Buchgelehrten. ., ,,-,,,,,,,, 334 Sechste Erzählung: Die allzuflugen Fifhe............. 337 Siebente Erzählung: Der Eſel als Sänger........... ,, 339 Achte Erzählung: Der doppelföpfige Weber ............. 341 Neunte Erzählung: Der zerbrochene Topf 345 Zehnte Erzählung: Des Affen Rachee 346 Eifte Erzählung: Der gebiffene ९... ...,, 4... 352 Zwölfte Erzählung: Wunderbare Heilung eines Blinden, Buck'ligen und einer dreibrüftigen Prinzeffin.......... 355 Dreizehnte Erzählung: Der Brahmane, der durch eine Frage fein Leben rettet... =, named ann a 356 Dierzehnte Erzählung: Der Bogel mit zwei unverträglichen Kopfen rk ee 360 Bunfzehnte Erzählung: Der rettende Krebs... ....200... 362 Anmerkungen zum Pantſchatantra............ 364 Rachträge: zum erſten Cheil s:.:::. 20 20:00 Rn 527
Rachträge zum zweiten पधा, ०४... 4 १4 9 1 552
Einleitung.
Verehrung dem hohen Ganeja! ')
=. Brahman, Rudra, Kumdra, Hari, Baruna, Jama, Bahni, Indra, Mond und Sonne, Sarasyatı, der Deean, die Wolken und Berge, Wind, Erve, Schlangen, Genien, die Flüffe, die beiden Afvins, Sri, Diti, die Söhne der Abiti, die Tſchan— difä und die übrigen Mütter, ४८ Verden, die heiligen Stätten, die Opfer, die Diener des Siva, die Waſu's und die göttlichen Weiſen, jo wie die Himmelsförper mögen ewig Schuß gewähren. ?)
2. Dem Manu und dem Watfchaspati, dem Sufra, PBarä- fara jammt feinem Sohn und aud dem weifen Tſchänakja Preis, die der Lebensmweisheit Regeln gelehrt. 3)
3. Nachdem er dies ald Effenz von allen Schriften über das, was in der Welt nügt, erkannt, hat Wifhnufarman in fünf Büchern dieß jehr ergögliche Werk verfaßt. Ä
&s wird nämlich erzählt: In einer Provinz des Südens liegt eine Stadt Mahiläropja*) mit Namen. Da war ein König Amarajaftıi*) genannt, ein Paradiesbaum aller Wiflenfchaften?), deſſen Füße von der Strahlenfülle der Kronjumwelen der vorzüglichiten Fürften bedeckt waren 6) und welcher Meifter war in allen Künften. Und diefer König hatte drei Söhne von der allergrößten Dummheit: Bahufafti**), Ugrafafti***) und Anantafaftir) mit Namen. Da nun der König ſah, daß dieſe feinen Sinn für Wiffenfchaft hatten, rief er feine Räthe zufammen und
*) „uniterblide Kraft“ oder „Kraft der Unfterblichen“ habend. **) „viele Kraft habend ^. ***) „fucchtbare Kraft habend“.
7) „unendliche Kraft habend *. Benfey, Pantihatautra. IL. 1
2 &inleitung.
ſprach: „Es ift euch befannt, daß diefe meine Söhne feinen Sinn für Wiffenfchaft haben, und ohne Urtheilsfraft find. Drum macht mir mein Königreich, obgleich frei von Dornen?) — fo ich jene anfehe — feine Freude. Sagt man ja doch mit Recht:
4. Beffer ein Sohn wird gar nicht geboren, oder ftirbt, als daß er thöricht fei; kurz ift der Kummer um jenes beides: der Thor betrübt, jolang er. lebt. 3)
5. Wozu kann eine Kuh nügen, die weder Milch noch Käl— ber gibt? Wozu Fann uns ein Sohn helfen, der weder Flug noch tugendhaft?
6. Lieber auf Erden den Tod eines Sohnes, als die Dumm— heit eines in der Familie geborenen, wegen deren ſich ein Menſch in der Mitte der Weiſen wie ein Baſtard ſchämt
7. Gilt diejenige für Mutter, welde einen Sohn geboren hat, dem beim Beginn der Zählung der Schar der Tugendhaften nicht vor Gntzüden der Stift aus den Händen finft, ſprich, meld Weib ift dann noch unfrudhtbar??)
8. Beſſer eine Fehlgeburt, beffer Enthaltung von Liebes— genuß, befier eine unfrudhtbare Gattin, bejjer ſogar daß eine Tochter geboren wird, befler daß er Faum geboren ftirbt, beffer Verblei— bung im Mutterfhos — nur feinen unverftändigen Sohn und wäre Schönheit und Neihthum auch fein Theil! 19)
9. Ein einz’ger Sohn von bravem Sinn, guten Thaten und reinem Stamm ift ein Schmud ०९६ ganzen Hauſes, wie eine Perle des Diadems
Deswegen muß jedes irgend mögliche Mittel angewendet werben, ihren Verſtand zu erwecken,“
Darauf fagten einige 11): „Majeftät! Schon die Grammatif allein erfordert ein Studium von zwölf Jahren. 12) Wenn diefe einigermaßen erfannt ift, werden die Schriften über Necht, Erwerb, Genuß und Bes freiung ſtudirt 13), und dann findet Erweckung des Geiftes ftatt.“ 1%)
Da Sprach unter ihnen ein Minifter Namens Sumati*): „Majeität! des Lebens Dauer ift nicht ewig. Die Erlernung der grammatifchen Nez geln nimmt eine lange Zeit weg. Drum ift für die Erwedung ihres - Geiſtes ein abgefürztes Verfahren zu erfinnen. Man fagt auch:
*) १ großen Verſtand habend J
Ginleitung. 3
10. Unendlih traun ift der Grammatif Umfang, das Leben furz, Störungen aber zahlreih, Drum weg was unnöthig und nimm den Saft nur, gleihwie der Schwan Milh aus des Waſſers Mitte. 15)
Nun gibt es, o König! einen Brahmanen Namens Wiſchnuſar— man, der berühmt ift als einer der in vielen Wiflenfchaften Bollfommen= heit erreicht hat. Diefem übergieb fie! Er wird fie ficherlich in kurzer Zeit aufgeweckt machen. “
Der König aber, nachdem er dies gehört, lieg Wifchnufarman rufen und ſprach: „O Hochweifer! erweife mir die Gewogenheit und bewirfe, daß diefe meine Söhne in der Wiffenfchaft des Nüslichen in Furzer Zeit alle andern übertreffen. Sch werde dich dafür mit hundert Präbenden belohnen. “
Darauf fagte Wifchnufarman zu dem König „Majeftät! höre mein wahrhaftiges Wort! Jch verfaufe Wiffenfchaft nicht: felöft nicht für hun— dert Präbenden. Wenn ich aber nicht bewirfe, daß diefe binnen feche Monaten?) die Wifjenfchaft der Lebensweisheit erfannt haben, dann will ic; meinen Namen nicht mehr führen. Wozu vieler Worte?! Höre hier meinen Schlachtruf! Ich fage es nicht aus Begierde nah Schaͤtzen — mir, der ich achtzig Jahr alt bin und allen finnlichen Dingen entjagt habe, find NReichthümer von gar feinem Nugen — nur, um deinen Wunfch zu erfüllen, werde ich der Sarasvati Spiel fpielen. 16) Drum laß den heutigen Tag niederfchreiben: wenn ich nicht binnen jechs Monaten 12) bewirfe, daß deine Söhne in der Lebensweisheit alle anderen übertreffen, dann möge Gott mir die Götterftraße nicht zeigen!“ 17)
Der König aber, nachdem er dies gehört, war höchit erfreut, über: gab fie ihm mit Ehrfurcht und fühlte fich ganz beruhigt. Wifchnufarman übernahm fie, ging mit ihnen nach Haufe, fchrieb ihrethalben die nach- folgenden fünf Bücher — nämlich 1) DVerfeindung von Freunden; 2) Er: werbung von Freunden; 3) Krähen- und Eulenfrieg; 4) Verluſt von ſchon Beiefienem; 5) Handeln ohne forgfältige Prüfung — und ließ des Königs Söhne fie lefen. Diefe aber, nachdem fie fie durchitudirt hatten, wurden in ſechs Monaten zur Befriedigung des Königs fo, wie ihm vor- hergefagt war. Seit diefer Zeit dient diefes „Die fünf Bücher“ genannte Lehrbuch der Lebensweisheit auf Erden zum Unterricht der Kinder. Mit einem Wort:
11. Wer unaufhörlih dies Werk der Lebensweisheit lieſt oder hört, der erleidet nie und nimmer ſelbſt durch Safra 15) ein Misgeſchick.
1 *
4 Erſtes Bud.
Erftes Bud),
Verfeindung एणा Freunden.
Hier beginnt das erfte Buch „DVerfeindung von Freunden “ genannt, Deſſen erfte Strophe ift folgende:
1. Im Wald wird dur den heimtück'ſchen Habgierigen Scha— fal zerftört des Löwen und des Stier Liebe, die große immer wachfende. 19)
Es wird nämlich erzählt: In einer Provinz des Südens liegt eine Stadt Mahiläropja 20) mit Namen. In diefer lebte ein Kaufmannsjohn Namens Bardhamänafa*), der ſich auf rechtlichem Wege feinen Lebens: unterhalt erwarb. - Als diefer einit nachts auf feinem Lager lag, entitand in ihm der Gedanfe, daß man felbit bei großem Vermögen Mittel des Erwerbs erfinnen und ausführen müſſe. Denn man fagt ja:
2. Giebt's doch in aller Welt gar nichts, was nicht mit Geld fih mahen laßt. Drum णि ver Kluge auch einzig mit Eifer ftreben nah Beſitz. |
3. Wer Geld befigt, befigt Freunde; wer Geld beiigt, Ver— wandte au; wer Geld bejist, der ift ein Mann; wer Geld beſitzt, ein Weiſer jelbit. 21)
4. Kein Wifjen gibt es, fein Handwerk, feine Gabe und feine Kunft, feinen Muth der von Dürft'gen den Reichen nicht nachgerühmet wird. 22)
5. In dieſer Welt wird ſelbſt Blutsfreund ein Feind, wenn er nur Geld bejigt; ein Blutsfreund aber, der arm wird, iſt auch fogleih ein ſchlechter Menſch.
6. Denn aus den vollen thurmhohen Reichthümern und Gebirgen auch entquellen — jedes Werk jenen und aus dieſen jedweder Fluß.
*) „der Gedeihende“ Gefegnete.
Berfei ndun g von Freunden. 5
7. Geehrt wird, wer der Ehr' unmerth, geſucht, wer nicht ०९8 Suchens merth, gerühmet, wer nicht werth Rühmens: fo gewaltig iſt Geldes Mad.
8. Wie duch Nahrung des ९९66 Sinne, jo alle Thaten auch durch Geld! darum nennet man Reihthum das allesbemwir- fende Mittel aud)
9. Wer Geld bedarf, fuhrt Kirchhöfe bei lebendigem Leibe auf?23); verläßt den Vater, wenn er arm ift, und wandert in die weite Welt.
10. Und von allen Grwerbsmitteln wird das Geſchäft des Handelsmanns zum Gelverwerb anempfohlen; jedes andere ift zweifelhaft.
11. Grauföpfe, felbft wenn nur reich fie, gelten trogdem für Jünglinge; wer ohne Geld, wenn auch Jüngling, wird wie ein Graufopf angejehn.
Vermögen aber wird den Menfchen durch ſechs Mittel zu Theil; nämlich 2?) durch Betteln, Königsdienft, Aderbau, Erwerb vermittelit etwas Erlernten, Wucher und Handel; aber Feines von diefen allen kann fich mit dem Gelderwerb durch Handel meſſen. Denn man fagt au:
12. Gemeine laffen ſich ein auf Betteln; ein König — ad! — Ihenft nicht nah Verdienſt; mühfelig ift Aderbau; das Lernen jehr erfchwert durch die Demuth, die man dem Lehrer erweiſen muß; Ende des Wuchers ift Armuth, weil man fein Vermögen andern anvertraut: ich Fenne fein Grwerbsmittel, das beffer als der Handelsſtand. 2°)
Und diefer Handel dient auf fiebenfache Art zum Erwerb von Reich: thum, nämlich durch betrügerifches Maß und Gewicht, durch Angabe falfcher Preife, durch Annahme von Pfändern, durch Anfunft eines reichen Käufers, durch Mäflergefchäft, dur Handel mit Aromen, und durch Waarentransport in fremdes Land. Denn man fagt auch:
13. Bald voll bald aber falfch meffen, die reichen Leuterhinter- gehn, ſtets falſche Preife angeben, ſei ver Kiraten 26) Eigenheit. 14. Der Kaufmann, dem ein Mafelgefhäft vertraut ift,
denft voller Freud in feiner Bruft: die jhaggefüllte Erde mard mir zu Theil; was will ich mehr? 27)
6 # ® ५१९८5 Bud.
15. Sieht der Kaufmann einen reihen Käufer voller Gifer nahn, dann freut er ſich im eignen Herzen, gierig nad deſſen Geld, wie über einen neugebornen Sohn.
Und jo:
16. Kommt ein Unterpfand ind Haus, fo fleht der Kauf- berr zu feinem Sausgott: „Laß raſch den Eigenthümer fterben! ih bring ein Opfer dir dafür. 28)
17. Vor allem Handel der mit Aromen! wozu andre mit Gold und font? Denn was immer für eind gekauft ift, das wird für Hundert abgefegt.
Doc; diefes paßt ſich nur 29) für Arme, nicht für Reiche Denn man jagt auch:
18. Die die großen Reihthum haben, holen mit großen Schägen ſelbſt Schag’ aus der Ferne, wie man große Elefanten mit Glefanten fängt. |
19. Zwiefach, dreifach mehren ven Reichthum die ded Groß: Handels Kundigen durd ihre Müh, indem fie ziehen in entferntes fremdes Land. |
Und ferner:
20. Die vor der Fremde ſich ſehr fürchten, jehr träge oder laffig find, die fterben in dem eignen Lande: gemeine Menſchen, Hirſche, Krah'n. 30)
Und ein Spruch der Lebensweisheit lautet:
21. Wer nicht aus der Heimat wandert und 10 Die ganze Melt bejieht, die voll von taufendfahen Wundern, der gleichet einem Brunnenfrofch. 31) |
22. Was ift zu Schwer für hinlänglich Starfe? was fern Beharrlihen? mo eine Fremde für den Weijen? wer Feind dem {1९0५० Redenden १ 32)
Nachdem er fo in feinem Herzen überlegt hatte, nahm er Waaren- ballen, welche nah Mathurä 33) beftimmt waren, verabfjchiedete ſich von
feinen Neltern und Freunden, beftieg einen Wagen und machte fi an einem glücklichen Tag auf den Weg. Er hatte zwei gute Stiere, die in
Derfeindung von Freunden. 7
feinem Haufe geboren waren, Nandafa*) und Sandſchiwaka**) mit Na- men, welche वि als Zugthiere an einer trefflichen Deichjel befanden. Bon diefen glitt der eine, nämlich Sandichiwafa, am Ufer der Jamunä ३५) in einem Sumpfe aus und brach das Bein, ſodaß er niederfanf. Als ihn nun Bardhamänafa in diefem Zuftande fah, verfanf er in die tiefite Berrübnig und unterbrach aus Mitleid drei Nächte lang feine Reife. Als fie ihn nun befümmert fahen, fagten die Gefährten der Karavane zu ihm: „Ah, Kaufherr! Warum bringft du fo um eines Stieres willen die ganze Karavane in diefem von Löwen und Tigern angefüllten und "gefahren: reichen Walde in Unficherheit? Man fagt auch:
23. Um einer Kleinigkeit willen bringt fi der Klug’ um Großes nicht, jondern Flug ift, wer 9 Großes durch Verluft von Kleinem wahrt.“ 39)
Indem er dies nun beherzigte, befahl er einigen Leuten auf Sande ſchiwaka zu achten und z0g weiter, um die übrige Karavane zu fichern. Die Wächter aber, welche wußten, wie gefährlich der Wald war, liegen Sandihiwafa im Stich, gingen der Karavane nad) und jagten am fol- genden Tag fälfchlicherweife zu dem Kaufmann: „DO Herr! Sandſchiwaka ift geftorben und wir haben ihn in Feuer beftattet.“ Der Kaufherr nachdem er dies gehört, verrichtete aus Danfbarfeit voll Mitleid alle Todtengebräuche von der Freilaffung des Stieres 36) an bis zu Ende. — Dem Sandjchiwafa aber, da er am Leben geblieben war, wurde fein Körper von dem Wafler der Jamund, dem Walde und den fühlten Win den geftärft; er erhob fich allmählich und ging zum Ufer der Jamund. Hier genoß er die trefflichiten fmaragdgleichen Gräfer, erhielt dadurch in wenigen Tagen einen ftarfen Budel, wurde fo Fräftig wie Hara’s?7)
) „&rfreuer “
**), „Der Zufammenlebende”, vielleicht der „geſellig Lebende”, aber dann wol nicht in Bezug auf das gefellige Leben der Rinder überhaupt fondern auf die Freundfchaft die er mit dem Löwen fchlieft. Aus dem— jelben Grunde möchte in der Bearbeitung, welche Dubois’ Ueberfegung des Pantichatantra zu Grunde liegt, der Affe im IV. Buch Sandſchiwaka heißen. — Im der berliner Handfchrift heißt der Stier ſtets Samdfchi- “wanafa; da nım samdshivani vidy& ‚‚die Wiſſenſchaft des Wiederbelebens‘ heißt, fo fünnte der Stier diefen Namen davon haben, daß er wider Er- warten wieder auflebt. So ließe ſich aucd die Form Sandſchiwaka deuten. ९५८६१९६९ Forın hat auch Somadeva, bei welchem fie, durch das Metrum geichügt ift und fie liegt auch der Geftalt im Kalilah und Dimnah zu Grunde
8 Erſtes Bud.
Stier und brachte nun Tag für Tag damit zu, daß er brüllend mit feinen Hörnern die Gipfel der Erdhügel durchwühlte. Richtig fagt man auch:
24. Wer unbeihügt, findet 10 vom Geſchick beſchützt; mas wohl beihüst, fümmt vom Geſchick geihlagen um; am Leben bleibt, der in dem Walde Hülflos lag; trog aller Mühe ftirbt der im Haus १३९९0९1९. 38)
Da hörte einft ein Löwe, Namens Pingalafa*), welcher, von Durft gequält, umgeben von fämmtlichem Wild, zum Ufer der Jamund herab- flieg, um Waffer zu trinfen, ſchon aus weiter Ferne das fehr tiefe Ge- brüll des Sandſchiwaka. Diefer Ton feste fein Herz in große Angit; doch verbarg er feine Furcht und blieb unter einem Feigenbaume ftehen, wo er fein Gefolge in vier Kreifen aufftellte; zugleich fagte er! „die Auf: ftellung in vier Kreifen पी die des Löwen! des Löwen Gefolge ift furcht- fam und feig!” und auch
25. „Weder gefalbt noch auch geweiht wird der Löwe vom Wild des MWalds; durch Tapferkeit erwirbt er Macht und wird von felbft des Wildes Herr.‘ ३9)
Diefem folgten nun immer zwei Schafale nah: Karatafa**) und Damanafa ***) mit Namen, Söhne von Miniftern, welche aber ihr Amt verloren hatten #0). Diefe beriethen fich miteinander. +) Da fagte Da- manafa: „Lieber Karatafa! Unfer Gebieter Pingalafa hier hat ſich ja auf den Meg zum Ufer der JSamund gemacht, um Waſſer zu trinfen; weswegen ift er nun, obgleich von Durft gequält, umgefehrt, hat eine Schlachtordnung eingenommen und ift, von Muthlofigfeit überfallen, bier unter dem Feigenbaum jtehen geblieben?“ Karatafa antwortete: „Wozu fich um Dinge befümmern, die uns nichts angehen? Denn man fagt auch:
26. Der Mann, der क in Ding’ einlaßt, welche nicht ſei— nes Amtes find, der geht zu Grund, gleichwie der Affe, der ven Keil aus dem Balken zog.“ *2)
Damanafa ſprach: „Wie war das?“ उः erzählte:
*) „Der Dunfelgelbe“.
**) „KRrähe“; doch hat das Wort karata, von welchem karataka abgeleitet ift, noch manche andere Bedeutungen, von denen jedoch feine zur Erklärung des Eigennameng befjer zu paſſen fcheint. Wilfins (Heeto- pades ©. 309) gibt ihm die Bedeutung „der ein vorwurfslofes Leben führende *, allein aus den bisher befannten Bedeutungen des Wortes karata ({. Böhtlingk-Roth Wörterbuch) läßt fich diefe nicht entnehmen.
***) „‚Bändiger ”.
Berfeindung von Freunden. Erfte Erzählung. 9
Erfte Erzählung. Der übergefchäftige Affe.
An einem Drte in der Nähe einer Stadt hutte ein Kauf: mannsfohn in der Mitte einer Baumgruppe den Bau eines Göttertempel8 begonnen. Da gingen nun die Werfleute, der Baumeifter ſowol als die übrigen, wenn e8 Mittag wurde, in die Stadt um zu eflen. Einſtmals aber fam eine Affen- 0९९०९, welche in der Nähe haufte, und fich bier und da her- umtrieb. Es befand ſich da ein von einem Handwerfömann halb gefpaltener Balfen von Andihanaholz mit einem Keil von Khadiraholz mitten darin. Da fingen nun die Affen an nad) Herzensluft auf den Wipfeln der Bäume, den Spiten des Tempels und den Flächen der Balken herum zu fpielen, und einer von ihnen, welchem ein naher Tod befchieden war, jegte 14, feiner beweglichen Natur folgend, auf diefen halb- geipaltenen Balfen, warf den Balfenbindeftrid*?) weg und ſprach: „Ah! da hat einer einen Keil an einer unrechten Stelle eingetrieben!” Dann ergriff er diefen mit beiven Hän— den und fing an, ihn herauszuziehen. Es waren aber feine Hoden in die Oeffnung des Balfens gerathen und, fobald er den Keil aus feiner Stelle herausgebracht hatte, geſchah ihm, was ich dir fchon vorher gejugt habe. Darum fage id):
Der Mann, der fih in Ding’ einläßt... und jo weiter.
Außerdem haben wir auf vierundzwanzig Stunden zu eſſen übrig. **) Was geht uns alfo jene Gefchichte an?“
Damanafa fagte: „Steht dein Sinn denn auf weiter nichts als Een? das paßt fich nicht. Denn es heißt auch:
27. Seinen Freunden Nugen zu jchaffen, feinen Feinden Schaden zu thun, begehrt der Weife des Königs Nähe; den Bauch allein füllt jedermann. #5)
Ferner:
28. Durch wefjen Leben viele leben, der lebt wahrhaftig in der Melt! Füllen nicht mit ihrem Schnabel ihre Bäuche die Vögel auch? *6)
10 Grites Bud.
Und jo:
29. Das rühmen die, die deſſen kundig, als des Lebens wahrhaft'ge Frucht, wenn — तिह aud einen Augenblid nur — man lebet von den Menjchen belobt, mit der Erfenntniß herrlichen Gaben, der Tapferkeit und hohen Madt. Lange lebet auch Die Krähe und frift, was ihr vorgeworfen wird. #7) |
30. Wer nicht 70 feldft nicht feinen Aeltern, Verwandten, dem Armen nicht, noch feinen Dienern ſpendet, von welder Frücht ift deffen Xeben auf Erden? Lange lebet auch die Krähe und frißt, was ihr vorgeworfen wird. *8)
31. Leicht zu füllen find kleine Flüßchen und leicht ०९5 Mäus— hens Pfötchen auch; leicht zufrieden gemeine Menſchen; mit klei— nen Bißchen freun fie ſich. 49)
Und ferner:
32. Was nüßt ९8, wenn ein folder geboren und der Mut— ter die Jugend raubt, der nicht, wie eine Standarte, an jeines Geſchlechtes Spite fteht? 0)
33. Welcher Menſch wird in der Weſen Kreislaufe nicht zur Melt (९614412 Doc wahrhaft geboren ift einzig, wer hervorftrahlt an Segen rei. 1)
34. Selbft des Graſes am Ufer des Baches Geburt ift glück— lich zu preifen, wenn e8 dem Mann, deß Sinne jhwinden, im Untergehn zur Stüße dient.
Und fo:
35. Brave Männer, die ftandhaft und edel lindern der Men: chen Noth, find fo felten als wie Wolfen, die hoch und feucht und ſchattig find.
Dann auch ?2):
36. Der Mutter allerhöchfte Ehre ift nad der Weifen Urtheil die: menn fie irgendeine Frucht trug, die ſelbſt von Großen wird geehrt
Und ein anderes:
37. Der Starfe, ver feine Kraft nicht zeigt, der wird ver- achtet in der Welt; das Feuer, fo lang's im Holze wohnt, wird überfehn, nicht wenn es brennt.‘ 99)
Berfeindung von Freunden. Erfte Erzählung. 11
` Karatafa fagte: „Wir find jegt beide ohne Amt. Was geht uns alfo die Sache an? Man fagt audh:
38. Wer amtlos redet vor dem’ König unaufgefordert, der ift ein Thor: nicht nur gewinnt er feine Ehre, fondern zieht ſich Verachtung zu. °*)
Und fo
39. Da ift das Wort an feiner Stelle, wo das Geſagte Nutzen bringt, und für alle Zeiten haftet, gleihwie Farbe auf weißem Zeug.‘
Damanafa fagte: „Bruder! ſprich nicht fo! Man jagt auch:
40. Wer ohn' Anſehn, gewinnt Anſehn, wenn er eifrig dem König dient; wer angeſehn, verliert Anſehn, wenn er läſſig im Dienſte iſt
Und ſo
41. Wer in der Näh', an den hängt ſich der König, wenn er auch unwiſſend, niedern Stamms und unbekannt. Denn Kö— nige, Frau'n und Schlinggewächſe umſchlingen was ihnen zur Seite jteht. 52)
Und fo:
42. Die Diener, welde Mittel fuchen, zu beſchwichtigen den Zorn, bejteigen mit ver Zeit den König und ſchlüg' er auch hin— ten und vorne aus.
43. Wiffenbegabten, Hochherz'gen, geſchmückt mit Kunft und Tapferkeit und des Fürftendienftes Kundigen ift bei Fürſten die einzige Statt.
44. Wer fih an Fürften nicht anfchließt, die mächtig durch Geburt und fonft, dem ift zur Neue zugemeffen Dürftigfeit bis zu feinem ३०५४. 56)
45. Die Thoren, welche angeben, daß Fürften nicht zu len— fen find, verfünden ihre eigne Schwäche und Dummheit und Scwerfälligfeit. 97)
46. Gibt's ०५0 Mittel, wie Glefanten, Schlangen, Tiger und Leu'n man zähmt! Und ein König?! — o Kleinigkeit für einen Weiſen, verſäumt er nichts,
12 ® १९5 Bud.
47. Der Weife, der ſich auf einen König flüßt, fleigt zum höchften Ort; außer auf १८६ Malaja 58) Gipfel wählt nirgendwo der Sandelbaum
48. Weiße Sonnenschirme gibt es, Roſſe, welche das Herz erfreun, mutberfüllte Elefanten, fobalod der König gnädig ift.” 9)
Karatafa fagte: „Was beabfichtigft du denn.nun zu thun?“ Jener antwortete: „Unfer Gebieter hier, Pingalafa mit Namen, ift fammt ſei— nem Gefolge 6%) in Angft; ich werde alfo, fobald ich zu ihm gegangen bin, den Grund der Angft erforfchen und ihn durch Frieden oder Krieg oder Abzug oder Abwarten oder Schutzbündniß oder Zweizüngigfeit61) weg- räumen.” Karataka fagte: „Woher weißt du, daß diefer Herr von Angft erfüllt iſt?“ Jener antwortete: „Was ift da zu fragen? Sagt man doch:
49. Was ausgejprochen, das begreift ein Vieh ſogar; wenn angefpornet ziehen कणी und Glefant; Unausgeſprochenes ſelbſt verfteht der weile Mann; des anderen Mienen zu erfennen ift Der Meisheit Frucht. 62)
Und ſo
50. Durd Mienen und durch Anvdeutung, dur die Stimme, Bewegung, Gang, durch २९६ Augs, ०९६ Geſichts Wechjel wird, was im Herzen liegt, erkannt. ०३)
Sp will ich ihm denn, nachdem ich ihn von Furcht erfüllt gefehen, feine Furcht benehmen, ihn dann durch die Macht meines Verftandes uns terwerfen und fo zu der mir gebührenden Minifteritelle gelangen.“ _
Karatafa fagte: „Du fennft ja die Natur des Fürftendienftes nicht. Wie willſt du ihn alfo dir unterwerfen können?“ Jener antwortete: „Wie follte ich des Fürftendienftes unfundig fein? Habe ich doch 6#), in meines Großvaters Schos fpielend, deſſen treffliche Gäfte das Werf über Lebens: weisheit declamiren gehört und mir die Duinteffenz des Fürftendienftes daraus ins Herz gefchrieben. Höre nur das Folgende:
51. Drei Männer find ९6, die gewinnen der Erde goldenen Blütenfranz: der Kriegesheld, ver weile Mann und wer den Fürftendienft verfteht. |
52. Dienft heißt, daß man des Fürften Wohl will, bejon- ders wohl zu reden weiß; durch diefe Mittel gewinnt der Weife den König, nit auf andre Art. 69)
53. Wer Gaben nicht zu würdigen weiß, den bedienet der
Berfeindung von Freunden. Erſte Erzählung. 13
Weiſe nit; denn feine Frucht entiprießt dieſem, wie ſchlechtem Land, ſelbſt gut bebaut.
54. Sat einer ehrenwerthe Gaben, dien’ ihm, fehlt ihm auch Gut und Macht; denn mit der Zeit wird Unterhalt, als Frucht von jenem dir zu Theil. 66)
55. Der Weife figt wie ein Baumjtumpf, eh’r verborrend und nothgequält, als daß er Unterhalt juchte, der ihm nicht an— gemeſſen ift. 67)
56. Der Diener tadelt feinen Herrn, wenn er क geizig, grob beträgt; warum nicht ſich, da er nicht weiß, wes Dienft man ſucht und weflen nicht? |
57. Ein Fürft, der gegen Noth jeinem Gefolge feinen Schuß gewährt, den joll man meiden wie Arfa‘8), obgleih er Blüt und Früchte trägt.
58. Des Königs Mutter und Gattin, den Kronprinzen, den erften Rath, ven Hauskaplan und Thürhüter behandle, wie den König ſelbſt. 6°)
59. Wer bei Befehlen „leb hoch!“ ruft und, wiſſend was zu thun was nicht, unbedenklich jie ausführet, der wird ०८६ Kö— nigs Liebling fein.
60. Wer von des Königs Gunft entftammte Schäge wendet auf Würdige, Kleider und Schmudf dem Leib anlegt, der wird des Königs Liebling fein. |
61. Wer फ nicht mit ०८६ Harems Dienern, noch mit ०८8 eignen Könige Gemahlinnen in Rath einläßt, der wird des Kö— nigs Liebling fein.
62. Wem Spiel gleihiwie des Tod's Bote und Wein wie- ftärfftes Gift erfcheint, des Königs Frau'n wie Irugformen, ver wird des Königs Liebling fein.
63. Wer in ven Schlachten ſtets vor ihm fchreitet, zu Kaufe hinter ihm, im Harem an ०९6 Herrn Thür fteht, der wird des Königs Liebling fein.
64. Wer auf des Königs Wort feine widerfprecdhende Ant— wort gibt, in feiner Näh nicht laut lachet, der wird des Königs Liebling fein.
14 ` ® ४१९८६ Bud.
65. Wer nicht vom rechten Pfad weichet, in Noth felbft, denfend „ich bin flet3 vom Könige geehrt worden’, der wird des Königs Liebling fein
66. Wer was den König anmwidert, immer im höchſten Grade 0091, und begünftigt, was ihm lieb ift, der wird des Königs Liebling fein
67. Wer, frei von Furcht, das Schlachtfeld wie feine Woh- nung, die Fremde wie die eigne Vaterftadt anfieht, der wird ०९6 Königs Liebling fein
68. Wer mit ०९5 Königs Frau’nzimmern nicht verfehret und 10 jowol vor Tadel als Gezänf hütet, der wird des Königs Lieb: ling fein.‘
Karatafa fprach: „Aber, wenn du hinfommft, was wirft du denn zuerft fagen? Laß doch einmal hören!“ Jener antwortete: „Man fagt auch:
69. Aus der Rede erwächſt Rede, wenn einer mit dem ans dern ſpricht, gleichiwie aus trefflich durchnäßtem Samen ſich neuer Samen hebt.
Und ferner:
70. Die Weifen zeigen, wie mit der Lebensweisheit Kehren verfnüpft, aus ihr vorftrahlend gleihfam, Misgeſchick durch Wahl des Schädlichen 10 erzeuget, dagegen Glück durch Wahl des Nüslichen. 70)
71. Bei einigen (zeigt 19 die Weisheit) im Wort wie bei Bapagaien, bei andern (ruht fie) im Herzen Fifchen glei, bei andern (erfcheint fie) im Worte und Herzen; die Weifen bewegen fih anmuthsvoll.“714)
Karatafa fagte:
72. Könige find und auch Berge ſchwer zu erreichen zu aller Zeit: in diefen Schlangen, bei jenen Schurken, uneben dieſe jen’ ungerecht; beide hart und von Schlechten beſucht.72)
73. Könige find und auch Schlangen bepanzert und voll Gier nad Luſt, krumm und graufam, Freundesmörder, durch Sprücde zu bemeifteren.
Und fo
74. Zweizüngig, Graujamfeit liebend, ſpäh'nd verderbenden
Berfeindung von Freunden. Erſte Erzählung. 15
Blöfen nad, aus weit'ſter Ferne ſchon jehend, ind Könige den Schlangen 01410.
75. Diejenigen von des Herrn Freunden, die nur ein wenig 70 vergehn, gleichwie thörichte Kichtmotten, verbrennen ſich im Feuer jelbft. 73)
76. Schwer zu erflimmen ift der Könige von aller Welt verehrte Statt; gleich dem. Brahmanenthum wird fie ſelbſt durch die Eleinfte Schuld befledt. ”*)
77. Des Königs ſchwer gewinnbare erreichbar und halt- bare Gunjt bleibt lang bei dem ver vollfommen, wie Wafjer in einem feiten Born.‘ 75)
Damanafa fagte: „das ift wahr! aber auch:
78. Man foll ſich 066 danach richten, wie die Natur von Jemand ift; denn, wenn der Weife nadhgiebig, gewinnt er raſch die Oberhanv. 76)
79. Des Herrn“ Gedanken willfahren, das ift der Unter gebnen Thun; jelbft der Geifter wird man Meifter, mwillfahrt man ihren Wünfchen ftets. 77)
80. Beſchwichtigung, wenn der Herr im Zorn ift! Dem Liebe, der bei ihm beliebt! Haß, wer ihm feind! Preis feinen Gaben! jo folgt er ohne Zauberjprud.‘‘ 79)
Karataka fagte: „Wenn fo dein Beftreben, fo mögen deine Wege glücklich fein! Möge gefchehen, wie du begehrſt!“
Jener verneigte fi alsdanı vor ihm und machte ſich auf den Weg zu Pingalafa. Als Pingalafa den Damanafa fommen fah, jagte er zum Thürhüter: „ntferne den Bambusitab! Unferm alten Minifterfohn Da: manafa hier foll der Eintritt nicht verwehrt fein! er möge eingeführt wer: den und fich dem zweiten Kreife anſchließen!“ Diefer antwortete: „Wie der Herr befiehlt!“
Darauf fchritt Damanafa herein, verbeugte ſich vor Pingalafa und feste fich auf den ihm angewiefenen Plab. Pingalafa aber reichte ihm feine, mit Nägeln, wie mit Donnerfeilen geſchmückte rechte Hand, begrüßte ihn ehrenvoll und ſprach: „Du befindeft dich doch wohl? Warum haft du dich jo lange nicht fehen laſſen?“
Damanafa antwortete: „Fönigliche Majeftät bedarf meiner ganz und "gar nicht; aber du haft nur zu befehlen, fobald dir die Zeit angemeflen
16 ® ४१९८8 Bud.
feheint; denn Könige wiſſen höchite, mittlere und niedere ſelbſt ftets zu verwenden. Denn man jagt aud)
81. Kann doch ein Fürft Hölzchen zum Zähnereinigen und immer aud brauchen zum Ohrenkitzeln, gefchweige denn Menſchen mit Leib und Seele, mit Hand und Fuß, Nede und NRathes fundig. 7?)
Auch find wir Eurer Majeftät angeerbte Diener; felbft im अतह _ gefchiet werden wir Euch nachfolgen, fogar wenn wir unjer Amt nicht befigen. Dennoch ift dies für Eure Majeftät nicht angemefjen. Man fagt auch:
82. Diener ſowol als Zierathen णि man ftellen an ihren Play; Fein Kronjuwel wird, weil’3 herrlich erftrahlet, an den Fuß geftedt. १०)
83. Wer Tugend nicht zu ſchätzen weiß, dem König folgt fein Diener nah, wenn er an Schägen auch reich ift, von hohem Haus und angeftammt
Und fo —
84. Aus drei Gründen verläßt der Dienſtmann ſeinen Dienſt herrn, wenn er mit Schlechten Umgang pflegt, von Guten nicht geachtet wird, und feine Stellung nicht füllen kann.
Und wenn der König aus Mangel an Unterfcheidungsvermögen Die: | ner, welche zu der höchften Stellung paflen, an die allerniedrigfte Stelle feßt und dieſe da bleiben, fo ift das fein Schimpf für diefe, ſondern für den König, Man ſagt auch: =
85. Wird ein Jumel, das in Goldſchmuck zu ftrahlen ver- dient, in Zinn gefaßt, dann jammert ९ह nicht und verliert nicht an Glanz; doch der ९ह gefaßt, ift tadelnswerth. ५१)
Und wenn der Herr fagt: „du haft dich lange nicht ſehen laſſen“ fo höre auch dieß. Denn man fagt auch
86. Wo man feinen Unterſchied Fennt zwifchen rechter und linfevr Hand, welcher würdige Verſtändige weilt da nur einen Augenblict? 82) +++ >
87. Bei Leuten, welche nicht wiffen zu jcheiden Glas und Diamant, in deren Nähe bleibt niemand Diener aud nur dem Namen nad.
Verfeindung von Freunden. Erſte Erzählung. 17
88. Wo feine Kenner 70 im Lande finden, da gelten nichts die meergezeugten Perlen: verkaufen doch im Lande der Abhiras den Monpftein jelbft die Hirten für drei Mufcheln. 8?)
89. Wo rothes Glad und NRubinen zu unterfcheiden man nicht weiß, wie wär an ſolchem Ort möglid; ein Handel mit Ju: welen je? 8*)
90. Wenn ohne Unterfchied alle Diener der Herr auf gleiche Art behandelt, dann erichlafft fiher die Luft ver Ihatbefähigten. 8°)
91. Kein König ohne Dienftleute! ohne König fein Die— nender! dies gegenfeitige Bedürfniß ift das Band, welches jie verfnüpft.
92. So wenig ald die lichtreihe Sonne erglängzet ftrahlen- los, jo wenig Fürften ohne Gefind, das feine Gunft der Welt vertheilt
93. Wie die Speihen die Nabe tragen und die Nabe die Speichen hält, fo bewegt fih, einem Rad gleich, des Dieners und des Herren Thun
94. Auf dem Haupte ftetS getragen, mit Del gepflegt, ent: färbt jih’8 Haar: wie würden nicht Diener der Farbe untren, serfagt man ihnen der Liebe Del?
95. Der Fürft, zufrieden mit den Dienern, gibt ihnen Chr’ allein zum Lohn; fie aber bringen für bloße Ehre ihr Leben ſelbſt zum Danfe dar. ४९)
96. Dies beherzigend muß ein König. Kluge wählen zu धि nem Dienjt, aus guter Familie, Heldenmüth’ge, Starke, Treue, die ihm vererbt.
97. Wer etwas fchwer zu thuendes, dem König liebftes, gut vollzieht und aus Demuth döch Fein Wort fagt, den hat der König gern zum Freund.
98. Wer ungerufen herbeieilet, ſtets an der Thür fteht und, befragt, mit wenig Worten die Wahrheit fagt, der ift Kön'gen zu dienen werth. #7)
99. Wer felbft ohne Königs Geheiß, wenn er eine Gefahr erblickt, ſich müht für ihre Abwendung, der it Kön’gen zu Dies nen werth
Benfey, Pantichatantra. II. 2
18 ® ४९5 Bud.
100. Wer gefchlagen, hart angefahren, ſelbſt beftraft von feinem Herrn, dennoch nicht auf Verrath finnet, der ift Kön’gen zu dienen werth. ०९)
101. Wer durch Ehre nicht aufgebläht wird, durch Vernad)- läſſ'gung nicht gefränft, ſondern immer fi treu. bleibet 8%), der ift Kön’gen zu dienen werth
102. Wer nie gequält wird durch Hunger, nimmermehr dur Sthlaflofigfeit, nicht durd Kälte, His’ und fonft was, der ift Kön’gen zu dienen werth.
103. Wem, fo wie er nur ein Wort hört von einem Krieg gegen feinen Seren, gleich das Antlig 9 aufheitert, der ift Kön’- gen zu dienen werth
104. Der, unter deſſen Amtsführung des Landes Umfang, wie der Mond in feiner Elaren Hälfte, zunimmt, der ift Kön’gen zu dienen werth.
105. Doch unter weſſen Amtsführung, wie ein in Feu’r gehaltnes Fell, der Umfang einfchrumpft, den Diener entlafje, wer. 740 Herrſchaft ftrebt. |
106. Aber nad) weflen Amtsantritt furchtlofen Sinnd man ruhen kann, ſolch ein Diener ſei dir gleih als wäre er deine zweite Frau!
Und wenn der Herr mich verachtet, indem er denft „er ift ein Schas fal”, fo ift auch das nicht angemefien. Denn man fagt auch
107. Aus dem Wurme entfteht Seide, Gold aus Stein, Durva aus des Stiered Haar, Lotus aus Schlamm, der Mond aus dem Meer, aus Kuhmift das Nelumbium, Feuer aus Holz, aus der Schlange Helm der Edelſtein, Rotfhana aus der Galle des Stierd: durch ihrer Tugend Aufgang leuchten die Braven, was geht ihre Geburt und an? 99)
108. Wie Arka-, Nala= und Grandafplitter, wenn auch in großer Zahl, nicht Holz vertreten, fo grade nützen niemals Unmwiffende. 9)
109. Die Maus — obgleich im Haus geboren — wird getödtet als ſchädlich Thier; doch die, Kate: mird als nützlich ſelbſt yon andersher angekauft
= ~ क 5
Verfeindung von Freunden. Erſte Erzählung. 19
110. Was nützt ein Treuer, der nicht ſtark iſt, was ein Starker, der bösgefinnt? Mich, der ich treu und auch ſtark bin,
wolle, ० König! nicht verſchmähn!“ 92)
Pingalafa fagte: „Laß gut fein! Starf oder Schwach, Gift du doch unſer alter Minifterfohn; drum fprich unverzagt, was du irgend zu fagen wünſchſt!“ Damanafa fagte: „Majeftät! ich habe etwas vorzutragen.“ Pingalafa ſprach: „Thue fund, was du im Herzen haft!“ Jener प्रा wortete: `
111. Kleinigkeiten jogar ſoll man, beziehn fie auf den Kö— nig fi, nit vor dem ganzen Sof melden, das ift ein Sat Brihaspati’s. 9३)
Deshalb möge Majeftät meinen Vortrag unter vier Augen hören. Denn
112. Was {९5 Ohren gehört verräth क, doch was nur vier, das bleibt geheim: drum halt ein Weiler jehs Ohren mit aller Sorgfalt fern vom Rath!’ १५)
| Darauf zogen fi ſämmtliche Thiere, den Tiger, Leoparden und Wolf an der Spise, nachdem fie in der Berfammlung diefe Worte gehört und Pingalafa’s Abficht erfannt hatten, jogleich zurüd. Alsdann fprach Damanafa: „Warum hat der Herr, nachdem er ſich aufgemacht hatte um Waſſer zu trinfen, fich umgewandt und ift hier flehen geblieben?“ Pin— galafa antwortete mit einem verfchämten Lächeln: „Es ift gar nichts!” Jener fagte: „Majeftät, wenn du es nicht fagen willft, fo mög es ruhen! Man jagt auch
113. Der Frau ift manches, manches ift auch den Freunden, den eignen Söhnen manches zu verbergen, und überlegend, ob ९8 paflend oder nicht 1, jagt ९6 der Weiſe nur, wo er großes Bertraun hegt.“ 9°)
Als er diefes hörte, dachte Pingalafa „er fcheint Vertrauen zu vers dienen, drum will ich ihm fagen, was ich vorhabe. Man ſagt auch:
114. Wer einem ungweideutigen Freund, einem tugendhaften Knecht, einer treuergebnen Gattin, einem wohlgefinnten Herrn feinen Kummer flagt, wird froh. १९)
Ab, Damanafa! hörft du das ftarfe Gebrüll aus der Ferne?” Diefer antwortite: „Ja, Herr! Was weiter?“ Pingalafa fagte: „Lieber! ich will weg atıs diefem Wald.” Damanafa fragte: „Aus welchem Grund?“ Pingalafa antwortete: „Weil jest irgendein ungeheures Thier in unſern Wald gefommen iſt. Da feine Stimme jo. gewaltig it, fo muß es noth
2 ”
20 Erſtes Bud).
wendig eine Kraft haben, die diefer Stimme entſpricht.“ Damanafa fagte: „Es paßt fich nicht, एषी der Herr vor einem bloßen Ton in Furcht geräth. Denn es heißt auch |
115. Die Brüde wird vom Waffer gebrochen, ein Zauber, bleibt er nicht geheim, Liebe aber durch Heimtücke und durd Töne der Aengſtliche. 97)
Drum ſchickt es fich nicht für den Herrn, den von feinen Vorgängern eroberten Wald aufzugeben. Dieweil es mancherlei Töne gibt: die der Paufe, des Rohrs, der Laute, der Trommel, der Cymbel, der Kefiel- paufe, der Mufchel, der dicken Trommel und andrer, fo darf man fich nicht vor einem bloßen Tone fürchten. Man fagt auch
116. Wer nicht den Muth verliert, wenn 19 als Feind ein Außerft mächtiger, furchtbarer König jelbft nahet, der gehet nimmermehr zu Grund. १३)
117. Selbft wenn der Schöpfer Schredniffe zeigt, entjinkt Helden nicht der Muth; wenn vor Hitze die Teiche trodnen, brauft der Ocean ſtolzer auf.
Und ſo:
118. Der im Unglück nicht betrübt wird, nicht ſtolz im Glück, muthlos im Kampf, ſolch einen Sohn, der Welt Zierde, bringt felten eine Frau zur Welt
119. Menfhen, die ohne Chrgefühl, und Halme haben glei= 0८6 208: fie beugen jih aus Mangel an Kraft, aus Mangel an Saft find fie zu leicht
Und aud):
120. Was eines andern Glutftrahle ausgefeget ſich nicht al feft erweift, was nüßet des Schönheit, einem ladirten Armband gleich? 29)
Diefes möge der Herr beherzigen und feinen Muth zufammenneh- men. Man darf कि nicht vor einem bloßen Ton fürchten. Denn es heißt aud)
121. Früher hab’ ich gedacht: Diefes wäre von Fleiſch ganz angefüllt, ००0 eingedrungen nun ſeh ih, daß es nichts ift als Tell und Holz. |
Pingalafa ſprach: „Wie war das?” Jener erzählte:
ककत ^
Berfeindung von Freunden. Zweite Erzählung. 21
Zweite Erzählung. Der Schafal und die वा. ^)
In einem gewiffen Lande irrte ein Schafal, Namens Gomaju*), mit vor Hunger abgezehrter Kehle hier und dort im Wald umher und jah das Schlachtfeld zweier Heere; da hörte er den Ton einer Paufe, weldye darauf lag und von den Spigen einiger vom Winde bewegter Baumzweige geſchla— gen ward. Da dachte er mit Schreden im Herzen „O weh! ich bin verloren! Jch will anderswohin gehn, ehe ich noch in den Gefichtsfreis dieſes Gebrülls gerathe. Doch nein! es paßt fich nicht den von den Vätern ererbten Wald urplöglic) aufzugeben. Man jagt aud):
122. Wer bei Schreefen und bei Freude zuerft forgfältig unterfucht und nimmer übereilt handelt, ver hat fpäter nichts zu bereu’n. |
Darum will ich erſt धधा, von wem diefer Ton aus— geht!” So faßte er Muth und unterfuchte. Wie er ſich nun Schritt vor Schritt nähert, fiehbt er die Pauke. Wenn fie vermittelft des Windes von den Spigen der Zweige bewegt ward, tönte fie, jonft war fie ftil. Nachdem er fie genau betrachtet hatte, ging er nah und fchlug ſelbſt vergnügt dar— auf. Weiter alsdann dachte er voller Freude „Es ift lange her, daß mir fein jo großes Freſſen zugefallen ift! das wird, ficherlih voll von Fleiſch, Mark und Blut fein!” Nachdem er darauf die aus hartem Fell beftehende Dede mit Mühe zerrifien und an einer Stelle ein Loc gemacht hatte, drang er hinein. Aber indem er das Fell zerriß, brach er einen Zahn ab. Da er nun ſah, daß ed nur aus Holz und Fell beftand, verlor er alle Hoffnung und fagte jene Strophe her:
123. Früher hab’ ich gedacht, diefes wäre von Fleifh ganz angefüllt, doch eingedrungen nun ſeh' ih, daß es nichts ift als Fell und Holz.
*) „Schafal *.
22 Erftes Bud.
Daher darf man fich nicht vor einem bloßen Ton fürchten.“
Pingalafa fagte: „AH! ſieh doch! Mein ganzes Gefolge ift ganz außer fich vor Furcht und will auf und davon laufen. Wie ण ich da feften Muth faſſen?“ Jener antwortete: „Herr! das ift nicht ihre Schuld Diener werden ihrem Herrn ähnlich. Man fagt auch
124. Roß und Waffen, Lehr und Rede Gither, Männer und Weiber auch werden, je nad ihrem Meifter, brauchbar oder unbraudbar aud. 101)
Faffe alfo Muth und bleib hier fo lange, bis ich das Weſen die— fes Tones erfannt habe und wieder zurüd bin. Nachher alsdann möge den Umftänden gemäß gehandelt werden.” Pingalafa fagte: „Haft du Muth genug, dahin zu gehn?” Iener antwortete: „Was gibt's, was nicht ein ‚braver Dienftmann auf feines Herrn Befehl thun oder laſſen müßte? Man jagt aud:
.125. Ein guter Diener fennt feine Furcht, jobald ihm fein Herr befiehlt; ev ftürzt jogar fi ins Feuer und in das grenzen- [५८ Meer. 102)
Und fo:
126. Ein Diener, der, wenn fein König befiehlt, erſt über- legt, ob leicht ob ſchwer es 1, den verſchmähe ein Herrſcher, der nad) Größe jtrebt.‘
Pingalafa fagte: „Lieber! Wenn dem fo ift, fo gehe. Deine Wege mögen glücklich fein!“
Damanafa dagegen, nachdem er fich vor ihm verbeugt, machte ſich auf den Weg, indem er dem Gebrüll des Sandichiwafa nachging
Nachdem ſich Damanafa aber entfernt hatte, dachte Pingalafa von Furcht bewegt: „Ah! ich Habe nicht gut daran gethan, daß ich zu ihm Zutrauen faßte und ihm meine Gedanfen fund gab. Diefer Damanafa nimmt vielleicht von beiden Parteien Sold und führt gegen mich Schlechtes im Sinn, weil er fein Amt verloren hat. Man jagt auch
127. Diejenigen, die der Herr ſchmähet, nachdem er fie zu— erſt geehrt, die trachten ftets ihn zu ſtürzen, felbft wenn von edelm Haus ſie ſind. 103)
Drum will ich, bis ich feine Abfichten fenne, mich nach einem anz
dern Ort verfügen und ihn da erwarten. Bielleicht fehrt Damanafa mit jenem zurüd um mich umzubringen. Denn man fagt auch:
128. Selbſt Schwache, wenn jie nicht trauen, werden von
नाता. 4 ।
~ = ग
Berfeindung von Freunden. Zweite Erzählung. 23
Starken nicht bejiegt, aber Starke, wenn fie trauen, werden von Schwachen ſelbſt beiiegt. 19%)
129 Nicht auf Vrihaspati's 105) Treue fegt ein weifer Mann Vertrau'n, weldyer Gedeihen für ſich wünſchet und langes Leben und Genuß.
130. Auf einen Feind ift fein Verlaß, gelobt er Frieden eivlih auch; als Vritra nad dem Reich ftrebte, ſchlug ihn Indra Sermittelft Schwurs. 106) |
131. Ohne Vertraun erliegt wahrlich jogar der Feind der Götter nicht; weil er vertraute ward Diti's 107) Sohn zerfchmet= ` tert vom Götterherrn.‘ |
Nachdem er fo überlegt, ging er nach einem andern Ort und blieb da allein, indem er Damanafa’s Weg beobachtete.
Damanafa dagegen ging in die Nähe des Sandſchiwaka und als er ſah, daß es ein Stier war, dachte er mit erfreutem Herzen „Aha, das hat fich gut getroffen! denn dadurch, daß ich jenen mit diefem befreunde und verfeinde, wird Pingalafa unter meine Herrfchaft gerathen, Denn man jagt auch:
132. Trotz ihrer Freundfchaft und Tugend folgt ein König der Räthe Wort nicht eher, als er in Leiden verfinfet und in Misgeſchick. 108)
133. Ein König der in Unglüf fiel, ift ein Freſſen für feinen Rath; darum wünſchen auch Staatsräthe, daß den König ein Unfall‘ trifft
134. Wie ein Gefunder niemals, auch jelbft nach dem beiten Arzt begehrt, jo verlanget auch nie Räthe ein König, welcher frei von Noth.“
Unter diefen Gedanfen machte er ति auf den Weg zu Pingalafa. Pingalafa aber, da er ihn heranfommen fah, verzog feine Miene und veränderte feine Stellung nicht. Damanafa, nachdem er fich ihm genä- hert hatte, verbeugte ſich vor ihm und feßte fich nieder. Pingalaka ſprach: „Lieber, haft du das Geſchöpf geſehn?“ Damanafa antwortete: „Mit des Herrn gnädiger Grlaubniß: ja.“ Pingalafa fagte: „Iſt das auch wahr?” Damanafa antwortete: „It es möglih, vor Eurer Majeftät eine Unwahrheit zu fagen? Man fagt aud:
135. Wer auch nur eine ganz Eleine Unwahrheit vor den
24 Erſtes Buch.
Königen und Göttern ſpricht, dem droht rafches Verderben, wär' er 1100 jo groß.
Und jo
136. Sämmtliher Götter Abbild ift ver Gebieter, wie Manu 199) lehrt; drum ſoll man vor ihm wie vor Gott ftehn ohne Betrug zu jeder Zeit ५
137. Der Fürft, der Götter Abbild zwar, ift darin unter- ſchieden doh: von ihm kommt gleih Glück und Unglüd, von Göttern erft in jener Welt.‘
Pingalafa fagte: „Sp wirft du es denn alfo wirklich gefehn haben! ९8 dachte wohl «ein Großer zürnt einem Kleinen nicht» und hat dich des— halb verfchont. Man fagt ja
138. Den ſchwachen Salm, welcher fih aller Orten beugt entwurzelt nie Sturmesgewalt; 1८ fchmettert nur den hohen Baum nieder; denn der Gewaltige begehret Kampf einzig mit dem Ge— waltigen. 110)
Und fo: , . ७
139. Der gewaltige Elefant jelbft gerath nicht in Zorn, wenn die Biene, trunfen umirrend begierig nad dem Saft, der aus feinen Schläfen trieft, ihm mit ihren Füßchen ftiht: aber gegen gleiche Stärfe erzürnt der Starfe gewaltig ſich.“ d
Damanafa fagte: „Sp iftes; jenes ift mächtig, ich ſchwach. Troßdem bin ich bereit, wenn der Herr beftehlt, es zu deinem Diener 114) zu machen.“ Pingalafa fprach ſeufzend 112): „Vermagſt du dag zu thun?“ Da: manafa antwortete: „Was ift für den Berftand unmöglih? Mau fagt ja:
140. Nicht durch Waffen, durch Elefanten, nicht durch Roſſe und 6९९४९ nicht wird etwas jo zu Stand gebradit, wie e8 Vers ftand zu Stande bringt.‘ 113)
Pingalafa jagte: „Wenn dem fo tft, fo erhebe ich dich zum Amt des Minifters. Don jest an ift befchloffen, daß ich weder Gunft noch Strafe noch Achnliches ohne dich verhänge. Deswegen geh’ raſch und bewirfe, daß er fich mir unterwirft!“
Damanafa antwortete: „So धिं es, gut!” verbeugte fich, ging wieder zu Sandſchiwaka und fagte verächtlich: + Komm, fomm! du fchlech ter Stier, Pingalafa fordert dich vor fih! Warum brülfft ०५1५) in einem fort für nichts und wider nichts, da dir doch Feine Gefahr droht ?*
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Berfeindung von Freunden. Zweite Erzählung. 25
Sandſchiwaka, nachdem er dies gehört, ſprach: „Lieber! wer ift
diefer Pingalafa?“ 1 Damanafa antwortete voll Erftaunen: „Wie? fennft du gar den König Pingalaka nit? Warte nur, du wirft ihn augenblicklich 115) durch die Folgen fennen lernen! Steht er nicht da, der gewaltige Löwe, Pin— galafa mit Namen, von allem Wild umgeben, im Kreife, in der Nähe १८६ Feigenbaumg !16), das Herz von Stolz gehoben, der Gebieter, reich an den höchiten Tugenden?!“
Nachdem er dies gehört, hielt Sandfchiwafa fein Leben für verloren und ſank in tiefe Betrübnif. Dann fprad er: „Lieber! du fcheinft ein gutes Herz zu Haben und der Rede fundig zu fein. Wenn du mich nothe wendig hinführen mußt, fo erwirfe mir von feiten des Königs die Gnade, daß er mir mein Leben verbürgt.”
Damanafa fprah: „Was du ſagſt, ift wahr. Es ift eine Regel der Lebensweisheit. Es heißt ja:
141. Der Erde End’ ift erreichbar, ०८6 Meeres und der Berge auch, ०० die Gedanken eines Königs nimmer nirgend von feinem je.
Drum bleibe du hier, bis ich ihn durch einen Eid verpflichtet habe; nachher werde ich dich dorthin führen.“
Nachdem dies gefchehn, ging Damanafa zu Pingalafa und fagte: „D Herr, dies ift fein gewöhnlicyes Thier! Es ift der Stier, Welcher den erhabnen Siva 117) trägt; und, als ich ihn fragte, ſagte er Folgendes: «der hohe Herr hat mih, um mir feine vollftändige Zufriedenheit zu bezeigen, angewiejen, die trefflichen Kräuter am Ufer der Kälindi 118) zu
freſſen. Dit einem Wort: diefer Wald ift mir vom Erhabnen zum Spies
len gefchenft.» *
Pingalafa fagte: „Jetzt erfenne ich den wahren Sachverhalt: nicht ohne Gottes Gnade irren Grasfreffer in einem jolchen von Nuubthieren ans gefüllten Walde furchtlos brüllend umher! Was haft du alsdann erwidert?“
Damanafa jagte: „Herr! ich habe Folgendes erwidert: Diefer Wald ift das Eigenthum meines Gebieters, des Löwen Pingalafa mit Namen, welcher der Träger der Tjchandifä 119) if. Du, der du hierher gefommen, bift ihm ein lieber Gaft. Darum geh’ zu ihm hin! Ihr follt in brüder— licher Liebe zufammen effen, trinfen und euch an demfelben Ort vergnü— gend euch die Zeit vertreiben. Darauf war er dies alles zufrieden und fagte: «bewirfe, daß der König mir durch einen Handfchlag Sicherheit verbürgt.» 23९61 hat num der Herr zu befehlen.“
Nachdem er dies gehört, ſprach Pingalafa voll Freude: „Schön, du Berfiändiger! ſchön, du Mufter von einem Minifter! trefflich, du haft
26 ® ५१८5 Bud.
mir ganz aus dem Herzen gefprochen. Hier haft du meine Hand als Bürge für feine Sicherheit! Aber verlange diefelbe Verficherung auch für mich von ihm und führe ihn dann fo ſchnell als möglich hierher. Mit Recht fagt man aber auch
142. Räthe von vortrefflihbem Mark, gerade, fefte, die wol— geprüft, Die find des Königthums Stügen, wie ſolche Pfeiler des Palaſts. 120)
143. Wo Zwieträchtiges zu verfühnen da zeigt ſich des Po- litiferö, des Arztes Kunft bei Lebensgefahr; fteht alles gut ift jeder Flug.‘ 121)
Damanaka verbeugte ſich nun, machte कि auf den Weg zu Sans dſchiwaka 122) und dachte voller Freude: „Aha, der Herr zeigt ung ein gnädiges Geficht und handelt ganz nach unferm Willen. So ift denn kei— ner glüclicher als ih. Man jagt auch: |
144. In der Kälte ift Glut Nektar, Nektar ift des Gelieb- ten Blick, Nektar die Gunft des Erdherrſchers, Nektar Freund {haft des Redlichen.“ 123)
Nachdem er darauf zu Sandſchiwaka gefommen war, fagte er freumd- lich: „Lieber Freund! Sch habe den Herren zu deinen Gunften gnädig geftimgpt und bewirft, daß er dir Sicherheit verfpricht; drum gehe ohne Bagen! Nachdem du aber des Königs Gunft erlangt haft, mußt du in Vebereinftimmung mit mir handeln: du darfft nicht ſtolz werden und nicht eigenmächtig verfahren. Auch ich werde, fobald ich mein Minifteramt angetreten habe, in Mebereinftimmung mit dir die ganze Laft der Negier rung tragen. Wenn wir fo verfahren, werden wir alle beide das Glück der Serrfchaft genießen. Denn:
145. Der Erde Fülle fällt Männern in die Hände nad Jägerrecht: der eine heut die Menfchenkinder, der andre ſchlägt fie todt wie Wild.
Und fo:
146. Wer aus Uebermuth nicht ehret ०0८, niedre und mittlere — und genöß’ er auch fürftlihe Ehren — der fällt wie Dantila.'‘*) 123)
Sandſchiwaka fagte: „Wie war das?“ Jener erzählte:
*) „einen verwachfenen Zahn habend“, Benfey, vollftändige Gram— matif der Sansfritfprache, § 5683.
Berfeindung von Freund.n. Dritte Erzählung. 27
Dritte Erzählung. Dantila und der Schloßfeger.
Hier auf dem Erdboden ift eine große Stadt, mit Namen Bardhamana. 1?) Da wohnte ein reicher Kaufherr, Vorſteher der ganzen Stadt, Namens Dantila. Während dieſer die Geſchäfte der Stadt und des Königs beforgte, waren ſämmt— liche Einwohner dieſer Stadt und der König überaus zufrieden. Wozu vieler Worte? Ein Menſch, fo geſchickt wie dieſer, war nie weder gejehn noch gehört. Sagt man doch mit Recht:
147. Wer des Königs Vortheil dient, zieht des Volkes Haß 0 zu; wer des Landes Vortheil dient, der verliert ०९६ Königs Gunft. Da ein folder unvereinbar großer Widerſpruch bier Herrfcht, ift ein Mann, der Fürft und Land gleihmäßige dient, ein jeltner Schatz 425}
Indem er fich num in diefer Lage befand, fand einft in feinem Haufe eine Hochzeit ftatt. Da wurden von ihm alle Bewohner der Stadt und die Leute aus des Königs Umgebung ehrenvoll 42°) eingeladen, geſpeiſt und mit Kleidern und Aehn— lichem beehrt. Darauf nach der Hochzeit wurde der König fammt feiner nädyften Umgebung in das Haus geführt und bochgeehrt. Diefer König hatte aber einen “PBalaftreiniger, Namens Gorambha.*) Der war mit ihm ins Haus gefom- men und hatte ſich über des Königs Hauspriefter auf einen für ihn unangemefjenen Plag niedergelaffen. Da wurde er verächtlih an den Hals gepadt 12?) -und herausgeworfen. Ueber diefen Scyimpf feit diefer Zeit feufzend, fand -er jelbit in der Nacht feinen Schlaf mehr. „Wie kann id) diefen Kauf: mann um des Königs Gunst bringen‘, dachte er, „und wenn nicht —? warum laffe icy meinen Körper umfonft jo abmagern, wenn ich ९6 ihn gar nicht entgelten laflen fann? Sagt man ja dody mit Recht:
*) „wie ein Stier brüllend *.
28 Erites Bud.
148. Wozu ereifert ſich unverfchämt der Mann, ver ſich doch nicht rächen kann? die Erbſe, fpringt fie auch noch fo १०, bricht doch die Pfanne nicht entzwei.”
Als nun der König um Tagesanbrud) in tiefe Meditation (Andacht) verfunfen war und jener neben dem Bette reinigte, fprach er: „ha, diefe entiegliche Frechheit des Dantila, daß er des Königs Gemahlin umarmt!“ Der König hörte ९6, jprang eilig auf und fagte: „be, 0९, Gorambha! ift das wahr, was du gejagt haft? hat Dantila die Königin umarmt?“ Gorambha antwortete: „Ich habe die ganze Nacht beim Spiel durchwacht, und fo hat mich, obgleicy mit Reinigen beſchäf— tigt, wider Willen der Schlaf beichlichen. Daher weiß id) nicht, was ich gefagt habe.” Der König ſprach voll Eifer- fucht für ſich: „Dieſer hat ja ungehinderten Zutritt in mein Haus und fo auch Dantila. Daher kann er vielleicht einmal gefehn haben, wie er die Königin umarmte und hat deswegen dies gefprochen. Denn man fügt aud:
149. Was die Menjhen bei Tag wünfhen, mas fie ſehn oder was fie thun, fo ſprechen fie und fo handeln, daran gewöhnt, ſie auch im Schlaf.
Und fo:
150. Was Gutes oder was Böſes In den Herzen der Men- Shen ruht, und wär’ es aud noch fo heimlih, im Rauſch und Traum wird's ausgeſchwatzt.
Was aber die Frauen anbetrifft, wie kann da auch nur ein Zweifel entſtehen? Man ſagt ja:
151. Mit einem unterhalten fie ſich, dem andern werfen fie Blicke zu, den dritten tragen fie im Herzen: wer in aller Welt ift von Frauen wirklich geliebt? 128)
Und auch:
152. Mit einem ſprechen fie reih an Worten, die Pätala- lippen von Lächeln erfüllt, den andern blicken fie an mit Augen, wie ein aufbrehend Lotusfeld ftrahlend und weit, den dritten
PVerfeindung von Freunden. Dritte Erzählung. 29
denken fie im Herzen, vielfach bewegt, von Sitte fern: wodurch ſteckt fo die Shönbrauige voll Lieb im höchſten und weiteften Sinn? 129) 153. Feuer wird nicht fatt der Späne, der Flüffe nicht der Deean, der Todesgott nicht aller Weſen, die Schönäug'ge ver Männer nicht. 130) 154. Wenn Heimlichfeit, Gelegenheit und ein Mann fehlt, der jie begehrt, dann, ० Närada! wird Keufchheit aud wohnen in der Meiber Bruft. 131)
Und ५:
155. Welcher Thor ſich bethört einſpricht: «meine Geliebte liebet mich» der muß, ſtets wie ein Spielvogel im Käfig, nad) ihrem Willen thun.
156. Wer ihre Worte und Werfe — wenn noch jo wenig oder viel — ausführt, der zieht durch fein Treiben ſich im ver Welt Verachtung zu. ४
157. Wer Verlangen dem Weib fund gibt, fih ihm nähert und ihm aud nur die Eleinfte Hörlichkeit zeiget, nach dem begehret 9110 das Weib. 132)
153. Nur die Furcht vor der Umgebung und Mangel an Begeh- renden ift der Weiber, der zuchtlojen, einzige Zucht zu aller Zeit. 133)
159. Keinen gibt's, den fie verihmähen, ſelbſt das Alter hält jie nicht ab; einerlei, ob ſchön ob häßlich, es ift ein Mann! fie lieben ihn. 13%)
160. Den Liebhaber verbrauden die Weiber gleichwie einen Unterrof, um die Hüfte gefhlungen zerreiben ſich beide, ver han gend an Schönheit, der andre am Band.
161. Gin Verliebter fowie rothe Cochenille, die werden gleich weggemworfen, ſowie fräftig das zarte Weib fie ausgepreßt.“ 135)
Nachdem der König in diefer Weife vielfache Klagen aus- geitoßen hatte, entzog er von diefer Zeit an dem Dantila feine Gunſt. Um ९ह kurz zu machen: es wurde ihm fogar der Ein- tritt in des Königs Thor verfagt. Dantila aber, da er fah, daß er ohne alle Beranlaffung die Gunft des Königs der - Erde eingebüßt hatte, dachte: „Ach! mit Recht beißt es auch:
30 Erftes Bud.
162. Welcher Reiche bläht क nicht auf? Wes Sinnlichen Leiden enden je? Wem ift auf Erden von Weibern nicht das Herz gebrohen? Wen liebt ein Fürft? Wer fällt nicht in des Todes Gewalt? Welcher Dürftige Fam zu Anfehn? Und wer, in vie Netze des Böſen gefallen, Fam je mit heiler Haut davon 2136) |
Und fo: |
163. GChrlichfeit bei Krähen, bei Spielern Wahrheit, in Schlangen Sanftmuth, bei Weibern Liebesfättigung, Muth beim Eunuchen, Ueberlegung beim Trunfenbold, einen Fürft der Freund zugleich: wer hat das je gefehn noch gehört?
Vebrigens habe ich weder diefem Fürften noch fonft irgend» jemand auch nur im Schlaf etwas zu Leid gethban. Was bedeutet das nun, daß der König fi von mir abgewendet 0412“ Als nun der Schloßfeger einft fah, wie Dantila auf diefe Weiſe von des Königs Thor abgewiefen ward, jagte er ſpot— . tend zu den föniglichen Thürhütern: „He, 0९, ihr Thürhüter! diefer Dantila fteht hoch in des Königs Gunft und verhängt aus eigner Machtvollfommenheit Strafe und Belohnung. Wie ich, fo werdet auch ihr von ihm, weil ihr ihn abweift 137), an den Hals gepadt werden.” Da Dantila dieſes hörte, dachte er: „das ift ficher das Werf von diefem! Sagt man ja doch mit Recht:
164. Ein Gemeiner, ein Thor jelber, fobald er in des Kö— 1105 Dienft, ſteht er auch nicht in Hohen Würden, wird aller Orten doch geehrt. 138)
165. Ein Menfh, der in des Fürften Dienft fteht, wenn er unmwürdig auch und feig, wird trogdem doch von Niemanden behandelt mit Verächtlichkeit.“ 139)
Nachdem er jo geklagt, ging er mit beſchämtem Herzen *9) voller Angft nach Haufe, ließ gegen Nachtwerden Gorambha rufen, beehrte ihn mit einem Paar Gewändern und fagte ihm Folgendes: „Lieber! nicht aus Feindſchaft habe ich Dich damals aus dem Haufe bringen विलि. Weil du dich über den. Brahs ‘
Berfeindung von Freunden, Dritte Erzählung. 31
manen an einem unpaffenden Platz niederließeft,, bift du belei- digt. Verzeih' +) ९ mir!“ Diefer aber, dem das Paar Kleider vorfam, als wär es das Himmelreich, wurde überaus erfreut und fagte: „O Kaufherr! dir ift verziehen. Zum Danf für diefe Ehre +>) follft du die Macht meines Verſtandes und des Königs Gunft fennen lernen.” Nachdem er dies gejagt, ging er voller Freude +>) weg. Mit Recht jagt man:
166. Durch eine Kleinigkeit fteigt es und jinft durch eine Kleinigkeit: Ach! wie jehr it des Gemeinen Denfen dem Wage- balfen gleich. 14%)
Nachdem Gorambha darauf am folgenden Tag zu Hof gegangen war, beforgte er das Reinigen, während der König in tiefe Meditation (Andacht) verfunfen war und ſprach dabei Folgendes: „Ach! welcher Unverſtand von unferm König, daß er, während er feine Nothdurft verrichtet, Gurken ißt!“ Der König hörte dies, ftand voll Erftaunen auf und fagte: „He, he, Gorambha! was für ungebührliche Dinge fprichft du da? Nur weil id) denfe daß du ein Hausdiener 01, laß ich Dich am Leben. Haft du mic) jemals etwas derartiges thun ſehn?“ Jener antwortete: „Ich habe beim Spiel die ganze Nacht durchwacht und jo hat mich, obgleich ich mit Reinigen beſchäf— tigt bin, wider Willen der Schlaf beichlichen. Von dieſem überwältigt weiß ich nicht, was ich gejagt habe. Drum möge der Herr mir Gnade fchenfen, da ich in der Gewalt des Scylafes war.” Nachdem er dies gehört, dachte der König: „Ich habe ००५ bisjegt, fogar in meinem frühern Leben, wenn ich jo etwas hatte, auch nicht das Fleinfte Gürfchen gegefien! So wie nun diefe Handlung, die mir jener Narr nachgeſagt, nicht wahr ift, fo ift ९ ficher auch mit der von Dantila! Darum habe ich nicht vecht gethan, daß ich dem Armen meine Gunft '#) entzog. Solch eine That darf von joldyen Männern nicht geglaubt werden! Wenn er fehlt, gehn alle Angelegenheiten, ſowol des Königs ald der Stadtbewoh- ner, aus den Fugen,” Nachdem er in diefer Weile mehrfach)
32 Erftes Bud
überlegt hatte, ließ er den Dantila rufen, ihm feines eignen Leibes Schmudfachen und Gewänder anlegen und übergab ihm die oberjte Aufficht. Daher fage ich
167. Wer aus Uebermuth nicht ehret hohe, niedre und mittlere — und genöß' er auch fürftlihe Ehren — der fallt wie Dantila,” |
Sandſchiwaka fagte: „Lieber, was du gejagt haft, ift wahr! So möge e8 denn gerade fo gehalten werden!”
Nach diefen Worten ging Damanafa mit ihm zu Pingalafa und fagte: „O Herr! hier ift Sandfchiwafa, von mir hierher geführt. Ma— jeftät haben nun zu befehlen!” Sandfchiwafa feinerfeits verbeugte fich ebrfurchtsvoll und ftellte म voll Befcheidenheit ihm gegenüber. Pinga- lafa aber reichte feine mit Nägeln wie Donnerfeilen gefchmüdte rechte Hand dem mit fettem und großem Buckel verfehenen Stier und ſprach, indem er ihn ehrenvoll begrüßte: „Befindeft du dich wohl? Woher bift du in diefen menfchenleeren Wald gekommen?“ Jener erzählte ihm feine ganze Gefchichte 146), die Art und Weife wie er von VBardhamäna getrennt ward. Nachdem Pingalafa dies gehört fagte er: „Preumd, fürchte dich nicht! Wohne nach Belieben in diefem von meinem Arm gefchüsten Wald! Im übrigen mußt du dich ftets in meiner Nähe vergnügen, denn diefer Wald ift voll von vielen Gefahren, von vielen fehrecflichen Thieren bewohnt und bietet felbft großen Thieren, die ſich von Kräutern nähren, feinen fichern Aufenthalt.”
Nachdem er fo gefprochen, ging der König des Wilds zum Ufer der Jamunä herab, tranf und badete nach Luft, und ging dann wieder in den Wald, nad; Gutdünfen umherwandelnd. Und nachdem er darauf die Lait der Regierung dem Karatafa und Damanafa anvertraut, gab er ſich dem Genuß der fchönen Unterhaltung und Gefellfchaft des. Sandſchiwaka hin. Durch Sandfhiwafa aber, welcher durch mancherlei Wifjenfchaften eine hohe Verftandesbildung कि erworben hatte, wurde in wenigen Tagen ſchon fogar der ftumpffinnige Pingalafa veritändig gemacht. So lieg er .ab vom wilden Leben und gewöhnte ſich an gefittete Lebensweifen. Um es furz zu machen: Tag für Tag pflegten Pingalafa und Sandichiwafa allein im geheimen miteinander Nath 147), und fämmtliches übrige Gefolge ftand in der Ferne; felbft die beiden Schafale fogar fonnten feinen Zus tritt erlangen. Und da nun außerdem der Löwe feine Stärke nicht gebrauchte, fo. wurden das gefammte Volf des Wildes 148) und diefe beiden Schafale von Hunger und Leid geplagt. Sie zogen ſich daher nad) einer und der: felben Gegend zurück und blieben da. Denn man fagt auch
Berfeindung von Freunden. Dritte Erzählung. 33
168. Einen König der nicht Furcht bringt — wenn er auch 0001 Geſchlechts und hehr — verläßt der Diener, gleihwie Vögel dürre Bäume, und geht davon
Und fo: ,
169. Auch Diener, die der Herr ehrte, Die guten Hauſes find und treu, verlaffen: einem Eroherrfcher, wenn: et fie, Mangel leiden laßt. 1*9)
Ferner:
170. Wenn ein König nie in NRüdftand mit feiner Diener Unterhalt, dann verlaflen jie ihn niemals, ſelbſt ‘wenn er fie beleidigt, nicht ५
Und jo verhält es fich nicht blos mit den Dienern 150), vielmehr fteht fogar die ganze Welt um der Nahrung willen durch Freundlichfeit und die übrigen (dreij451) Mittel in gegenfeitiger Verbindung. Denn:
171. Die Fürften gegen Landſchaften, die Aerzte gegen Kränklihe, Verkäufer gegen Cinfäufer, die Klugen gegen Thö— rihte — ५११५१५१
172. Die Diebe gegen Sorgloje, Dürft’ge gegen Beftgende, die Dirnen gegen Liebhaber, Handwerker gegen alle Welt —
173. Spannen bei Tagen und Nächten Schmeichelnege und १८0119९5, gleichwie die Fifhe nad Kräften von Fiſchen ihre Nah rung ziehn | Sagt mau doc mit, Necht auch Folgendes +, 174 Der Schlangen und der Nichtönug’gen und der Räu— ber. von. fremdem Gut Pläne werden. nicht „vollendet; dadurch beſtehet dieſe Welt. 152)
175. Des Ganeſa Maus zu freſſen begehrt. von Hunger geplagt. des Siva Schlange, dieſe aber, des Skanda Pfau und den Glefantenköpfigen *) der Durga Leu. ‚Wenn aber dies fogar der Samilie Treiben in Sambhu's Haus, wie ſollt' es nicht auch ſonſt jo in der Welt fein? von ihm bat dieſe ja ihre Geftalt,.93)
Karatafa und Damanafa, der, Gunſt ihres; Herrm beraubt und Die Kehle von Hunger abgezehrt, berieihen पि darauf miteinander. 15%) Da
*) Anmerfung Benfey, Pantihatantra. II. 3
34 Erſtes Bud.
fagte Damanafa: „Ehrwürdiger Karatafa! So ift es denn mit unferm Minifterium fchon zu Enve! Diejer Pingalafa, ganz verliebt in Sandſchi⸗ wafa’s Worte, hat einen Widerwillen gegen feine eigne Bejchäftigung gefaßt. Al fein Gefolge ift auf und davongegangen. Was ift nun zu thun?“
Karatafa fagte: „Du mußt ihn ermahnen, ſollt' ev auch nicht thun, was 91; fagft, damit auf dich feine Schuld fällt. Denn man fagt auch:
176. Den Fürften foll fein Rath mahnen, felbft wenn’ er nicht der Mahnung. folgt, wie Widura den Dhritarafchtra, damit hn feine Sünde trifft. 199)
77. Wenn ein König und Elefant aus Uebermuth auf fal— ſchem Weg wandeln, dann verdient: Tadel der Führer, der im ihrer Näh'. 196)
Das ift die Folge davon, daß du diefen Grasfreffer zu dem Herrn gebracht haft. Du Haft die Kohlen mit eigner Hand herbeigefchafft.”
Damanafa fagte: „Das ift wahr! es ift meine Schuld, nicht die des Königs. Denn man jagt aud)
178. Der Schakal durch ein Widderfechten und durch Aſchaͤ— dhabhuͤti*k) ich, die Kupplerin durch Stellvertretung: drei Mis— geihie aus eigner Schuld.’
Karatafa ſagte: „Wie war das?‘ Jener erzählte:
Vierte Erzählung. Drei Misgeſchick' aus eigner Schuld. ^)
An einem gewiffen Ort ift, ein Klofter; da wohnte ein PBettelmönd mit Namen Devafarman **); der hatte ſich durch den Verfauf vieler feiner Gewänder, welche ihm die Opfer: heren gefchenft hatten, mit der Zeit eine große Summe Gel- des erworben. Da traute er nun. feinem Menfchen. Tag und Nacht trug er ९ unter dem Arm, ohne e8 abzulegen. Sagt man ja doch auch mit Recht: isch
179. Schwer iſt's Vermögen zu erwerben umd ſchwer iſt deſſen Bewahrung auch: Leid beim Gewinn! Leid beim DVerluft! Wie voll von Bein ift Reichthum doch! 198)
*) „unüberwindlihe Macht habend“. **) „von den Gdttern gefegnet ^.
Berfeindung von Freunden. Vierte Erzählung. 35
Da erblickte ein verfchmigter Räuber fremden Guts, Aſchä— dhabhüti mit Namen, die Geldſumme unter feinem Arm und überlegte: „Wie mach' ich ९6, daß ich ihm dieſe Summe Geld abnehme?. Ein Loc) dur die Mauer zu breihen ift doch nicht möglidy, dazu find die Steine ०८ Gebäudes zu hart; ebenjo wenig kann man durch die Thür einfteigen, weil. fie zu. 0०५ iſt. Deshalb will ich ihm durch gleisnerifche Reden Vertrauen einflößen und mich zu feinem Schüler machen, ſo— daß er Zutrauen zu mir faßt. Denn man fagt ja:
180. Wer ohne Habſucht, ſucht nicht Aemter; wer nicht ver- liebt, der liebt nicht Putz; wer nicht gebildet, kann nicht reden, und wer nicht lügt, betrügt aud nicht.‘ |
Nachdem er diefen Entſchluß gefaßt hatte, ging er zu ihm und fagte: „Om 1१), Verehrung dem Siva!“ dann warf er ſich auf alle achte 16%) vor ihm nieder und ſprach demüthig: „O Erhab’ner, eitel ift die Welt! Die Jugend gleicyt der Schnelle eines Bergftroms! das Leben einem Strobfeuer! Freuden find wie der Schatten einer Wolfe! einem Traum gleicdy die Verbindung mit Weib und Kind mit Freund und Dienern! das habe ich durch und durch fennen gelernt. Was muß ich nun thun, damit ich diefen Weltocean durchſchiffe?“
Nachdem er dies gehört 1°), jagte Devafarman mit Wohl- wollen: „Mein Kind! du bift glüdlich, daß du किना in frü— heiter Jugend das Sinnliche jo verachteft, denn man jagt auch:
181. Wer feiner Leidenihaft Herr ift in früher Jugend, der iſt ihr Herr: Sobald des Körpers Kraft ſchwindet, wem wird Ruhe dann nicht zu Theil?
182. Den Guten wird zuerft Vernunft 162) alt und der Körper erſt hinterher, aber den Böfen zuerft der Körper und die Vernunft zu Feiner Zeit
Und da du nad einem Mittel fragt, den Weltocean zu durchichiffen, fo höre: 183. @in Südra, oder ſelbſt andrer, oder Tſchandaͤla 3 *
36 | Erftes Buch.
zopfgeſchmückt, mit Siva's Sprud geweiht, Aſche auf feinem Leib wird zum: Brahmin. 169)
184. Wer mit dem Sprud von ſechs Silben auch eine einz'ge Blume nur dem Linga auf dad Haupt leget, erleivet feine Wiedergeburt. 164) |
Nachdem er dies gehört, umfapte Afchaphabhuti feine Füße und fagte demüthig: „O Chrwürdiger! dann erweife mir die Gunft, mich in den Gelübden zu unterrichten!“
Devafarman fagte: „Kind! ich werde dir dieſe Gewogen- heit erweifen. Du darfſt jedoch bei Nacht nicht ins Klofter treten. Denn die Büßer — auch du und ich — müffen ohne Umgang leben. Denn man jagt auch 185. Durch ſchlechten Math, verdirbt ein König, ein Büßer
duch, Umgang, ein Sohn, wenn ser verzogen wird, ‚ein. Brah mane, wenn. er ‚nicht jtudirt, eine Familie durch ſchlechte Kinder gute Anlagen dur Ichlehte Geſellſchaft, Freundſchaft durch Lieb Iojigfeit, Reichthum durch Schwelgerei, Liebe durch Entfernung, Scham durch Trunkenheit 16°), Landbau durch Mangel an Auf: ſicht, Geld durch Verſchwendung und Sorgloſigkeit. |
Darum mußt du nad) Uebernahme des Gelübdes vor der Thür des Klofters in einer Laubhütte ſchlafen.“ Jener ant- 1001161९: ,, DO Erhabner! dein Befehl ift meine Richtſchnur! denn ich thue diejes für die andre Welt.“
Nachdem ver die Bedingung in Betreff des Lagers ein- gegangen. war, ‚Ichenfte ihm Devaſarman ſeine Gunſt und unterrichtete ihn nach, der in den heiligen Büchern ausgefpros chenen Vorſchrift. Jener aber bereitete diefem Das. größte Ver— guügen durch Wajchen der Hände und Füße, Herbeibringung von Sandeljchminfe und ähnliche Dienftleiftungen. Aber trotz alledem hielt der Mönch das Geld 0९6 unter feinem Arm fett. Indem num die Zeit jo hinging, dachte Aſchädhabhüti: „O je! der faßt auch nicht das geringfte Zutrauen zu mir! wie wär” e8, wenn ich ihn nun am hellen lichten Tag mit dem Mefler umbrächte? oder ihm Gift gäbe? oder ihn wie
Berfeindung von Freunden. Bierte Erzählung. 37
ein Vieh abſchlachtete?“ Indem. er jo überlegte, fam zu Deva— farman ein Schüler, der ihm wie ein Sohn war, aus einem Dorf, um ihn zu fich einzuladen und fagter „O Ehrwürdiger! Mögeit du zu meinem Haufe fommen, um eine freundliche Bewirthung entgegenzunehmen.‘ Nachdem ev dies gehört, machte ſich Devaſarman vergnügten Herzens mit Aſchädha— bhaͤti auf den Weg. Indem er nun fo ging, fam er an einen Fluß. 16%) Nachdem € diefen erblickt, nahm er das Geld unter dem Arm weg, widelte ८6 ſorglich in. ein Kleid, badete 74, verrichtete feine Andacht und ſprach dann zu Aſchädha— bhäti: „He, Ahadhabhüti! bewahe, während id) meine Nothdurft verrichte, bis ich zurückkehre, jorgfältig diefes Kleid deines Heiligen!“ Nachdem er dies gejagt, ging er weg. Sowie er aber aus dem Gefichtsfreis war, ergriff Aſchädha— bhüti das Geld und machte ſich eilig davon. Während nun Devajarman, defien Herz von den Eigenjchaften feines Schü— {९८6 ganz eingenommen war, niederhodte, fieht er in der Mitte einer Heerde von Goldwolligen (Schafen) einen Widderfampf. Da liefen die beiden Widder voll Wuth weit auseinander, ftürzten dann wieder aufeinander und, indem fie 14) mit den Hörnern ihrer Stirn ftießen, ftrömte viel Blut herab. Dieſes leckte ein Schafal mit gieriger Zunge auf, indem er auf den Fechtboden trat. Devalarman aber, indem er diejes ſah, ०401८ bei ih: „OD, wie dumm ift diefer Schafal! ich bin überzeugt, wenn er auc nur ein klein wenig zwilchen fie geräth, wenn
fie aufeinander ſtürzen, fo ift er ficher des Todes.” Und einen-
Augenblid darauf gerieth der Scyafal aus Begierde das Blut zu leden zwifchen ihre zufammenftoßenden Köpfe und war todt. Devafarman aber bemitleidete ihn und machte fi) auf den Weg nad) feinem Gelde. Wie er nun fo allmählich ankommt, fieht er Aihaphabhäti nicht, und wie er voll Unruhe, nachdem er fich gereinigt, das Kleid unterfucht, fo ift das Geld nicht darin. Darauf fiel er mit dem Ausruf: „Weh, weh, ich bin beſtohlen!“ ohnmächtig auf den Erdboden. Alsbald aber fam er wieder zur Belinnung, ſprang wieder vom Boden auf und
38 ® ४८१८५ Bud).
fing an zu wüthen: „O, ०, Aſchädhabhüti! wohin bift du. gegangen, nachdem du mich betrogen? Gib mir doc, Antwort!” Nachdem er in diefer Art vielfach geklagt hatte, machte er ſich langfam auf den Weg, indem er deſſen Fußſpuren auffuchte. So gehend fam er gegen Abend zu einem Dorfe. Aus: diefem Dorf aber hatte fi ein Weber jammt feinem Weibe nad) einer benachbarten Stadt auf den Weg gemacht, um berau- jchende Getränfe zu genießen. Devafarman, fo wie er fie erblickte, fagte: „O, Lieber! ich komme als: abendlicher Gaft zu dir, ich Fenne feinen Menfchen in diefem Dorf. Drum erfülle die Pflicht der Gaftfreundichaft! Denn man jagt auch:
186. Am Abend ſoll fein Hausvater den Gaft, den ihm die Sonne bringt, abweifen: denn durd feine Pflege werden Haus— väter Göttern gleich. 167)
Und fe:
187. Raub und Wajjer, jowie Erde und als viertes ein freundlih Wort: die geh’n in eines brayen Mannes Behaufung nimmermehr zu End’. 168)
188. Das Willfommen erfreut Agni, das Niederfigen Sa— tafratu, der Füße Reinigung die Manen, Speife und Tranf Pradſchaͤpati. 169)
Der Weber aber, nachdem er dies gehört, fagte zu feiner Frau: ,, ९९१९, geh’ du mit diefem Gaft nach Haufe! beforge ihm die Sußreinigung, Speife, Lager und Aehnliches, und bleibe dort. Ich werde dir einen tüchtigen Schlud mitbringen.“ Nachdem er Dies gefagt, ging er weiter. Seine Frau aber, welche eine Buhlerin war, nahm ihn mit freudigem Antlik, im Herzen an Devadatta*) denfend, nach Haufe mit, Sagt man ja doc mit Net: |
189. An regnigtem Tage, in wolfiger Nacht, in einfamen „ Straßen, wenn der Mann in der Fremde, da freut fih das geile unzüchtige Weib. 170)
*) „von den Göttern gegeben, oder „den die Gdtter geben mögen *; bezeichnet aber im Sansfrit irgend Jemand überhaupt.
BVerfeindung von Freunden. Vierte Erzählung. 39
Und fo
190. Im Palankin कि auszuftreden, ein liebevoller Mann ein berzerfreuend Lager, gilt eines Halmes Werth dem Meib, das verliebt, nach verftohlener Luft begehrt |
Und fo
191. Wolluft verzehrt ihr das Mark, Liebe die Knochen, leidenſchaftliches Liebesgefhwäg ift ver Buhlerin Luft; vom Gatten 1 ihr nichts genehm. 17%)
Und io
192. Des Haufes Fall, der Menſchen Tadel Gefängniß विणि und Lebensgefahr läßt die Buhlerin कि gefallen und läßt nicht {06 vom ‚fremden Mann
Des Webers Frau ging darauf nad Haufe, wies Dem evafarman eine zerbrochene Bettitelle ohne Betten 72) an und jagte: „O Ehrwürdiger! bleib hier in unferm Haufe und gib Acht, bis ich mit einer Freundin, die aus dem Dorf gefommen ift, geiprochen habe und ſo किपला wie möglid) wieder zurüd bin.‘ Nachdem fie. fo geiprodhen und. ihren Ihönjten Put 173) angelegt hatte, ging fie zu Devadatta. Da fommt grade ihr Mann auf 1९ los mit vor Trunfenheit jchlotterndem Körper, mit fliegendem Haar, bei jedem Schritt jtolpernd, den Schnapsbuttel in der Hand. So wie fie ihn erblickte, Fehrte fie jchleunig um, ging ing Haus, legte den Echmud!?’?) ab und war. wie vorher, Der Weber, da er fie fliehen und fo überaus geſchmückt ſah, außerdem ſchon früher durdy das Gerede der Leute üble Gerüchte von ihr gehört hatte und dadurd im Herzen aufgebradht war, aber. jeine Empfindungen verborgen batte, hielt fich, wie er dies fo geftaltige Treiben erblicte, von der Wahrheit überzeugt, gerieth in heftigen Zorn, trat ind Haus und fagte zu ihr: „Ab, du Ichlechte Buhlerin! wohin wollteft du gehn?” Sie antwortete: „Seitdem ich von dir weg bin, bin ich nirgends hin zur Thür herans geweſen. Wie fannft du alfo von Schnaps beraufcht fo Ungebührliches von mir reden? Sagt man num nicht mit Recht:
40 ७४१८5 Bud.
193. Geiſtesverwirrung, Umſinken, Spreden von Ungebühr- lihem: alle Zeichen 2९6 Wahnfinnes zeigt der Zuftand des Trun— kenbolds
194. Wie dem Trunkenbold die Hände, ſo zittert der Sonne Strahlenkranz; wie der Trunkenbold ſein Kleid läßt, ſo die Sonne den Himmelskreis; wie der Trunkenbold die Stärke, verliert die Sonne ihren Glanz; wie der Trunkenbold von Zorn, ſo wird von Glut die Sonne roth: ſo widerfährt der Sonne ſelbſt Aehn— liches, wie dem Trunkenbold. 17%)
Er aber, da er diefe widerfpenftige Nede vernahm und ſah, daß fie den Schmuck abgelegt hatte, fagte zu ihr: „Du Ehebrecherin! फणा lange habe ich von deinem fchlechten Ruf gehört. Darum will ich, nachdem ich mich jeßt mit meinen eignen Augen Davon überzeugt habe, dich abftrafen, wie du ९6 verdienft. Nachdem er fo gefprochen, fchlug er ihr ven Leib_ mit Stocprügeln mürbe, band fie dann mit einem tüch tigen Strid an einen Pfoften, und verfiel alsdann, von TIrunfenheit überwältigt, in Schlaf.
Mittlerweile Faın die Freundin des MWeibes, die Frau eines Barbiers herbei und, da fte den Weber fchlafen ſah, fagte fie: „Freundin, Devadetta wartet an dem bewußten Drt, komm alſo ſchnell bin!’ Jene antwortete: „Sieh', in welchem Zuftand ich bin, wie kann ich fommen?! geh’ du alfo und fage dem Geliebten, daß ich im diefem Augenblick nicht mit ihm bier zufammenfommen fann Die Barbiersfrau fagte: „Freundin, fprich nicht fo! das fommt einer Buhlerin nicht zu. Man fagt ja
195. Die feft und ausdauernd füße Früchte, erftreben ſelbſt von gefährlihem Ort, die fheinen mir Kameele gleihfam und hoch zu preifen ihre Geburt. 179) |
Und jo: |
196. Da eine zufünft’ge Welt zweifelhaft, und der Leute, üble Nachrede mannichfach, jo, find ‚diejenigen glücklich, die der Jugend Frucht in den Armen eines ihnen gehörigen Galans genießen.
Berfeindung von Freunden. Bierte Erzählung. 41
Und ferner
197. Wenn durch des Schickſals Fügung felbft ein mis— geſtalteter Mann der Buhlerin heimlich verbunden iſt, ſo liebt fie den eignen Gatten nicht, wenn er वाकं ſchön, — und brächt' es ihr auch Misgeſchick.“
Jene ſagte: „Wenn du jo meinſt, jo ſprich, wie kann id) wegkommen, da ich mit ſtarkem Strick feſtgebunden bin und mein Mann in der Nähe iſt!“
Die Barbiersfrau antwortete 17%): „Freundin! der iſt vom Rauſch bewältigt und wird nicht eher aufwachen, als bis ihn die Strahlen der Soune berühren. Drum will ich dich los— machen. Binde du mich ftatt deiner an und komme, fobald du dich mit Devadatta unterhalten haft, zurück.“ Jene ant- wortete: „So fei es!”
Nachdem jo geichehen war, ftand nach einiger Zeit der Weber auf; fein Zorn hatte fich ein wenig gelegt, der Rauſch war verflogen, und er jagte zu ihr: „He, du! Die du Did) an andre Männer macht! Wenn du von jegt an nicht mehr aus dem Haufe. gehſt und dich nicht mit andern Männern abgibt, dann will ich dic) loshinden.” Die Barbiersfrau gab aus Furcht, fich durch ihre Stimme zu verrathen, darauf Feine Antwort, Gr aber wiederholte viejelben Worte mehreremal, Da fie aber auch nicht das Geringite zur Antwort gab, geriet er von neuem in Zorn, nahm ein fcharfes Meffer und fchnitt ihr die Nafe ab. Dann fagte er: „He, du Ehebrecherin! bleib du jegt nur! ich werde dir fein gutes Wort weiter geben.” So sprechend fiel er. wieder in Schlaf.
Devajarman aber, der wegen des Verluftes feines Gel: des und weil feine Kehle. von Hunger äbgezehrt war, nicht einjchlafen fonnte, ſah dieſes ganze Treiben der Frau.
Die Webersfrau ihrerfeits, nachdem fie nach Herzens— wunſch der Liebe Luft mit dem Devadatta genofien hatte, kam nad) einiger Zeit nad Haufe zurüd und fagte zur Barbiers- frau: „Geht ९6 dir gut?“77) Iſt diefer Böfewicht nicht auf-
42 Erftes ‰ ५१.
geftanden, feitdem ich weg bin?“ Die Barbiersfrain fagte: „Bon der Nafe abgefehn, befindet ſich mein übriger Körper wohl. Nun mad) mich raid) von dem Strick los, ehe € mich fieht, damit ich nad) meinem: Haufe gehe!‘
Nachdem dies fo gefchehen war, ftand der Weber wieder auf und ſagte zu ihr: „Du Ehebrecherin! ſprichſt du auch 1९61 1०0 nicht? Soll ich dir noch eine andre ftärkere Strafe zufügen und dir die Ohren abſchneiden?“ Da aber jagte fie zornerfüllt folgende vorwurfsvolle Worte: „Pfui, über pfui! du großer Thor! wer wäre fähig, mich, ein jo. jehr. feufches gattenergebnes Weib zu verlegen, oder zu verſtümmeln 179) Alle Welthüter zufammen mögen e8 hören! Man tagt ja:
198. Die Sonne, Mond, Wind, fowie auch das Feuer der Simmel, Erd’, Wafler, das Herz und Jama, der Tag, Die Naht, Morgen = und Abenddamm’rung und Dharma aud Fennen der Menſchen Thaten. 179)
Wenn 10 alfo feufch bin, dann mögen dieſe Götter meine Naſe jo unverfehrt machen, wie fie früher war Menn ic) aber auch nur in Gedanfen nach einem andern Manne ver: langt habe, dann mögen fie mich in Afche verwandeln!“ Nachdem fie dies gefagt, ſprach fie dann zu ihm: „Sieh', du Böfewicht! Fraft dev Macht meiner Keufchheit ift meine Nafe wieder ganz ebenfo geworden.” Wie er nun ein Licht nimmt und zufieht, jo hatte fie dieſelbe Naje wie früher und auf der Erde war ein großer Blutftrom. Bol Berwunderung löſte er fie vom Strid, bob fie auf, legte fie aufs Bett und juchte jie durch Hundert Liebfolungen zufrieden zu ftellen
Devafarman aber ſah den ganzen Vorgang mit an und fagte mit Erſtaunen im Herzen Folgendes
199. Alles was Ufanas gewußt hat, und alles was Vri— hafpati, veichet nicht an des Weibs Klugheit: gegen dieſe gibt's feinen Schuß! 130)
200. Lüge verwandeln fie in Wahrheit, und Wahrheit wie: derum in Lug: wie können ihrer felbit Weile ſich erwehren in diefer Welt? 181)
Berfeindung von Freunden. Vierte Erzählung. - 43
An einem andern Ort wird aud) gefagt:
201. Nicht allzu fehr foll man an Weibern hängen; un- mäßig fonft wird die Gewalt des Meibes: und wie mit Kräh'n, denen die Flügel geftugt find, fo fpielt fie mit allzuergebnen Männern
202. Sie reden mit freundlidem ſchönem Mund, und grei- fen mit eifigem Herzen an; Honig ruht auf der Fraum Lippen, aber im Herzen nichts ala Gift. 132)
203. Bethört drum durch die furze Freude, faugen Die | Männer an ihren Lippen; ihr Herz aber fchlagen fie nur mit Fäuſten — wie ed Bienen mit dem Lotus machen, begierig nad Meth. 182)
Und ferner:
204. Der Gefahren Strudel, der Unverfhämtheit Wohnung, der Waghalſigkeiten Reſidenz, der Sünden Niederlage, die Be— baufung von hundert Liſten, der Unzuverläfiigfeiten Gefild, viejer jelbjt den großen Meiftern unter ven geſchickteſten Männern un= begreiflihe Korb aller Gaufeleien: dies, als Frau geftaltete, mit Ambrofia gemifchte Gift, von wem ift ed zum Untergang des Rechts in der Welt geihaffen? 133)
205. Die Gazellenäugigen, an denen gerühmt wird: Harte — ०८6 Bufens, ver Augen — Lebhaftigfeit Flatterhaftigkeit), ०८6 Mundes Kleinheit [Trug], der Lockenfülle Gekräuſel [Balich- heit], der Rede Schmachten [Ihorheit], der Hüften Fülle [Dumm heit], denen ſtets nachgeſagt wird des Herzens Aengſtlichkeit | Grau jamfeit], die klug [trügerifch] फ gegen den Liebenden benehmen, teren Charakter eine Legion von Sünden — warum find viele den Männern lieb? 184)
206. Ihr Weinen und ihr Lachen geſchieht mit Abſicht; fie wiſſen den Mann zutraulich zu machen und trauen jelber niemals: drum ſoll der Mann, एला Haus und Tugend lieb ift, wie Krüge auf einem Todtenhof, die Weiber meiden. 199)
207. Die Fürften des १6106 mit grauenerregender Mähne, Elefanten erglühend im Strome des reihen Brunftfafts, verftän-
44 Erſtes Buch
dige Männer, Helden im Schladhtgemwühle: fie werden all! in der Frau'n Nah’ ſchwache Gefchöpfe
208. So lang’ zuerjt handeln fie zu Gefallen, als jie den Mann noch nicht gefeflelt wiſſen; doch jehn fie ihn feſt in der Liebe Band, dann heraus mit ihm gleichwie der Fiſch am Köber.
Und
209. Des Meers. Gewog gleichend in feinem Schwanken, nur ein Moment glühend wie Abendröthe, wirft gleich, wie Lack wenn es ihn ausgepreßt hat, das Weib den Mann weg, den e8. ausgefogen, 186) - १:
210. Sie bethören, fie beraufchen, fie betrügen, fie bepro= hen, fie entzücken, jie betrüben. Was 01016, was nicht Die lieb— lich Blickenden treiben, fobald fie liebend des Mannes Herz beftriefet? 187) '
211. Denn von innen find voll Giftes, von außen lieblih anzufhau’n, gleihtwie des Gundſchaſtrauchs Beeren, die Frau'n, wie aller Welt befannt. 188) |
Indem der Bettelmönd fo dachte, ging ibm die Nacht unter großem Xeid hin |
Die Kupplerin aber mit der abgefchnittenen Naſe ging nad) ihrem Haufe und überlegte: „Was joll ich num thun? Wie läßt fich Ddiefer große Riß (Gefahr) ſchließen (über: winden). 1२9)
Nun hatte der Mann diefer Frau, welche jo überlegte, feines Gefchäftes wegen die Nacht im königlichen Palaſt zus gebracht. In der Frühe war er nad) feinem Haufe zurüd- gekehrt und noch in der Nähe der Thür fich befindend, rief er, wegen ०९6 Drangs feiner vielen Gefchäfte in der Stadt, feiner Frau zu: „Liebe! bring’ rafch das Käftchen mit den Rafirmeffern, damit ich gehe, um meine Gejchäfte in der Stadt zu. beſorgen!“ Sie aber ‚mit der abgefchnittenen Nafe blieb in der Mitte des Zimmers ftehn und, indem fie eim Mittel ihren Zweck zu erreichen fuchte, nahm fie nur ein Meffer aus dem Käftchen und warf es ihm entgegen. Der Barbier, da
Berfeindung von Freunden. Bierte Erzählung. 45
er nur dieß eine Mefjer ſah, gerieth vor Eifer in Zorn und ſchleuderte es zurück. Während dies hin und herging, hob diefe Böfewichtin ihre Arme in die Höhe und ftürzte zum Haufe heraus, um wüthend zu jchreien: „Weh, weh, jeht! diefer Böſewicht hat mir, die ich mid) ftetS brav betragen habe, die Nafe abgefchnitten!. helft mir, helft mir!“ Sogleich famen Bolizeidiener herbei, jchlugen den Barbier ‚mit Stodprügeln windelweich, banden ihn mit ftarfen Feſſeln und führten ihn fammt der mit der abgefthnittenen Nafe in das Obergerichts- gebäude und fprachen zu den Richtern: „Hört, ihr Herren Richter! von diefem Barbier ift diefe Perle von einer Frau, ohne daß fie etwas gethan hat, verftümmelt. "Drum möge ihm geichehn, was er verdient!” |
Nach diefen Worten jagten die Richter: „He, Barbier! warum haft du deine Frau verſtümmelt? hat 1८ etwa ein Begehr nad) einem andern Mann gezeigt? oder hat fie irgend- wie deinem Leben nachgeftellt? oder hat 1८ fich eines Dieb- 10015: fchuldig ‚gemacht? Sag’ an! worin hat fie fich ver gangen?“ |
Der Barbier, deſſen Körper von Schlägen windelweid) war, war unfähig. eine Antwort zu geben. Da fagten die Richter: „Ohe! was die PBolizeidiener gefagt haben, ift wahr. Gr hört nicht! er ift ein Böſewicht. Die Arme ift von ihm ohne ihr Verfchulden gemishandelt!! Man fagt ja:
212. Lautlos, farblos, furchtſam blickend, mit zuſammen— gefunfner Kraft wird der Mann, der Böfes gethan hat, erichredt durch feine eig'ne That.
Und fo:
213. Schmwanfenden Schritte fchreitet er mit entfärbtem Geſicht heran, auf der Stirn flehn ibm Schweißtropfen und ſtot— ternd kömmt fein Wort heraus,
214. BZitternd und zu Boden blickend ift 66 der Mann, der Böſes that: Drum mögen ihn durd dieſe Zeichen ſorglich erfennen Kundige.
46 Erſtes Bud.
Und andererfeits
Mit Heiterm Antlig und freudig, mit deutlihem Wort und fuhnem Blick ſpricht angemeffen im Gerihtsfaal voll Zuverſicht der Redliche
Sp trägt diefer alle Zeichen eines WVerbrehers. Auf Mishandlung einer Frau fteht der Tod. Deshalb foll € auf einen Pfahl gefpießt werden !‘‘
15 darauf Devafarman ihn zum Nichtplag führen ſah, ging er zu den Richtern und fagte: „Ah! dieſer Arme wird mit Unrecht hingerichtet. Der Barbier ift ein ehrlicher Mann, Höret, was ich jage!
216. Der Schafal durch ein Widderfechten und durch Aſchaͤ— dhabhuͤti ih, Die Kupplerin durch Stellvertretung — drei Mis— geichie aus eigner Schuld. 190)
Darauf fagten die Richter zu ihm: „O Ehrwürdiger! wie war das?" Alsdann erzählte Devafarman die Gefchichte von allen dreien ausführlid. Die Richter, nachdem fie fie gehört, waren fehr erftaunt, ließen den Barbier [08 und ſag— ten zueinander: „Ab
217. Nicht tödten darf man Brahmanen, Kind, Weiber, Kran und Büßende: dieſe leiden Verſtümm'lung nur bei den ſchwerſten Verbrechen ſelbſt. 191)
Den Berluft der Nafe hat fie ſich durch ihre eigne Hand» fung zugezogen. 6 Strafe im Namen des Königs müſſen ihr alfo die Ohren abgefchnitten werden.’
Nachdem dies gefchehn, ließ auch Devafarman den Kum— mer über den Verluſt feines Geldes fahren. und ging zu सिः nem Klofter zurück. Daher fage ich:
218. Der Schafal duch ein Widderfehten, durch Aſchaͤdha— bhuͤti ich, die Kupplerin durch Stellvertretung: — drei Mis- 01014 aus eigner Schuld.“
Karatafa ſagte: „Aber da die Dinge in diefer Lage find, was follen wir beide nun thun?‘ Damanafa antwortete: „ſelbſt in diefer Lage wird mein Verftand fold eine Thätigfeit entfalten, daß ich Sandſchiwaka da— durch von dem Herrn trennen werde. Denn man fagt auch:
Verfeindung von Freunden, Bierte Erzählung. 47
219. Den einen ja, den andern nicht tödtet ०८6 Bogen— Ihügen Pfeil; des Verſtänd'gen Verſtand aber jchießt nieder Fürſt und Fürjtenthum. 192)
Drum werde ich Betrug verbunden mit verſteckter Heuchelci entfalten und ihn zerſchmettern.“
Karatafa fagte: „Lieber! wenn Pingalafa oder Sandſchiwaka deine Gutfaltung von Betrug auch nur ein Hein wenig merfen, dann ift dein Berderben gewis.‘' Jener antwortete: „Väterchen, ſprich nicht 9119५) Männer von tiefem Berftand müfjen zur Zeit,des Unglüds, jelbit wenn das Schickſal ſtürmiſch पी, von ihrem Berftand Gebrauch machen. Man darf es zu feiner Zeit an Anftrengung fehlen laffen! Der Berftand erhält die Gefammtherrfchaft nach Art wie der Holzwurm 194) einmal einen Buchſtaben hervorbringt.*) Denn man fagt auch:
220. Laß nie den Muth ſinken, wenn audh Geſchick jtürmt; durh Muth gewinnt öfters man feiten Boden. Denn jelbft im Meer, faum daß vorbei der Sturm ift, begehrt der Seefahrer nad feinem Werke.
Um fo: `
221. Dem Mutbigen bringet das Glück Hülfe. Denn „Schick— fal, Schickſal!“ ift der Feigen Ausruf. Laß das Geſchick! wende nad Kräften Muth auf! Wenn trog des Kampfs du nicht gewinnt, iſt's deine Schuld nicht. 195)
Dies beherzigend werde ich fie durch die Macht tief verborgner Klug:
heit auf folche Weife voneinander trennen, daß fie alle beide nichts mer- fen jollen, Man jagt aud):
222. Eines wohlverborgnen Truges Ende findet ſelbſt Brah— man nicht: Gin Weber in Geftalt Wifchnu’s gewinnt des Königs Töchterlein. 196)
Karatafa fagte: „Wie war das?“ Jener erzählte:
*) 2, 0. durch fletes unausgefegtes Bohren.
48 | Erſtes Bud.
Fünfte Erzählung. Der Weber als Wifchnu. ^)
An einem gewiffen Ort wohnten zwei Freunde: ein We- ber und ein Zimmermann. Diefe hatten fi) von ihrer Kind- heit an fehr lieb und ihre Zeit verging ihnen, indem. fie ſich 1९6 an demjelben Drt miteinander ‚vergnügten. Einſt war nun an Diefem Drt bei einem öttertempel sein großes mit einem Aufzug verbundenes Felt. Es war ein Gewirr von , Schaufpielern, Tänzern und Sängern, und Menfchen aus den verjchiedenften Ländern waren zufammengejtrömt. Indem nun die beiden Freunde dazwifchen miteinander berumfchweiften erblieften fie eine Königstochter, auf einem jungen Elefanten figend, die, mit allen Reizen gefhmüdt, von Haremsdienern und Gunuchen umgeben, herbeigefommen war, um die Gott heit zu किला. Der Weber ftürzte fogleich, nachdem er fte erblickt hatte, von den Pfeilen des Liebesgottes getroffen, als ob er Gift getrunfen hätte, oder von einem böfen Geift gepackt wäre, zu Boden. Der Zimmermann aber, als er ihn in Die- jem Zuftand ſah, fühlte Leid über defien Schmerz und ließ ihn von ftarfen Männern aufheben und in fein Haus bringen. Da wurde er denn durch Anwendung von mancherlei Fühlen- den Mitteln, welche von dem Arzt: vorgefchrieben waren und durch den Gebrauch von Beſprechern nach langer Zeit mit Mühe zum Bewußtfein gebracht. Darauf fragte ihn der Zim— mermann: „O, Freund! warum bift du jo: ganz ohne Ver— anlaffung in Ohnmacht gefallen? erzähle: 8 mir, der, Wahrs, heit gemäß!” Diefer antwortete: „wenn du es willft, ſo höre es von mir wenn wir ganz allein find, damit ic) e8 dir ohne etwas zu verbergen ſager“ Nachdem fo"geichehen, jagte er zu ihm: „Lieber! wenn du mich wirklich wie einen Freund liebt, fo erweife mir die Gunft, Hol zu meinen Scheiterhaufen zu tragen! Gewähre mir meine Bitte! denn was jelbft bei geringer Zuneigung gefchieht, das ift infolge des Uebermaßes
Perfeindung von Freunden. Fünfte Erzählung. 49
der deinigen für dich nicht unangemeffen.‘' Jener aber, als er dieſes hörte, fagte mit thränenerfüllten Augen und gebrod)- ner Stimme: „Was aud) der Grund deines Xeides jei, Tprich ed aus, damit Hülfe angewendet werde, wenn fie möglich ift. Denn man fagt ja:
223. In diefer Welt 91015 nichts irgend in Brahman's Gi Befindliche, was nicht durch Kräuter, Geld, Rath und Weifer ` Klugheit zu richten wär’. 193)
Wenn ९6 alfo durch dieſe vier zum Ziel geführt werden fann, jo werde ich e8 zum Ziel führen.” Der Weber jagte „Gegen dieſes mein Leid helfen weder dieſe noch taufend and’re Mittel. 199) Deswegen verzög’re meinen Tod nicht!” Der Zimmermann antwortete: „Lieber Freund! Trotzdem thu' e8 mir fund, damit auch ich, wenn ich finde, daß hier nicht zu helfen ift, mich mit dir ind Feuer ftürze. Die Trennung von dir werde ich auch nicht einen Augenblick ertragen. Das ift mein feiter Entichluß.” |
Der Weber fagte: „Mein Jugendfreund! 9 höre denn! Unmittelbar, nachdem ic) die Königstochter auf dem Elefanten bei dem Fefte erblickt hatte, wurde ich durch den erhab’nen Gott, der den Fiſch in der Fahne führt 2%), in dieſen Zuftand verfegt. Nun kann ich diefen Schmerz nicht ertragen. Es heißt ja auch fo:
224. Wann werd’ ich jchlafen, müde vom Liebesfampfe, die Bruſt geſenkt in das ſafran-feuchte, wie eines brünft'gen Glefanten Bälle runde, Milhhügelyaar, ruhend im Käfig der Arme, nur ein Moment geniefend ihre Umarmung? 201)
Und fo:
225. Die rothe bimbazgleiche Lippe, das kelch-gleiche im Stolz der Jugend blühende Bufenpaar, der tiefgejenfte Nabel, die ge— bogene Lotusblume der Scham, des Peibes zierlih Schmale Mitte: die freilich mögen, leidenfchaftlih gevabt im Herzen, wol Schmerz erregen; Dod daß mid ihre Flaren Wangen fort und fort verzeh ven: das ziemt क nit.‘ 202)
Benfey, Pantihatantra. II. 4
50 Erſtes But.
Der Zimmermann aber, nachdem er diefe verliebte Rede gehöre hatte, ſagte lächelnd:',,Mein IJugendfreund! Wenn das der Grund ift, fo ift glücklicherweiſe unſer Ziel, erreicht! Noch heut am Tage {णी णय लौट Zuſammenkunft mit ihr ०२) haben.” Der Weber fagte: ‚Lieber Freund! Während nichts außer dem Winde in des Mädchens: Gemach gelangen Fann, wie follte da, zumal ९ von Wächtern befhüst ift, eine Zu⸗ jammenfunft mit ihr möglich fein? Warum täuſchſt du mid num mit trligeriicher 9९९१८ Der Zimmermann fagte: „Freund! du [ण die Macht meines Verftandes शि!
Nachdem er dies gejagt, vwerfertigte er fogleih aus Dem Holze eines windgezeugten (१ Bajudfcha= 20) Baumes einen auf einem Stift fich bewegenden Garudavogel ?°), jowie auch ein mit der Muſchel, dev Scheibe, der Keule und dem Lotus verfebenes Baar Arme 20%), jammt dem Diadem und dem Bruſtjuwel. 207) Dann ließ er den Weber ſich darauf ſetzen und nachdem er ihn mit den Abzeichen des Viſchnu verſehen hatte, zeigte er ihm. die Mafchinerie des Stifte und jagte „Mein Jugendfreund! um Mitternacht geh’ in diefer Geftalt des Viſchnu in das. Gemach des Mädchens, erwirb dir durch gleisnerifche Worte die Liebe der Koönigstochter, welche allein am Ende des mit fieben Stodwerfen verfehenen Balaftes wohnt, unerfahrenen Sinnes dich für den Valudeva 209) halten wird und genieße 1८
Der Weber aber, nachdem er dies gehört, ging in dieſer Geftalt dahin und fagte zu ihr: „Prinzeſſin! ſchläfſt du oder wachft du? Um veinetwillen komm' ich in eigener Perſon vom Milcymeer voll Liebe zu dir, verlaffend die Lakſchmi. 209) Drum komm’ in meine Arme!”
Sie aber, da ट ihn auf dem Vogel Garuda reiten, vier armig, mit Waffen und Viſchnu's Bruſtjuwel ſah, erhob fich voll Erſtaunen von ihrem Lager ‚legte andächtig Die Hände zufammen und ſprach: „O Erhab’ner! ich bin eine unreine, wurmgleiche Sterbliche und du der Gegenſtand der Verehrung und Schöpfer der drei Welten. Wie fann alfo 9 etwas ge
Berfeindung von Freunden, Fünfte Erzählung. 23}
ſchehen?“ Der Weber antwortete: „Beglückte! Was णा fagft, ift wahr. War aber nicht meine Gattin, Namens Räadhä, einft im Gefchlecht des Nanda geboren? Diefe hat fi in dir verförpert. 219) Darum bin id) hierher gefommen.‘‘ | Jene fprach: ,, Wenn ९6 fich jo verhält, fo wende dicy mit. deinem Verlangen an meinen Bater, damit auch er unbedenflid) mid) dir übergibt.‘ Der Weber jagte: „Glückliche! ich laffe mic) nicht von Menfchen ſeh'n, gefchweige, daß ich mich mit ihnen unterhielte! Drum übergib dich mir nad) der Sitte der Ganz dharvenehe! 11) Wo nicht, jo fpreche ich einen Fluch, ver deinen Vater fammt feinem Geſchlechte in Alche verwandelt.”
Nachdem er dies gefagt, ftieg er vom Garuda herab, faßte ihre linfe Hand, führte die Erichredte, Verſchämte und Zit- ternde zum Lager und nachdem er darauf den Neft der Nacht gemäß den von VBätsjajana 212) gegebenen Lehren mit ihr ge: foft, प) er in der Morgendämmerung, ohne gejehen zu jein, nach feinem Haufe zurüd. So verging ihm die Zeit, indem er ſtets mit jener der Liebe pflegte. inftmals aber bemerften Die Diener des Harems, daß ihre Forallengleiche Unterlippe Spuren von Biffen zeigte, und fagten zueinander: „He da! jeht einmal! die Glieder ०९6 Körpers der Prinzeffin ſeh'n aus, als ob fie von einem Mann geliebt wäre. Wie ift num ein folcher Verkehr in dem fo wohlbewachten Haufe möglich? Wir müfjen das dem König mittheilen!“
Nachdem fie dies befchloffen hatten, gingen fie alle zum König und fagten: „O Herr! wir willen nicht, wie, aber trogdem, daß dieſes Haus wohlbewacht ift, gelangt ein Mann in dad Gemach der Prinzeffin. Der Herr bat nun zu be fehlen!“
Der König, nachdem er dies gehört, überlegte mit ver— ſtörtem Sinn: ` 226. „Gin Mädchen iſt geboren“, große Sorge; „wer ſoll fie freien?” große Ueberlegung; dann: „ob fie Glück hat in der Ehe over Unglück“ —: unglücklich, traun! ift eines Mädchens Vater!
4*
52 Erſtes Bud,
227. Mädchen und Flüffen iſt ähnliches Treiben: Die mit den Ufern, die mit den Käufern; durch Waffer, durch Lafter bringen zu Fall fie, jene die Ufer, dieſe die Käufer. *14) a
Und fo: 94५४ |
228. Zur Welt gebraht, raubt fie der Mutter Herz: fie wächft heran unter der Freunde Sorg’; verehlicht ſelbſt bringet fie Schimpf auf क; ad! Töchter find unüberwindliches Mis— geſchick! =°) Nachdem er in diejer Weife mehrfach überlegt, fagte er, ` als fie allein waren, zu feiner Gemahlin: „Königin! Was dDiefe Haremsdiener. jagen, muß unterſucht werben, Gegen den, durch welchen dieſes Verbrechen begangen ift, iſt Der Gott des Todes jehr erzürnt.“ Die Königin aber, als fie dies ge- hört, wurde ganz verftört, ging.eilig in des Mädchens Gemad) und ſah, wie der Tochter Lippen zerbiffen und. die Glieder ihres Körpers von Nägeln zerfragt waren. Darauf jagte fie: „Ah! du Schlechte, Die du deiner Familie Schimpf und Schande bereiteft, warum bajt du jo deine Tugend zu Grunde gerid)- tet? Wer ift der vom Todesgott Auserfehene, der fich Dir nahet? Sage mir die reine Wahrheit!‘ e
Als die Mutter fo vor Zorn und Stolz gewaltig redete *19) fenfte die Brinzefjin aus Furcht und Scham ihr Geſicht zu Boden und ſprach: „O! Mutter! Der erhab'ne Närajanı 217) fommt jede Nacht leibhaftig zu mir auf dem Garuda reitend. Wenn meine Rede nicht wahr fcheint, jo fann fich irgendeine Frau an einen unfichtbaren Drt verftefen und um Mitternacht den erhab’nen Gemahl der Lafjchmi 218) erblicen.‘
Diefe aber, nachdem fie dies gehört, ging mit freudeſtrah⸗ lendem Geficht , indem ‚ihr vor Luft die Hürden an allen Gliedern in die Höhe ftarrten 219), eilends zum König umd fagte: „D König! Glück und Segen wird dir zu Theil! Be— ftändig naht क in der Nacht der erhab'ne Näräjang deiner Tochter. Er hat fie nach der Regel der Gandharvenehe fich zur Gattin genommen. Du und ich wollen heute Nacht ans
Berfeindung von Freunden. Fünfte Erzählung. 53
Fenfter treten, um ihn um Mitternacht zu ſeh'n; denn in eine Unterhaltung mit Menfchen läßt er fich nicht ein.‘
Nachdem er dies gehört, war der König fo erfreut, daß ihm der Tag hundert Jahre lang zu fein पीदा. Als nun der König mitfammt feiner Frau in der Nacht am Fenfter verfteeft ftand, den Blick an den: Himmel geheftet, fo पि) er zu der angegebenen Zeit den Näräjana aus der Luft herab fteigend, reitend auf एला Garuda, Mufchel, Scheibe und Keule in den Händen und mit den ihm zufonmenden Zeichen ver- ſehen. Da fam es ihm vor, als ſchwämme er in einem Teich von Nektar, und er fagte zu feiner Lieben ` ,, ९९०९! ‚fein Menſch in der Welt ift glüdlicher al8 ih und du. Denn unferm Sproß hat ſich der erhab’ne Närijana genaht und liebt fie. So find denn alle unfere Wünfche, die wir im Herzen tragen, vollendet! 3९81 werde ih durd die Macht meines Schwie— gerfohns mir die gefammte Erde unterthänig machen.‘
Nachdem er fich fo entichloffen, nahm er ſich gegen alle benadbarten Könige Ungerechtigfeiten heraus. Diefe aber, da fie प्रीण, daß er fich Ungerechtigfeit erlaubte, vereinigten ſich allſammt und überzogen ihn mit Krieg.
Mittlerweile fprach der König durch den Mund der Köni- gin zu feiner Tochter: ‚Tochter! Da der erhab’ne Närijana durch dich, Die du meine Tochter bift, mein Schwiegerfohn ge- worden ift, wie ziemt es [त da, daß alle Könige zufammen Krieg gegen mich erheben? Drum mußt du heute deinem Gemahl zu Gemüthe führen, daß er'meine Feinde vernichte.
Darauf wurde der Weber, als er in der Nacht zu ihr gefommen war, demuthsvoll von ihr angeredet: „O Erhab’ner! ८6 geziemt ſich nicht, daß mein Vater, da du fein Schwieger: john bift, von feinen Feinden überwältigt wird. Drum zeige deine Huld und vernichte alle diefe Feinde!” Der Weber antwortete: „O Beglückte! Wie unbedeutend find deines Vaters Feinde! Drum fei unbeforgt! In einem Augenblick werde ich fie mit meiner, Sudarfana 229) genannten, Scheibe zu Staub zermalmen.‘
54 Erſtes Bud).
Aber im Fortgang der Zeit wurde der König von feinen Feinden aus feinem ganzen Lande verdrängt und befaß nichts mehr als feine -Feftung. Trotzdem ſandte der König dem Weber in Vafudeva’s 221) Geftalt, da er ihn nicht erfannte, unaufhörlich den ausgefuchteften Kampher, Aloe, Moichus und andere Arten von Aromen, jowie mancherlei Arten von Kleidern, Blumen, Eßwaaren und Getränfen, und ließ ihm durch feine Tochter jagen: „O Erhab’ner! Morgen wird ficher- lich die Stadt fallen. Denn Lebensmittel und Holz find zu Ende; auch ift allen- meinen Leuten der Körper von Wunden erichöpft, jodaß fie zum Kampf unfähig find, und eine große Anzahl ift getödtet. Diefes beherzige und thue, was der Zeit angemefjen iſt.“ ¦ ¦
Der Weber, nachdem er dies gehört, überlegte: „Fällt die Stadt, fo werde auch ich ficherlich umfommen und von dDiefer getrennt werden, Deswegen will ich den Garuda bes fteigen und mich mit den Waffen in der Luft zeigen! Viel— leicht werden fie mich für Vaſudeva halten hınd dann, von Furcht überwältigt, durch des Königs Krieger gefchlagen, ums fommen! Man jagt au: `
229. Selbft eine Schlange, die fein Gift hat, erhebe dennoch Hoch den Selm; ſei ihr Gift oder auch fein Gift, des Helmes Prunk erreget Grau’n. 222) 0
Auch 1 e8 wahrlich viel fchöner, wenn ich, mich für die Stadt erhebend, umkomme Man jagt auch:
230. Wer den Tod einer Kuh willen, für Brahmanen, für feinen Seren, für fein Weib, feine Stadt findet, gewinnet ew'ge Seligfeit. 223)
Man jagt ferner:
231. In der Scheibe den Mond haltend, füllt die Sonne in Raͤhu's Mund; für feinen Schüsling ſelbſt jterben, iſt bei Helden ०८6 Preiſes werth.“ 22%)
Nachdem er fich fo entichloffen, Fnirichte er mit den Zäh— nen und fprach zu ihr: „O Beglückte! ich werde nicht eher
Perfeindung von Freunden. Fünfte Erzählung. 55
Speiſe oder Trank foften, als bis alle Feinde erfchlagen find. Wozu vieler Worte? Selbft mit dir werde ich nicht eher wie: der zufammenfommen. Du mußt aber deinem Vater jagen, daß er morgen in der Frühe mit einem großen Heere aus der Stadt ziehe und kämpfe und ich werde in der Luft erfcheinen -und jene allfjammt fraftlos machen. Nachher wird er fie mit Leichtigkeit erfihlagen. Wenn ich fie Dagegen ſelbſt tödtete, dann würden die Böfewichter in das Paradies gelangen. Aus diefem Grunde muß e8 fo eingerichtet werden, daß fie fliehend umfommen und alfo nicht in den Himmel eingeh'n.“ 5)
Sie aber, nachdem fie dies gehört, ging jelbft und that alles dem Vater fund. Der König glaubte nun ihrer Rede, erhob jid) in der Morgendämmerung und zog mit einem wohl— gerüfteten Heer zum Kampf heraus. Der Weber aber, zum Tode entichloffen, ftieg, mit dem Bogen in der Hand, zum Himmel empor, um zu fämpfen.
Mittlerweile jagte der erhab’ne Närdjana, welchen Ber: gangenbeit, Zufunft 22%) und Gegenwart befannt ift, lächelnd zu dem Vogel Garuda, welcher, auf die bloße Erinnerung an ihn, herangefommen war: „Ha! du Geflügelter! Weißt du, daß ein gewiſſer Weber in meiner Geftalt, auf einem hölzer— nen Garuda fißend, die Königstochter liebt?” Dieſer ant- wortete: „O Gott! ich kenne Diefes ganze Treiben. Was follen wir aber jest thun?” Der Erhabne fagte: „Der Weber ift jegt zum Tod entichloffen, hat Buße gethan und ift zum Kampf ausgezogen. Won den Pfeilen der tapferiten Krieger getroffen, wird er nun ficher feinen Tod finden. Nach feinem Tod aber wird alle Welt jagen, daß Väfudeva und fein Ga— ruda von mächtigen Kriegern, die fich zuſammengeſchart, be— fiegt ſeien. Alsdann wird die Welt uns beiden feine Ehre mehr erweifen. Deswegen gehe du eilig und fahre in diefen hölzernen Garuda! Ich werde mic, in den Körper des Mebers verjegen, damit er die Feinde vernichtet. Durch die Vernich- tung der Feinde wird unfre Herrlichkeit vermehrt werden. Nachdem darauf der Garuda mit dem Worte „Ja“ feine Zu:
56 AR Erfies Bud.
ftimmung gegeben hatte, vereinigte क der erhab’ne Närsjana mit dem Körper des Webers. Diefer, darauf in der Luft ftehend, durch die Mufchel, die Scheibe, die Keule und den Bogen ausgezeichnet, lähmte vermittelft der Herrlichkeit des Erhab’nen in einem Augenblick, fpielend gleichfam, die Kraft alter der tapferften Krieger. Darauf wurden fie von dem. Könige, welcher von feinem Heer umgeben war, im Kampf beftegt und getödtet. Und unter allen Leuten verbreitete ſich das Gerücht, daß feine Feinde durch die Macht der Verſchwä— gerung mit Viſchnu vernichtet feien.
Der Weber aber, nachdem er fie getödtet ſah, ftieg, ſehr vergnügten Sinnes, vom Himmel herab. Als nun der König, die Minifter und die Einwohner der Stadt den Weber, ihren Mitbürger, ſahen, fragten fie ihn: ,, १46 ift das?“ und er berichtete ihnen von Anfang an die ganze vorhergegangene Geſchichte. Der König, welcher durdy die Vernichtung der . Feinde an Macht gewonnen hatte, wurde dem Weber 16619 jehr gewogen, übergab ihm vor aller Welt Augen die Brin- zeſſin feierlich zur Ehe und fügte einen Landbefis hinzu. Der Weber aber brachte fein Leben mit ihr im Genuß der fünf Arten finnlicher Freuden zu, welche die Duinteffenz der Welt des Lebendigen bilden. Daher jagt man:
232. Eines wohlyerborg'nen Truges Ende findet ſelbſt Brah— man nicht: ein Weber in Geftalt Viſchnu's gewinnt des Königs Töchterlein.’’ 227 )
Nachdem er diefes gehört, fügte Karatafa: „Lieber! das ift in der That wahr! aber trogdem habe ich große Furcht. Denn Sandſchiwaka ift flug und der Löwe fchredlich. Darum bift du nicht mächtig genug, ihn von jenem zu trennen.“ Jener antwortete: „Auch ein Ohnmächtiger ift mächtig. Denn man jagt auch
233. Durch Hinterliſt ift ausführbar, was Gewalt nicht zu Wege bringt: vermittelft einer Goldkette ſchuf die Krähe der Schlange 0,८.21) |
Karatafa fagte: „Wie war das?“ Jener erzählte:
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Berfeindung von Freunden. Sechste Erzählung. 57
Sechste Erzählung. Die Krähen und die Schlange.
In einer gewiflen Gegend ift ein großer Feigenbaum. Darauf hatte fih ein Krähenpaar ein Neft gebaut und wohnte darin. Da fam nun jedesmal zur Brütezeit aus einer Höhe (ung diejes Baumes eine fchwarze Schlange und fraß die Jungen diefer beiden. Darauf gingen fie voll Verzweiflung zu einem Scyafal, weldyer an der Wurzel eines andern Baus mes baufte und ihr geliebter Freund war, und fprachen zu ihm: „Lieber! Was haben wir beide zu thun, da ९6 uns fo geht? Diele böfe Schwarze Schlange fommt aus einer Höh— (ung des Baumes und frißt unfre Jungen. Sag’ uns num ein Mittel, dies abzuwenden. |
234. Web Feld an einem Flußufer, weh Weib mit einem andern buhlt, und der, in deſſen Haus Schlangen, wie wär deß Herz von Sorgen frei? 229)
Und ein and’res:
235. In einem Haufe voll Schlangen zu wohnen, ift der fih're Tod; wohnt die Schlange am Dorfende, ift ſchon das Leben in Gefahr. 230)
So find aud wir, indem wir da wohnen, Tag für Tag in Lebensgefahr.“ |
Der Schafal antwortete: „Macht euch euretwegen auch nicht die geringfte Sorge! Natürlid) kann der Vielfraß nicht ohne Lift getödtet werden. Man fagt ja:
236. Ein Sieg, jo wie ihn Lift fpendet, wird nie durch Waffen uns zu Theil: wer ſchlau, wenn von Geftalt klein aud, der unterliegt felbit Helden nicht.
Und fo:
237. Diele Fiſche verzehrt habend, große, Fleine und mittlere, ftarb aus zu großer Freßgierde der Kranid durch des Krebſes Griff. 231),
Jene beiden fagten: „Wie war das?" Er antwortete:
58 सैम Erſtes Bud. त
Stebente Erzählung. Der Kranich und der Krebs.
An einem Drte in einem Walde befand fich ein großer Teich mit mancherlei Fiichen darin. Und ein Kranich, wel- cher da’ feinen @ hatte, war alt geworden und unfähig, Fische zu fangen. Die Kehle von Hunger abgezehrt, ſetzte er fich darauf an das Ufer des Teihs, und den Erdboden mit Thränen, fo die wie Berlen, benegend, weinte er. Den Hals gefrummt, auf einem Fuß, wie auf einem Stengel, jtehend, wußte ९6 der fchurfifche Kranich fo einzurichten, daß ihn Die dummen Fifche für eine Lotusblume halten fonnten. Da fam ein Fleiner Krebs herbei, zufammen mit mancherlei Waſſer— thieren, und, von des Kraniche Schmerz gerührt, ſprach er ehrfurchtsvoll Folgendes: „Lieber! warum beichäftigit du Did) heute nicht mit der Erwerbung deines Unterhalts? Du tyuft ja nichts als mit thränenerfüllten Augen ſeufzen!“ Jener antwortete: „Kind! Deine Bemerkung ift richtig. Ich bin in der That ein Fifchfreffer, aber ich habe allem Irdiſchen ent- jagt und bin jegt daran, mich zu Tode zu falten. Darum eſſe ich Feine Fifche, felbft wenn fie mir nahe fommen.“
Der Krebs, nachdem er dies gehört, fagte: ‚Lieber! Was ift der Grund, daß du allem Irdiſchen entfagt haſt?“ Jener antwortete: „Mein Kind! 34 bin an diefem Teich geboren und alt geworden. Nun habe फ gehört, daß eine zwölfjäh- rige Dürre nahe bevorſteht.“ Der Krebs fügte: „Von wen haft du das gehört?” Der Kranich antwortete: „Aus dem Munde eines Sterndeuters. Denn Saturn, Mars und Venus werden mitten im Wagen der Rohind 232) aufgeh’n. Und Barahamihira 23°) hat gejagt |
238. Wenn der Spröfling der Sonne der Robin Wagen bier in der Welt zerfpaltet, dann entjendet Gott Viſchnu zwölf Jahre hindurch Fein Tröpfchen Negen zur Grove. ?3*)
Und 19:
—
Verfeindung von Freunden. Siebente Erzählung. 59
239. Wenn Pradſchaͤpati's Wagen getheilt, vollziebt die Erde, als hätt' ſie geſündigt, von Aſche und Knochen beſtreut, gleichſam das Gelübde des Schädelumkränztſeins. 235)
Und ſo:
240. Wenn Mars oder der Sonne Sohn, oder der nieder— ſteigende Knoten den Magen der Nohini ſpaltet — was ſoll ich ९8 Fünden, dag in feindlihem Meer die gefammte Welt dann zer= ſtört wird? 236)
Und fo:
241. Dringt mitten in Rohini's Wagen der Mond, dann iert hülflos umher der Menſch, efjend gefochter Kinder Fleiſch, und Waller Ichlürfend aus Töpfen, die von der Sonne glühn. 237)
Dann wird diefer Teich fehr wenig Waller enthalten; raſch wird er austrocknen, und fobald er troden ift, werden die, mit welchen ich aufgewachfen bin und gefpielt habe, all- jammt aus Mangel an Wafjer umfommen. Nun binsich nicht fähig, die Trennung von diefen anzufeh'n. Darum habe ich dieſes zu Tode Faften über mich genommen. Jet werden nun. alle Waſſerthiere, welche कि in Behältern von wenig Wafler befinden, von ihren Leuten in Behälter von vielen Waller gebracht und einige, wie der Mafara 233), der Alli— gator, der Delphin, der Waſſerelefant 23°) und and’re gehen jelbit dahin. Aber die Wafjerthiere in diefem Teich find ganz gedanfenlos. Darum insbefondere weine ich, weil fie hier aud) nicht einmal nur einen Samen von ſich retten werden. 2५0)
Der Krebs nun, nachdem er diefe Nede gehört, that fie auch den übrigen Waſſerthieren fund. Diefe aber, Fifche, Schildkröten und die übrigen, das Herz von Furcht erfchredt, gingen daranf zu dem Kranich und fagten: „Lieber! Gibt e8 ein Mittel, wodurch wir uns retten können?“ Der Kranic) antwortete: „Nicht ſehr weit von diefem Wafferbehälter ift ein großer Teich, mit vielem Wafler verfehen und mit einem Wald von Lotusblumen geihmüct. Der trodnet nicht aus, wenn Pardſchanja +") auch vierundzwanzig Jahr lang feinen Negen ſchickt. Wenn nun einer auf meinen Rüden fteigen will, jo
60 ` Erſtes Bud).
führe ich ihn dahin.” Darauf faßten die Waſſerthiere Ver: trauen zu ihm, umringten ihn von allen Seiten und riefen: „Vater! Onfel! Bruder! ich zuerft! ich zuerft!”
Der Böfewicht aber ließ fie, einen nach dem andern, auf feinen Rüden fteigen, ging nad) einem vom Teich nicht weit entfernten großen Feld, warf fie darauf und ſchmauſte fie dann nach Belieben. Dann kehrte er zum Teich zurück, erfreute die Herzen der Waflerthiere durch falſche Berichte über ihr Wohl: - befinden und verichaffte fich auf dieſe Weife feine Nahrung.
Eines Tages fagte der Krebs zu ihm: „Lieber! Mit mir haft du zuerft liebevolle Rede gepflogen: warum übergehit du mich num und trägft die andern weg? Darum bejorge jebt die Rettung meines Lebens!‘ |
Als er 0६९6 hörte, dachte der Böfewicht: „Ich bin des Fiſchfleiſches überdrüfftg; drum ſoll mir diefer Krebs heute als Würze dienen.” Dann fagte er: „Ja“, ließ ihn auf feinen Rüden fteigen und machte पि auf ven Weg nad) dem Nichte ftein. Der Krebs aber, da er ſchon aus der Ferne auf dem Stein einen Knochenberg erblickte und die Fiſchgräten erfannte, fragte ihn: „Lieber! Iſt ver इ धक etwas weit? Bift du durch meine Laft jehr ermüdet? Sage doch!” Er aber, indem er dachte: „das ift ein dummes MWaflerthier! Auf dem Trodnen ift e8 ohnmächtig”, antwortete lächelnd: ‚Krebs! Wo ift an einen andern Teich zu denfen? Dies ift die Art, wie ich mir meine Nahrung erwerbe. Darum empfiehl dich jeßt deiner Schußgottheit! Denn auch dich werde ich auf dieſen Stein werfen und freffen !‘‘ |
Kaum hatte er das gefagt, als jein zarter, wie Lotus— ftengel fiebliher Hals durd) das Zufammienfneifen der Schere vom Krebs gepackt und er todt war. Diefer nahm darauf diefen Hals des Kranichs und ging Schrittchen vor Schrittchen zum Teich zurück. Da wurde er nun von allen Wafjerthieren ges fragt: ,, 6९} Krebs! Warum bift du zurücgefommen? ft dem Vogel etwas zugeftoßen? Auch ift ja dein Onfel nicht mit zurücgefehrt. Warum zögert er? Wir ftehen bier al’ voll
= ~ ~+ 95—
Berfeindung von Freunden, Sechste Erzählung (Fortfegung). 61
Begierde und Erwartung. Nachdem fie fo geiprochen, fagte der Krebs jpottend: „Ihr Thoren! Diefer hat alle Filche be- trogen, fie nicht weit von hier auf einen Stein geworfen und aufgefreflen. Ich habe noch ‚bei lebendigem Leibe. die Abjicht diejes Treulojen erfannt und hier feinen Hals. mitgebracht. Weg num mit der Angft! Bon jegt an dürfen alle Wafler: thiere vergnügt fein!” Daher ſage ich:
242. Viele Fifche verzehrt babend, große, Fleine und mitt: leve, ftarb aus zu großer Freßgierde ver Kranich durch des Krebſes
Griff.“ नित )
Fortfegung der fehsten Erzählung.
Das Krähenmänncen fagte: „Lieber! Sprich nun, wie
‚ wird der Tod diefer böfen Schlange bewirkt werden können?“
Der Schafal antwortete: „Geh' in irgendeine Stadt, in wel- cher ein König veftidirt!» Da nimm irgendeine reichen forg- lojen Mannes, Königs, Minifters, oder eines andern goldne oder Berlenfette und wirf fie in die Höhlung des Baumes! So wird die Schlange leicht getödtet werden.” Krähenmänn— ben und Weibchen flogen jogleich in die Höhe 2*?) und kamen nad) einer Stadt. Wie jich darauf das Krähenweibchen in einem Luſtwald, in welchen fie gefommen waren, umfieht, jo jpielt da irgendeines Königs Harem im Waller und neben dem Waſſer liegen goldne Ketten, Perlbalsbänvder und Arm— bänder. Da nimnt das Krähenweibchen eine goldne Kette und macht fi Damit auf den Weg nad) feinem Baum. Als nun die Diener des Harems und die Cunuchen bemerften,
daß dieſe weggenommen war, fo ergriffen fie Stöde und eilten
hinterher. Die Krähe aber warf die goldne Kette in die Höh- lung der Schlange und machte ſich dann weg, fo weit jie fommen Fonnte. Wie nun des Königs Diener den Baum 0९ ftiegen und diefe Höhlung erblidten, jo fteht da die fchwarze Schlange mit ausgebreitetem Kamm. Darauf erfchlugen fie fie mit den Stöden, nahmen die goldne Kette und gingen,
62 Erſtes Bud
wohin fie wollten. Das Krähenpärcen 2५५) aber lebte feit diefer Zeit in Freud’. Daher fage ih: 4
243. Durch Hinterlift ift ausführbar, mas Gewalt nicht zu Wege bringt: vermittelft einer Goldkette ſchuf die Krähe der Schlange Tod — —
Und ſo अ `
244. Sin ſchwacher Feind, deffen, vor Uebermuth blind, ſorg loſen Sinns, Helden zuerft nicht achten, wo. er nody leicht war zu Gemeiftern, wird dann, der Krankheit gleich, unüberwindlid mächtig.
So gibt ९ nichts in diefer Welt, was Weife nicht zu bemeiſtern vermöchten. Man jagt auch:
245. Wer Verftand hat, der hat Stärke; woher hätte ver Dumme Kraft? Sieh! ein Löwe, vor Stolz jinnlos, ift vom Häschen zu Tod gebradt!‘ 245) |
Karatafa jagte: „Wie war das?“ Jener erzählte:
‚Achte Erzählung. Der Löwe und der Safe +र).
sn der Mitte eines Waldes lebte ein Löwe, Namens Bhafurafa *). . Diefer nun =+) brachte infolge feiner über- mäßigen Stärfe ohne Unterbredung viele Gazellen, Haſen und andere Thiere um, Da verfammelten fich eines Tages alle Gefchöpfe des Waldes: Gazellen, Eber, Büffel, Gayal Hafen und jo weiter, gingen zu ihm und fagten: „O Herr! Wozu dieſe unnüge Ermordung alles Wildes, da ja ſchon ein Thier genügt, Dich zu jättigen? Schließe deswegen mit ung eine Uebereinfunft: Von heute an magſt du bier ruhig figen bleiben und jeden Tag joll nad) der Neibenfolge der Geſchöpfe ein Thier 2*°) zu dir fommen, um. fich von dir freffen zu laſſen. Auf diefe Weiſe wird Div doch dein Lebensunterhalt ohne Anftrengung zu Theil, und wir andrerjeits werden nicht ausgerottet, Das ift Königsrecht und demgemäß möge ge: handelt werden, Man fagt aud)
—
*) „der Heldenhafte“.
Zu nn ’ —
Verfeindung von Freunden. Achte Erzählung. 63
246. Wer feine Herrſchaft allmählich genießet, wenn fie Früchte bringt, wie dev Weife den Allheiltvanf, dem wird höchſtes Gedeih'n zu Theil 247Selbſt rauher Boden पाण Holzſcheite, wenn nad) Vor— ſchrift mit Segensſpruch beweget, geben: der Früchte, dieſe den— Opferſpeiſenden. 2५१)
248. Wer gut des Unterthans waltet, vermehret ſeines Him— mels Schatz; doch Tyrannei zerſtört Tugend, führet Sünde und Schimpf herbei.
249. Gleichwie der Kuhhirt durch Weide mählich Milch von
` एला Kühen zieht, jo ziemt ſich; mählich durch Hüten Geld von
dem Unterthan zu zieh'n
250. Der Fürſt, der ſeine Schützlinge aus Thorheit mordet Ziegen gleich, der wird nur einmal ſich freuen, doch nimmermehr zum zweiten mal. 250)
251. Ein König, der nach Frucht ftrebet, pflege dev Welten eifervoll mit Spende, Ehre, wie Gartner mit Wafjer ihrer Schöß— linge. 251)
252. Der Fürft gleicht einer Lampe; wie dieſe das Del, jo zieht er: den Reichthum von feinen Unterthanen an 10, ohne daß es dort wegen der leuchtenden in der Lampe befindlichen Fäden 2८6 Dochtes, hier wegen der glänzenden innern Gigenfchaften des Königs von irgendjemand bemerkt wird. 25%) \
253. Wie man Kühe zur rechten Zeit melft, jo warte man des Unterthans; der Strauch, der Blüten und Frucht trägt, wird begofien und mohlgehegt. 253)
` 254. Gleichwie ein zarter Baumſchößling, wenn er mit Sorg— falt wird gepflegt, Früchte zu feiner Zeit ſpendet, fo die Welt auch, wenn gut regiert, ००५)
255. Gold, Getreide und Juwelen, Roff' und Wagen man— her Urt und fo auch, was fie fonft haben, kommt den Fürften vom Untertban. 255)
256. Fürften, melde dev Welt wohlthun, nehmen immer an Segen zu; wenn fie die Welt zu Grund richten, fo geh'n jie 710९४ ſelbſt zu Grund.: 256)
64 ® ५१८5 Bud.
AS Bhaͤſuraka diefe ihre Rede gehört hatte, fagte er: „Ah! was ihr fagt, ift wahr. Aber wenn, während id) bier fige, nicht immer ein Thier zu mir fommt, dann werde ich ficherlich euch alle zufammen freffen.‘ Darauf gaben fie mit den Worten: „So fei es!“ ihr Verfprechen und ſchweiften nun, frei von Gefahr, furchtlos in diefem Walde umber. Seden Tag fam aber, der Reihenfolge gemäß, ein Thier zu ihm. Ein altes, oder eines, welches allem Irdiſchen entjagt hatte, oder ein von Kummer verzehrtes, oder eines, welches den Berluft von Frau und Kindern fürchtete, ftellte ſich aus ihrer Mitte um Mittagszeit bei ihm ein, um ihm zur Speife zu dienen
Sp fam denn einft, gemäß der Ordnung der Geſchöpfe die Neihe an den Hafen, und, fo wenig ९ ihm gefiel, wurde er doch von allem Wild fortgefchict. Indem er nun fo lang- jam 45 möglich ging, überjchritt er die beftimmte Zeit und mit augftvollem Herzen nach einem Mittel Juchend, um dem Tod durch jenen zu entgeh’n, kam er erſt gegen Ende des Tages an. Der Löwe aber, deſſen Kehle infolge der Ueber— Ichreitung der beftimmten Zeit von Hunger abgezehrt war, war voll Zorn, beleckte ringsum 297) die Winkel feines Rachens und dachte: „Aha! Morgen muß ich alle Gefchöpfe im Wald ausrotten!“ Indem er jo dachte, Fam das Häschen Schritt- chen vor Schrittchen anmarjchirt, verbeugte ſich und jtellte ſich ihm gegenüber. Als nun der Löwe jah, daß dieſes ſonſt jo leichtfüßige Geichöpf fo ſpät erjt herangefommen war, wurde er ganz von Zorn entflammt und ſprach drohend: „Hal Du lumpiges Häschen! Du gerade, ſonſt der Leichtfüßigfte, kommſt lange nad) der fejtgejegten Zeit! Wegen: diejes Verbrechens werde ich, nachdem ich dich getödtet, morgen alle Thiere zu— jammen ausrotten.” Darauf ſprach das Häschen demüthig, nachdem ९6 fich verneigt: „O Herr! E8 ift hier weder von meiner Seite noch von feiten der übrigen Thiere etwas ver- शिला. Mögeſt du die Beranlaffung hören wollen!” Der Löwe fagte: „So thue fie raſch fund, bevor du noch zwilchen
DVerfeindung von Freunden. Achte Erzählung. 65
. meine Zähne gerathen fein wirft!" Das Häschen fpradh: „O Herr! Nachdem ich von ſämmtlichem Wild erfahren, daß heute nach der Ordnung der Gefchöpfe die Neihe an mir, dem fehr Leichtfüßigen, ति, wurde ich mit vier 298) Hafen fortgeſchick. Nachdem ich darauf unterweges war, wurde ich von einem großen anderen Löwen, der aus einer Höhle fam angeredet: «He da! Wohin geht ihr? mpfehlt euch eurer Schußgottheit!» >°) Darauf antwortete ih: «Wir geh’n fraft Vertrages, zu unferm Herrn Bhäfurafa, um ihm als Futter zu dienen.» Darauf fagte er: «Wenn dem fo ift, fo müffen ſämmtliche Thiere auch mit mir einen Vertrag fchlie- Ben: denn mir gehört diefer Wald. Diefer Bhafurafa ift ein ` elender Räuber. Doc; wenn er bier König ift, fo laß mir die vier Hafen als Geifeln hier, ford’re ihn hierher und fomm jo eilig wie möglich zurüd, damit derjenige von uns beiden, welcher durch feine Stärfe König fein wird, ſämmtliches Wild bier frefie.» Darauf bin ich auf deſſen Geheiß zu dem Herrn gegangen. Diejes ift der Grund, weswegen id) die Zeit ver- ſäumt habe. est hat der Herr zu befehlen!“ Bhäfurafa, nachdem er dies gehört, fagte: „Lieber! Wenn ९6 fich fo ver- hält, dann zeige mir rafch diefen Spigbuben von einem Löwen, damit id) meinen Zorn gegen die Thiere auf ihn ausichütte und wieder zu mir jelbft fomme. Man jagt auch:
257. Land, Freunde, Gold, die drei Dinge find ९8, um die man Kriege führt; wo von jenen nicht ein einz’ges, da läßt क feiner in dieſe ein. 260)
258. Wo fein großer Gewinn winfet, oder fein Sieg in Ausſicht fteht, da wird nimmer Krieg anfangen und führen, wer Verſtand befigt.”
Der Haſe ſprach: „O Herr! Das ift wahr! Des eignen Landes wegen und um Unbill abzuwenden, fämpfen die Krie- ger. Diejer aber hauft in einer Burg; macht er einen Aus— fall aus der Burg, fo find wir bedrängt; bleibt er in der Burg, fo ift er ein ſchwer zu befiegender Feind. 61) Man jagt auch:
Benfey, Pantihatantra. II. 9
66 | Erftes Bud
259. Was ein König nicht durch taufend Glefanten, zehn— taufend nicht von Roſſen kann zu Stand’ bringen, das wird er= reicht durch eine Burg. 262)
260. Ein einz’ger Schüß wehrt ab hundert, wenn er auf einer Mauer ftebt: deswegen haben Staatsmänner Feftungen an— gerathen: auch. 263)
261. Auf feines Lehrers: Nath baute, fürchtend Hiranjaka— ſipu, durch Visvakarman's Kunſt vordem fogar Safra ſich eine Burg. 264)
262. Und welchem König er als Gnade gewähret eine feſte Burg, dem folgt der Sieg und Burgen werden ihm auf Erden zu Tauſenden.
263. Wie eine. Schlange, die zahnlos, wie ein brunftlofer Elefant, fo wird ein Fürft, der burglos iſt, leicht befiegbar für alle Welt,’ 265)
Nachdem er dies gehört, ſagte Bhafurafa: „Lieber! Zeige mir nur dieſen Spisbuben, wenn er ſich auch in einer Burg befindet, damit ich ihn umbringe. Denn man fagt auch:
264. Wer nicht im erften Anfage Feind und Krankheit zu Boden ſchlägt, wird, wenn auch ftarf, ००४ ihr Opfer, ſobald ſie herangewachſen find. 266)
265. Doch wer, auf feine Kraft trauend, von Chrbegier ih treiben laßt, kann feine Feind’ allein (एकधा, wie Bhrigu’3 Sprof die Kſchatrijas.“ 267)
Das Häschen fagte: „Das ift wahr! Dennocd aber habe ich gejehen, daß er fehr ftarf ift. Darum geziemt ९8 fich nicht, daß. der Herr gehe, ohne deflen Kraft zu kennen. Denn man jagt au:
266. Wer nicht die eig’ne Kraft fennend, noch die des Fein— ०९6, hitz'gen Sinns zum. Kampfe eilt, der gebt unter, gleichwie die Motte in dem Licht. 268)
267. Der Schwache, melder ausziehet, zu ſchlagen einen mächt'gen Feind, der wird demüthig heimfehren, wie ein zahnlofer Elefant.’’ 269)
DVerfeindung von Freunden. Achte Erzählung. 67
Bhaͤſuraka fagte: „Ha! Was geht das dich an? Zeige mir ihm nur, wenn er auch in einer Burg hauft!” Das Häschen ſagte: „Wenn du denn willſt, jo fomm, o Herr!”
Nachdem ९6 dies gefagt, machte es ſich vor ihm her auf den Weg, ging alddann zu einem Brunnen und fagte zu Bhafurafa: „O Herr! Wer ift fähig, deine Majeftät zu धः tragen? Hat ſich Doc auch diefer Spigbube, nachdem er dich nur von weiten gejeh'n, in feine Burg zurüdgezogen. Komm heran, damit ich ihm dir zeige!” Nachdem er dies gehört, jagte Bhafurafa: ‚Lieber! Zeige mir rafch die Burg!” Dar- auf zeigte ihm der Hafe jenen Brunnen. Der thörichte Löwe aber, da er mitten im Brunnen aus dem Waſſer fein Spie- gelbild hervorleuchten ſah, erhob ein Schlachtgebrüll; darauf ftieg durch deffen Echo aus dem Brunnen ein doppelt fo ftar- fe8 Gebrüll hervor. Wie er aber diefes hörte, fo dachte er „Der ift gewaltig ſtark“, warf ſich auf ihn und verlor das Leben
Das Häschen aber, nachdem ९6 freudigen Herzens allem १७0 Glück gewünſcht hatte und von dieſem fehr gepriefen war, lebte vergnügt in diefem Walde. Daher fage ich:
268. Wer Verftand hat, der hat Stärke. Woher Hätte ver Dumme Kraft? Sieh! Ein Löwe, vor Stolz finnlos, ift vom Häschen zu Tod gebracht. 270)
Drum, wenn du es gutheißeft, will ich hingeh’n und durch die Macht meiner Klugheit ihre Freundſchaft trennen,“
Karatafa fagte: „Lieber! Wenn es fo ift, fo mögen deine Wege glücklich fein! Möge gefcheh'n, was du beabfichtigft! “
Als darauf Damanafa den Pingalafa ohne Sandfchiwafa erblickte, benußte er diefe Gelegenheit, verbeugte ſich und feßte ſich vor ihm nieder. Pingalafa aber jagte zu ihm: „Lieber! Warum haft du dich fo Lange nicht jeh'n laſſen?“ Damanafa antwortete: „Königliche Majeftät bedür— fen meiner ganz und gar nicht; darum nahe ich mich nicht. Trotzdem wird mein Herz heftig gepeinigt, weil ich fehe, wie des Könige Ange jegenheiten zu Grunde geh'n, und aus Bekümmernig fomme ich von felbft,
um zu reden. Denn man fagt aud) 5 *
68 Erftes Bud.
269. Liebes oder felbft Unliebes, Glückliches und Unglüd- liches {ण du felbft ungefragt jagen dem, deſſen Wohlergeh’n du wünfchft “271 )
Als aber Pingalafa diefe feine abfichtsvolle Rede hörte, fagte er: „Was willft du eigentlich fagen? Sprich es rein herans!“
Dieſer fagte darauf: „Miajeftät! Diefer Sandſchiwaka hat gegen Ew. Gnaden Berrätherei im Sinn. Mir, der ich fein Vertrauen gemwon- nen, hat er heimlich Folgendes gefagt: «He! Damanafa! Ich Habe dieſes Pingalafa ftarfe und fchwache Seiten fennen gelernt. Ich werde ihn nun tödten, mir die Oberherrfchaft über alles Wild aneignen und dich zu mei: nem Minijter machen».“
Pingalafa aber 272), da er diefe furchtbare Nede hörte, die ihn wie der fchwerfte Donnerfchlag traf, verlor die Befinnung und antwortete auch nicht eine Silbe
Damanafa, da er ihn in diefem Zuftand erblickte, dachte: „Er ift doch durch Liebe an diefen Sandſchiwaka gefeflelt; deshalb wird der König ficher durch diefen Minifter zu Grunde geh'n. Man fagt auch
270. Sobald ein Fürft einen Minifter zum Herrn in feinem Neiche macht, jo ergreift dieſen Bethörung und Uebermuth, aus Stolz verdrießt ihn des Diener Stand und fo verdroſſen pflanzt fich Begierde nad Unabhängigkeit in fein Herz; aus Unabhängig: feitögier dann aber ftellt er des Fürften Leben nad. 273)
Was ift alfo hier rathfam? “
Pingalafa aber, nachdem er wieder zum Bewußtjein gefommen war, fagte zu ihm: „Damanafa! Sandſchiwaka ift doch ein Diener, der mir fo lieb wie mein Leben iſt. Wie follte der Verrath gegen mid) im Sinne führen?” |
Damanafa antwortete: „Diener — nicht Diener! 27%) das find Worte, die auf fehr verfchied'ne Weifen verftanden werden können, Man fagt auch:
271. Keinen einzigen Mann gibt ९6, der nicht der Kön’ge Macht begehrt; nur die, die feine Kraft haben, dienen ven Kön’gen allerwärts.“ 275)
Pingalafa fagte: „Lieber! Trotzdem verändert fich meine Oefinnung gegen ihn nicht. Sagt man doch auch mit Necht:
272. Wer wird nicht feinen Leib lieben, wenn er auch voll Gebrechen ift: wer einmal Freund, wenn auch fehlend, der bleibt ०० immer unjer Freund.‘ 276)
PVerfeindung von Freunden. Achte Erzählung. ` 69
Damanafa fagte: „Daher grade diefes Unglück! 277) Dan fagt auch:
273. Auf wen der Fürft allzu gnädig fein Aug’ einmal ge— worfen hat, ob hochgeboren ob niedrig, der ift der Göttin „Glück“ Gefäß. 278)
Aber um welcher ausgezeichneter Cigenfchaft willen Hält der Herr den Sandſchiwaka, welcher doch gar nichts Hervorragendes befigt, in ſei— ner Nähe? Wenn aber Majeftät etwa fo denft: «er hat einen großen Körper; vermittelft defielben werde ich meine Feinde vernichten», fo ift diefer Schluß bei ihm nicht richtig: denn er ift ein Grasfreffer; Eurer Majeftät Feinde dagegen find Fleifchfreffer, daher ift die Verbindung mit ihm zur Bewältigung Eurer Feinde von feinem Nugen. Drum möge er getödtet werden, nachdem ihm feine Schuld vorgehalten iſt.“
Pingalafa fagte:
274. „Wen du vorher als Rechtſchaffnen in dem Rathe be— zeichnet haft, den jollft du nimmer anflagen, wenn du dein Wort in Ehren haltft. 279)
Außerdem habe ich ihm auf dein Wort hin vollftändige Sicherheit gewährt. Wie fann ich ihn nun felbit umbringen? Dann ift Sandſchi— waka in- jeder Weife mein Freund. Ich habe gar feinen Zorn gegen ihn. Man fagt au:
275. Diefer Daitja, durch mich mächtig, darf nicht durch mich zu Grunde gehn; fogar den felbftgepflegten Giftbaum felbft aus- zurotten, ziemt ſich nicht. 280)
Und fo:
276. Entweder ſchenk' von Anfang an Nicht-liebende feine Liebe! Oder ivenn du ſie fchenkft, fo laß fie fi von Tag zu Tag vermehren! 281) Erſt zu erheben, dann niederzumwerfen, das nur bereitet Schande; daß falle, was auf dem Boden fteht, wird nicht einmal gefürchtet.
Und fo:
277. Wer gütig gegen Wohlthäter, was ift an deſſen Güte groß? Wer gütig gegen Schuldvolle, der wird von Guten gut genannt. 252 )
Deshalb darf ich nichts Feindliches gegen ihn begehn, felbft wenn er Vertath im Sinne hätte.”
Damanafa fagte: „Das ift nicht Pflicht eines Königs, daß er felbft bem BVerräther verzeihe. Man fagt auch:
70 Erſtes Bud.
278. Wer einen Diener, der gleich reich iſt, gleich mächtig, unſre Schwächen kennt, beharrlich ift, und halb herrſchet, nicht umbringt, der kommt felber um. 283) |
Außerdem haft du infolge deiner Freundfchaft mit ihm ſämmtliche Königspflichten vernachläffigt. „Infolge dieſer Bernachläffigung deiner Königspflichten it dir auch dein gefammtes Gefolge entfremdet worden, Denn Sandſchiwaka ift ein Grasfrefier, du aber und deine Unterthanen find Fleifchfreffer. Wenn du aber hierbei beharrit, fo ſcheint jelbit deine eigne Natur gleichfam eingenommen gegen Verlegung von lebendigen Weſen. Wieſo follen nun jene Fleisch frefien, wenn du Dich nicht mehr darum be— mühſt? So werden alsdann alle fleifchfrefenden Diener dich, der du deſſen ermangelft, verlaffen und in einen andern Wald gehn. Alsdann biſt auch du durch deinen Umgang mit diefem zu Grunde gerichtet. Du wirft auf der Jagd niemals wieder Erfolg haben, Man fagt auch:
279. Wie die Diener, die man brauchet, und mie die find, die einer liebt, fo grade wird der Herr werden, das ift unzwei— felhaft gewiß |
Und fo
280. Auf heißem Eiſen पी vom Tropfen aud eine Spur nicht mehr zu fehn; derfelbe, wenn er auf des Lotus Blatt ruht, ftrahlt in Verlgeftalt; wird Perle jelbft, wenn in glücklicher Stund’ er in ०८६ Meeres Aufter fallt: jo folgt gewöhnlich aus der Um— gebung hoher, mittler und niederer Stand. 2) = |
Und fo:
281. Dur die Verbindung mit Schlehten verändern auch die Guten fih: als Durjovhana’s Bundsbruder zog Bhiſchma aus zum Ninderraub. ००)
Daher vermeiden auch die Edeln Verbindung mit Gemeinen. Man fagt auch:
282. Weß Charakter du nicht Fenneft, dem gib au Feine Zufluchtsſtatt: durch einer Wanze Schuld büßt ihr Leben die Tang= fam Kriechend’ ein.“ |
Pingalafa fagte: „Wie war das?“ Jener erzählte:
BDerfeindung von Freunden. Neunte Erzählung. 71
Neunle Erzählung. Die Wanze und die Laus.
Ein König hatte an einem gewilfen Ort ein ſehr ſchönes Bett. Im diefem wohnte, in der Mitte zwifchen einem Paar fehr weißer Tücher, eine weiße Laus, mit Namen Mandavi- ſarpini.*) Diefe brachte da ihre Zeit vergnügt zu, indem fie fi) von des Königs Blut nährte. Da fam eines Tages, herumirrend, eine Wanze, Agnimukha **) mit Namen, in die— 1९5 Bett. Als jene diefe erblickte, jprach 1८ mit betrübtem Gefiht: „O Agnimufha! Woher fommft du zu dieſem dir nicht gebührenden Drt? Geh rajch weg, ehe dich noch jemand bemerkt!“ Dieſe antwortete: „O Glüdliche! Selbit zu einem Schlecdhten, wenn er ins Haus fommt, paßt es fich nicht, fo zu Sprechen. Man jagt ja:
283. «Komm! Willlommen! Seß’ dich hier nieder! Warum hab’ 10 dich ५ lang’ nicht gefehn? Wie geht ९6१ Bift du etwa krank? Dein Wohljein! Ich bin erfreut, dich zu fehen!» So paßt ९8 14 für die Guten immer, jelbft wenn ein Nied'rer kommt zum Haus. Dies ift, der heil'gen Schrift gemäß, des Dausherrn Pflicht, die leicht ift und zum Simmel führt. 296)
Außerdem habe ich vieler Menſchen verjchiedenartiges Blut gefoftet, welches durch Schuld ihrer Nahrung von ſal— zigem, beißendem, bittrem, zufammenziehendem und ſaurem Geſchmack war; aber noch niemals habe ich honigſüßes Blut geſchmeckt. Wenn du mir num eine Gnade erweifen willft, ए laß mid) das Glück genießen, mit der Zunge das füße Blut dieſes Königs zu Foften, welches fich infolge des Genuffes von mit mancherlei Gewürzen gefochten Speifen, Getränfen, Lecke— reien und Näfchereien in feinem Körper gebildet hat. Man jagt auch:
*) ‚die langſam Kriechende“. **) „Feuermund“.
{2 ® 1१८5 Buch.
284. Dem König und dem Blutarmen gewährt die Zunge gleiche Luft; fie gilt allein als das befte; ihretwegen quält ſich der Menſch.
Und ſo:
285. Wenn in der Welt kein Ding wäre, das der Zunge Vergnügen macht, dann würde keiner Dienſt thuen, oder andern gehorſam ſein.
Und ein andres:
286. Spricht ein Sterblicher Unwahrheit, ehrt er, was nicht der Ehre werth, geht er aus feiner Heimat weg: alles thut er des 25010९5 Halb. Ä
Sp muß ich, der ich, von Hunger gequält, in dein Haus gekommen bin, dich um Nahrung bitten: ९ geziemt ſich nicht, dag du allein diefes Königs Blut genießeſt.“
Nachdem fie dies gehört, fagte Mandavifarpini: „Hör! Wanze! Ich will zuerft dieſes Königs Blut Foften, nachher alsdann, fobald er in Schlaf liegt 237), auch du, fchnellfüßiger Agnimufha! Wenn du alfo fo mit mir das Blut trinken wilft, fo bleibe: koſte das fo fehr gewünfchte Blut!“ Die Wanze antwortete: „Glückliche! Ich werde ९6 fo machen; mid) treffe der Götter und meiner weltlichen und geiftlichen Aeltern Fluch, wenn du nicht erft des Königs Blut Fofteft!‘
Während fie fo miteinander fprachen, legte ſich der König ind Bett und fing an einzufchlafen. Die Wanze aber, deren Leidenfchaft durch die Begehrlichfeit der Zunge aufgeregt war, biß den König, während er noch wachte; fagt man ja doch mit Recht:
287. Die Urnatur laßt durch Feine Anmweifung fi veränderen ; fogar fehr heiß gemachtes Waffer wird wieder Falt in furzer Zeit.
288. Wenn Feuer einmal falt fein wird, der Kaltftrahlende brennend heiß, alsdann wird man auch ummandeln können der Sterblidhen Urnatur. 288)
Der König aber, welcher wie von einer Nadelfpige ge- ftochen war, verließ das Lager, ſtand augenblidlich auf und
Berfeindung von Freunden. Zehnte Erzählung. 13
rief: „He! Seht einmal nach! In diefer Dede ift ficherlich entweder eine Wanze oder eine Laus: denn ich bin gebiſſen.“
Die Haremsdiener aber, welche gegenwärtig waren, ſchlu— gen eiligft das Dedbett zurüd und ftellten mit fcharfen Blicfen eine Unterfuhung an. Mittlerweile war die Wanze durch ihre große Schnelligkeit ans Ende der Bettjtelle ०९१) gehufcht. Mandavifarpini aber, die fih in die Falten des Bettzeugs verfrodyen hatte, wurde von ihnen gejehen und umgebracht. Daher fage ich:
289. Weß Charakter du nicht fenneft, dem gib auch feine ` Zuflugtsftatt: dur einer Wanze Schuld büßt ihr Leben die lang ſam Kriechend' ein. 290) | Inden du dieſes beherzigft, mußt du ihn umbringen. Wo nicht, fo wird er dich tüdten. Man fagt auch:
290. Wer feine nächſten Freund’ aufgibt und Fremde ſich zu Freunden macht, der wird dem Tod anheimfallen, gleichwie König Kakudruma.“*) 291) +
Pingalafa fagte: „Wie war das?’ Iener erzählte:
Zehnte Erzählung. Der blaue Schafal ~).
In einer gewiffen Waldgegend wohnte ein Schafal, mit Namen Tſchandarava.**) Diefer drang einft, von Hunger überwältigt und von der Begierde feiner Zunge getrieben, in das Innere einer Stadt. Als ihn aber die in der Stadt haufenden Hunde allenthalben herumlaufen fahen, fingen fie an, ihn mit den Spigen ihrer fcharfen Zähne zu beißen. Bon ihnen gebiffen, ftürzte er कि, aus Furcht für fein Leben, in das in der Nähe befindliche Haus eines Färbers. Da war nun ein großes Gefäß voll Indigo zubereitet, und, von den Hunden verfolgt, fiel er grade dahinein. Als er aber heraus-
*) { Anm. 291. **) „ſchrecklich fehreiend ^^.
74 Erftes Bud.
fam, war er vom Indigo ganz blau gefärbt. Drauf liefen alfe Hunde, da fie eine folche Art Schafal nicht Fannten, wo— hin fie fommen fonnten, Tſchandarava aber benußte dieſe Gelegenheit und machte fih auf den Weg nad dem Wald. Die Indigofarbe wich aber niemal8 von ihm. Man jagt ja:
291. Sefamfchminfe, Ihoren und Weiber und Krebfe, ſowie Fiſche auch, Indigo und Trunfenbolde Tafjen nimmer, was fie ge— faßt. 298)
Wie fie nun diefes völlig neue Thier erblickten, welches einen Glanz hatte, ähnlich dem mit der Ichwarzen Mimofa zu vergleichenden Gift am Halfe des Siva ?°*), verloren त्रिप liche TIhiere des Wildes: Löwen, Tiger, Panther, Wölfe und jo weiter vor Furcht die Befinnung, flüchteten nach allen Sei- ten und fagten ०००); „O weh! Woher in aller Welt mag diefes. nie vorher gefehene Thier hierher gefommen fein? Nie- mand weiß, was fein Treiben und wie feine Stärfe ift. Drum laßt uns weggehn, fo weit wie möglih! Man fagt ja:
292. Weß Treiben man und Abjtammung und Körperfraft nicht Eennet, dem vertrauet nimmermehr der Kluge, wenn ihm fein Wohl am Herzen Tiegt.
Tſchandarava aber, als er fte von Furcht verwirrt ſah, fagte Folgendes: ,, ८! He! Ihr Thiere! Warum flieht ihr jo erfchredit vor meinem Anblick? Fürchter euch nicht! Brah— man ſelbſt bat mich heut vor fich gerufen und jo angeredet: «Weil unter den Thieren Fein König ift, fo bit du heute von mir zum Herrn über alle Thiere gefalbt unter dem. Namen Kafudruma. Geh nun zur Erde und herrſche über fie alle!» Darauf bin ich hierher gefommen. Nun गला alle Thiere beftändig unter dem Schatten meines Schivmes wohnen! Ich, König Kakudruma mit Namen, bin der König der Thiere in den drei Welten geworden!”
Nachdem fie ०1९6 gehört, umringten ihn die Thiere, den Löwen an der Spite, und fprachen: „Herr! Gebieter! Er— theile deine Befehle!“ |
Berfeindung von Feinden. Zehnte Erzählung. 75
Darauf gab er dem Löwen die Stelle eined Minifterg, dem Tiger die Bewachung feines Lagers, dem Panther die Dberaufficht über den Betel, dem &lefanten das Amt des Thürhüters 296), dem Affen das Tragen des Sonnenfchirmeg; mit denjenigen aber, die zu feinem Gejchlecht gehörten, fprad) er nicht einmal ein Wort: alle Schafale wurden an den Hals gepadt und herausgeworfen. Indem er num fo das Königs— amt verwaltete, tödteten Der Löwe und die übrigen Raubthiere das Wild und legten ९6 ihm zu Füßen. Er aber vertheilte ९8 144 der Pflicht des Gebieters und gab einem jeden davon. Indem fo die Zeit verging, hörte er einft, während er fich im Staatsrath; befand, aus der Ferne das Gejchrei einer heulen- den Schafalheerde. Wie er diefen Ton vernahm, ftarrten ihm die Haare am Körper vor Freude in die Höhe, vor Ergötzen füllten fich feine Augen mit Thränen, er erhob ſich und fing an, in jchrillem Ton zu heulen. Als aber der Löwe und die übrigen Thiere diefen jchrillen Ton hörten, dachten fie, ,, 248 17 eim Schafal!” ftanden einen Augenblid mit vor Scham zu Boden gefenftem Geficht und fagten dann zueinander: „Ha! Wir haben uns von diefem lumpigen Schafal anführen laffen! Schlagt ihn todt! Schlagt ihn todt!“ Der Schafal aber, als er ०1९6 hörte, fuchte zu fliehen, wurde aber von dem Löwen und den übrigen Thieren jogar an ungeziemendem Drte *?7) in Stüde gerifien und fo getödtet. Daher fage फ:
293. Wer feine nächſten Freund’ aufgibt und Fremde fi zu Sreunden macht, der wird dem Tod anheimfallen, gleichwie König Kakudruma.“ 298)
Nachdem er dies gehört, fagte Pingalafa: ,, 5९! Damanafa! Wel: dien Beweis haft du dafür, daß er gegen mich fchlechtgefinnt iſt?“
Diefer antwortete: „Majeftät! Heute hat er in meiner Gegenwart den Entſchluß gefaßt und gefagt: «Morgen will ich Pingalafa tödten!» und Folgendes diene dir in Bezug darauf als Beweis: Morgen wird er zu dem von ihm erwählten Zeitpunkt, Geficht und Augen von Born ge: röthet, mit aufgeworfener Unterlippe in die Luft blickend, fich auf einen ungewohnten Platz niederlaffen und dich mit wilden Blick betrachten. Dies beherzigend, thme, was angemeſſen!“
76 ७४१८५ Bud.
Nachdem er fo gefprochen, verneigte er fich vor ihm und machte fich auf den Weg zu Sandſchiwaka. Sandſchiwaka aber, da er ihn nach Art eines Aengftlichen Schritt vor Schritt heranfommen fah, ſprach ehr- furchtsvoll zu ihm: ,, 6 Freund! Sei willfommen! Du haft dich lange nicht fehen laſſen. Befindeit du dic; wohl? So fprich denn, damit ic) dir, der du in mein Haus gefommen, ſelbſt was man nicht zu geben braucht, gebe. Denn man fagt aud)
294. Die find glüclich, die hochmweife, die auf Erden des Preifes werth 299), zu deren Haus die Herzfreunde kommen, gilt ed, etwas zu thun.‘
Damanafa fagte: „Wie fann fi ein Hofmann wohlbefinden? Man fagt ja:
295. Die, die fih Pürftendienft mweihen, deren Glück hängt von andern ab; ihr Herz ift nimmermehr ruhig, jelbft ihr Leben ftet8 in Gefahr. 300)
Und fo
296. Siehe, was Diener thun, welde Reichthum fuchen durch Fürftendienft: felbft des eigenen ९८06 Freiheit wird von den Thoren eingebüßt. 301)
Und ein anderes;
297. Ewige Armuth, rüdfehrend in jedem Leben zu कण्ट . rem Leid, ift gegen Fürftendienftnahrung eine unendlich Flein’re Dual. 302)
298. Fünf ſind's, die Bjäfa, trotz Lebens, dennoch unter die Todten zählt: den Armen, Kranken und IThoren, den Verbann— ten und Fürftenfnecdht. 303)
299. Sie effen nicht vor Dienfteifer, ftehn ungefchlafen wies der auf, mögen furchtlos fein Wort reden; lebt da ein Fürſten— diener noch? २०५)
300. Die, welde Fürftendienft nennen ein Sundeleben, reden falfeh: der Hund bewegt ſich freiwillig, der Fürftendiener auf Be— fehl —
301. Am Boden liegen, keuſch leben, Abmagerung und ſchmale Koſt: darin ſind Diener gleich Büßern: Sünd' und Tugend
der Unterſchied. 206) 302. Selbſt Kälte, Hitze und ſonſt Leiden, welche der Für—
Berfeindung von Freunden. Zehnte Erzählung. 17
ftendiener trägt, helfen wenig zu Reihthum ihm, wenn er nicht von der Tugend läßt
303. Ein noch fo feiner, ganz reiner, Die und fetter und fieblicher Leckerbiſſen, was ift er werth, wird er durch Fürften- dienft erlangt?“ 307)
Sandſchiwaka ſprach: „Was willft du denn aber eigentlich jagen?‘ Sener antwortete: „Freund! Es geziemt fich nicht, daß Minifter einen ges faßten Entfchluß verrathen. Denn man jagt auch: |
304. Wer, im Minifteramt ftehend, feines Herren Beſchluß verräth, der wird zur Hölle einfahren, weil er des Königs Werk zerftört. 308)
305. Wenn ein Minifter ausplaudert feines Königs Geheim- niffe, fo ift er deflen «Schwertmörder», mie Närada verfündet hat. 9०9)
Trotzdem will ich wegen der Bande der Freundfchaft, die mich an dich Fnüpfen, das Amtsgeheimniß brechen, weil du im Vertrauen auf mein Wort an diefen Königshof gefommen 010. Man fagt ja:
306. Wenn einer, weil er wem traute, den Tod erleidet irgendwie, fo ift fein Tod das Werk jenes: das ift das Wort, das Manu ſprach. 310)
Pingalafa ift nämlich gegen dich übel gefinnt und heute hat er zu mir unter vier Augen gefagt: «Morgen bringe ich den Sandfchiwafa um und werde fo meinem gefammten Gefolge auf lange Zeit Sättigung bereiten». Darauf fagte ich zu ihm: «O Herr! Es ziemt fich nicht, durch Verrath am Freunde feinen Lebensunterhalt zu erwerben». Denn man fagt auch:
307. Eines Brahmanen Mord felber wird mitteld Buße aus- gefühnt, ००0 eines Freundes Mord niemals, und wenn man fich zerriffe drum, 311)
Darauf fagte er zu mir voll Unwillen 312): «Ha! Du Böfewicht! Sandſchiwaka पी ja ein Grasfrefier und wir find Fleifchfreffer. Daher befteht zwifchen uns eine auf unferm Grundwefen beruhende Feindfchaft. Wie fann alfo ein Feind vor meinen Augen gebuldet werden? Darum foll er durch eines der Mittel, deren erftes Schmeicheln ift 313), getöbtet werden. Auch trifft ung durch feine Ermordung feine Schuld. Man fagt ja:
308. Den Beind — und wär’ er Eidam ſelbſt — ſchafft der Berftänd’ge aus dem Weg; iſt's nicht auf andre Art möglich, jo iſt auch Mord nicht unerlaubt,
18 ५ ® ५१९५ Bud. 30%. «Ob Recht, ob Unrecht» den? niemals der Krieger,
der zum Kampfe geht; Dhriſchtadjumna ift vor Zeiten im Schlaf -
ermordet von Drona's Sohn. #4),
So bin ich denn, nachdem ich feinen Entſchluß erfahren habe, zu dir hierher gefommen; jegt fällt feine Schuld der Treulofigfeit auf mich; ich habe dir den wohlverheimlichten Beſchluß Fund gethan. Thue nun, was dir dagegen diemlich ſcheint!“
Sandſchiwaka aber, nachdem er diefe Rede, furchtbar wie ein Don— nerfchlag, gehört hatte, verlor einen Augenblick die Befinnung. Alsdann,
nachdem er wieder zu fich ſelbſt gefommen 315) war, fagte er voll Kumz
mer Folgentes: „Ach, mit Recht fagt man:
310. Meift werden Frauen Schlehten zu Theil, Tieblos ift der Könige Herz, Reichthum läuft dem: Geizhals nad, die Wolfe regnet auf Berg und Meer. 16)
311. Wer thörichterweile bei ſich denkt: «Ich ftehe in des Königs Gunft», in dem evfenne einen. Ochſen, der die Körner verloren hat |
312. Lieber ven Wald! Lieber bettelm! Von Laftentragen ९0८ gelebt! Lieber Frank fein, als Glücksgüter gewinnen durch Beamtenthum. 317)
Darum habe ich unangemefjen gehandelt, indem ich Freundfchaft mit ihm fchloß. Denn man jagt auch
313. Nur wo beide an Reichthum glei und beide gleich find an Geſchlecht, da geziemet jih Eh’, Freundſchaft, doch zwi— fhen Starf- und Schwachen. nit. 318)
Und je:
314. Der Hirsch begehrt 10 mit dem Hirſch zu einen, Stier mit dem Stier und Roffe mit den Roſſen, der Thor mit Thoren, der Weife mit dem Weiſen: ०८६ Strebend und Charakters Gleich— beit bildet Freundſchaft.
Drum wenn ich auch hingehe und ihn mir geneigt zu machen fuche, fo wird er mir doch nicht gnädig werden. Denn man fagt audy:
315. Wer aus irgendeinem Grunde in heftigen Zorn ge= rathen ift, Sicherlich wird der verföhnet, jobald der Grund ent— fallen ift; wer aber ohne allen Grund die größte Feindſchaft Hat
gefaßt, auf welde Weife könnte man zufrieden ſtellen diefen je? 319)
Da a a an tn nu ae Ar क , "क क्का >
en,
Berfeindung von Freunden, Zehnte Erzählung. 79
Ah! Ah! Mit Recht fagt man Folgendes: `
316. Treuergeb’nen, Verdienftvollen, des Freundes Beſtem 70 Widmenden, des Dienftes Regeln und Weſen Kennenden, felbft wenn fie frei find von Verrath 320), liegt doch im ſchwan— fenden Kerzen die Qual: wird es gut gehn oder nicht? Drum ift der Dienft bei einem König wie der des Meers ſtets furcht— gepaart. _
Und fo:
317. Cine Wohlthat jogar von Liebergebenen wird verhaßt und von andern dient augenfällig eine Unthat zur Liebe jelbft: weil ſchwer zu ergründen der Könige mannichfach wechſelvoller Sinn, ift unergründlichit des Dieners Amt, nicht zu. bemeiftern von Heiligen jelbft. 321)
Das aber feh’ ich ein: Pingalafa ift von andern in feiner Nähe Befindlichen, welche es nicht ertragen fünnen, daß er mir gnädig ift, ger gen mich aufgehest, Deswegen fpricht er fo von mir, obgleich. ich ſchuld— los bin. Man jagt aud;:
318. Daß der Herricher andern gnädig, ertragen dieſe Die- ner nit; Feind find fie felbft bei Wohlthaten, voll Zorn, wie Frauen eines Manns, 322)
Und dies ift auch darum der Fall, weil, wo ſich Begabte in der Nähe befinden, Unbegabten feine Gunft zu Theil wird. Man fagt auch:
319. Bor den Gaben des Hochedlen ſchwinden Begabter Gaben ſelbſt; bei Nacht erftrahlt des Lichts Flamme, nicht aber, wenn die Sonne fcheint.‘ 323)
Damanafa fagte: „Ah! Freund! Wenn es fo ift, fo haſt du nichts zu fürchten. 324) Wenn er auch durch diefe Böfewichter aufgereizt ift, jo wird er doch durch deine Beredfamfeit zur Gnade zurückkehren.“ Jener antwortete: „Ad! Was du fagft, ift nicht richtig. Man kann ſich ſelbſt in ber Mitte unbedeutender Böfewichter nicht aufrecht erhalten. Sie wen— den eine andre Hinterlift an und verderben 325) einen ficherlich. Denn es heißt auch:
320. Viele niedrige Schlauföpfe, die all ſich nähren durch Pfiffigkeit, können zu Unrecht Recht machen, wie Kräb’ und Sipp- Ihaft beim Kameel.“ 326)
Damanafa fagte: „Wie war das?‘ Jener erzählte:
शाः ` Erftes Bud.
Eifte Erzählung. Der Löwe, feine Minifter und das Kameel. र)
In einer Waldgegend lebte einft ein Löwe, Namens Madotkata *), und deffen Diener waren ein Panther, eine Krähe und ein Schafal. Inden diefe aber einft hier und da herumfchweiften, jahen fie ein von einer Karavane abgefom- mened Kameel, Namens Krathanafa, +) Der Löwe ſagte darauf: „Erfundigt euch doch, ob e8 ein Waldthier ift, oder ein Hausthier!" Nachdem fie dies gehört, fagte die Krähe: „Do Herr! Dies ift ein Hausthier, Kameel genannt, eine Art Geſchöpf, welches du freffen Fannft. Deshalb laß e8 umbringen!” Der Löwe fagte: ,, 90) tödte niemand, der in mein Haus ge: treten. Man jagt auch:
321. Sogar wer feinen Feind mordet, wenn er furchtlos ver— trauensvoll ind Haus ihm trat, ०९१ Schuld gleihet dem Mord von hundert Brähmanas. Ä
Darum verfprecht ihm vollftändige Sicherheit und führt ९8 zu mir, damit ic) e8 nach dem Grund feiner Hierherfunft frage. ^“
४ Darauf forderten alle zufammen das Kameel auf, Ver: trauen zu faſſen, verfprachen ihm Sicherheit und führten e8 vor Madotfataz nachdem ९6 10 ehrfurchtsvoll verbeugt, ९६६६ es 10 nieder. Alsdann erzählte e8 auf deſſen Befragen feine ganze Gefchichte von der Zeit an, wo e8 von der Karavane abgefonimen war. Darauf fagte der Löwe: „O Krathanafa! Gehe nicht zum Dorf zuriick, um did) wieder der Dual des Lafttragend zu unterziehen. Bleib furchtlos bei mir bier im Wald und genieße die Imaragdgleichen vortrefflichen Gräſer!“ Das Kameel aber fagte: ,, 941 und haufte vergnügt in der
*) ‚der brünftige Glefant‘‘, oder vielleicht, nach der etymologifchen Bedeutung, „der vor Stolz Wüthende“.
***) Dies ift der Name einer weißen Art Agallochum, welcher dem Kameel feiner Farbe wegen gegeben fcheint.
Berfeindung von Freunden. Eifte Erzählung. 81
Mitte von ihnen, indem ९6 bei fich dachte: „Ich brauche mich vor nichts in aller Welt zu fürchten‘.
Eines Tages nun र) hatte Madotfata mit einem großen im Walde lebenden Elefanten einen Kampf; da erhielt er durch deſſen mörjerfeulengleichen Stoßzahn eine Wunde und wenig fehlte, daß er infolge davon das Leben eingebüßt hätte; fein Körper wurde aber fo fchwach, daß er nicht einmal den Fuß irgendwohin bewegen Fonnte. Da geriethen die Krähe und die übrigen alle durd) feine Ohnmacht in Hungersnoth und fchweres Leid. Der Löwe aber fagte zu ihnen: „He dal fucht irgendwo irgendein Thier, damit ich, obgleich ich in dieſem Zujtande bin, e8 tödte und euch Nahrung verichaffe.” Dar: auf fingen fie alle vier an herumzufchweifen. Da fie aber gar nichts erblicten, jo pflogen die Krähe und der Schafal miteinander Rath.) Der Schafal ſprach: „He, Krähe! wozu das viele Herumfchweifen? da fteht ja Krathanafa voll Vertrauen auf unfern Herrn. Laß uns ihn tödten! Das gibt Lebensunterhalt für das ganze Gefolge. Die Krähe प्रा wortete: „Ah! du ſprichſt ganz angemefjen. Aber der Herr bat ihm Sicherheit verfprochen. Darum darf ९ nicht getödtet werden.” Der Schafal ſagte: „O Krähe! ich werde durd) meine Borftellungen den Herrn beftimmen, daß er e8 umbringt. Drum bleibe du hier, bis ich nach Haufe gegangen bin, des Herrn Befehl empfangen habe und wieder zurückkehre.“
Nachdem er jo geiprochen, machte er fich eilig auf den Weg zum Löwen. Zu dem Löwen gekommen ſprach er हिणः gendes: „O Herr! herumfchweifend haben wir den ganzen Wald durchſucht, aber Fein einziges Thier 33%) angetroffen. Was jollen wir num thun, da wir vor Hunger nicht einmal einen Fuß mehr vorwärts bewegen fünnen? Auch Majeftät jcheint etwas Nahrhaftes eſſen zu müſſen. Wenn fie daher befiehlt, jo läßt fich jest aus Krathanafa’s Fleifch ein nahr- ` 041९6 Mahl 33") bereiten.‘ : Als aber der Löwe dieſe feine abjcheuliche Nede hörte, fagte er von Zorn erfüllt: „Pfui, pfuil du gemeinfter Böſe—
Benfey, Pantfhatantra, IL. 6
82 ® ४८१९6 Buch.
wicht! wenn du das noch einmal fagft, fo werde ich Dich augenblicklich umbringen. Da ich ihm Sicherheit veriprochen habe, wie kann ich ९ nun ſelbſt tödten! Man fagt ja:
322. Kuhſpende niht, Landſpende nicht, nicht Speifefpende find fo das Höchſte als, nach der Weifen Urtheil, an aller Spen— den Spike 1९01 die Spende der Furdtlofigkeit. 332)
323. Sämmtliche Opfer, vollzogen mit der Spenden ४५४ trefflihften, wiegt. eines einz’gen angftvollen Gefchöpfes Lebens: ſich'rung auf.”
Nachdem er dies gehört, fagte der Schafal: „O Her! wenn das Kameel im Vertrauen auf die ihm gewährte Sicher: heit umgebracht wird, dann begehft du eine Sünde. Aber, wenn ९6 aus Ergebenheit gegen deine Majeftät fein Leben von felbft anbietet, dann begehft du feine Sünde. Wenn ९ fich daher felbft zum Tode. anträgt, dann darf ९ getödtet werden, oder einer von und muß umgebracht werden. Denn Majeftät bedarf einer nahrhaften Speife und geht, wenn der Hunger nicht geftillt wird, der Auflöfung entgegen. Wozu haben wir aber unfer Leben, wenn wir e8 nicht zum Nutzen unfres Herrn fahren laffen? Wenn Majeftäit etwas Unan— genehmes zuftößt, dann ift ९ unfre Pflicht, felbft rückwärts ins Feuer zu gehn. Man fagt auch:
324. Wer im Gefchlecht das Oberhaupt, des Leben ift auf jede Art zu wahren; wenn er dahin, ift auch das Haus vernich— tet 333): nicht fahren Räder nah zerbrochner Nabe.”
Nachdem er dies gehört, ſagte Madotkata: „Wenn dem fo ift, fo thue was dir gut fcheint.‘
Als der Schafal dies vernommen, ging er eilig zurüd und fagte zu ihnen allen: „Hört, hört! der Herr befindet fich fehr Schlecht. Das Leben figt ihm ſchon in der Nafen- 1४९. Wozu alfo das Herumjagen? wer wird uns in dieſem Walde fhügen, wenn er nicht mehr {११२ Drum laßt ung gehn und ihm, den die Krankheit: Hunger in die andre Welt” treiben will, unfre eignen Leiber zum Gejchenf machen, damit
Berfeindung von Freunden. Elfte Erzählung. 83
wir unfre Schuld für des Herrn Gnade abzablen. Man fagt ja:
325. Der Diener, unter des Augen den Herrn ein Mis- geſchick betrifft, fährt bei lebendigem’ Leibe hinunter in ven Höllenſchlund.“
Darauf gingen ſie ſogleich alle mit Thränen in den Augen zu Madotkata, verbeugten ſich und ſetzten ſich nieder. Als er ſie um ſich ſah, ſagte Madotkata: „Ach! habt ihr irgendein Thier gefangen oder geſehen?“ Darauf antwortete aus ihrer Mitte die Krähe: „O Herr! wir find ſchon allent- halben umhergerannt, haben aber fein Thier weder gefangen 100 gejehn. Deshalb möge der Herr 1९61 mich verzehren und dadurch jein Leben friften: jo wird Majeftät ſich erqui— den umd 10 werde in den Himmel fommen. Denn man fagt auch: +
326. Der Diener, weldyer treufinnig für feinen Herren das Leben läßt, gewinnt die höchſte Nangftufe, von Alter frei und frei von ३५१.
Nachdem der Schafal dies gehört, fagte er: „Ach! dein Körper 1 jehr Fein. Wenn er dich auch verzehrt, fo wird das dem König das Leben doch nicht friften; außerdem ift ९6 auch ſchädlich. Man fagt Ru:
327. Der Hund ſogar verſchmäht Kräh’nfleifch; ſelbſt wenig davon ift ungefund; wozu aud eine Speif’ effen, an der man 70 nicht fätt'gen kann?
Du haft nun deine Ergebenheit gegen den Herrn bewies jen und deine Berpflihtung für des Herrn Nahrung ab- getragen; auch haft du dir in beiden Welten einen guten Leumund erworben. Darum tritt zurüd, damit auch ich den Herrn anreden kann!“
Nachdem jo geichehen, beugte ſich der Schafal ehrfurchts- voll und fagte: „O Herr! erhalte dein Leben heute durch meinen Leib und laß mich beide Welten erwerben! Denn man jagt auch:
6 ”
84 ® ५१८६ Bud. 328. Dem Herrn gebührt des Dienftimannes Leben, da er's
durch Sold erwarb; darum begeht er auch Feine Sünde, wenn
er ९8 ihnen nimmt.‘ | |
Als er aber 014९6 gehört, fagte der Panther: „Ah, du haft Schön gefprochen! aber auch dein Körper ift ſehr Flein und, da Krallen deine Waffen find, jo gehörft du zu dem— jelben Gefchlecht und darfſt deshalb nicht von ihm gefreſſen werden. Man fagt ja
329. Kein Weifer efje Verbotnnes, wäre der Tod ihm no
fo nah, zumal wenn ९6, obgleich wenig, ihn doch um beide Wel- ten bringt
Du haft deine Blutsfreundfchaft nun bewielen. Sagt man ja Doc mit Necht auch Folgendes
330. Darum heben die Erdherrſcher ihre Verwandten zu 10 empor; denn dieſe Andern ſich nimmer, nicht anfangs, mitten, nicht zu End
Deswegen tritt zurück, damit auch ich mir des Herrn Gnade ९110९10९...
Nachdem fo gefchehen, verbeugte फ der Panther und Iprach zu Madotfata: „O Here! nimm jest meinen Leib zu deinem Lebensunterhalt. Im, Himmel णि mir eine ewige Wohnung zu Theil werden und auf dem Erdboden mein Ruhm fich in die mweitefte Ferne erſtrecken! drum trage एष fein Bedenfen hierbei! Man jagt ja:
331. Treuergebenen Dienftleuten, die geftorben für ihren Herrn, wird ew’ge Wohnung im Himmel, auf Erden großer Ruhm zu Theil.‘
Nachdem er dies gehört, dachte Krathanafa: „Sie haben doch fchöne Worte ausgefprochen und der Herr hat feinen einzigen umgebracht, Darum will auch ic; Angemefienes vor— tragen, damit fie alle drei meine Nede loben.‘ Nachdem er fich fo entfchloffen Iprach er: „Ah! was du fagft ift an— gemefien. Allein auch du bift ein Krallenfimpfer! wie fann alfo der Herr auch dich freffen? Man jagt auch:
कक् a" — nat पा १
Verfeindung von Freunden. Elfte Erzählung. | 85
332. Wer fogar nur im Geift heget Unbilden gegen fein Geichleht, den treffen ebendiefelben in diefer und in jener Welt.
Darum tritt Du zurück, damit ich den Herrn anrede!’
Nachdem fo gefchehen, trat Krathanafa hervor, verbeugte fich und fprach: „O Herr! dieſe darfſt du ja doch nicht effen. Deswegen laß dir meinen Leib zum Lebensunterhalt dienen, damit ich beide Welten gewinne. Denn man fagt auch:
333. Nicht Opfrer nicht fogar Büßer erreichen ſolchen hohen Rang, als brave Fürftendienftleute, die für den Herrn कि opferten.‘
Nachdem er jo gefprochen riffen ihm auf des Löwen Er- faubniß der Banther und der Schafal den Bauch auf, die Krähe hadte ihm die Augen aus und Krathanafa büßte jein Leben ein. Alsdann wurde er von allen Ddiefen gemeinen Scylauföpfen aufgefreffen. Daher fage ich:
334. Diele niedrige Scylauföpfe, die all फ nähren duch Pfiffigkeit, können zu Unrecht Recht machen, wie Kräh' und Sipp- ichaft beim Kameel. 339) +
Nachdem er diefe Gefchichte erzählt hatte fagte Sandſchiwaka weiter zu Damanafa: „So, o Lieber! ſeh' ich vollftäindig ein, daß dieſer dein König eine gemeine Umgebung hat und nicht verdient, von braven Mänz nern bedient zu werden. Denn man fügt auch:
335. Bei Kön’gen, welde unredlich, erglänzt ein Weiſer nimmermehr, jo wenig wie die Kriechente, die jih dem Geier zugefellt. 336)
Und fo:
336. Ehre jelbft den gei'rgleichen König, find Schwäne fein Gefolg, aber fcheue den fhwangleichen, wenn Geier feine Räthe find, 337)
Sicherlich ift er durch irgendeinen Böfewicht gegen mich aufgehegt worden. Darum ſpricht er fo. So geht es ja auch. Man fagt noch:
337. Wird dod des Berges harter Boden von weichem Waller untergraben und abgerieben, geſchweige ver Menjchen weiche Herzen vom Ohrgeflüfter ver Zwietracht Säenden.
338. Von ind Ohr geträufeltem Gift gebrochen, was thut
86 | Erſtes Bud.
die thörichte Menfchheit nicht? Sie weiht फ felbft dem Buddha— möndthum, trinkt Wein aus Menſchenhirn fogar. 338)
Sa mit Recht jagt man Folgendes
339. Obgleih mit Füßen getreten, obgleich gefchlagen mit hartem Stab, tödtet die Schlange doch einzig, wen jie mit ihrem Zahn berührt. Ganz anders noch ift der böſen Menjchen heim— tückiſch grauſam Treiben: dem einen hängen fie 19 ans Ohr und vernichten den andern 08 auf den Grund. 339)
Und fo:
340. Ah wahrlih eine Mordweiſe, der Schlangen ganzes Miderjpiel! dem einen hängt er am Ohre und dem anderen bringt er Tod. 340)
Da die Dinge fich aber fo gewendet haben, was ift nun zu thun? Sc frage dich weil du mein Freund bift.‘‘
Damanafa antwortete: „Es iſt angemeffen, dag du zunächſt in ein andres Land gehſt und einem folchen fchlechten Herrn nicht Dienit leiſteſt. Denn man jagt auch:
341. Selbit feinen geiftlichen Pater darf man verlaffen, wenn er ftolz, nicht unterfcheidet Necht, Unrecht und auf unrechtem Mege geht.” 341)
Sandſchiwaka fügte: „Es ift nicht möglich zu gehn, während der Herr gegen mic) aufgebracht ift. Auch werden die nicht glücklich =), die fich nach einem andern Ort entfernen. Denn man jagt aud): |
342. Ein Weifer, der gegen feinen Herrn gefehlt, ſchläft nicht, wenn er auch weit weg gebt; lang find des Verftändigen Arme; mit denen verlegt er, wer ihn verlegt hat.
Sp bleibt mir-denn fein Nettungsmittel außer Kampf. Man fagt auch:
343. Weder durch Pilgerfahrten noch durch Buße, noch durch hundert reiche Spenden erlangen die Paradiesbegehrenden jene Welten, zu denen in einem Augenblick die Helden in den Schlachten gelangen, nachdem fie eingebüßt ihr Leben mit tapferm Sinne. २५२)
344. Wer ftirbt, gewinnt ewiges Leben, höchſten Ruhm wer am Leben bleibt: fo fallen beide Vorzüge — ſonſt ſchwer zu erreihen — dem Helden zu. २५५)
Berfeindung von Freunden. Zwölfte Erzählung. 87
345. Zwei Männer ſind's, Die durchbrechen der Sonne Kreis in diefer Welt: der nur der Andacht lebende Mönch und der Held, der, vorn verwundet, fallt.
346. Das Blut, das triefend aus der Stirn herabfließt- in १८6 Helden Mund, ift gleich dem Somatranf, nah Vorſchrift im Schlachtenopfer dargebracht. =+)
347. Die Frucht, welche durch goldreiche, der Ordnung gemäß, nach der Vorſchrift über Spendungen, eine Menge von guten Brahmanen verehrende, mit vielen Geſchenken ausgeſtattete, wohl dargebrachte Opfer erlangt wird, oder durch Wohnen an Pilgerorten und in Einſiedeleien, duch heilige Werke, Buße, Faſten und Aehnliches: die Frucht erlangt in einem Augenblic der in der Schlacht gefallne Held.‘ 346)
Nachdem er dies gehört, dachte Damianafa: „Ich fehe, er hat den Entichlug gefaßt zu fämpfen. Wenn nun diefer fchlimme Gefell mit ſei— nen jcharfen Hörnern den Herrn anfällt, fo entiteht eine große Unannehm- lichfeit. Ich muß daher nochmals mit meinem Verſtand auf ihn zu wire fen und auszurichten fuchen, daß er in ein andres Land geht.‘ Darauf fagte er: „Ach, Freund! du haft fehr verftändig gefprochen. Aber was ift das für ein Kampf: ein Kampf zwifchen Herrn und Dienern!? Man fagt aud)
ˆ" 348. Wer einen ftarfen Feind erblickt, der ſei auf feinen Schutz bedacht; und die ftarfen follen ftrahlen gleichtwie des Mon— des Glanz im Herbſt. 347)
Und ferner:
349. Wer nicht des Feindes Kraft Fennend, dennoch den Kampf mit ihm beginnt, der wird, wie von dem Stranvläufer der Ocean, gedemüthigt.‘
Sandſchiwaka fagte: „Wie war das?” Damanafa erzählte:
306९ Erzählung. Der Strandläufer und der Dcean.
In einer Gegend am Ufer des Oceans wohnte ein Strand» läuferpärchen. Da wurde im Verlauf der Zeit 343) das Weib- hen, nachdem feine Brunftzeit gefommen war, trächtig. Als
88 Erſtes Bud).
fih nun die Brütezeit nahte, fagte fie zu dem Männchen: „Höre, Geliebter! meine Brütezeit naht heran. Laß uns deshalb einen Ort auffuchen, wo uns fein Unglüd droht, damit ich da die Eier legen kann.“ Der Strandläufer fagte: „Dieles Ufer 349) des Meers ift bezaubernd. Darum brüte du nur bier
Jene fagte: „Hierher tritt am Tage des Vollmonds die Meerflut über. 9) Die reißt jelbft wüthende Elefantenfönige fort. Drum laß und in der Ferne irgendeinen andern Ort aufjuchen!” Nachdem er dies gehört, fagte der Strandläufer lächelnd: „O Liebe! was du fagft, paßt ſich nicht. Wie groß ift denn das Meer, daß ९ meine Jungen verlegen fönnte? Haft du denn nicht gehört
350. Welcher Menſch möchte thöricht von freien Stüden in das Feuer fich fürzen, meldes den Weg zu den Wolfen ein- geihlagen Hat, rauchlos ift und immer großen Schreden ver- breitet? 351)
351. Wer weckt, gierig die Welt des Jama 2) zu jehen, den dem Gott der Vernichtung gleichen fchlafenden Leu’n, der ruht, nachdem er des mwüthenden Glefanten Knollen 33) zerfleifcht hat?
352. Wer fteigt hinab zu Jama's 32) Palaft und fordert von felbft den Vernichter furchtlos heraus: „Nimm bin mein Leben, wenn du irgend flarf genug dazu!“
353. Welcher Menfh, wenn er der Eigenſchaften Wirkung fennt, wird die Kälte durch Waſſer entfernen, wenn Falt ſich Morgenwind erhebt, gemiſcht mit Flöckchen Neifes? 3°%)
Darum lege nur hier ohne Zagen deine Eier! Man jagt auch:
354. Wer aus Furcht zu unterliegen feinen Wohnort im Stiche laßt, wenn von dieſem fein Weib Frucht trägt, nennen Meife fie unfruchtbar. 355)
Und fo
355. Wer gequalt von der Verachtung Pein, ſchimpflich lebend, doch leben bleibt, der follte nie geboren werden, Leid bringend der, die ihn gebar.“ 356)
Verfeindung von Freunden. Zwölfte Erzählung. 89
Indem der Strandläufer jo ſprach, lachte das Weibchen, welches den wahren Gehalt feiner Kraft fannte, und fagte: „Wahrlich, richtig und jehr paflend ift dieſes
356. Was foll die ſtolze Rede? du machſt dich zum Geſpött der Leute, o Indra unter ven Vögeln! ० Wunder! das Häschen nimmt das Maul fo voll, wie ein Elefant.‘ 357)
Der Strandläufer antwortete: „Was kann denn das Meer thun?“
Das Meer, da ९6 diejes hörte, dachte bei 1 : „Sieh' mir einer den Uebermuth dieſes WVogelgezüchts! Sagt man 000) mit Recht:
357. Dur wen wird eines ſelbſtgeſchaffne Ueberhebung zur Ruh' gebracht? Strandläufer jchläft die Füße aufwärts aus Furt daß fonft der Simmel bricht. 38)
Ih muß doc einmal aus Neugierde feine Macht kennen lernen! was er wol thun wird, wenn ich ihm die Eier weg- nehme.” Diefen Gedanken hielt ९6 feſt. Nachdem nun die Eier gelegt waren und das Weibchen des Futters wegen पवि entfernt hatte, nahm das Meer vermittelit der Flut die Eier weg. Als das Weibchen zurückkam und das Neft leer fand, ſprach fie jammernd zum Strandläufer: „O du Thor! ich hatte dir vorhergefagt, daß die Eier zur Zeit der Flut ver- loren werden würden, und daß wir darum jo weit als mög— lich weggehn ſollten. Aber aus Thorheit bift du übermüthig geworden und thuft nicht, was ich fage. Sagt man ja doch auch mit Recht:
358. Wer nicht befolget wohlwoll'nder Freunde Rede, der geht zu Grund, wie die thörichte Schildkröte, die vom Stocke herunterfiel. ०१)
Der Strandläufer ſagte: „Wie war das?“ Das Weib— chen erzählte:
90 Erſtes Bud.
Dreizehnte Erzählung. Die unfolgfane Schildkröte. ९)
Es wohnte einmal ०) in einem gewiffen Teiche eine Scildfröte, Namens Kambugriva.*) Diefe hatte zwei Sreunde welche zum Gefchlechte der Gänfe gehörten und die höchite Liebe zu ihr gefaßt hatten; ver eine hieß Sanfata**), der andere Vifata.***) Stets famen dieſe zu dem Ufer des Tei- ches; da erzählten fie fich einander viele Gefchichten von den Meifen unter den Göttern, Brahmanen und Königen, und zur Zeit de8 Sonnenuntergangs gingen jene in ihr Neft zu— rück. Im Verlauf der Zeit trocknete aber diefer Teich infolge von Negenmangel nad) und nad aus. Aus Schmerz über 01९९6 Unglüd jagten jene beiden: „Ach, Freund! diefer Teich ift zu bloßem Schlamm geworden. Wie wirft du nun beſte— hen können? In unfern 36%) Herzen ift nun Betrübniß.“
Nachdem er dies gehört, विद Kambugriva: „Ich kann ohne Wafler nicht leben. Dennoch laßt uns ein Hülfsmittel ausfinnen! Man jagt aud)
359. Für Verwandte ſowie Freunde eifert der Weiſe jeder- zeit, wie Manu fagt, mit Anftrengung, wenn fie ein Misgeſchick betrifft. 363)
Drum ſchafft einen ftarfen Strick und einen leichten Store ३०५) vor allem herbei, und fucht einen Teich auf, wel- cher viel Waffer enthält! dann befteige ich dieſen leichten Stock, ihr ergreift von beiden Seiten mit den Zähnen die beiden Spiten 365) und führt- mich fo zu dieſem Teich!“ Jene bei- den Sprachen: ,„D Freund, das wollen wir thun! aber du mußt ftil fchweigen wie ein Heiliger, der Schweigen gelobt hat; wo nicht, jo wirft du vom Stod herabfallen und dann in Stüde brechen.” Die Schildfröte fügte: „Gewiß! ich über—
*) ‚einen Naden wie eine Mufchel habend“; nach Wilſon „drei Linien, wie eine Mufchel am Halſe habend“ was Glück bedeuten foll.
"7, Hein‘. *x*)r
क =
—
Verfeindung von Freunden. Vierzehnte Erzählung. 91
nehme das Gelübde zu ſchweigen von jetzt an bis ich vermit— telſt des Fluges durch die Luft den Teich erreicht habe.“ Nachdem fo geſchehen, erblickte Kambugriva auf feinem Fluge eine unter ihm befindliche Stadt; deren Bewohner, da fie ihn fo fortgeführt ſahen, riefen voll Exftaunen: „Ah! da wird etwas von zwei Vögeln wie auf einem Wagen gefahren! ſeht, ſeht!“ Kambugriva aber, indem er ihr Gefchrei hörte,
fing an zu fprechen. Eben wollte er ſagen: „Ab, was ift
das für ein Lärm?‘ aber ehe er e8 noch halb ausgefprochen fiel er herab und wurde von den Stadtbewohnern in Stücke zerriffen. Daher fage ich
360. Wer nicht befolget wohlwoll'nder Freunde Rede, der geht zu Grund mie die thörichte Schilvfröte, die vom Stode her- unter fiel. 366)
Fortſetzung der zwölften Erzählung.
Ferner fagte fie auch:
361. Herr „Vorgeſorgt“ ſowol als auch Herr „Wenn's drauf ankommt“ nehmen beid' an Freuden zu, indeß aber Herr „Schickſalſchick“ zu Grunde geht.“ 367)
Der Strandläufer fragte: „Wie war das?" Das Weib- chen erzählte:
Vierzehnte Erzählung. Die drei 8110८.)
In einem Waflerbehäfter wohnten drei Fifche: Anägata- viohätri*), Pratjutpannamati**) und Jadbhavifchja.***) Da famen nun einſt Fijcher ?°%), ſahen dies Waller und fagten; „Ah, der Teich ift reich an Fischen! er ift noch nicht ein einziges mal von uns durchſucht. Doch für heute haben wir genug zum Lebensunterhalt und ९6 ift fchon Dämmerung geworden. Drum wollen wir morgen früh zurücfehren.‘
*) „der für die Zufunft Sorge tragende”, *5) „der in der Noth Rath wiſſende“. *##) ‚der forglos, was kommen wird, erwartende‘.
के
92 ` Erftes Bud.
AS Anägatavidhätri dieſe einem Donnerfchlag gleiche Rede gehört hatte, rief er alle Fiiche zufammen und ſprach Folgendes: ,, 90 ! habt ihr gehört, was die Fijcher 368) gejagt haben? Noch in diefer Nacht laßt uns in irgendeinen benach— barten Teich gehen! Man fagt ja:
362. Schwache müſſen fi wegflüchten, wenn fie ein ftarfer Feind bedroht, oder in eine Burg ſchließen 7%, ſonſt ift feine Rettung für fie.
Unzweifelhaft fommen diefe Fifcher zur Morgenzeit zurüd und vernichten alle Fiſche. Diefes ift meine Ueberzeugung. Darum ift e8 unrecht, hier aud) nur einen Augenblick zu ver— ziehen. Man jagt aud)
363. Weife, die einen Weg fennen, der Freude bringt und führt’ er auch in die Fremde, die fehn niemals Vernichtung ihres ९0106 und Stamms.“
Nachdem er diefes gehört, ſprach Bratjutpannamati: „Ah! was du fagft ift wahr! auch ich bilfige ९6. So laßt ung denn anderswo hingehn! Man fagt auch
364. Elende nur und muthlofe Krähen, Hirſche und Feig- linge leiden den Tod im Heimatland, weil vor der Fremde Furcht ſie ſchreckt. 714)
Und ferner:
365. Wer allerwärts wanderen kann, was will der aus Liebe zum eigenen Land verderben? adies iſt der Born meines Erzeugers!» ſprechend, trinkt brackiges Waſſer die feige Memme.“
Dies hörend ſprach darauf laut lachend Jadbhaviſchja: „Ah! was ihr beide gerathen habt, iſt nicht gut. Denn wie paßt es ſich, auf ein bloßes Wort von jenen, dieſen auf die Väter von den Großvätern übergegangenen 2) Teich zu ver— laſſen? Iſt Vernichtung über uns verhängt, ſo werden wir auch ſterben müſſen, wenn wir wo anders hingehn. Man
ſagt auch:
366. Der Schlangen und der Nichtsnutz'gen, von andrer
Schaden lebenden Plane werden nicht vollendet: dadurch beftehet diefe Welt. 373)
Berfeindung von Freunden. Zwölfte Erzählung (Fortfesung). 93
> Darum werde ich nicht gehen. Ihr mögt thun, was euch gefällt!‘
Nachdem fie darauf deſſen Entichluß erfahren hatten zogen Anägatavidhätri und Pratjutpannamati mit ihrem ७९ folge ab. Am folgenden Tage aber wurde diefer Teich von jenen Fifchern mit Negen durchfiicht +) und aller feiner Filche ſammt dem Jadbhaviſchja beraubt. Daher ſage ich;
367. Herr „Vorgeſorgt“ ſowol, als aud Herr „Wenns— draufsanfommt‘ nehmen beid’ an Freuden zu, indeß aber Herr „Schickſalſchick“ zu Grunde geht. 379) ` |
Fortfegung der zwölften Erzählung.
Nachdem er diejes gehört, fagte der Strandläufer: „Liebe, wenn du mich 796) etwa für einen Jadbhaviſchja hältft, To gib Acht auf meine Macht. Ich werde diefes böſe Meer mit meinem Schnabel austrodnen.” Das Weibchen fagte: „Ah! wie kannſt du mit dem Ocean fämpfen? deswegen ziemt ९8 ſich auch nicht 777) Streit gegen ihn zu beginnen. Man jagt auch:
368. Kraftlojfen Männern dient ihr Zorn zum eignen Ver— derben: ein über die Maßen glühender Topf verbrennt zumeiſt die eignen Wände. 379)
369. Der Thörichte, der mächtigen Nofjen in die Zügel fällt, kommt um durch feine eigne Schuld; nicht wahrlih macht mit jeinem Willen dies lichtentflammte (Feuer) Motten zur Flam— menzehrung.‘ 379)
Der Strandläufer fagte: „Liebe, ſprich nicht fo! die, welche die Kraft der Standhaftigfeit befigen, beſiegen Mächtige, wenn fie ſelbſt auch jehr Fein find... Man jagt auch:
370. Grad in deſſen Machtfülle tritt wer ſich nichts gefallen läßt dem Feind entgegen, wie Rahu 330) den Monde. jet noch, wenn er voll.
Und jo:
371. Wenn feine Kraft am allergrößten, dev braune Saft 3९1)
94 Erſtes Bud
vom Schlaf ihm trauft, dann legt der Leu den brunftwilden Ele— fanten den Fuß aufs Haupt
Und ferner
372. Die Sonne, wenn fie faum erftand, jest auf die Berge ihren Fuß: bei dem der von Natur Muth hat, kommt das Alter nit in Betracht. 382) 1148
Und fo
373. So groß der Elefant, er folgt dem Stachel und ift der Stachel dem Elefanten an Größe gleih? Entbrennt die Fackel fchmwindet hin das Dunkel und ift das Dunkel ver Fadel an Klein— heit gleih? Vom Donnerfeil getroffen jinfen Berge und ift der Donnerkeil एला Berg an Größe gleih? Wes Muth erftrahlet, der bejißet Stärke; wer darf vertrau’n auf Größ’ allein?
Sp werde ich mit diefem Schnabel fein ganzes Waſſer auftrocknen.“ |
Das Weibchen fagte: „Ach Lieber! wohinein 416 die कवा 08 fließt, nachdem fie neunhundert Flüffe in fih auf genommen, und eben fo der Indus, wie Fannft du das von achtzehnhundert Flüffen angefüllte mit einem nur einen Tro— pfen 383) tragenden Schnabel austrodnen? Wozu alfo ſolch' unglaubliches Gerede?” Der Strandläufer antwortete: „Liebe!
374. Nicht verzagen ift Glücks Wurzel; mein Schnabel ift dem अधि gleih. Wie गि in langen Tag und Nähten nicht austroefnen der Ocean?
Und fo:
375. Schwer zu erwerben ift Herrlichkeit, folang der Mann nicht feine Mannheit braucht; ſowie die Sonne der Wage Bild befteigt, befiegt fie der Wolfen Scharen ſelbſt.“ 38%)
Die Strandläuferin fagte: „Wenn du denn unumgäng- (ich den Kampf mit dem Deean unternehmen mußt, dann rufe auch Die andern Vögel zu Hülfe und greife mit Deinen Freunden vereint an. Denn man jagt auch: -
376. Vieler Cin’gung bringt Stärfe, wenn fie einzeln auch alle ſchwach: aus Gräfern wird das Seil geflochten, das felbft den Glefanten hält. 389)
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Perfeindung von Freunden. Funfzehnte Erzählung. 95
Und fo:
377. Bon dem Sperling und Baumbhader, ver Fliege und dem Froſche wird Durch die Feinpfchaft eines Edlen ein Elefant zu Tod gebradyt.‘ 386)
Der Strandläufer fagte: „Wie war das? "Die Strand: läuferin ſprach:
Funfzehnte Erzählung. Der Bund der Schwachen gegen den Elefanten.
In einer Waldgegend wohnte ein Sperlingspaar, welches auf einem Tamalabaum 397) ſein Neſt gemacht hatte. Im Fortgang der Zeit ward ihm aber Nachkommenſchaft zu Theil. Eines Tages Fam ein brünftiger Walvelefant, von Hibe ges quält, zu diefem Baum, um Schatten zu fuchen. Da riß er im Uebermaß feiner Wuth mit der Spige feines Rüſſels an dem Zweig, auf welchem die Sperlinge hauften und zerbrach ihn. Durch deſſen Bruch zerjchellten auch alle Eier des Sper- lingweibchend und wenig fehlte, daß auch die beiden Sper- linge ihr Leben dabei eingebüßt hätten. Das Weibchen aber, von Schmerz über die Zerftörung feiner Gier überwältigt, brach) in Klagen aus und wurde gar nicht wieder vergmügt. Mittlerweile hörte ein Vogel, Baumbader*) mit Namen, der ihr aufs höchfte befreundet war, ihren Sammer und aus Mit- feid mit ihrem Schmerz befuchte er fie und fagte: „Ehrwür— 00९! wozu das vergebliche Klagen? Denn man fagt ja:
378. Was verloren, verfaumt, todt ift, beflagen die Klu— gen nimmermehr; durch dieſes grade find Kluge verfchieden von den Thoͤrichten.
Und fo:
379. Um Weſen foll man nicht lagen, wer ein Thor ift beflaget fie; der ſchafft Schmerzen jih aus Schmerzen und leidet doppelt Misgeſchick.
*) |. N. 386.
96 ® ५१८5 Bud.
Und ferner:
380. Der Verwandten Schleim und Thränen genießt ungern der Todte nur: drum nicht geweint! vollzieh' aber die Todten— brauche foweit du kannſt.“ 388)
Das Sperlingsweibchen fagte: „Das ift wahr! aber warum hat jener böfe Elefant aus Wuth meine Nachfommen- fchaft vernichtet? wenn du in Wahrheit mein Freund bift, fo finne auf ein?®%) Mittel diefem Auswurf von Elefanten den Tod zu bereiten, damit nad) deſſen Vollendung der Schmerz um den Verluft meiner Nachkommenſchaft aufhöre. Man fagt ja:
381. Iraun! zum zweiten mal geboren ift der Mann, der vergolten Hat dem der im Unglück ihm Hülfe und der ihm Spott geboten hat.‘ 390)
Baumhader fagte: „Du fagft die Wahrheit. Es heißt auch:
382. Ein Freund iſt, wenn er gleich fremden Stammes, wer treu im Unglück bleibt; denn im Glücke iſt jedweder jed— möglichen Geſchöpfes Freund.
Und ſo:
383. Ein Freund iſt wer im Unglück Freund; ein Sohn der, welcher Sühne ſchafft, ein Diener der, der ſeine Pflicht kennt, eine Gattin, die glücklich macht. 39%)
Sp lerne denn die Macht meines Verſtandes Fennen! Ich habe aber auch noch .einen Freund, eine Fliege, mit Na- men Vinarava*); zu der gehe ich und rufe fie zu Hülfe, da- mit diefer böfe fchlechte Elefant getödtet wird.”
Darauf ging er mit dem Sperlingsweibchen zur. Fliege und fügte: „Liebe! dieſes Sperlingsweibchen, meine Freun— din, ift von einem böfen Elefanten durch, die Zerbrechung ihrer Gier ſchwer verlegt. Ich will nun verfuchen ihn zu tödten, und dabei leifte mir Beiſtand!“ Die Fliege aber antwortete „Liebe! wozu bedarf e8 bei diefer Sache vieler Worte? Denn man jagt auch
) ‚die wie eine Leier tönende“.
Berfeindung von Freunden. Funfzehnte Erzählung. 97
384. Um der Wierervergeltung willen erweifen Freunde Liebes fih; was aber von des Freunds Freunde geſchieht, thut das der. Freund nicht jelbit? 392) |
Das ift wahr! aber auch ich habe einen jehr treuen Freund, einen Froſch, Meghanada*) mit Namen; auch den wollen wir zu Hülfe rufen und dann thun was vienli if. Es heißt auch:
385. Bon Guten, Tugendhaften, Weifen, ver heiligen Schriften Kundigen, Klugen erdachte Rathſchläge gelten nimmer für zweifelhaft.‘
Darauf gingen fie alle drei zu Meghanada und theilten ihm die ganze Angelegenheit mit. Diefer aber fagte: Wie groß 1 denn ein folcher elender Elefant im Vergleich zu einem Edeln, welcher heftig erzürnt ijt? 39%) Drum laßt ung mei— nen Rath ausführen. Du, Fliege, gehe um Mittag und mache im Ohre diejes vor Wuth aufgeblähten Elefanten ein Geräuſch, ähnlich ven Tönen einer Leier, damit er vor Wol- luft über den Ohrenſchmaus die Augen fchließt. Alsdann hadt ihn Baumbacder mit feinem Schnabel die Augen aus; blind und von Durft gequält, hört er dann mein und meines Gefolges Gequaf, während wir und auf den Nand einer Grube ſetzen; er fommt heran, meinend es wäre ein Teich da, nähert ſich der Grube, fällt hinein und fommt ums Leben. Sp müfjen wir in Einverftändniß wirfen, damit unfer Haß von Erfolg gekrönt wird.‘
Nachdem dies darauf geichah, Ichloß der Elefant vor Vers gnügen am Gefang der Fliege die Augen, verlor das Geficht durch (न und indem er um die Mittagszeit ??% von
urft gequält umberirrte, folgte er dem Gequak der Fröjche, fam zu einer großen Grube, fiel hinein und ſtarb. Daher 1१4९ ich
386. Bon dem Sperling und Baumbader, der Fliege und dem Froſche wird durd die Feindſchaft eines Edeln ein Elefant _ zu Tod gebracht.‘ 39°)
*) „der wie eine Wolfe tönende “., Benfey, PBantichatantra. II. 7
98 | | ® ५7९८5 Bud.
Sortfegung der zwölften Erzählung.
Der Strandläufer fagte: „Liebe, fo fol gefchehen! Mit Hülfe aller meiner Freunde werde ich das Meer austrocknen.“ Nachdem er dies befchloffen, rief er alle Vögel: Kraniche, Störche, Gänfe, Pfauen und fo weiter zufammen und fpradh: „Hört! ich bin vom Meer dadurch, daß ९ mir meine Gier geraubt hat, jchwer verlegt. Drum laßt uns ein Mittel er- finnen, e8 auszutrodnen!‘
Diefe pflogen darauf alle miteinander Rath und fagten: „Bir find zu fchwac das Meer auszutrodnen. Wozu alfo eine vergebliche Anftrengung? Man jagt aud:
387. Der Shmwahe, der vor Stolz thöricht einen über: gewalt’gen Feind befämpft, der fehrt zurüd wie ein Clefant mit zerbrochnem Zahn.
Da haben wir unfern Gebieter, den Vogel Garuda. ५९) Laßt ung dem nun dieſe ganze verächtliche Behandlung Fund thun, damit er erzürnt über die Verachtung feines Geſchlechts in Kummer gerathe, oder vielleicht auch feinen Stolz zeige. Aber auch das ſchadet nichts. Denn man jagt auch:
388. Wer einem unzweideutigen Freund, einem tugenphaften Knecht, einer treuergebnen Gattin, einem wohlgefinnten Seren feinen Kummer klagt, wird froh. 397)
Nachdem fo geichehn, gingen alle diefe Vögel mit ९९ trübtem Geficht, die Augen vol Thränen, mit jämmerlichem Gefchrei zu dem Vogel Garuda und fingen an zu zürnen. „Ach, diefe Gottlofigfeit! diefe Gottlofigfeit! Während du unfer Gebieter bift, find von dem Meere diefem redlichen Strand- läufer feine Eier geraubt. So ift ९6 denn jest aus mit dem Gefchlecht der Vögel! Auch alle andern werden ९6 wie das Meer, fobald fie Luft haben, vernichten. Man fagt auch:
389. Sp wie er’3 von dem einen fieht, fo thut der andre Böſes auch: ४८ Melt thut nah, was einer vorthut; nie ſchert fie 10 um das was rede.
Und fo:
(द ^, ala 3 >"
Berfeindung von Freunden, Zwölfte Erzählung (Fortfegung). 99
390. Gegen Betrüger, Nihtswürd’ge, Diebe, Mörder und Aehnliche muß man die Untergebnen ſchützen, und gegen in Trug 19 Hüllende 398)
Und ferner:
391. Wer feine Unterthanen hust, zieht ihrer Tugend ſechs—
` tem Theil; wenn er fie aber nicht ſchützet, trägt er ein Sechstel
ihrer Schuld. ३१५)
392. Aus des Unterthans Leidflammen hebt ſich der Feuer: gott und rubt nicht eh'r, bis er verbrannt gänzlich des Königs Glüf und Haus und ५८१. *00)
393. Der Fürft ift Aug’ den Auglofen, Blutsfreund denen, die freundelos, der Fürft ift Vater und Mutter allen rechtſchaffen Mandelnden. |
394. Gin König, der nadı Frucht ftrebet, pflege der Welten eiferooll mit Spende, Ehre, wie Gärtner mit Wafler ihrer Schößlinge. #94)
395. Gleihwie ein zarter Baumfhößling, wenn er mit Sorgfalt wird gepflegt, Früchte zu feiner Zeit ſpendet, fo die Melt auch, wenn gut regiert. 402) ५५
396. Gold, Getreide und Juwelen, कणी und Wagen man— her Urt und jo aud, was fie ſonſt haben, fommt den Fürften vom linterthan.‘’ 303)
Nachdem aber der Garuda dieſes gehört hatte, fühlte ex Mitleid mit dem Schmerz der Strandläufer, wurde von Zorn ergriffen und dachte: „Ha! was diefe Vögel jagen, ift wahr! So laßt uns denn fogleich gehn und das Meer austrocknen!“ Indem er fo dachte, fam der Bote des Wifchnu zu ihm und jagte: ,, 40९, Garuda! der erhab’ne Närajana ++) fehicft mich zu dir. Der Erhab’ne will nad) Amaräyatt*%) gehn, um die Angelegenheiten der Götter zu beforgen. Drum komm eilig zu ihm!”
Nachdem er dies gehört, fagte der Garuda voll Empfind— lichkeit zu ihm: „Ah, Bote! wie kann ich, ein verächtlicher Knecht, dem Erhab’nen dienen? Geh’ deshalb und ſprich zu ihm: «Es möge ein andrer Diener ftatt meiner zu feinem
7 *
100 Erftes Buch.
Träger gemacht werden.» Ich laſſe mid) dem Erhab’nen em— pfehlen.“ Der Bote fagte: „O Sproß der Vinatk! 9) nod) niemals haft du etwas der Art zu dem Erhab’nen gejagt. Sag’ an! hat did) der Erhab’ne etwa geringichäßig behandelt?‘
Der Garuda fagte: „Won dem Meer, welches des Er- hab'nen Ruheſtätte bildet, find meinem Diener, dem Strand- (äufer, feine Eier geraubt. Wenn er dieſes num nicht beftraft, jo bin ic) des Erhab'nen Diener nicht länger; diefen meinen Entſchluß mögeft du vermelden. Darum gehe jo raſch als möglich bin zu dem Erhab’nen!‘
AlS der Erhab’ne darauf aus dem Munde feines Boten erfuhr, daß der Sproß der Vinataͤ aus Liebe erzürnt धि, fo dachte er: „der Zorn #9) des Garuda 1 gerecht. Deswegen will ich दीं gehn, ihn unter Achtungserweifung ermahnen und ihn holen. Man fagt auch:
397. Einen treuen, ftarfen Diener von hohem Haus ver- achte nicht! Wie einen Sohn ſollſt du ihn lieben; wünſchſt du dir jelber Wohlergehn. |
Und ferner:
398. Der Fürft, zufrieden mit den Dienern, gibt ihnen Ehr allein zum Lohn; fie aber bringen für bloße Ehre ihr Leben jelbft zum Danfe dar.‘ ५०5)
Nachdem er diefe Betrachtung angeftellt hatte, ging er eilig nad) Nufmapura*) zu dem Sproß der Vinata. Dieſer aber, da er den Erhab’nen zu feinem Haufe kommen पि), jenfte vor Scham das Geficht zu Boden, verbeugte ſich und fagte: „O Erhab’ner! 1९९; das Meer, weldyes übermüthig ift, weil e8 deine Nuheftätte bildet, hat meinem Diener feine Eier geraubt und mic geringichägig behandelt. Aus Scheu vor dem Erhab’nen habe ich gezögert, ohne fie würde ich ९8 7190) heute austrodnen. Denn man jagt aud):
399. Eine Handlung, die ihres Gebieters Herz beleidigt oder quält die thuen treue Dienftleute nie und ging es ans Leben auch.“
.
*) „Goldſtadt“.
ध कवन `
Berfeindung von Freunden. Zwölfte Erzählung (Fortfegung). 101
Nachdem er dies gehört, fagte der Erhab’ne: „O Sohn der Vinata! was du gefagt haft, ift wahr. Denn man fagt auch:
400. Strafe, die eines Knechts Fehler hervorruft, trifft den Heren zugleich; denn die Schande, die fie bringet, fallt mehr auf ihn als auf den Knecht.
Darum fomm, damit wir dem Meer die Gier wieder abnehmen, fie dem Strandläufer bringen und dann nach Ama- rapurt #09) gehen!‘ `
Nachdem jo gefchehen, ſprach er, den feurigen Pfeil auf den Bogen legend, drohend zum Meere: „Ha, du Böſewicht! gib #19) dem Strandläufer feine Eier heraus! wo nicht, fo trockne 10) dich aus.”
Darauf gerieth das Meer in Furcht und gab dem Strand: fäufer feine Gier zurüd. Dieſer aber händigte fie feinem Weibchen #1!) ein. Daher jage ich:
401. Wer nicht des Peindes Kraft kennend, dennoch den Kampf mit ihm beginnt, der wird, wie von dem Strandläufer der Ocean, gedemüthigt.“ *12)
Nachdem Sandſchiwaka dieſes gehört, fragte er ihn weiter: „Höre Freund! woran faun ich erfennen, daß er böſe Geſinnungen gegen mich hegt? So lange Zeit bin ich von ihm ſtets mit immer mehr zunehmender Liebe und Gunit behandelt und habe niemals eine Nenderung an ihm erblidt. Drum ſag' es, damit ich meiner eignen Rettung wegen mic erhebe, um ihn zu tödten.‘‘
Damanafa antwortete: „Lieber! was ift da zu erfennen? Folgendes wird dic überzeugen: Wenn, fobald er dich erblickt, feine Augen ſich röthen, er die Augenbrauen zufammenzieht, ſodaß fie einen Dreizack bil den und feine Mundwinfel mit der Zunge beleckt +13), dann ift ev bös— gefinnt, fonit ift er gnädig. Jetzt entlaß +) mich, ich gehe nach meinem Haufe zurück; du! trag” Sorge, daß der Beſchluß nicht. verrathen wird. Wenn #15) du, jobald es Nacht wird, gehen fannit, jo mußt du das Land verlaffen. Auf diefe Weife mußt +16) du dich, fei es durch Schmei- chen, Verrath, Beltechung, Gewalt oder anderes retten. Denn man fagt auch:
402. Sogar durd Weib und Kind jhüget fein Leben der Verſtändige: bleibt ihm nur dies, fo füllt alles andre Lebenden wieder zu |
102 ® १९5 ॐ प).
Und fo
403. Durch jedes mögliche Mittel, ſei e8 recht oder ungerecht, 1९116 der Schwache fein Leben! der Starke wandle nad) dem Recht, #17)
404. Wer Hin und ber bethört ſchwanket zwifchen Leben- und Geldverluft, dem kommt das Leben abhanden und mit dem ift auch jenes hin.“ | -
Nachdem er fo gefprochen, ging Damanafa zu Karatafa. Karataka aber, als er ihn erblickt hatte fagte: ,‚‚Lieber! was haft du durch deinen eg dahin ausgerichtet?‘ Damanafa antwortete: „ich habe fürs erfte nur den Samen zur Intrigue ausgefäet. Das Weitre hängt nun vom Gang des Schickſals ab. Man jagt aud)
405. Selbft wenn das Schiefjal ungünftig, erfüll der Weife feine Pflicht, damit er frei von Schuld bleibe und Fraftig halte feinen Geiſt.“ |
Karatafa fagte: „ & fage denn, was für einen #13) Samen der Intrigue du ausgefäet haft?’ Iener antwortete: „Ich habe durch lüg- nerifche Reden zwifchen beiden folches Mistrauen gegeneinander erweckt, daß du fie nicht mehr an einer Stelle ftehend miteinander wirft rathichla- gen ſehn.“ Karatafa fagte: „Ach! vu haft nicht vecht gethan, das du diefe beiden, deren Herz in wechfelfeitiger Liebe ſchwamm, die in Freude hauften, in das Meer des Zorns gefchlendert haft. Man fagt auch:
406. Wer einen glücklichen Harmloſen in vie Straße des Unglüfs treibt, der wird in allen Wiedergeburten unzweifelhaft unglüdflid fein.
Ferner ift ९6 auch nicht recht, daß du nur an Swietracht Vergnü—
gen findeit. Denn Böſes zu thun ift jedermann fähig, nicht aber Gutes, Man fagt auch
407. Derderben eined andern. Werf fann aud der Niedre, fördern nicht; auh der Sturm kann ven Baum fällen, 2४0 ihn aufrichten nimmermehr. ^ ५1५)
Damanafa fagte: „Ach! vu Fennft die Vorschriften der Lebensflug- heit nicht, darum fprichft du fo. Es heißt auch:
408. Wer fein Wohl wünſcht, foll nie überfehn den Feind, der fich Heben will; wie die Weifen gelehrt haben, find der und Krankheit gleicher Art.
Berfeindung von Freunden. Sechzehnte Erzählung. 103
Jener ift nun unfer Feind, da er uns unjre Minifterftelle geraubt 091. Es heißt auch:
409. Wer eines andern erbliche #20) Stellung ihm abgewin- nen will, ift fein natürlicher Gegner; man rott' ihn aus, liebt man ihn gleich.
Seit er yon mir aus Unbedachtfamfeit vermittelt des Verſprechens der Sicherheit herbeigeführt ward, bin ich auch durch ihn aus meiner Mi: nifterftellung verdrängt. Sagt man ja doch mit Recht:
410. Wenn der Gute dem Böſewicht Cingang in fein Gebiet erlaubt, dann ift diefer, jobald er will, mächtig zu jenes Unter- gang. Darum veritatte nimmermehr der Verftändige dem Gemei— nen Raum: bier gilt wie ८6 im. Sprichwort heißt: «der Ehe— brecher wird Hausherr felbft ».
Deswegen habe ich diefes eingefädelt, um ihn zu verderben: damit ` er das Land verläßt oder umfommt, und diejes foll niemand außer dir #21) erfahren. So ift diefes von mir mit Necht zum eignen Vortheil unter: nommen. Denn es heißt auch:
411. Grbarmungslos das Herz mahend, die Stimme aber wie Zuder füß, laß fahren jeglichen Zweifel und tödte, wer dir Böſes thut. 422)
Außerdem wird diefer Sandſchiwaka, fobald er getödtet iſt, uns aud) zum Eſſen dienen. Das ift zunächſt ein Vortheil der Feindfchaft. Als: dann wird uns auch das Miniiterium und Wohlfein zu Theil. Da uns nun dieſes dreifache Gut bevorfteht, wie kannſt du mir Dummheit vor: werfen? Denn man fagt aud):
412. Der Weife wäre unfinnig, welcher nicht wie Tſchatu— rafa jhmaufte, wenn er dem Feind Leiden, 19 jelber Vortheil ſchaffen kann.“
Karataka ſagte: „Wie war das?“ Jener erzählte: 9 |
Sechzehnte Erzählung. Der liftige Schakal.
In einer gewiffen Waldgegend wohnte einmal???) ein Löwe, Namens Vadfchradanfchtra.*) Diefer hatte zwei Dies
*) „Zähne wie Diamanten habend +.
104 ® ५१८5 Bud.
ner, welche ihn ftet3 begleiteten und mit ihm in dieſem Walde wohnten, einen Schafal, Tſchaturaka*), und einen Wolf, Kravjamufha**) mit Namen. Eines Tages aber begegnete der Löwe einmal einem weiblichen Kameel, welches dem Ge- bären nah durch feine Geburtswehen von der Heerde ab- gekommen war und fi) im Walde niedergefegt hatte, Nach: dem er e8 nun getödtet und ihm den Bauch aufgeriffen hatte, fam ein lebendiges kleines Kameeljunges heraus. Der Löwe jättigte fich vollftändig an dem Fleiſch des Kameelweibchens. Das junge verlafj’ne Kameelchen aber führte er aus Mitleid nach feinem Haufe und fprach zu ihm: „Mein liebes! weder von mir noch auch von einem andern haft du den Tod zu befürchten, drum fchweife nach deinem Belieben in dieſem Wald mit Tſchaturaka und Kravjamukha vergnügt umher! Da deine Ohren***) wie ein Spießr) ausſehen, fo नी du den Namen Sanfufarnarr) führen. Nachdem jo geichehen, brachten alle vier ihre Zeit damit zu, daß fie an einem und demjelben Drt fpazieren gingen und das Vergnügen der man— nichfachften Unterhaltung miteinander genoſſen. Sanfufarna aber, nachdem er zum Sünglingsalter herangewachfen war, verließ den Löwen aud nicht einen Augenblid.. Da hatte nun Vadfchradanfchtra einft einen Kampf mit einem wüthen— den Elefanten zu beftehen. Durch diefen wurde er infolge der Kraft feiner Wuth durch Stöße mit dem Stoßzahn am Körper fo ſehr verwundet, daß wenig fehlte, daß er das Un— glück gehabt hätte, getödtet zu werden. Als er ſich darauf mit feinem von Stößen entfräfteten Körper nicht rühren fonnte, da fprach er, mit von Hunger abgezehrter Kehle: „Ach! fuchet irgendein Thier, damit ich, obgleich ich mich in diefem Zu—
*) „verfchlagen ^. **) „Fleiſchmaul habend ^. ***) im Sanskrit karna. 7) im Sansfrit canku. tr) „Ohren wie Spieße haben» *.
Berfeindung von Freunden. Sechzehnte Erzählung 105
ftand befinde ++), e8 tödte und von mir und euch den Hun- ger abwende
Nachdem fie dies gehört, irrten fie alle drei im Wald 016 zur Dämmerung umber, trafen aber gar fein Thier an Da dachte Tichaturafa: „Wenn diefer Sankukarna umgebracht wird, dann haben alle auf einige Tage #5) Nahrung; aber der Herr wird ihn aus Freundfchaft und weil er fein Schüß- fing ift, nicht umbringen. Ich werde jedoch durch die Macht meiner Klugheit des Herrn Gedanken lenfen und bewirken, daß er ihn tödtet. Denn ९6 heißt auch:
413. Nichts gibt e8 in der Welt, das nicht vernicht-, er— reih= und ausführbar für ven Verſtand Verftanvyoller; darum ftrenge man dieſen an!
Nachdem er jo überlegt hatte, fagte er zu Sanfufarna Folgendes: „He! Sanfufarna! Der Herr wird, wenn er feine nahrhafte Speife erhält, doch gewaltig von Hunger gepeinigt; wenn der Herr weg ift #26, jo trifft auch ung jelbit Verderben. Darum will ich um des Herren willen ein Wörtchen Iprechen. Hör an!“ Sanfufarna jagte #7): „O Lieber! Thu’ es mir fo fchnell als möglich fund, damit ich, ohne mich zu befinnen, dein Geheiß ausführe. Wenn ich dem Herrn etwas Gutes erweife, fo habe ich ja hundert gute Werfe damit verrichtet.‘ Zichaturafa ſagte: „Strecke dem Herrn deinen Körper vor, unter der Bedingung, ihn doppelt zurüczuerhalten, ſodaß dir ein doppelter Leib zu Theil wird, der Herr aber ein Mittel gewinnt, fein Leben zu erhalten. Nachdem er dies gehört, jagte Sanfufarna: ‚Lieber! Wenn du fo meinft, jo ift dies ja gerade mein VBortheil; man fage alfo dem Herrn, daß eben— diejes gethan werden möge. Doch muß ich in dieſer Sache den Gott der Gerechtigkeit वह Bürgen fordern.‘ #23)
Nachdem diefer Beichluß gefaßt war, gingen fie alle zu— jammen zw dem Löwen. Darauf fagte Tfchaturafa: „Ma: jeität! Kein #29) einziges Thier ift heute gefangen. Die er- 0407९ Sonne ift aber umtergegangen. #9) Wenn du jedod) des Sankukarna Leib verdoppelt zurücdzahlen willft und den
106 Erftes Bud.
Gott der Gerechtigkeit zum Bürgen *8) gibft, fo überliefert er dir denjelben. Der Löwe fagte: „Wenn dem fo ift, fo ift
das fehr ſchön. Der Gott der Gerechtigkeit #3) fol zum
Bürgen diefed Handeld gemacht werden.‘
Darauf wurde unmittelbar nach des Löwen Rede dem Sanfufarna von dem Wolf und dem Schafal der Bauch auf geriffen, jodaß er ftarb. Alsdann ſprach Vadſchradanſchtra zu Tſchaturaka: „Hör! Tſchaturaka! Halte forgfältig hier Wacht, bis ih, nachdem ich zum Fluß gegangen, gebadet habe und nach Verrichtung meiner Andacht ५31) zurückkehre.“ Nachdem er jo gefprochen, ging er zu dem Fluß.
[6 er nun weg war, dachte Tichaturafa: „Wie fann ich es machen, daß ich diefes Kameel allein zu eſſen bekomme?“ Nachdem er fo überlegt, Iprach er zu Kravjamufhar „Hör'! Du bift hungrig; drum iß, fo lang der Here noch nicht zu= rückkehrt, vom Fleifch dieſes Kameels; ich werde dich vor dem Heren für unfchuldig erklären.‘ Als jener aber, nachdem er dies gehört, kaum ein bischen Fleifch gefoftet hatte, rief ihm Zichaturafa zu: „He! He! Kravjamufhal Der Herr fommt zurück! Laß alfo ab davon und ftelle dich’ weit weg, damit er nicht merft, daß davon gegeffen iſt.“
Nachdem fo gefchehen war, kam der Löwe herbei. Wie er das Kameel fieht, fo war das Herz deffelben weg. Da 309 er die Augenbrauen zufammen und fagte mit großer Hef tigkeit: „Ha! Wer hat gemacht, daß das Kameel zu einem Ueberbleibfel geworden iſt?*22) वि an, damit ich auch den umbringe.” Nachdem dies gefagt war, blickte Kravjamufha nach Tſchaturaka's Mund, er wollte damit natürlich fagen: „Sprid doch etwas, damit ich gerettet werde. Tſchaturaka aber fagte ſpottend: „He! Nachdem du vor meinen Augen das Herz des Kameels gefreſſen haft, fiehft du jegt nad) mei— nem Mund. So fofte denn die Frucht des Baums deiner
Ichlechten Aufführung!” Nachdem er dies gehört, ging Kravjas .
mufha aus Furcht für fein Leben nad) einem andern Land, um niemals wieder zurüczufehrenz der Löwe aber blieb da.
a ar क त a चका
Perfeindung von Freunden. Sechzehnte Erzählung. 107
Mittlerweile kam durch des Schickſals Fügung auf ebendiefem Wege eine große mit Laften beladene Kameelfaravane; an den Hals des an der Spige gehenden Kameeles war eine große Glocke befeftigt. Deren Ton hörte der Löwe ſchon aus der Ferne und ſprach zu Tichaturafa: „Lieber! Sieh doch nad, warum fich diefer fchrecfliche, nie vorher gehörte Ton hören läßt!” Nachdem er dies gehört, ging Tſchaturaka ein wenig in das Innere des Waldes, Fam dann eilig zurück umd fagte voll Zucht: „Herr! Mac’ dich for! Mac’ dich fort, wenn du gehn kannſt!“ Diefer Sprach: „Lieber! Warum erfchreckit du mich fo? Sprich Doc, was ift es?“ Tſchaturaka fagte: „O Herr! Es ift der König der Gerechtigkeit, welcher gegen dich erzürnt ift. Er jagt natürlih: «Mein Kameel ift von ihm, nachdem er mich zum Bürgen gegeben hat, vor der ihm beftimmten Zeit umgebracht 3); darum will ich mein Kameel tanfendfältig von ihm nehnten». Nachdem er dies befchlofen, hat er einen großen Kameelfhmudf genommen und an den Hald des an der Spige gehenden -Stameel8 befeftigt und fommt nun zugleid) mit dem Vater und den Ahnen, welche zu dem getödteten Kameel gehören, um Wiedervergeltung zu üben.” Der Löwe aber, da er dies alles aus der Ferne er— 01५1९, ließ das todte Kämeel im Stich und machte ſich aus Furcht für fein Leben auf und davon. ५०५) Tchaturafa aber fraß in aller Muse das Fleifch des Kameeld auf. Darum jage ich: |
414. Der Weife wäre unfinnig, welcher nicht, wie Tſchatu— rafa, ſchmauſte, wenn er dem Feind Leiden, 19 ſelber Vortheil ſchaffen kann.“ #35)
Als aber Damanaka weggegangen war, überlegte Sandſchiwaka: „Was habe ich gerhan?! 34, ein grasfrefiendes Gefchöpf, babe Freund: ſchaft mir einem fleifchfreffenden gefchlofien ?! Sagt man denn nicht mit Recht :
415. Der nahet jih Unnahbarem, der nicht zu Ehrende ver: ehrt; er zieht den Tod ſich zu felber, wie ein Maulthier, das ſchwanger wird, #36)
108 Erites Bud.
Was sol ich thun? Wohin fol ich ‚gehn? Wie kann ich mich retten? Oder follt! ich wol zu Pingalafa felbit gehn? Bielleicht ver- fhont er mich, wenn ich mich in feinen Schuß begebe; raubt mir das Leben nicht १ Denn man fagt auch
416. Wenn denen दी, die redlich ftreben, des Schickſals Fügung irgend Unglück ſchickt, dann ſollen Weife, dieſes zu be- enden, Anſchläge faffen ganz befonderer Art. Denn in der gan- zen Welt gilt diefes Sprihwort: Dem Feuergebrannten ift ein Tropfen Feuer ein Mittel, weldhes Hülfe bringt. #37)
Und fo
417. Trifft ००५ in der Welt — und daran ift fein Grund zu zweifeln — die das Beſte thuenden Gefhöpfe — melde ftets erlangen, was aus den eignen Ihaten reift — Glück und Un— glück, wie ९6 fie, in früherem Leib erworben, von jelbft betreffen muß. *38)
Aber wenn ich auch wo anders hin gehe, wird mir doch der Tod durch ein böfes fleifchfrefiendes Thier zu Theil werden. Darum ift es beſſer durch den Löwen. &s heißt auch:
418. Wenn einer mit Gewalt'gen fampfet, ift jelbit fein Unglüf ehrenvoll; preiswürdig tft des Elefanten Zahnbruch, wenn er den Berg zerriß.
प्रण 1५
419. २५५४ Mächt'ge Untergang leivend, gelangt der Nied're jelbft zu Ruhm, wie die Biene, die, faftgierig, ſtirbt durch des Elefanten Ohr.“ #39)
Nachdem er fich fo entſchloſſen, machte er fich jchwanfenden Ganges Schritt vor Schritt auf den Weg, und als er des Löwen Wohnung मि, fprach er: „Ach! Mit Recht fagt man auch Folgendes:
420. Wie in ein Haus, in welchem Schlangen niften, in einen Wald, der angefüllt von Naubthier, in einen ſchönen, lotus— ſchattenreichen, doch unthiervollen See, fo taudht man in eines Königs Balaft, der von vielen Böſ-, Kügnerifh-, Gemein=, Un: würd’gen ftroßet, wie in den Ocean, voll Furcht und Sorgen.“ #20)
Indem er fo ſprach, fah er den Pingalafa in der von Damanafa
befchriebenen Geſtalt; erfchroden und feinen Körper deckend, feßte er fich jo fern als möglich nieder, ohne feine Verehrung zu bezeigen. Pingas
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