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Deutsche Texte des Mittelalters
herausgegeben
von der
Königlich Preussischen Akademie der Wissenschaften
Band XXIV.
Mittelhochdeutsche Minnereden. 1.
Die Heidelberger Handschriften 344, 358, 376 und 393
herausgegeben
Kurt Matthaei.
Mit 3 Tafeln in Lichtdruck.
BERLIN
Weidmannsche Buchhandlung
1913.
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Deutsche Texte des Mittelalters
herausgegeben
von der
Königlich Preußischen Akademie der Wissenschaften.
I
Band XXIV.
Mittelhochdeutsche Minnereden. 1.
BERLIN
Weidmannsche Buchhandlung
1913.
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Mittelhochdeutsche Minnereden.
I.
Die Heidelberger Handschriften 344, 358, 376 und 393
herausgegeben
Kurt Matthaei.
Mit drei Tafeln ln Lichtdruck.
BERLIN
Weidmannsche Buchhandlung
1913.
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_ -UNIVERSITY O^ALIFORNIA
Jnhalt
SeiU
Einle itxing . vil
Texte:
1, Der Minne Gericht . 1
Minne und Pfennig . 34
3. Der Minne Freud und Leid . 46
4. Der Traum im Garten . 55
5. Der Minner im Garten . 59
6. Minm und Gesellschaft . 65
7. Männertreue und Frauentreue . 74
8. Die zehn Schwestern . 81
9. Der entflogene Falke . 92
10. Das Minnetuntier . 96
11. Bestrafte Untreue . 113
12. Der Minne Gericht . 120
13. Der Stern der Treue . 134
14. Frau Minne weiß Rat . 143
15. Der Minne Gericht . 152
Anhang: Lesarten . 156
Namenverzeichnis . 172
Wortverzeichnis . 173
Berichtigungen . 183
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_ __ _ JJNI^RSITXOF CALIFORNIA-
Einleitung.
Die geplante Sammlung mittelhochdeutscher Minneallegorien läßt sich nach den Grundsätzen dieser * Texte’, d. h. wenn möglichst die ganzen Hand¬ schriften abgedruckt werden sollen, nur in etwas erweitertem Sinne hersteilen, denn die Sammelhandschriften enthalten fast immer außer den allegorischen Gedichten auch rein lehrhafte. Mit deren Aufnahme aber erweiterte sich von selbst der Titel der Sammlung.
Der vorliegende erste Band enthält 15 ungedruckte Minnereden, darunter 12 Allegorien, und zwar nur aus Heidelberger Handschriften. Von diesen fehlen dann in der Sammlung nur noch zwei, die vorläufig aus besonderen Gründen ausscheiden mußten: der wichtige cod. pal. germ. 313, der verhältnismäßig wenig ungedrucktes Material enthält, und der cod. pal. germ. 348, der sich zu selb¬ ständigem Abdruck überhaupt nicht eignet. Das einzige Gedicht, das er bietet, ist in der Wiener Handschrift 2796 viel besser erhalten, wie ich mich selbst über¬ zeugt habe; es steht hier an fünfter (letzter) Stelle, und die vier vorausgehenden Minnegedichte sind ihm nach Inhalt und Form (Titurelstrophen!) nahe verwandt. Es empfahl sich also, den cod. pal. germ. 348 nicht als Leithandschrift abzudrucken, sondern ihn zurückzustellen, bis er bei einem Gesamtabdruck der Wiener Hs. zum Vergleich herangezogen werden kann.
Um Wiederholungen zu vermeiden, schicke ich den Einzelbeschreibungen folgendes voraus:
Alle Hss. stammen aus dem 15. Jahrhundert, sind auf Papier geschrieben und (bis auf den cod. pal. germ. 358) in Schweinsleder gebunden; alle sind beschrieben bei K. Bartsch, Die altdeutschen Hss. der Univ.-Bibliothek Heidelberg 1887. Bartschs eigene Angaben sowie seine Verweise auf ältere Beschreibungen machen ein nochmaliges Eingehen auf die Geschichte der Hss. an dieser Stelle überflüssig.
Die Schreibung habe ich nach den hierfür aufgestellten Grundsätzen behandelt und vor allem das Nebeneinander von i und j, u und Y nach heutigem Brauch geregelt, d. h. i und u für den Vokal, j und v für den Konsonanten gesetzt. Von den Konsonantenhäufungen habe ich nur eine, nämlich ff im
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VIII
Einleitung.
AnJuut, hr.^vltiiif, iiUv andern aher hclhchalfen, aneh fß und pIT, damit das hand- schrifUichc liild tnö<ili<list t/rfreu hcirahrt hieibe. Ans dem (jJeiehen Grunde habe ich auch, ss und ß tjenan wie in den Jlss. unterschieden.^)
June doppelte lielatndluiKj haben die aus andern Hss. zum Verbessern oder Knjänzen übernommenen erfahren: soweit sie im Text selbst Auf¬
nahme fanden, sind sic der Srhrcibanp der Jlaupths. soviel wie möglich angeglichen, im Apparat jedoch mit ihrer eignen Schreibung und allen Abkürzungen wieder- gegeben worden. Im Ver.sanfang habe ich den kleinen liuchstaben durchgeführt, der auch in den Jl.'ts. {zumal im cod. pal. germ. Sii) bisweilen rorkommt. l'Cbenso habe ich gclcgentlirhcs E im Ver.s'inncrn (1 131S. 3:}o6 u. ö.) beseitigt,
anderseits bei üot, bei lugetinamrn und Personifikationen den großen Anfangs¬ buchstaben eingeführt. Die Absätze stammen alle von mir. lunige Gedichte haben rote Überschriften oder rote Initialen; diese sind durch Fettdruck, jene durch Sperrdruck h ervorgehoben .
Cod. pal. germ. 344.
Bartsch a. a. O. S. 100. — Die Hs. besteht aus 02 Blättern mit alter Zählung, die jedoch i'on 54 auf 50 überspringt; am Anfang und am Schluß befinden sich außerdem noch zwei leere, ungezählte Blätter, so daß es im ganzen 05 Bll. sind. Das erste Blatt am Anfang ist ganz leer, das zweite (nach Bartsch 1*^ trägt oben die alte Nummer der Hs. (C. 77); beide sind am Papier und am Wasserzeichen kenntlich als Vorsatzblätter. Vom ersten, ungezählten Blatt der ersten Lage ist nur noch ein schmaler, jetzt angcklebter Streifen vor¬ handen. Die Lagen umfassen 12 Bll., die letzte nur vier; am Ende der Lagen befinden sich Kustoden.
Das Wasserzeichen ist ein Ochsenkopf mit Augen, Ohren und gestielter sicbenblättriger Blüte zwischen den Hörnenu
Die Blätter sind 31 cm hoch, 20,5 cm breit. Zum Beschreiben ist ein 13,5 cm breiter Baum durch senkrahte Linien eingefaßt und einspaltig mit ab¬ gesetzten Versen (20 bis 30 auf der Vollseite) beschrieben, aber nie in seiner ganzen Breite ausgefüllt. Der Abstand der Zeilen ist auf den ersten Blättern mit einem Stichel abgemessen.
Die Gedichte 1 und 4 beginnen mit großem rotem Anfangsbuchstaben; die Versinitialen sind rot gestrichelt. Zur Ausschmückung des Textes dienen 41 farbige, einfach ausgeführte Bilder, deren ErUmterung ich im Apparat geben werde. Sie nehmen fast immer die halbe Seitenhöhe ein und gehen von Bl. 13' ab über die Breite des begrenzten Raumes bis zum Blattrand hinaus.
Vorn auf dem Einband ist links oben von alter Hand die Nummer an¬ gebracht, und am unteren Schnitt sind noch schwach die Worte zu erkennen:
’) Die Schreibung tz bzic. cz habe ich in der Handschrift 344 zu z i^ereinfacht , sonst aber unverkürzt beibehalten.
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- UN4VER&ITY OF CAbtfORNiA
Einleitung,
IX
Vom Elenden Knaben. Auf dem Rücken steht nufer der Xnmmer: Poem(ata) iiariar(um) rerum (in drei Zeilen); darunter sind noch drei Zeilen rerwischt. yils Entstehungsjahr der Hs. darf vieUeicht das am Schluß des ersten Gedichts erwähnte Jahr angesehen werden: 1459.
Nun zur Schrift. Sie macht zunächst einen sorgfältigen Eindruck, ent¬ hält aber doch, neben den inhaltlichen Echlcrn, eine ganze Reihe kleiner Versehen, .so daß rerhältnismäßig viele Varianten nötig wurden. Sehr häufig fehlen einzelne liuchstaben, vor allem t am Wortende; da es sich aber hierbei doch wohl um eine lautliche Erscheinung handelt, habe ich die Buchstaben in der Regel nur dann ergänzt, wenn eine Verwechslung möglich war, wie bei gi'osse I v^n, wo der Sinn den Superlativ erfordert, oder bei dem zweimaligen de für den Genitiv der (1 1329. I45ü). Auch die mehrmals verstümmelte Vorsilbe ve- ('vemiden loOis, vezihe I1708, veschmehen 22?s, vesclimeclit 2293, veiehen 4242) und andre, regelmäßig auftretende sprachliche Eigenheiten des Schreibers habe ich natürlich hier wie auch sonst unangetastet gelassen, soweit sie nicht den Reim stören. So setzt der Schreiber fast regelmäßig liebe ein, wo offenbar das ältere minne gestanden hat; dies kommt im Versinnern nur noch sehr selten vor, z. B. 1 1012. 1057. 1438, während cs sich im Reim viel häufiger erhalten hat, z. B. 1 312. 43i!. J2 154. 196. Wo aber der Schreiber z. B. das ihm geläufigere nit auf -icht reimt, wie 1 172. 233. 279. 497 u. ö., habe ich es in nicht geändert.
Den Umlaut bezeichnet der Schreiber durch ein kleines e über den Vokalen: stättes, höchste, möhte, triiw, übel; neben & ist freilich e häufiger: stets, mer (Märe), wer (wäre), verschniehen usw. Daneben verwendet der Schreiber auch ä und ö mit zwei deutlich nebeneinander stehenden Funkten, aber nur in Wörtern, denen eigentlich gar kein Umlaut zukommt. So schreibt er regelmäßig ä in Wörtern wie gnäd, bäpst, här, gäch, rät, hät, die alle im Mhd. ein ä haben; einen andern Laut vertritt ä nie. Vielseitiger ist der Gebrauch des ö: es entspricht nicht nur dem mhd. 6 wie in trößt, roßen, nöt, oder dem aus ä verdunkelten alemannischen 0 wie in gön, lön, ön, stön, sondern auch dem mhd. ou wie in öwe, öch, ögen, röben und schließlich dem mhd. 0 wie in wöl, göt, spöt. Über den lautlichen Wert von ä und ö neben k und ö läßt sich demnach nichts Bestimmtes sagen.
Die einzige Abkürzung , die noch dazu selten vorkommt, ist ein Haken für r oder er: so^gfeltikait, vnßli, her', her'en.
Inhalt:
1. Der Minne Gericht. Bl. V — 55" (a). Verglichen mit dem cod. pal. germ. 313 Bl.409'‘ — 439” (b). — 1,^)
2. Minne und Pfennig. Bl. 34' — 47” (a). Einen Frankfurter Druck von 1580 erwähnt Gervinus (Gesch.d.d. Dichtung II'* S.444). Den vollständigen
‘) Die fetten Nummern bezeichnen die Reihenfolge der hier abgedruckten Gedichte.
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EitiUitung.
X
Titel verzeichnet der Catalogns nocus nundinarum autumnalium Francofurti ad Moentim von 1580, und ztear der von Feier Schmid in etwas andrer Form teie der von Georg Bähen. Der Druck selbst ist mir nicht bekannt geworden. — 2,
3. Der Minne Freud und Leid. Bl. 48’' — 58’ (a). — 3.
4. Der Traum im Garten. Bl. 59’ — 61*. — 4,
Die.^e vier Gedichte sind alle von einem Verfasser; sein Name ist nicht bekannt, aber er nennt sich selbst wiederholt den ‘ elenden Knaben' (1 29. 3519. 4245). Seine Bedeutung hat bisher nur Gervinus a.a. 0. gewürdigt; dazu vergleiche Kurt Matthaei, das 'Weltliche Klösterlein' und die deutsche Minne- Allegorie (Diss. Marburg 1907) S. 37 ff. Die vorliegende Hs. kann nicht das Original sein, denn sie wird im ersten Gedicht an vielen Stellen durch die jüngere, sonst nicht sehr zuverlässige Handschnft b berichtigt oder ergänzt. Zweifellos aber liegt sie einem Straßburger Druck von 1499 zugrunde, von dem E. Weller zwei Ausgab^i anführt in seinen Annalen der poetischen National-Literatur der Deutschen, 1864, Bd. 2
S. 10. •) Hier sind die Gedichte 1 — 3 allerdings durch verbindende Übergänge zu einem Ganzen verschmolzen, aber ihre gleiche Reihenfolge, die Ähnlichkeit der Holzschnitte mit den Bildern der Hs., vor allem auch der Wortlaut des Textes lassen keinen Zweifel an der Abhängigkeit des Drucks von der Hs. Schritt für Schritt läßt sich die Spur des Bearbeiters verfolgen: gröbere Versehen hat er entweder gar nicht erkannt und einfach beibehalten, oder aber gewaltsam entfernt, z. B. durch Auslassen ganzer Ver,9e; kleinere Verseheti hat er vielfach sinngemäß berichtigt und dadurch dem Druck einigen selbständigen Wert verliehen. Mehrere Verbesserungen und ergänzte Verse habe ich denn auch in den Text aufgenommen und im Apparat mit d bezeichnet; wo aber der Druck infolge eigener Ergänzungen überhaupt nicht zum Vergleich in Betracht kam, wie bei 2643 — 688. 3 1—74. 419— 522, da habe ich auch für die Handschrift keine Sigle verwendet.
Cod, pal, germ, 358,
Bartsch a.a. 0. S.lOßf. — Die Hs. enthält 144 von alter Hand gezählte Blätter, außerdem nach Bl. 39 und 66 je zwei leere Blätter, nach Bl. 73 und am Schluß je ein leeres Blatt mit neuer Zählung. Dazu kommt noch ein Vorsatz- und ein Nachsatzblatt, so daß es im ganzen 152 Bll. sind. Einzelne Blätter fehlen nach Bl. 121 und 132. Die meisten der 13 (gezählten) Lagen umfassen 12 Bll.; Lage 6 hat zehn, Lage 7 acht und Lage 12 vierzehn Blätter.
‘) Von der ersten Ausgabe (53 Bü.) besitzt die Berner Stadtbibliothek ein Exemplar, ein zweites in Straßburg ist 1870 mit verbrannt. Ich selbst habe nur die andre Ausgabe ein- gesehen, von der sich ein Exemplar in der Fürstlich Fürstenberg ischen Bibliothek m Donau- eschingen befindet. Es bricht mit Bl. 52 unvollständig im dritten Gedicht bei v. 374 ab, «nd ich traue deshalb Wellers Angcden nicht, daß bloß ein Blatt fehle. Die Blattzahl der beiden Ausgaben kann sehr toohl verschieden sein, und tatsäMich gibt Hain im Repertorium biblio- graphicum (Nr. 930) 60 BU. an.
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Einleitung.
XI
Als Wasserzeichen kommt vor: ein Ochsenkojff mit Augen, spitzen Ohren und kurzer Kreuzstange zwischen den Hörnern; dasselbe, etwas größer; dasselbe, doch statt der Kreuzstange gestielte fänfblättrige Blüte.
Hie Blätter sind 20,5 cm hoch, 14,5 cm breit und von zwei unter sich ähnlichen Händen einspaltig mit abgesetzten Verszeilen beschrieben. Hie erste Hand (= St. 1 — 4, Lage 1 — 7) schreibt 27 bis 28 Zeilen auf die Seite und zählt di^ Lagen vorn auf den ersten Blättern; die zweite Hand (= St. 5 — 12, Lage S — 13) schreibt bloß 22, selten 23 Zeilen, auf Linien, und zählt die Lagen hinten auf den letzten Seiten.
Alle Stücke haben rote Überschriften und beginnen mit großen roten Buchstaben, wie sie in den vier ersten Stücken auch zur Bezeichnung stärkerer Sinneseinschnitte Vorkommen. Hie Anfangsbuchstaben der Verse sind rot gestrichelt; in Stück 5 — 12 dienen außerdem rote Schnörkel zum Ausgleich der Zeilenlänge.
Hen schön gepreßten braunen Ledereinband, der auch andre Pfälzer Hss. {z. B. 348 u. 357) schmückt, ließ der Pfalzgraf Otto Heinrich von dem Buchbinder Georg Bernhard aus Görlitz anfertigen. Her Vorderdeckel zeigt im Mittelfeld das bärtige Bildnis des Pfalzgrafen, mit den Buchstaben OHPC (Otto Heinricus Palatii Comes) und der Jahreszahl 1558, alles in Goldpressung; der hintere Heckei trägt in der Mitte das goldgejyreßte Pfälzer Wappen. Beide Hcckel sind in den Ecken mit Metallbeschlägen besetzt und werden durch zwei Schließen zusammengehalten, von denen aber nur noch eine brauchbar ist. Vorn über dem Bild steht eine alte Nummer: 1441; von einer andern Signatur ist nur noch zu erkennen: CI.. Ein alter Titelzettel am Rücken trägt die Aufschrift: 358 Poema uariarQ R(eruni); darunter steht rot auf einetn Schildchen: Minne.
Hie abgedruckten Gedichte sind alle von der zweiten Hand geschrieben. Statt des Striches über dem i habe ich den Punkt durchgeführt. Has Umlaut¬ zeichen ist bei ö und ü, selten bei k, ein kleines e; es wird von zwei wagerecht übereinander stehenden Strichen gebildet und unterscheidet sich deutlich von dem kleinen o, das immer einen geschlossenen Kreis bildet. An diesem Merkmal fest¬ haltend, habe ich mich in vielen Fällen für ein ü entschieden, wo man eher ein ü erwarten sollte.
Hie Abkürzungen sind: wagerechter Strich für n, m (my, nymer, wOnic- lichen), ein Haken für er (w', g’H, vngeu'te), das Zeichen für -ra- (speh), vereinzelt außerdem ’ für -us (Ven’). Her Schreiber bevorzugt die vollen Formen danne und wanne, selbst tcenn das Versmaß einsilbiges dan und wan verlangt: danne ßiai. 185. 195. 215. 255. 315. 321. 7181. 857. 310. 565; wanne 545. 680. 98. 305. 468. 8353. 561. 9 172. Ebenso bildet häufig proklitisches en- in negativen Sätzen eine überzählige Silbe: 5234. 6 149. 219. 490. 7 154. 175. 275. 277. 306. 313. 317. 349. 392. 418. 438. 856. 91. 166. 223. 390. Auch dos Wort frawe ist bald einsilbig, bald zweisilbig zu lesen. In allen diesen Fällen bin ich natürlich dem Schreiber gefolgt.
Eine vollständige Inhaltsangcbe der Hs. gibt die Ältswert-Ausgabe von Holland und Keller (Lit. Ver. Stuttgart Bd. 21) S. XXII — XXilV.
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XII
Einleitung.
Die IJundschrift enthalt:
1. Meister Alta>vert. Das alte Seh teert. JH.D — Gedrueht nach dieser Jls. soieie den Ueidelbertjer JIss. 31;} und 355 durch Holland und Keller a. a. O. i>. 1—10.
2. Meister Altsteert, Der Kittel. Bl. C — .39'’. Gedruckt nach denselben JIss. ebenda S. 11 — 09.
3. Meister Altsicert, Der Tugenden Schatz. Bl. 40’" — 66'". Gedruckt nach denselben JIss. ebenda S. 70 — 110.
4. Meister Altsteert, Der Sjtiegel. Bl. O?"" — 75^ Gedruckt nach denselben JIss. ebenda S. 117 — 128.
5. Der Minner im Garten. Bl. 74'" — 82'". Gedruckt nach dieser Hs. durch K. Matthaei in seiner Dis.scrtation (s. i>ben S. X) S. 8.^ — 80. — 3.
0. Der Liebesbrief. Bl. 82'" — 85". Die ersten 50 Zeilen nach die.scr Hs. gedruckt bei K. Geuther, Studien zum JAcderbuch der Klara JJätzlerin, Halle 1899, S. 95 f. Das ganze Gedieht ist mit den J.,csarten einer Hs. Bechsteins gedruckt im Liederbuch der JJätzlerin, hcrausgeg. von C. Haitaus, Quedlinburg und Leipzig 1840, S. 145-147.
7. Treue Minne macht froh. Bl. 85" — 94". Gedruckt ebenda S.206 — 210.
8. Minne und Gesellschaft. Bl. 94" — 107" (p). VcrglieJten mit dem Berliner Ms. germ. Fol. 922 Bl. 37'" — 42" (r). Uber die Datierung und die Verfasserfrage vgl. Zeitschrift f. d. Altertum 30, 224 und Emil Schmidts Dissertation: Die Frage nach der Zusammengehörigkeit der 2metisehen l'ragmentc von dem Minnehof usir., AJarburg 1908, S. 18. — G,
9. Alännertreue und Frauentreue. Bl. 107" — 118" (p). Lückenhaft ge¬ druckt nach einer Ulmer Hs. (Abschrift v. d. Hägens in Berlin, Ms. germ. 4" 776) in Kellers Erzählungen aus altdeutschen JIss. (Lit. Vcr. Stuttgart Bd.35) S. 634 ff. Verglichen mit dem Berliner Als. germ. 4” 909 Bl. 37" — 42" (e), dessen Text mit dem Kellers fast wörtlich übereinstimmt, und mit der Donaueschinger Hand¬ schrift 77 Bl. 295"— 302" (f). — 7.
10. Die zehn Schwestern. Bl. 118" — 134" (p). Verglichen mit der Donau- eschinger Handschrift 77 Bl. 302" — 312" (f), dem Berliner Als. germ. Fol. 922 Bl. 30" — 34" (c) und bis v. 558 außerdem mit dem cod. pal. germ. 313 Bl. 261" bis 270" (b). — 8,
11. Der entflogene Talke. Bl. 134" — 140". — 9,
12. Der schwere Traum. Bl. 140" — 144". Gedruckt ohne Angabe der Hs. (Stuttgart, Cpq 69) in Büttners Franconia, Beiträge zur Geschichte, Topographie und Litteratur in Franken Bd.l, Ansbach 1813, S.220 — 232; im Liederbuch der Hdtzlerin S. 125 — 127.
Cod* pal. germ, 376*
Bartsch a. a. 0. S. 114. — Die Hs. besteht aus 130 Bll. Auf das Vorsatz¬ blatt und drei leere, zu einer Lage gehörige Blätter folgen zehn beschriebene
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XIII
Einleitung.
0
Liogen zu 12 BIL: vor der Jetxten Lage ist ein Blatt (09) einzeln geheftet. Zu¬ gleich mit dem Text setzt eine alte Blattzählung ein, die bis zum Schluß des zweiten Gedichts (112'') reicht, aber zehn auf Bl. S7 folgende leere Blätter über¬ springt. Den Schluß bildet eine Lage zu vier Blättern, die von neuer Hand als Hl. 112^ bis 112* gezählt sind, und das Nach.^atzblatt. Auf Bl. 1* vorn befindet sich die alte Signatur: C 182, auf Bl. 112^ hinten die kopfstehende Zahl: 1970, cetmutUch eine alte Nummer.
Das Papier hat als Wasserzeichen einen Ochsenkopf ohne Augen, mit Ohren und langem Kreuzstab zwischen den Hörnern; auf einigen Blättern eine JP-färtnige Figur, auf der oben eine kleine vierblättrige Blüte sitzt.
Die Blätter sind 20 cm hoch und 14,5 cm breit.
Zicei Hände sind deutlich zu unterscheiden: die Schrift des ersten Gedichts ähnelt der des cod. pal. germ. .113 außerordentlich; am Schluß der Lagen befinden .sich Kustoden, die aber fast ganz abgeschnitten sind. Der beschriebene Baum, dessen Begrenzungslinien manchmal noch schwach zu erkennen sind, ist 13 cm hoch und 9 cm breit. Drei einspaltig geschriebene Strojdien nehmen immer eine Seite ein; Strojdien und Verse sind abgesetzt. Den Anfang des Gedichts bezeichnet ein großer schwarzer Zierbuchstabe.
Das zweite Gedicht stammt von andrer Hand. Auf einem 15,5 cm hohen und etwa 10 cm breiten, durch Linien begrenzten Baum enthält jede Seite 27 bis 29 abgesetzte, auch einspaltig geschriebene Verse mit rot durchstrichenen Initialen; den Anfang der Vorrede und des Gedichts ziert ein großer roter, schwarz ver¬ schnörkelter Buchstabe (s. die Tafel). Den Beginn einer direkten Bede deutet gewöhnlich am Band ein rotes Zeichen II an.
Auf dem Bücken des Einbands befindet sich tmter der Nummer die neue Aufschrift: Die Jagd Hadmar’s von LABER; darunter steht von alter Hand: Poem: de Virtutibus et bonis moribus (in vier Zeilen); auf der Bückseite von Bl. 1*** steht oben: Den laberer vnd ey sproch.
Die Schreibung gab selten Anlaß zu ändern; durchweg habe ich nur die Umlautstriche beim ü f/wrcÄ Punkte ersetzt. Die einzige, noch dazu selten ver¬ wendete Abkürzung ist ein wagerechter Strich für m oder n; thümer, himel, wen.
Inhalt:
1. Hadamars V. Laber^ Jagd’. Bl.V — 87’. Gedruckt nach der Erlanger Hs. von Schmeller (Lit. Ver. Stuttgart Bd.20), nach mehreren Hss. von Stejskal fWien 18S0).
2. Das Minneturnicr. Bl. 88’’ — 112'" (h). — 10,
Cod, pal, germ, 393,
Bartsch a. a. 0. S. 128 f. — Die Hs. besteht aus 97 Bll. Auf eine Lage von vier leeren Blättern, deren erstes als Vorsatzblatt festgeklebt ist, folgt ein einzelnes, ebenfalls leeres Blatt. Es trägt vorn die alte Signatur der Hs. (C. 121) und zeigt Bostspuren von den Nägeln zweier Schließen, muß also ursprünglich das erste Blatt gewesen sein. Dann folgen beschriebene Lagen von 12 Bll. (nur
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XIV
Einleitung.
die vorletzte hnt 10) mit Kustoden am Schluß, (ileichzeitüf mit dem Text beginnt eine alte lilattzählunf/ ; sie reicht bis Bl. 87, ühersprmgt aber nach Bl. 81 zwei leere Blätter und zählt 8.:i doppelt. Den Schluß bilden wieder vier leere, von neuer Hand gezählte Blätter, deren letztes auch Bo.st.^puren von Nägeln zeigt und im Deckel festgeklebt ist; in der Mitte schimmert die Zahl 6281 durch (eine alte Nummer?),
Das Wasserzeichen ist ein Ochsenkopf mit Augen und langgestielter fünfblättriger Blüte zwischen den Hörnern. Die vier ersten Blätter sind aus besonderem Papier.
Die Blätter sind 21,4 cm hoch, 15,5 cm breit und einspaltig mit 19 bis
28 abgesetzten Versen beschrieben. Alle Stücke (außer St. 12) beginnen mit großem
• • _
rotem Buchstaben, Stück 9 und 10 außerdem mit roter Überschrift. Die Anfangs¬ buchstaben der Verse sind rot gestrichelt, nur nicht auf Bl. 12’ und Bl. 73’ — 81''.
Der jetzige einfache Schweinsledereinband ist nicht der ursprüngliche; das beweisen die erwähnten Itostspuren auf den früheren Umschlagblättern. Auf dem Bücken steht unter der Nummer: Poema in Landern Dei et B. Virginis (in vier Zeilen); auf dem unteren Schnitt: Von Sprüchen.
Der Schreiber ist mit wenig Sorgfalt und ebensowenig Verständnis ans Werk gegangen. Keine der drei andern Hss. ist in einer so unschönen, ruich- lässigen Schrift geschrieben, keine weist so viele Versehen, Lücken und sinn¬ entstellende Lesarten auf uie diese. Und all diese Mängel fallen um so mehr ins Gewicht, als vier der hier abgedruckten fünf Gedichte vorläufig aus keiner andern Hs. bekannt sind; auch eine Nachfrage beim Handschriften -Archiv in Berlin blieb ergebnislos. Um nun den Ajtparat nicht unnütz zu belasten, habe ich bei den Texten dieser flüchtigen Kursivhandschrift auf Reinheit der Reime verzichtet und das Fehlen einzelner Verse nur im Text (durch Punkte) bezeichnet; auch die vielen belanglosen Korrekturen, die der Schreiber schon selbst vorgenommen hat, sind, wenigstens bei den Lesarten des Anhangs, nicht mit auf geführt.
Von der Häufigkeit der Abkürzungen gibt die Lichtdrucktafel schon eine Vorstellung; ich will sie aber hier noch einmal zusammenstellen, mit den Auf¬ lösungen :
dafi, hertzfi, jagfrow = dann, hertzen, jungfrow;
ny, VDl, vfi = nym, umb, und;
mi», V03 = mir, vor;
v'sert, dien' = versert, diener;
dz, WZ = das, was;
versorgz, verspottz = versorget, verspottet; speh, tgen = sprach, tragen; spehen 12584, bitur 13267 = sprechen, creatur; tr\^, pf\^, \frer = truw, pfüw, üwer.
Als Umlautzeichen dient ein mehr oder weniger deutliches kleines e. Es findet sich zuweilen auch da, wo man einfaches e erwartet, über einem Buehsiahen,
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Eifiteiiung.
XV
der ebensogut o wie e sein kann; das ö wäre dann als Bezeudmung des dumpfen e-Lautes anzusehn in der Vorsilbe ge- (^gölich 11 208, gölobt 12708, göfallen 14350); aber in den Stammsilben der Wörter sehen 12612, gesehen 14346, sendlich 12ir>i, welhes 14406, eilenden 14 453, ewiger 14474, ferner in gen (gehe) 13458, geh 15 130, der 15213 ist es offenbar verbesserte Wiederholung eines mißratenen e. Da diese Fälle überhaupt vereinzelt auftreten und nicht an bestimmte Wörter gebunden sind, drucke ich stets einfaches e.
Inhalt:
1. Peter Suchenwirts Rede vom jüngsten Gericht. Bl. P — 4". Gedruckt nach der Sinzendorf -Thurnschen Hs. in P. Suchenwirts Werken, herausgeg. von A. Primisser, Wien 1827, S. 142 ff. (Nr. XLII) mit Lesarten dieser Hs.
2. Lob der Frauen. Bl. 5^ — 9^. Gedruckt mit den Lesarten einer Hs. Becksteins im Liederbuch der Hätzlerin S. 113 — 115. Geuther a. a. 0. S. 56 ff", schreibt das Gedicht ohne überzeugende Gründe Suchenicirt zu.
3. Bestrafte Untreue. Bl. 10' — 14' (g). Ergänzt nach der Weimarer Papierhs. 0145 Bl. 60'’ — 72' (w), deren Schreibung ich, abweichend von dem S. VIII auf gestellten Grundsatz, treu gefolgt hin, tceil es sich um ein längeres, zusammenhängendes Stück handelt. Nach W. Gloth, Das Spiel von den sieben Farben, Königsberg 1902 (= Teutonia Heft 1), S. 72 ist dies Gedicht 'wahr¬ scheinlich identisch’ mit einem bei Bächtold S. 109 auf geführten Gedicht des Londoner Ms. Add. 24946, 110 — 114. Die Vermutung hat sich bestätigt. — 11,
4. Von rechtem Minneleben. Bl. 14' — 20'. Gedruckt mit den Lesarten einer Hs. Becksteins im Liederbuch der Hätzlerin S. 131 — 134.
5. Der Minne Gericht. Bl. 20* — 3?'. — 12,
6. Der Stern der Treue. Bl. 37' — 48'. — 13.
7. Frau Minne weiß Rat. Bl. 48* — 58'. — 14,
8. Wer kann allen recht tun? Bl. 58' — 60*. Gedruckt nach der Stra߬ burger Hs. A. 94 in Myllers Sammlung deutscher Gedichte Bd. 3 (Fragmente) S. XXVII f.; mit den Lesarten einer Hs. Bechsteins im Liederbuch der Hätzlerin S. 150 — 152; in Laßbergs lAedersaal Bd. 3 S. 421 ff.; nach dieser Hs. im Anzeiger f. Kunde des d. Mittelalters, herausgeg. von Aufseß und Mone, Bd. 3 S. 22 — 24.
9. Der Minne Gericht. Bl. 60* — 65'. — 15,
10. Von den sieben Farben. Bl. 65' — 68*. Die verschiedenen Drucke
führt W. Gloth a. a. 0. S. 9 ff. auf.
11. Von dem Krautgarten. Bl. 68* — 76'. Gedruckt im Liederbuch der Hätzlerin S. 243 — 248.
12. Die Liebesprobe. Bl. 76'— 81'. Dies Gedicht haben bisher alle Beschreiber der Hs. für den Schluß von Nr. 11 gehalten, weil es ohne jede Kenn¬ zeichnung unmittelbar darauf folgt. Nicht einmal Geuther hat es als selbständiges Stück erkannt, obtcohl er nach eigner Angabe (a. a. 0. S. 31) die Hs. verglichen hat, sotveit sie (tcie hei Nr. 11!) für seine Untersuchung in Betracht kam. Die einzige Angabe über das Gedicht habe ich in Goedekes Grundriß (I* S. 301)
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XVI
Kwhilunq.
(jefntnlen, sie ist ahcr noch dnxn entstellt: die sind nändich auch auf dies Gedieht zu beziehen, angeführte. — Gedruekt naeh dem cgni. 718 mit in Kellers Erzählungen aus altd. Ilss. S. 150— nennt sieh am Schluß als l’^erfas.^ter: Frösehe! ron Text dem egm, :i70 viel näher steht als dem egm. ich im Anhang vollständig gehe.
13. Der Minne Gericht. Jil. 8:1'' — 87". dieser JIs. gedruekt bei Geuther a. a. 0. S. Höf; im Liederbuch der Hätzlerin S. iHG — 280.
zieei ersten Zeilen der Seite 301 und nicht mehr auf das vorher den Abiveiehungen des egm. 270 -KiO; in beiden Münchner Ilss. Laidnitz. Daß der Heidelberger 317, beu'cisen die Lesarten, die
Die ersten 24 IVrÄ'e .sind nach das ganze Gedieht ist gedruckt
Hei der Fertigstellung der Arbeit bin ich von mehreren Hibliotheken, vor allem von der Handschriftenabteilung der Großherzogl. Universitäts-Bibliothek zu Heidelberg in dankensuerter HV/se unterstützt worden. Ich habe die Hss. teils in Heidelberg selbst, teils in Dessau abgeschrieben bzw. verglichen und dann noch einmal zur Korrektur hier gehabt. Während der Drucklegung ist mir die Hilfe des Herrn Dr. Hübner i'on großem Wert gewesen; viele seiner Konjekturen habe ich dankbar aufgenommen und durch ein H. kenntlich gemacht. Besonderen Dank schulde ich Herrn Prof. lioethe, der die Arbeit angeregt und dann bis zu Ende bereitwilligst durch .seinen Hat gefördert hat; jedes H. unterm Strich ist dessen ein Zeuge.
Hildesheim.
Kurt Matthaei.
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Mittelhochdeutsche Minnereden. I.
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1.
Der Minne Gericht. Von dem Eilenden Buoben.
[^'•1
Aln liebe sacli hat mich be¬ zwungen
und mit lust dar zu gedrungen da/? ich hat willen on underlöß zu dem daß ich mit synnen uß-
erköß
5 für all diß weit mir zd hail. ein gutter anfang macht mich
gail.
nun hat es sich also ergangen daß seufzen, synnen und verlangen sind worden mins lones höchste
zit.
10 klainen tröst man mir zu lön git und kan erwerben kain andre
fröd.
es zimpt och nit wibes gütikeit so hört ze sein zö irem getrüwen. ze vil versagen tut offt geröwen;
15 und truw vergessen, sie ver-
schmehen —
es töt we, daß muß ich jehen.
[1*] Dar umb an ainem morgen fr& lag ich in ungemeßner unrft. die hett besessen so ganz min
herz,
20 verswunden was all min scherz, all min gedanck zä laid gericht. uff erden mocht mich getrösten
nicht,
dan laiders was mir nie ge¬ schehen
von lieb, müß ich die wärhait
jehen.
25 ich söcht hilff an allen enden
do — ,
es was umb sust, ich mocht frö von kaines tröstes hilffe werden, ich gedacht, min laid bedacht alle
erden
und ich wer genant der eilend
kuab,
30 min zd nam der was schab ab. das laid hat mich so gar besessen
Die Überschrift von einer Hand des 17. Jahr- 15. sie Tersmehen b, sich schroehen a.
hunderts. 20. schmercz a, smercz b.
3. DaS H., Dan a. 25. do b, da a.
Bild: nach v. 16: Landschaft mit Bäumen im Hintergrund. Der Dichter, im drei¬ farbig [grau-weiß-rot) gestreiften Aneug wie auf allen Bildern, in halb knieender Stellung vor der Geliebten, die sieh abwendet. [Siehe die Lichtdrucktafel.)
D*ntache Text« de« MittelaUoT«. XXIV. 'l
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2
1. Der Minne Gericht.
das all min fröd mir was ver¬ gessen.
ich sprach: ‘werder Göt, tü mir
din hilff,
ich schry an dich, rieff und gilff 35 das ich mins laides wurde ent¬ laden!’
ye mer ich dag, ye grössern
schaden
ich von minem laid enpfieng.
Ich ged&cht wie ob ich gieng von dißer weit in ain gewild,
40 da ich nit sech kain menschen
bUd
und ich kainer untrüiw wird kunt. ich häb mich ufE zä der selben
stünd
und volgkt in trüwen minem rät. es ward mir güt, dan ich wer
sust töd
von xmgUcher trftw die ich ver-
nam.
46 ich gieng eilend, biß ich zu wald
kam
in dem sinn das ich min dag tragen wölt all min lebtag. der wald was lang, schön und
brait,
50 alle gezierd siner natur was an
in geleyt,
das ich sines geliehen nie gesach. grün in grün was sin obtach mit mangerlay blüt blümlin färb, miner zungen vernunfft verdarb 55 das ich des waldes zier mag ver¬ bringen.
34. rüS b.
41. l. Vnnd mir kein vndrw ward k. b.
45. Tnglicker b, ongetrüwer o. Vgl. v. 221.
46. wald 6, land a.
50. Aller a, All b. jn geleyt b, im geert o.
ich hört da mangen vogel singen, der da saß vor der sunnen glesten uff höhen bömen, grünen esten, den da sin natur zü zwingt 60 das er näch lust lieblich sing^
[^''1 daß ich gehört nie süssers ge-
schray.
ir weßen das was mangerlay die musica in rechtem ton ze-
zieren
mit tenor und discantieren,
65 das es gelich zü samen zoch. zü heren den lost was mir gach und beschöwen des waldes boden
gezierd
mit mangerlay färb wol gefloriert das alle sprangen durch das gras. 70 in dem lust der frtWen ich ver¬ gaß
mines laides ain michel tail, da ich sach manges tier so gail in hohen springen vor mir
scherzen:
blawfüß, falcken mit iren terzen, 76 habich, sperwer und edel aren; vil ander vogel da waren, hirs, hinden und bereu (es verdrüß ze hören wie vil der
weren,)
gailtent all näch ir tagend art.
80 mich gerow minner nye kain fart. ich fand öch vil kalter brunnen, die do flnsßen durch den glast der
sunnen
nß hohen felseu ab ze tal. ir dauhen wit indem wald erhal.
69. Das a, Die b.
70. frMen It., frowen a{b).
TI. h. h. rehenn vnd b.
82. den b, fehlt a.
84. danhen a, fliessen b, trUmen d.
Bild: nach v. 52: Der Dichter mit Hut, Stock und Tasdte geht dur^ einen Wald.
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1. Der Minne Gericht.
3
85 die tr&w mich zwang daß ich det
wenden
höpt and 5gen zä mangen enden, do ich wnnder lost vernam. in sölicher begird do ich kam Yon rechtem weg off engen pfad, 90 den ich ye unwissend vertrat, biß ich kam in ain dick gewild. der weg ward mir on mässen
wild,
doch lert mich min stolzer sin, ich lies nit ab, ich gieng für hin. 95 grosser sorg wirt offt güt rät. mich ombfieng nie grösser nöt, das ich best&nd und wist nit mer wa ich sölt keren hin und her. ich räfft Got mit herzen an 100 das er mir hilff zä rechter ban. Als ich nun indem jamer stünd und hört do, da ward mir kund ein kleglich stim, die was hei. ich erschrack und was doch
schnell
105 durch die dom und wilden hag, biß ich vernam die senlich dag. die erklang nß grimmem zorn: 'ach das ich ye ward geboml’ also laut die stim ümer mer.
110 sölicher dag erschrack ich ser, wan ich sach nit was es wer. das bracht minem herzen grösse
swer.
do ich ermant und kröch färbaß
85. ich b, fehlt a.
90. Tnwissen b, wissend a.
92. weg b, fehlt a.
95. Von gr. o, Gr. b. offt b, fehlt a. 102. do das ab.
108. ye b, nie a.
durch die dicke an daß graß,
115 do sach ich ain wiplich bild
sitzen
in zarter wät, in trurigen witzen. l^'] ir hend warend vor laid be-
schlösßen,
die zeher über die wenglin ge¬ flossen,
das sie nahend waren trat.
120 sie was schön, doch was sy mat, dan alle fröd sie bettend ver mit¬ ten.
ir har was ir ah geschnytten, das tüch was schwarz, zerrissen,
inflecken.
iren lib wisß den sach man
blecken
125 wol geformiert und schon ge-
/*lissen,
die dom hetten yn zerrisßen an mangen enden, das erbarmt
mich.
sie was sust schön und minicklich. ir mändlin was verblichen.
ISO sie sach mich nit, ich was ge¬ schlichen
haimlich zä ir vil nahend, ir dag begund min herz umb-
fahen
und macht als min laid zwifach
näw,
wann ich hört nie grösser rüw 135 dan die der frowen herz umbfleng.
117. warn b, hett sie a.
118. warend jr Aber die a, ab den b.
122 aus b, fehlt a.
125. geflissen b, geschlissen a.
126. yn b, fehlt a.
135. dan fehlt ab.
109. Vmer b, jamer o. _
Süd: nach v. 116: Wald, fern im Hintergrund eine Burg. Kom rechts kniet mit gefalteten Händen ein MädcJien in grauem Kleid, vom links kommt der Dichter auf sie zu.
1*
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4
1. Der Minne Gericht.
Ich ermant zeletscbt und gieng, das die zart min ward gewar. sie erschrack und ward gefar röt als ain glügender zunder 140 und redlöß von dem wunder.
es was mir laid und sprach zü ir; ‘nit erschreckt, frow, von mir; ich bin öch ain eilend man, ir sölt kain laid von mir nit
hon.’
145 sie sach uff, ich tett sie grdssen. sie danckt mir kurz mit Worten
sdssen
und frägt mich wer ich wer und wie ich her körnen wer.
[4'‘] ich antwirt ir mit zfthten:
150 ‘frow, ich bin in flühten
vor grösser lieb und will begeben alle die weit und min leben hie in dißem wald enden, mich sol untrüw nimer trenden,
155 als sie bis her hät geton.’
sie sprach: ‘gesell, ich solt uff
stön
gen dir und enpfahen dich, so hät min laid bekrencket mich das ich es nit mag getain.
160 du solt mir es nit für übel hön.’ ich sprach: ‘min frow, one spöt, ich bitt üch durch den werden
Göt,
mag e.s ge.«iin, geschaident mich
der fräg:
war umb tragt ir üwer senlich
dag
165 und zerrissen ser üwer claid? möcht ichs gewenden, es wer mir
nü laid,
es sölt von mir ungemeldet sin.' sie sprach: ‘es wer mir ain pin, solt ich dir minen komer clagen. 170 min laid würd nüw, ich möht ver¬ zagen
und müst mich Schemen der ge¬ schieht’ —
‘frow, der forch der dörfft ir
nieüt;
wan wer sin laid will zerstöm, der läß sin gütten fründ höm.
175 der will ich sin näch üwerm
willen.’
Sie sprach: ‘gesell, wiltu stillen ein tail mins laides, so setz dich nider zü mir und höre mich! ich will diner bet dich erhören 180 und sagen waß mich hät tain be¬ tören
[4'J und brächt zü sölichem jamer und
laid.
ursach was min grösse hertikait, die ich zü ainem knaben trüg, ich kan mir nit gewe^nen gnüg, 185 wan ich bedenck min törhait. der selb I nab hett geleit sin lieb und tröst ganz uff mich, wan er mir ze dienst sich
137. die h, je die a.
143. man b, knab a.
1.54. wenden b, spenden a.
158. myn b, nin a. vor inicb gestrichen: sich a.
160. übelhün a.
166. vor laid gestrichen: es wer mir; daiüber von jüngerer Hand: solich uwer(?) leit a, es wer mir leid b. nit fehlt ab.
172. nicht b, nit a.
184. kan . . geweynen b, kund . . gewinnen a.
186 aus b, fehlt a.
187 ff. spätere, aber mit Bleistifl wieder gestrichene Zusätze: trOst •>' gancz uff mich leit; ... dienen {aus dienst ; mich gestridien) sich herbot; bifi in von hinen nem der tott a.
188. mir aus b, fehlt a.
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1. Der Mmne Gericht.
5
ganz mit willen hett ergeben.
190 was ich nun wolt, das was im
eben,
er dient mir ganz mit stetikait. onver schult tet er mir nie kain
laid,
ich mfiß min aigen schuld
ver jehen.
s61ich lieb bön ich nie gesehen 195 als der selb knab z& mir hott, er staind vor mir dick blaich und
röt,
min lieb hett in also besessen, schl äffen, wachen nöch ge essen mocht er nicht in manigen tagen, 200 er tett mir offt sin nöt clagen wie er nahend töd wer. es was mir laider alles immer and sprach, er sölt lässen dar von. er antwir mir: “frow, ich en kan.” 205 ich verstaind öch wol das war
was,
ye doch mocht er nit erwerben
das
das ich im fr&ntschafft wölt
erzögen,
dar umb er bat und gab sich
aigen
libs und zä minem gebot.
210 ich wag es ring, es was min spöt. ich sprach: “hab gedult, ich dich
1er,
dan büler daß sind martrer.”
[drj das was miner grosser törhait
schuld.
er laid lang und hett gedult 215 und setzet es alles zö der g&ete
min,
192. Ynnerschiild 5, 0 aer schalt a.
205. das war a, was es h.
209. Libs vad gats b, Lib ynd gät a.
216. alles aia a, ein h.
die soll dar in ain mitler sin. es haM nit und was alles verlörn, sin liden tet im zom, er clagt es haimlich an manger
stat
220 da er rät und hilff bat
mich ze wißen zu glicher trftw. es was umb sust, sin jamer nüw ward dick vor mir mit grosser
dag.
es erbarmt mich, afe ich dir sag,
225 und was mir laid sin liebe größ. ie doch so belaib er vor mir trost
los,
wan hertekait het mich also be¬ sessen
das ich miner tugend hett ver¬ gessen.
das ist mir zu grossem schaden
körnen,
230 als du sichst und hast vernomen. er sprach öch dick zft mir:
“wie bin ich so unselig zü dir? in allem leid tröst du mich nic/tt, wan was ich lid, das mir ge¬ schieht
235 umb dich allain, schöne fi’ow. wan das nit wer, machtu schäwen jamers nöt an mir armen, hetestu gilt, es müst dich er¬ barmen ! ”
eins tages ich mir das gedächt
240 das ich in mit glimpff mit mir
brächt.
do er sin komer tet clagen, ich sprach, ich wölt im färb
tragen
und min frAntschafft zA im ziehen.
224. als b, alles a.
233. leid tr. b, tröst so tr. a. nicht b, nit a.
241. sin komer] senen mir b.
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6
1. Der Minne Gericht.
es gerow mich bald, ich tett in
fliehen
[5*^1 und wider für im dennocht nicht.
246 Hör mer miner törhait ge¬ schieht :
do ich yemam sin stettikait, ich tet als wer es mir gar laid, und sant an in fründ und herren,
250 das sie*in da Ton sölten keren mit tröwen und mit bitten, ich bedacht es mit behenden
Sitten
und ließ in ziehen das er was unschuldig; jedoch so kund ich
das
255 nie von im vemiemen das er mich tet beschemen in sölichem liden mit ainer dag. sin gedult was groß, als ich dir
sag.
wie ich im tet, er lies nit ab
260 mir ze dienen als ain stetter
knab.
ich det in miden, es was im laid. mir ze geben was er berait, wan lib und güt was min aigen. das tet er mir dick und vil er¬ zögen
265 offembar und haimlich an allen
orten
mit geberden, wercken und Wor¬ ten.
was sol ich dir mer sagen? min untrüw hät mich selber ge¬ schlagen.
da der selbe knab enpfand
270 das er mir dienet one danck und mich mit güt nit moch ge¬ winnen,
247. Do b, Das a. 254. yedoeb b, ye a.
er gedacht in sinen sinnen: sit du nit magst lässen da von und söltest also verirret stön 275 alle zit, das wer ain michel dag, und rüwen weder nacht noch tag, [6’’] es wer weger, du werest tö<L sin sjmn gaben im den rät, so in güt möcht gehelffen nicAt, 280 er sölt mich laden für gericht, daman haimlich sach richten tüt, vor frow Fenus und im gespUen
güt.
es geschach also, ich ward ge¬ laden.
das kam mir zü grössem schaden. 285 min gesell, hab nit verdriessen, lang sach mag man nit be¬ schließen
mit kurzen Worten.’ ich sprach:
‘wie?
frow, ich gehöret kain ding lieber
nie;
solt es weren alle min tag,
290 es verdrüß mich nit, fol endent
üwer sag!'
‘das tet ich gern’, sprach sie, ‘ge¬ sell,
wer nit so größ min ungevelL doch tü ich gern was ich mag.
Do nun kam des rechtes tag,
295 ich was gehoi'sam, ich stalt mich
dar.
do der knab min ward gewar, der bat gerichtes und fürsprechen und nam frow Lieben die frechen, die trat hin für mit siner dag 300 und sprach: “dißer knab hät nacht
und tag
gedient mit fliß dißer frowen hie”
279. nicht b, nit a.
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1. Der Minne Gericht.
7
und erzalt alle sach, wa und wie, als du es von mir häst gehört: ^'die hat wider min geböt in be-
dört
305 and mit irer untrüwer hertikait im unbillich tröst und hilff
ver sait,
zfi schmacheit werden wiben göt, die wöllen trösten sin gemftt.
[6*’] er hofft, sie mög sin gelögen
nicht,
310 er stät all hie und bitt gericht." ich hat also die richterin frow Fenns, kAngin der min, das sy mir erlöben wölt frow Eren, daß sie sölt
315 mir min antwirt fAr bringen, es ward erlöbt, sie tett mir
dingen
alles das mir zA recht nöt wer. sie hört mich nnd trat daher in fryem müt nnd sprach alsus:
320 “hört, edle kAngin frow Fenns, frow Lieb hät beclaget ser dißer frowen an ir er, wie sie mit hertekait behent hab brächt den knaben in eilend.
325 sie spricht, sie stand hie on logen, der knab hät offembär und tögen ir gedient ain lange zitt; er hab aber ir ere da mit gefryt, das sie im nit wolt zA sagen.
330 er tA unbillich sie beclagen, wann frowen er zA gehört off versagen, das ichi bedört wert mit falsch ir eren schäm.
804. jn b, ain a.
305. vndm h.
307. smacheit h, schmachet a.
311. bat h, bitt a; in a öfter Präs. st. Prät. (624. 762).
326. ynnd 5, mit a.
dar umb sie hertikait an sich
nam
335 nnd wer zA zitten ungednltig. zA dem rechten sy sie im nit
schuldig.”
da wider frow Liebe rett mit
synn :
“merck, edle frow kAngin, die frow hie one lögen stät,
[7'’] als ir denn wol gehört hönd;
341 der knab hab ir gedient vil zitt und hab mit sölichen eren gefryt, als dan ir antwirt hät geint, der knab stät hie nnd getrwt 345 der selben frowen noch so wöl das sie selber dar umb sagen söl das er sie nie gebat wider ir er, die sie hat sie kant wol sinen stetten sin,
350 sie gedorfft öch nit versuchen in, er hett sie nngem wöllen betören, man sol sie selber dar umb hören ob dem allem also sy” sprach frow Lieb die fry.
355 frow Er die fArt mich Wn dan: “ist wär das fAr bringt dißer
man?
das soltu sagen”, sprach sie zu
mir,
“er will es ganz getruwen dir.” ich was so vest und biderb 360 das ich nit wolt reden da wider, wann es was luter die warhait frow Er sprach : “ es ist mir laid, es solt kain frow so hört nit sin.” trnrig gieng sie wider hin in
328. ere 5, fehlt a.
332. ich h, ist a.
339. hie d, fehlt ab; doch vgl. v. 301. 310. 350. verflachen b.
357. Das solta b, Da solt a.
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8
1. Der Minne Gericht
365 und sprach: “ich verhört die sach
eben:
die frow sprach, gült es ir das
leben,
sie w61t nit lögen der warhait,
der knab hab war gesait,
und habe sie nicht recht an im
gefaren,
[7'] so bitt sie das man ir wölle
sparen
371 mit gnaden dißen handel. sie will b&ssen und wandell und bessern alle ding.”
Frow liieb sprach: “der Jüng¬ ling
375 hett zü ir ze clagend mer; das will er lässen umb ir er. ir groß ungetrüw wil er verswi-
gen;
frow Fenus, dancket im mit
nigen !
man seit die frow hab bekant,
380 er öch rechtes gerichtes ermant das ir im sprechend urtail, das dise frow hört und gail ernstlich werd gesträfft umb ir
hörte groß,
wan zü allem ding gehört möß.
385 und als sie bitt gnad erwerben, ich sprich: nain, sie sol ersterben! was sie hett verwirckt an dißem
man,
das ist im nit allain gethön, sunder mir und min gebotten.
390 die solt man nit also verspotten, frow Trüw, an üch ist gebrochen! frow Stet, läßt ir es ungerochen
das dißem knaben stett mit herti-
kait
gegolten wird, es wird dch laid 395 und aller frowen güt verschmecht. swigend ir dar zü, ir taind nit
recht.
frow Güt, wie mögend ir das ge-
liden ?
dise frow hät üch tain vemiden. frow Er, ir liessend öch billich ab 400 ze bittend für sie, dan dißer knab hät üch gedient one sold;
[ö''] um ir er ward er ir hold.
frow Zucht, ir habend sie übel
gezogen,
das sie den knaben hät getrogen. 405 frow Scham, üch ist öch laid ge¬ schehen
von dißer frowen, daß müß ich
jehen !
schentlich ist es gütten wiben hertikait und untrüw triben. merck, frow Fenns, edle küngin, 410 (wir alle, din höff gesin,
von dißer frowend sind miss¬ handelt)
das sie darutnb bus und wandelt mit strenger urtail und pin vil, das ander frowen dar an ain by-
spil
415 by dißem mögend nyemen.
wan wir söltend uns alle Schemen das ain sölich übell tetterin solt ön gericht körnen von hin. und wer hie frow Aventüre,
420 sie wer mit mir ungehüre ze rechen sölich größ missetät.
892. jrs 5, es a.
394. Gegelten a. ach b, 5ch a. 398. Termyden b.
405. laid fehU ab.
412 aus b, fehlt a.
414. byspii b, ain spU a. 419. hie b, fehlt a.
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1. Der Minne Gericht.
9
frow, helfft uns aß dißer nöt und fragend umb näch urtails
recht”
ich sach an min trüwen kneht 425 und marckt wol sin erbarmen, das er hett mit mir armen: lieber gesell, läß erbarmen dich das hört geschray Aber mich! ich mäß truren biß an min end 430 und hieß mit recht die eilend, frow Eren bitten halff mich nicht sie wagen so höch diß geschieht das mir alle gnäd ward verzigen. da frow Lieb nun hett yerswigen, [8'] frow Fenus die richterin 436 fraugt umb näch rechter min, macht urtail waß ich verfallen
wer.
ich staind öetrAbt und wainet ser. frow Lieb sprach: “mich duncket
recht,
440 sit sie iren trüwen kneht
verschmecht hät on alle schuld, das sie fürbas aller menschen huld ymer mer söl gebrachen und alle tag in wild struchen 445 leben ir zitt und sin ver mitten, barfüß und ir här abgeschnitten, daß sie ir hertikait selber enpflnd. also ich sie mit minem urtail
bind,
und duncket mich dar näch sin
genüg,
450 näch dem und er liebe trüg.”
484. nun b, jm a.
437. Nach a. b.
438. bedntbt b, trübt a. 442 aus b, fehlt a.
Das urtail ward gefolget zwar nahend von den frowen allen gar. allain frow Er für mich bat; es was umb sust, ich mßst an
stat
455 mich enplössen vor gericht in menges menschen angesicht. owe der schäm die ich enpfieng, da ich vor mengklichem gieng!
[8*'] ich sach das min lieber knab,
460 wie wol ich daß von im hab, waint mit mangem, daß ist wär. ab geschnitten ward mir min här. do daß urtail alles ward vol-
bracht,
frow Er die truret und gedächt 465 an min liden und jamer groß, do sie mich sach nackend bloß, und fiel zu föß den frowen allen mit senfiten Worten und süssem
kallen
und bat sie fast und ser 470 durch aller rainen frowen er das sie mir armen wib nun ain claid an minen lib erlöben wölten zü dißer fart, das ich nit zu schänden frowen
zart
475 gieng nackend und ploß. frow Lieb hett ser verdroß; doch kum ward ich gewert diß, also wann dißer rock zerriß, so sölt ich fürbas nackend gön 480 umb die nntrüw die ich het getön.
443. Ymer a, Nit b.
458. menglich nackent g. b. 468. vnnd b, vne a.
Bild: nach v. 458: Das Mädchen geht nackt, mit aufgelöstem Haar an einer Schar Leute vorbei, unter denen man auch den Dichter bemerkt. Eine Frau zeigt mit dem Finger nach dem Mädchen, das aus Scham die linke Hand vors Gesicht hält. Kein Hintergrund.
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10
1. Der Minne Gericht.
do das geschach, frow Er zoch ab dißen swarzen rock sie mir gab. do ich den heit an geleit, ich ward mit geschray hin gefeit 485 in dise wilde scharpffe dom. we daß ich ye ward gebomf ach! müß ich schryen z& aller
zitt.
allen komer den ich do lid, hon ich von untrftw und hertikait 490 sie sind selig die sie nit trett, und verdampt öwenclich [d'l die sich nit stdssend an mich.* Also die frow die red beschloß. mit zehern sie iren lib begoß,
495 das sie ain wil ward red löß. ich sas by ir in dem graß und mocht doch mich enthalten
nicAt,
ich waint mit ir diße geschieht sie sprach: * gesell, du häst gehört 500 was mich arme hät bedört und mich zu sölichem kumer
bracht.
dich vertröst hön ich gedächt; ich hön geteilt min laid mit dir, also mttstu och tain mir.
505 sid du (Ach sprichst eilend sin, so soltu mir sagen den kumer din, wann es ist der betr&bten fröd so sy habend gliches laid.’
[lor] Ich sprach: ‘frow, ich hon
ver nomen
482. BwarezS links am Hände ergänzt a.
483. Danach: Den sie mit mir het ge> teilt o.
484. gegeyt b, gericht a.
490. trett vielleicht ein schwäbischer Plural (vgL Am. 19, 358 und v. 1390) H.
493 aus b, fehlt a.
510 üwer laid, wie ir sind körnen in öwer nöt; es tüt mir we. und als ir mich bittend me, ich söll &ch öch sagen minen
kumer,
das td ich gern, ich armer
tummer,
515 und sag dch mit kurzen Worten das in allen stucA»n und orten, wie dch beclaget hab der knab, des glichen ich öch ain sach hab und kan dar zä nit mer gesagen 520 dan Hebers zwar by minen tagen ich nie gewan nöch nymer t&. die hät mich brächt in größ unrö, das ich nahend bin verzagt, ir hörte die hät mich verjag^
525 in dießen wald von (fer weit, wan ich fand kain biUich wider-
gelt
von ir, nymmer tröst noch trftwe. das tet mich so ser rdwen das ich vor laid bin körnen her. 530 Ir habt gehört nun min swer und höff, gelftck hab mich gewißt do ich mit tröst noch wird ge-
spißt
wan als ich von fich vemomen
hab,
so mag ich mins laides körnen ab. 535 als ir mir sagt, so ist ain gericht do man sölich Sachen schHcht ich bit Ach, frow, umb üwer ere,
497. nicht b, nit a.
502. vertröst = vür tröst.
505. dich b, mich a.
516. stocken b, staben a.
525. der b, diser a.
530. nin a.
537. vmb] durch b.
Büd: nach v. 506: Wald, im Hintergrund eine Burg. Der Dichter sitzt dem Mädchen gegenüber im Gras; sie hat ein rotes Kleid an. Durch erhobene Hände wird das Gefach angedeutet.
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1. Der Minne Gericht.
11
ir wellend mir geben wiß und
lere
wie ich mit füg körn dar in.
540 by üwerm laid bedenckt das min, [iO'l das will ich verdienen ewenclich, und ob es ümer wirde fügen sich das gelück mir w61t glichen hail, dar an sol sin üwer tail.
545 ob ich üwer pin möht machen
gering,
ich hör nit uS dan mir geling, und will öch dar nmb sterben oder ich will uns tröst erwerben, dar umb so wisend mich bald 550 uff den weg in den wald
do ich find das geschworen ge-
richt.
zwar da von läfi ich nicht.’
Als wir unßer sag brächten zu
end,
die frow bot mir ir hend 555 und danckt mir miner gehaifi und sprach: ‘den weg ich wöl
waiß.'
sie staind uff und ich mit ir. sie gieng ain gütten weg mit mir durch den wald und wilde dom. 560 sie hett den weg öch verlora, sie clagt mir stetz ir laid wol uff ainer mile brait, biß sie uff den rechten weg kam. und e ich urlöb von ir nam,
565 do bat sie mich innecklichen ser das ich ir nit vergeß mer, ob ich ir icht gnäd möht er¬ werben.
das sie also nit dörft sterben, und käm ich herwider frow,
570 das ich dan sie süchte do;
das wölt sie ümer dienen umb
mich.
wer aber das es fügte sich [^*"1 das ich miner bett nit wird ge-
wert
und öch nit wider zü ir kert,
575 das ich dan durch frowen er schwig der geschieht ymer mer und allen werden wiben das sagen solf und schriben was ir gemüt hett tain be¬ schweren,
580 das sie da vor gewaraot weren und hütten sich vor ungetrüwer
hört,
das sie nit körnen in das gefört, urtail und pin ‘da ich in bin. zü frowen gehört gütiger sin 585 gen den sie mit stät erend. ich tain sie das recht leren, das ich laider vor kund nie; dar nmb so ge ich eilend hie. es zimpt ye nit werden wiben 590 das sie gegen trüw falschait
triben.
wer ich des vor under rieht, so dörfft ich hie liden nicht, ich verkünd in mines laides pin, das sie dar vor gewamet sin 595 das sie nit sind untrüw und härt. güt gesell, Got sy din gefärt! die nacht die kumpt, ich schaid
von dir.’
545. ring b.
551. nach find gestrichen: in a.
578. 8olt ynnd b, soltn' a.
579. tain hett umgesteüt nach b.
583. Die indirekte Rede geht ohne weiteres in die direkte über; ebenso v, 1061.
585. Gen b, Den a. sie nit a, die sich mit b.
588. eilend b, fehlt a.
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12
1. Der Minne Gericht.
ich Sprach: ‘frow, üwer begir will ich werben mit ganzem fliß.’ 600 sie böt mir ir hendlin wiß:
‘gesegen dich Göt, körn her wider
schier ! ’
also mit wainen schied sie von
mir.
[1D\ Nun dar, gelück, nun füg mir
hail,
das ich wider werde gail 605 und entladen werd miner nöt wer siner sach stüttecklich nach
gät,
dem kan nit wol mislingen, er tüt etwas dar von bringen, dar umb heb ich mich uff die
fart,
610 als mich die schön hät gelart, durch wild dom, durch den
strach.
der wald was da gar ruch, das ich nahend was verzagt, ich gedacht: 'wer nach fröden
jagt,
615 der möß dick komer hön.* das selb tett ich sehen an, wen wann laid am hörtsten stät, geren tröst dar näch gät. dar umb wolt ich nit lässen ab, [W'^Jich wolt e sin der eilend knab 621 all min tag ön endes zil. ain stolzes tier haben wil ain stritigen jeger, das ist war. ich für im land hin oder her
625 biß ich körn uff das recht gefört, (wem anbentür ist beschert, der müß sie tragen alle sin tag,) und kom zö ainem gezierten hag. das was von mangem dom schon 630 wunlich geflochten als ain krön und was von roßen mit flis getailt röt, plaw und wisß. es was gehagt als ain wand, ich gieng biß ich ain tür fand,
635 das wären zwü linden gren. ich erschrack und ward doch
kün,
wan es was in der weit ye sit: wer nit wacht, der gewint nit. die tür die was Offen höch;
640 uff ainen berg waß mir gach [^^'Idie wunder werck zü schöwen. ich sach die aller schönste öwe die kain mensch ye gesach. nicht von zierd ir gebrach:
645 von blömen, blüten und graß mit allen varben bedeckt waß. ain Cläres wasser dar durch ran, da saß manger fogel an. zü ring schib wol ainer mil brait 650 was der hag dar umb berait mit mangem wunderlichen riß. als wer es das irdisch paradiß, so was es näch wünsch wol ge¬ schickt.
nach Inst ich hin und her plickt, 655 wan grösser wunder ich nie ge¬ sach.
610. gelart h, gelert a. 649. schib fMi b.
624. ging ym b, far a. 653- wer ab.
631. Und fehlt ab. vor von gestrichen: mit a.
Bilder: vor v. 603: Waid. Der Dichter reicht dem Mädchen ewm Abschied die Hand.
nach V. 640: Wald, links zwei Linden, rechts ein großes Gehege, Wiese mit Blumen. Der Dichter hält (zum Zeichen des Staunens) die linke Hand an die Backe.
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1. Der Minne Gericht.
13
Ich sach ab ze tal in den bach an ainer wunnencklichen liten die minecklich«ten frowen riten. ir pferd was wiß, und gedeckt 660 von allen varben dar uJEl gelegft; swarz allain dar nff gebrach, do ich die frowen ane sach, ich gedacht es wer ain engel rieh, ich hett nie gesehen sin gelich. 665 ich sach öch zwen falcken in den wolcken walcken. has6 sie zü ainem raigel trägend; bald sie in zü der erd schlägend, wan die frowen ritten baissen.
670 min won tett mich raissen
das ich gedacht: ‘nnd söltest ster¬ ben,
du wilt all hie tröst erwerben.’ da die frow iren falcken wider bi dem Inder hett, sie trat nider 675 von dem pferd uff die erden, ich gedacht: ‘möht dir Ion wer¬ den!’
173'-] ich lieff bald und hielt daß pferd. die frowe erschrack und begerd das ich ir kunt tet behend 680 wer mich durch diß eilend gesant hett in diß schön owen. es wundert ser die frowen, doch böt sie mir, die mineclich, ir hand; ich danckt ir inneclich 685 mit geberden und mit nigen.
658. myimiglichaten b, mineck liehen a. nach 658 m b:
Die was nit geczirt nach englischen syten Zwo jongfrawen mit jr ritten.
664. sin] irn b.
673. fraw b, fehlt a.
sie sprach: ‘gesell, du solt nit
swigen.
schem dich nit, es mag dir ge-
frömen.
du bist umb sust nit her körnen, das merck ich wöl an dinen ge¬ berden.’
690 ich sprach: ‘gnäd, frow edle und
werde,
ich tain als ainer der erschrickt so er sinen tröst anblickt, vor liebes lai<f waiß ich nicht wie ich min red zä äch rieht [13»] wan üwer gnkd ist mir unerkant’ 696 sie sprach: ‘gesell, ich bin Lieb
genant,
die bin ich ganz ungetailt’
‘min jamer hät sich j^ailt’, sprach ich, ‘wan ich hab funden 700 der ich mit träw zü allen stunden gedienet hab und gesach sie nie. gnedige frow, sind ir nun hie, so ist verswunden vast min dag. von recht ich üch min kömer sag, 705 wan ir sind die die allen armen gen lieb hilfft, und habt erbarmen üwern knehten, als sich das zimpt. üwer gnäd sicher daß vernimpt, und waist öch wol der werde Göt, 710 ish hön gehalten üwer geböt gen ainer frowen, uff minen aid. zü irem willen waß ich berait
682. die b, alle die a.
685. Deygen b, migen a.
693. laides a, laids b.
694. red b, laid a.
698. tailt a. Ich bin from vnd myn hercz daa geilt b.
Büd: vor v. 677: Landechafl, im Hintergrund Berg mit Kirche, davor ein Fluß. Der Dichter begrüßt mit dem Hut in der Hand zwei berittene, vornehm gekleidete Damen. In der Luft ein Falke mit einem Beiher in den Krallen.
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u
1. Der Minne Gericht.
genzlich mit lib und gut, min herz zä dienst ir nimer rüwt’ 715 und erzelt ir do alle sach
die mich brächt zfi dem unge-
mach:
‘an der will wibes gfit verderben, on schuld läßt sy mich sterben und will mir fröd erzögen niht 720 von ir beger ich gericht,
dar umb bin ich körnen in die
owe.
bewiß mir hilff, du edle frowe, von recht gehört es Ach an zetrösten mich betrübten man.’
725 sie sprach: ‘gesell, ich tü dir des
büß.’
in den stegraiff satzt sy den föß [J4*-] und sich wider zü röß schwang, ‘wöl uff mit mir, der weg ist
lang,
du solt sin hüt min gast,
730 ich benim dir diner sorgen last.’ Sie rait da hin, ich gieng mit
ir,
und verhört mins herzen begir. sie fört mich uff die höhe der
öwe.
sie sprach: ‘merck, gesell, und
schöwe
735 daß wunecklich geziert feld.
daß dort her schint, daß sind zeit.
719. mir nymer b, mich miner a.
725. dirs b, dir das a.
729. hynt b. Vgl. v. 984 f.
733. die fehlt a, ein b.
742. da wont der b, went er a.
745. yff 5, es nff a.
752. Stet] er ab. Vgl. v. 756.
nun sind ir in der zal,
da man von seit, and haißt der
gral.
dar inn sind fröd aller geschieht; 740 was im nun der mensch bedicht, das ist da und dannocht me. wer da wont, der lit kain we. da won ich und min gespilen güt und haben frow Fenns in hüt.
174*1 da sich uff und merck es eben,
746 ich will dir under richtnng geben wa iegklicher frowen wonung
syg:
frow Fenus, unßer küngin fry, ist daß schönst daß du sichst 750 das nehst dar by das min ist zü der rechten hand, alß sich
zimpt
dar nach frow Stet ir wonung
nimpt,
frow Trüw ir gezelt dar näch hat
in,
frow Güt ist ir nächbürin.
755 uff die andern Sitten her mer do sitzt am nehsten frow Er. frow Zucht dar näch hußen tüt, frow Scham nahend by ir rüwt, zü dem letsten die Lieb die ge¬ hör,
760 dar näch ze nehst frow Aubentür. also sichstu unßer Ordnung.’
759 paßt weder eu t. 750 noch tu v. 760; in der feststehenden Reihenfolge der Tugenden kommt auch sonst (v. 792 ff., v. 893 ff., v. 968 ff.) auf Scham stets gleich Abenteuer, und evoar auch an leteter Stelle; deshalb ist vieUeicht mit Hilfe von v. 843 f. und d gegen ab tu lesen: zu dem letsten die lieb und gebär, die man nent frow Anbent&r.
Büd: nach v. 732: Wald. Der Didtter im Gespräch mit Frau Diebe; er hält ihr Pferd am Zügel. Rechts frißt der Falke den Reiher. — Von diesem Büd an fehlen Tasche und Stock des Dichters.
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1. Der Minne Gericht.
15
Ich sprach: ‘wer aller menschen
zung
nur uff mich gericht, dannoch die gezierd möht ich
nic^t
765 der zeit Volbringen.’
ich tett in mir selber dthgen, es wer von menschen nit besacht, Q6t es selber hät gemacht wan was ie menschen haben ge¬ dacht
770 von zierd, das was dar an vol-
bracht
mit gewirckt mangen bilden der zamen und der wilden, die also in wappen strebten gelich als sie warlich lebten.
775 yegklich zeit hett sin aigenschaift in wäppes zaichen nach maister-
schafft
von gold, gestein und berlin fin, samet, purpur und sydin [J5»-] mit mangerlay färbe gezierde.
780 ain yegküchs näch siner wirde hat siner aigen färb ain tach. als nun geb&rt, ich Ach sag wunder werck von knöpffen schön, ain yegklich gezelt uff siner krön 785 hat ain knöpff von edelm gestain, so gröB, fin und rain hett es kein mensch nye gesehen. die taten durch die sunnen
brechen
gelich alß wer es ain morgen
Stern.
790 den ganzen gral tetten sie ziem von iren fröden rieten glösten. frow Fenus hett den bösten karfunckel mercklich und groß, der da mit heften ußgoß 795 liecht bayde nacht und tag. groß wunder zierd an im lag von allen färben der gestain. min frow Lieb die rain hett ainen robin von Orient,
800 der Ifiht dort her sam er brent, mit mangerlay gestain färben; allain swarz tet dar an darben, wer gesach ye hfipscher gezier? frow Stet hett ain minecklichen
saffir,
805 der do glast mit /'inem blaw; kain andre färb sach ich do. frow Trüw hett von grossen
listen
uff irem gezelt ain amatisten, fin brun mit andren iarhen deß
gelich.
810 frow Gfit die erentrich hett ain topasius ze knopff,
[75*] fin gel nach siner natur löff; kain andre färb sach ich dar an. nun wil ich z& frow Eren gön. 815 uff der andern Sitten ir gezelt
lag.
die hett ze knopff ainen smarag, fin grün näch siner rainikait mit fil andern stainen dar in
klait.
frow Zucht hett ainen demant.
762. sprach h, sprich a.
764. Dannoch 5, Dar näch a. nicht 5, nit a.
765. geczelt h.
766. dingen 5, dringen a.
770. Von 5, Vor a.
777. 787 ows b, fehlen a.
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791. riehen b, aigen a.
794 aus d, fehlt ab.
795. Bayde liecht a.
808. gecjder b, gezierd a.
806. anderm einem a, einen enden b.
809. and‘n färben b, andrem fin a.
818. klait] geleit b.
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16
1. Der Minne Gericht.
9
820 des färb in swarz wirt erkant; alle herte er über tretten tut. frow Scham die güt ain kristall lütter und fin; wisß, mit andern berlin 825 verwirckt den andern glich was er. frow Aubentftr die rieh, ain kalcedonius was ir knöppff«
krön,
von allen farwen gemengt schön, wan sie ist gemain in aller weit. 830 dar umb ist gemengt ir zeit mit mangen färben, alß sich
zimpt.
sie ist nütz, wer sie in güt
ver nimpt,
sie tüt biegen mangen man der sie zü recht nit halten kan. 835 wer sie nympt, dem dient sie
gern,
sie zücht jung lüt und tüt sie
lern
lieb und laid und dick grösse nöt. doch die tugend sie an ir hät: sie lert größ ding erw'erben,
840 sie lässet ir diener kainen sterben [le»-] und wont nit gern by den zagen, ir geschieht kain tötter mag
sagen,
dar umb ist sie nit ungehür. sie nent sich frow Aubentür.
845 Da nun frow Lieb hett erzelt den Orden der gezelt uß erwelt,
820. in swarcz in graw a.
827. knopffg 5, knöppil a.
885. nympt a, snekt h.
838. sie 5, die sie a.
839. erben ah.
sie sprach: ‘gesell, wöl uff, ich
rit.
wir wöllent essen, es ist zitt!’ ich sprach: ‘gnäd, frow, ich volg
üch geren.*
850 uff dem weg tet sie mich leren wie ich min sach sölt handeln
eben.
ain köstlich mäl tet sie mir geben, daß ich deß glich nie enpfieng. nach dem essen sie mit mir gieng [^<>*]zü allen frowen und bevalch mich
in:
856 ‘lönd üch den knaben enpfolhen
sin,
der hät unß allen gedient schön und mag ^och erwerben kainen
Ion’
sprach frow Lieb die werd.
860 Ain yeglich mit Worten und ge¬ berd
tet enpfahen und trösten mich, frow Gut die milt sunderlich für ander frowen mir tröst gab. sie sprach: ‘min lieber knab,
865 wer dient werden wiben gut, der läß nit kümem sin müt ob im ain «ril wir< versaget; ze letscht er doch tröst erjaget, ain hiderb wib tüt Schemen 870 trüwen dienst on Ion zenemen, daß ainer büßen nit verleit daß ist ir beder nnderschaid.
842. keym d6rn mag geachitden b.
844. nent sich] ist von recht b.
858. doch b, da a.
862. gutt b, Venus d, fehit a.
867. ein wU w. u. b, yil wib versagend a.
Büd: nach v. 854: Frau Liebe, tn rotem Kleid mit grünem Umhang, erJdärt dem Dichter die sedis Zelte, die rechte auf einer Wiese aufgeschlagen sind. Sie hohen, wie auf allen folgenden Bildern, ein farbiges Fähnchen an der Spitze.
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1. Der Minne Gericht.
17
ist die dtn von gütter art, ze trösten sie sich nit lang spart.
875 so es geschieht, gedenck an mich.* ich sprach: ^frow, daß tün ich. üwers tröstes will ich öwig leben, üwer g^äd sol mir urlöb geben.’
Ich schied von den frowen zart.
880 ain jär mir gesetzt ward
zü dem rechten von den frowen, ain morgen fr& in der öwen in der schränd da man t&t rich¬ ten,
sölich sach gar frftntlich schlich¬ ten.
885 mich be(f&nM doch, daß m&ß ich
jehen,
daß ich lieblicher zierd nie hön
gesehen
[i/'-jdan an den zelten allen waß. dar an ich mangen rymen laß, die ob den türen wären gemacht,
890 von berUn gold fln besacht, als sich yegklicher frowen zam. in den lymen staind ir nam. der edlen k&ngin frow Fenns rymen sprach alsus:
895 'von adams zitt hät min gewalt gehabt ain sölich gestalt: was lebt, frowen nnd man, mäß minem gebott sin undertön.’ frow Lieben gezelt rymen waß,
900 der Int also, als ich in laß:
‘allen den die liebend mich, den selben ich versprich
daß ich nit sich an gestalt nöch
gut:
allain lieb mir lieben tät.’
905 frow Stetten rim daß waß der; nun merck ain yegklich büler:
‘ich hatß Stät, die z& lieben ge¬ hört.
wa ich nit bin, da wirt zerstört bald lieb und wuchset dar usß
laid,
910 man erwbt alle ding mit stäte-
kait.*
frow Gütten rim gehört werden
wiben,
den hett sie also läsßen schriben: ‘ich haiß Gfit und gehör dar zü daß ich näch senendem herzen
rfiw.
915 wer ich nit, so wiechß dick laid; als größ übell vermide^ gütikait.’ frow Trüwen, der lieben hört, waren also irs rymen wort:
‘ich bin Trüw, der natur geböt.
920 all lieb on mich ist ain spot,
[i^'lwan trüw ist rechter lieb ain
zaichen.
ich tain herte herz waichen.’ es staind geschriben an frow Eren
zeit:
‘ich bin der höhst schätz der weit.
925 yederman hett mich geren, und tüt maniges mich uneren. wie wol man mich ainest verldßt, niemand mich gar wider erkdst;
873. diu b, dan a.
885. bedQckt d, bendgt a.
893. edeln b, edle a.
896. G Ynd gehabt a.
900. ala b, fehlt a.
907. hiefi o, bin b. die b, dir a. 910. erwirbt b, vertribt a.
916. Ala dnreh ab. venniden o(6).
XtaataolM Text« Am MtttoUltan. XZIV.
917 üt wohl vorangestellter Dativ ; F. dmw d. L h. 5 stellt den Nominativ voran, ähnlich wie V. 826.
918. jra b, fehlt a.
920. All lieb on mich b, Aller liebin mir a.
927. verläßt a, gelnat b.
928. erhofft a, koat b.
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18
1. Der Minne Gericht.
es müß im allwegen bangen an. 930 ich gib der weit bdhsten lön. dar umb ist mangs umb mich tod, die andern habend gelitten not. Oner ist min wider sach, die bringt all die weit in ön-
gemach.’
935 frow Zucht die löblich
hett geschriben, also laß ich;
'ich bin Zucht und gehör an bayde frowen und man. ich tain mich allen gölten lieben, 940 allain die bößen mich zerklieben.’ frow Scham het in mittell an irem zeit dißen tyttel:
4ch bin Scham und gehör zü
wiben
die daß eren spil wöllen triben.
945 schäm weret manig misse tat, blaich antlit mach ich rött.’ frow Aubentüir büchstaben waren in Worten also begraben: ‘ich bin Aubentür genant,
950 manigem manschen ward ich be-
kant,
den ich hilff uß angst und not. ich küsß manigs mündlin röt.’
Also lütten die tyttell all. ich gieng getröstet also mit schall [iS’’] mit frow Lieben in ir gezelt 956 sie sprach: ‘gesell, sichstu daß
veld
und ain hütten? daß merck mit
synn,
941. hatt d, fehlt ab. in H., ain a{b). 946. ich a, sie b.
951. 52 umgestellt nacJi b.
954. tröstet a, trosts b.
da sitzet öch ain frow in. die ist aller nnßer wider sag.
960 die liden wir daß sie mag unßer tagend schain dester baß, wen wa ye böß by dem gölten
waß,
so mag man es dester baß er¬ kennen.
hör, ich will dir sie nennen:
965 frow Fürbaß ist sie genant, die Terfürt lüt und land, wann sie mit wanckellmüt unßer küngin vil ze laid töt. sie töt mich Lieb zerspalten,
970 sie mag stdt nit lang gehalten, trüw töt sie verschmehen, gut mag sie nit an sehen, ere sicht sie nit triben gern, Zucht mag sie nit lern,
[^s*] schäm hät by ir kain stät,
976 böse aubentür ir näch gat, kain lugend mag by ir beliben die den Wechsel gert ze triben und alle büch walten wil.
980 schand wirt ir endes zil. es ist wol, wan es geschieht’ ich sprach: ‘frow, es irt mich
nicht’
In der red hain körnen wir. frow Lieb behielt mich by ir * 985 die nacht mit grosser röwe. do nun kam der morgen fröe, frow Lieb gieng frölich mit mir für gericht; do funden wir
960. wirt o.
963. mans b, es a.
970. st&t 22., sie a{b). '
972. Czneht a.
Bilder: vor v. 955: Die Zdtwiese. Der Dichter kommt von links m Begleitung etceier Frauen auf die Zelte tu. Im Hintergrund eine Stadt, davor auf einem Felde ein Haus.
nach V. 988: Der Dichter wird von Frau Liebe (in rotem Kleid) tu den Stufen geleitet, die in das vorderste Zelt fuhren.
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1. Der Minne Gericht.
19
frow Fenns in ir kaißerlich krön. 990 die frowen all geziert schon sassen näch Ordnung z& gericht frow liieb die schampt sich nicht und bat die kAngin daß sie solt verniemen min dag, die sie wolt [19 »■] für bringen von minen wegen.
996 es ward erlöbt, sie sprach: ^der
tegen
hät gedienet ainer frowen zart mit stetter lieb und getrüwer fart zfi aller zitt als ain getrüwer
kneht
1000 die hät on schuld in ver schmeht und aller siner sinnen entricht was sie im verhieß, das hielt sie
nicht
ir wanckler müt hät in geschla¬ gen
mit untrüw’ — und tet do sagen 1005 alle sach, wie mit hertikait
sie mich brächt hett in diß laid, und bat die frowen do nmb die
geschieht
daß sie mir wöllend tain gericht, daß gesträffet werd sülich untrüw. 1010 die frowen all mit grösser rüw wagend die sach und waß in laid. recht ze sprechend wärent sie be-
rait
doch frow Ere erfür tratt und sprach: 'wer waiß was da
hät
1015 die frowen dar zä tain bewegen?
man söl ir kain recht an rucken
legen,
sunder sie lässen ir antwirt hören, dcM man daß recht nit tüt er-
stören.’
Als die red was vemomen 1020 von frow Eren, do waß körnen [19*1 frow Anbentür, die sach mich an. sie sprach: 'was sücht hie dißer
man?*
sie ward deß ganz nnder rieht sie spraeü: 'daß ist gemain ge¬ schieht.
1025 wa ich hin oder her ker, so find ich selten minner mer kain rechte lieb mit trüwen tri-
ben.
stet will niemend me beliben, wann wa zway gesellend sich,
1030 falsch ist das ain, das dunckt
mich,
zürn minsten, sind sy es nit bede. manger tret der stät claide mit dem mund und herzen nit, das ist nun der weit sit.
1085 vil gehaissen und betriegen, lieplich gebaren und fälschlich
liegen,
trüw zfi sagen und sie ver-
schmehen,
laß gedencken und frünüich sehen, wer am maisten git, der hät den
köff:
1040 daß ist nun der lieben löff.
9l8d.9ünmge»iellt gegen ab. mb, fehlt a. 1015. than b, fehlt a.
1017. sie lat b, tds lassen d, l. sie l&ß ?
1018. Das d, Do ab. nit d, fehlt ab.
1020. do b, die a.
1023. des b, daß a.
1024. sprach b, sprachen a. 1026. myner b, mimer o.
Büd: nach v. 1020: Das Gerichtaselt. Venus in grünem Kleid mit Krone auf hohem Sits; links und rechts davon die Tugenden. . Links kniet Frau Ehre {oder Abenteuer?), Venus neigt Kopf und Sand nach ihr hin; rechts kniet der Dichter neben Frau Hebe.
2*
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20
1. Der Minne Gericht.
untrÄw ist so gemain worden daß niemend halt der minn orden. in gättem sy es ftch verkünt: sträffend ir sie nit, ir habend sin
sund.
1045 ich kan üch nit mer gesagen, min ampt daß ist: ich sol es
clagen.’
[50«*] Do mit tet sie ir red be-
schliesßen.
die frowen betten alle verdriesßen von der jemerlichen dag.
1050 yegkliche sprach : * wie kan und
mag
daß beschehen by unßern tagen?’ jegkliche frow tett do sagen wie ir geböt nit wer gehalten, dar umb so wird die lieb zerspal¬ ten.
1055 die grösst sach dar umb wer das wenig lebten der büler die da westen der minn orden. dar umb wer sie ze nicht worden, dan übel gebruchen macht dick
laid
1060 zä ainer gemainen gewonhait.
‘wer nit waißt, der kan nit
sinnen ;
dar umb söllen wir verkünden nnßer geböt in allem land, daß es sy niement nnbekant 1065 und sprechen müg: “ich lid nöt umb das man mir nie verkünt
hät.”
wer dar an brechen tüt,
1051. Do a.
1055. grost b, grSssen a.
1067. dan daran b, dem an a.
1068. Sräfft a.
s^äfft man die, es wirt güt und mag niemend dar über cla¬ gen.’
1070 sie Hessen den rät umb hin fra¬ gen.
er gefiel in allen und ward be¬ schlössen.
sie giengen alle zü mir unver¬ drossen
und batten mich daß ich min
schwer
ließ an stön ain wil und wer 1075 ir kneht allen geliebten zü eren.
sie wölten mich wißen und leren [-0»] die Lieben orden und geböt,
daß ich daß tät durch den werden
Göt
und verkünt es allen lütten 1080 die diß sach wöllend trütten, und tät sie die regel nnderwißen wie lieb mit lieb sy ze spißen. ich erschrack der bet und ant-
Wirt in:
‘gar zekrank ist min sin 1085 ze foU enden sölich größ geschefft; es bedarff größer wisßhait und
krafft.’
min entschuldigung halff mich
nicht,
ir bitten stät was also gericht das ich in nit mocht versagen.
1090 ich sprach: ‘by allen minen tagen schwerer sach ich nie verhieß.’ ‘glück den kdnen selten nie ver-
Heß’,
1085. CzQ werben 8. g. botschafft b.
1086. nnd feMt b.
1092. den knnen s. b, der selten kei¬ nen a.
Büd: vor v. 1077: Dasselbe Zdt, nur größer angelegt. Venus {diesmal in rotem Kleid) spricht mit dem Dichter. Hinter dem Thron drei Frauen.
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1. Der Minne Gericht.
21
sprach frow Fenus, ‘wir dancken
dir,
du häst erfüllet unßer begir.’
[21’-] Ich ward gefiert in ain haimlich
gemach,
1096 dar an ich ain bäch sach,
dar in geschriben waB der lieben
recht;
and wer ye waß geweßen ir kneht, der namen waren da all geschri¬ ben.
1100 und wer ich lenger da beliben, ich hett ir namen all geleßen, wer trüw oder untr&w wer ge¬ weßen.
es geschach, mir ward gezelt von frow Fenus usserwelt 1105 sie sprach: ‘tä uff herz und sin und merck min geböt dar in. der sind dryzehne in der zal, die soltu verkünden über al.
Earckhait verüief ich am ersten
schier.
1110 es tüt als ain vergifftes tier,
wan lieb miXt haben wil und gert. karckhait alle liebe versert [^i'lund macht dick veil an werden
wiben.
karckhait tüt vil gelöst vertriben, 1115 mift ist liebes wares zaichen.
Das ander geböt will ich dir
raichen :
du solt alle lügen fliehen, wer gern lügt, der tüt nit ziehen Stätte lieb in sinem herzen.
1120 in warliait soltu schimpffen und
scherzen.
lieb mag kain lüg nit liden.
Das dryt geböt: du solt myden von Göt übel schelten und schwe¬ ren.
sülich Unzucht tüt lieb weren,
1125 frow Zucht nit lidet daß.
Das fierd geböt ist daß: du solt kain lieb verretter sin, so belipt lang verswigen die din. wer claflt, dem wirt gegolten,
1130 mit gelicher mäß wirt er geschol¬ ten.
grosses ding erwirbt schwigen, verschwigem herzen sol ain kaißer
nigen.
wer nit schwigt, der wirt ze-
spöt
Nun merck daß fünfft geböt: 1135 diner lieb haimlichkait sol nit vil werden gesait. was sich zwayt, daß tryt sich
gern,
da mit kömpt lieb zü uneren.
1107. Diese 13 Gebote stammen ebenso wie 1109. 1112. 1114. Earckheit b, Kranckhait a. die 23 Eegeln (v. 1197 ff.) aus dem Traktatus 1109. verbietS d, verbynt b, verkünd a;
de Amore des Andreas CapeBanus Qvrsg. von H. schlägt verküd = verqoide vor.
E. Trojd, Kopenhagen 1892) und folgen in der 1111. milt 5, will a.
dort 8. 105 Anm. 15 angegebenen Reihenfolge. 1113. dich veil b, dick a.
Daß der ‘elende Knabe’ direkt aus dem UUein. 1114. dnt b, fehlt a.
Traktat und nicht aus Joh. Harüiebs Über- 1115. Milt b, Mit a.
setsung oder aus der ‘Minne Regd’ des Ever- 1120 aus b, fehlt a.
hard V. Cersne schöpft, hohe tcü m meiner Dies. 1125. t. mydt es mit bas b.
8. 34 nachsuweisen versucht. 1136. vil] czweyen 6.
Bild: nach v. 1096: Zwei Gemächer, durch Vorhänge getrennt. Im linken der Dichter (Mein, im rechten susammen mit Venus im Gespräch.
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22
1. Der Mmm Oericht,
ain tröpf! on melden git frdden me ' 1140 dan Offenbär lieb ain ganzer se.
Das sechßt böt sol sin: du solt eren den bülen din und im din kffschait behalten und die mit nicht zerspalten.
1145 alles Abels soltu dich Schemen.
Daß sibend geböt soltu ver nie¬ men:
ains andern bfilen tü nit nneren. mit wissen soltu in nit verkeren, [•2^'‘]wan wer mir das min röbt,
1150 daß sin ist mir öch erlöbt lieb will kain untrAw hön.
Daß achtend gebOt soltu ver-
stön:
was dein natürlich schäm zä wib ver&iefet zA haben, das sol din lib 1155 nit begeren zA bAlschafft.
näch eren sol sin der lieben krafft.
Das nünd geböt daß lut also: mit züchten soltu weßen fro und der frowen gehorsam sin,
1160 und stättikait dar in erschin.
Daß zehend geböt daß gib ich
dir:
du solt mit ganzer stetter begir näch der minnen ritterschafft wer¬ ben
und schand höher wegen dann
sterben.
1165 wiltu erwerben der lieben sold, so hab zucht, trüw und er hold,
1145. ubelfl h, übel o.
1148. yn 5, fehU a.
1158. schäm 5, fehit a.
1154. Yerkünt a, Wer kirnt 5, l. Verküt {vgl. V. 1109) ? H. sol b, will a.
1172. nyemS b.
SO Wirt din nam mit eren geschri-
ben
zA den die by lieb ye stet beliben. Daß ailfft geböt ich dir ge-
sprich :
1170 du solt sin hüpsch und höfflich mit allem wandel und sytten, din früntschafft söl sin niemans
yermitten.
lieb will kain Unzucht hön; bistu stet, du sigst ir an.
1175 Daß zwölfft böt also lut:
wan dir din lieb schimpffes ge-
trüwt
und der lieb spil mit dir zA tri-
ben,
so soltu näch irem willen beliben gehorsam und niemen yergAt 1180 was sie dir in trUwen tüt.
lieb angenomen wirt halb yerrert, trüw halten öfft lieb mert Daß letscht geböt merck eben: ['^<2»] so dir din lieb will fröd geben 1185 und früntschafft in der lieben
spü,
da sol haben schäm kain zil. kain schäm sol da nit sin. also dient man frewlin fin. lieb in gehaim kain schäm sol
hön.
1190 also soltu min böt yerston, die ich dir hon tain bekant. die yerkünd durch alle land!’
1180 aus b, fehit a.
1181. verrert d, verirt o, verzirt b. 1186. So solto h. b.
1188 aus b, fMt a.
1191. thun b, fehlt a.
Büd: nach v. 1192: Großes Gemach, m den Steinwänden ^»ndbogenfenster. Links auf einem Lesepult ein auf geschlagenes B%wh, auf dcu der Dichter hinseigL Venus sUht daneben.
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1. Der Minne Oerieht.
23
Also gieng frow Fenus hain. die andern jfrowen all gemain 1195 bliben by mir da sitzen
nnd erzalten mir mit witzen der lieben regeU und Iren orden, (die warend lang gehalten nit
worden,
daß brach in allen grössen quäl,) 1200 zway und drysig stück wer ir zal, die sie mir erzalten do.
Die erst die lut und waß also: [^3 •'] niemand sich entschlachen kan da mit der lieü, er sie frow oder
man,
1205 daß es mit e sy gebunden.
inallen weßen hät man ye lieb
funden,
in junckfrowen, witwan, jungk
nnd alt;
wan alle ding sind in ir gewalt, ir wirckung geruiot nie.
1210 Die ander regel ist die: der mag kain lieb trütten der es seit me lütten, lieb will verewigen sin, klaffen ist liebes grösste pin,
1215 und hät kain giAsser schwer dan ain klaffenden minner. glück sie billich tüt vermiden die mit riemen er abschniden.
1199. bracht b.
1202 ff. vgl. Anm. tu v. 1107. Tataäeh^ch sind es 33 Hegeln, in dieser Reihenfolge (nach Trojels ZMung S. 310): 1. 2. 3. 31. 4. 19. 5—10. 12. 13. 14 (geteilt). 16. f 16. f 17. 18. 20—30; statt Begd 11 sind swei andere eingefügt.
1208. entschlachen a, entschnidigen h.
1204. yerliefi a, Terliebt b.
1205. 06 umgestellt nach b.
1206. je b, nie a.
1209. gerllwt b, gewert a.
1214. grösse a.
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1220 Die drytten regel verkünden
wir:
niement ganz kan recht hön zway lieb; es müß ye die ain lön. lieb will nit haben gemain. wer ir mer hät, der hät ir kain. 1225 doch kompt dick daß zwen man ain frowen lieb hond, und zwo frowen ainen.
Also will die fierd regel mainen: zway aim dick lieb tragend,
1230 ains zway nit mag lieb haben, daß ist der lieb gerech^ikait.
Die fünfft regel sy dir geseit: der lieb natnr ist die daß sie ruwt selten nie.
1235 sie mag nit stet in weßen sten, sie müß uff und nyder gen, sich meren, sich minem näch ir
art.
lieb nie ganz volendet ward,
[23 •] und waißt mensch nit ir endes zil. 1240 Die sechst regel ich s&gen wil: wan lieb tüt minem sich, bald sie zergat, daß sag ich, und Wirt selten wider brächt, wa lieb gen lieb wirt verschmacht. 1245 wan aber lieb ruschen tüt,
ze wachsen zwar sie nymer rüwt. sie will öch nit gefirt hön. lieb gen lieb nit mag still stön,
1215. grosser b, grösse a.
1216. Daß ain klaffender a(&). mynner b, nn mer a.
1218. riememen a.
1219 fehlt ab.
1222. ain a, andern b.
1231. gerechtikeit b, gerechikait a.
1234. sie rhwt b, czwayt a.
1235. in] an eym b.
1240. sagen b, haben a.
1245. raschen b, machen a.
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24
1. Der Mime Oeriehi.
gelich als ain orlay daß still stät: 1250 der röst es bald verderbet hät dar umb mag lieb gefiren mt Die siebent reget hat den sit das lieb gen lieb erfrdt nicht waß lieb gen lieb on lieb ge¬ schieht
1255 es mag lieb nit fröd bringen was sie nimpt von lieb mit
zwingen ;
wan zwnngne lieb und zwnngne
röt
werend nit lang in der nöt die lieb fröd will haben gunst.
1260 Merck der achtend regel kunst: ain man mit ganzer völkumenhait z& frowen mer lieb trett das macht die natnr und sip: sie sind gemacht nß mannes rip. 1265 dar umb selten frowen hön so größ lieb als die man: es ist also geschickt worden, doch manig wip heit den orden; wie wol man sagt, von waichen
synnen,
1270 so tüt doch mang in lieb örinnen. Die nünd regel hät den sin: wan nnder zway lieben ains hin gät Ton der weit und stirbt, ist es das die lib nit verdirbt [^4»-] in dem lebenden in zwain jar,
1276 so wert sie ewicklich zwär.
1251. nit h, nidit a.
1252. 53 aia b, fehlen a.
1257. zwnngne r. a, gryben r. b.
1262. dreyt b.
1265. selten d, selten ob.
1270., biynnen b, tringen a.
1275. In b, Gen o.
1277. Yalscher b, Falschen a.
1279. vor mag gestrichen: t&t a.
1283. VnredUch a, Inredlich 6. dem b, den a.
falscher lieben regel leren töt: waß uß den ögen, uß dem m&t daß rechte lieb nit liden mag.
1280 Die zehend regel ich dir sag: wo zway lieben sich vertragen früntschafft, da sol kain absagen on redlich schuld von dem andern
sin,
wan untr&w ist liebes höhste pin. 1285 es sol niemand on redlich ursach berObt werden lieben gemach, nnstät lieb tät betören.
Die aiUft regel soltn eren: niemand rech lieb verbringt 1290 den Inst der lieb zü lieb nit
zwingt.
was lieb ret, daß mäß geschehen, vor lieb ist niemand fry gesehen, durch lieb sind alle ding erdacht, er ist nit selig der lieb versmacht, 1295 man sol sie eren zü aller stund. Die zwölfft regel sy dir kunt: lieb wonet nit in dem huß do karckhait gät in und uß. sie will haben milt hend,
1300 die verließ sie nie in eilend, lieb gen lieb mag nit sparen, milt ist liebes vächgaren, do mit man lieb vachen tüt Die dryzehend regel hab in hüt: 1305 ein waren lieb haber fröwt nicht waß im lieb und lust geschieht
1285. TU redlich b, nnredlidi a.
1287. lieb tät a, dat lieb b.
1288. eren a, hom b.
1289. recht b.
1290. Der a.
1292. Vor b, Wär a.
1298. karckheit b, kranckhait a.
1305. warer o.
1306. im b, nS a.
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1. Der Minne Gericht.
25
von andern l&tten; es ist öch
recht
[24-] alle ander fröd er verschmecht, allain im liebt sins lieben handeil, 1310 liebs und laids begert er kainen
Wandel,
und gefeit im nit sust uff erden. Die vierzehend regel sol wer¬ den
dir verkftnt zü dißer st&nd; wan lieb wirt offenbar und kund, 1315 so mag sie selten lang weren. haimlich trftw hät lieb geren, lieb mit gehaim tdt man tr&tten, offne lieb gehOrt zü e lütten, kain lieb ward nie so üaiß 1320 als die die niemant dan lieb
wai^.
die mag der claffer nit verjagen. Die fünffzehend regel wil ich
dir sagen:
waß man lichtlichen erwirbt, geren es wider bald stirbt.
1325 waß lieb kompt uß ringen Sachen, die tfit sich bald schemlich
machen.
hart gewinen raizt den man, das er nit geren läßt da von.
Daß ist der sechzehent^ regel
1er:
1330 schwerlich gewinen übet ser. was man gewint mit arbait, daß hät man gern mit stetikait ringe liebe und linde kolen sol niemand gern wit holen,
1335 es enzint sich bald und üscht
gern.
1309. im 5, 8 im a. liebt b, fehlt a.
1319. heis b, wiO a.
1320. dan lieb fMt b. weis b, wiOet a. 1327. 80. gewonnen b.
Die sibenzehend regel will ich
dich lern:
lieb gen lieb hät ye den si^, als man ßnt und feit nit, wan lieb lieb an plickt,
1340 von rechter lieb sie erschrick und ferbt sich blaich oder röt. sölich natur die lieb hät.
(55'-] ich wölt daß kain claffer sült wissen diß haimlich 1er,
1345 so wird manig mensch behüet vor
Sünden.
Die achzehend regel will ich
verkünden:
lieb vor lieb kan selten lögen; wo sie ist, da sind die ögen. wan waß mir liebt, daß sich ich
gern. ^
1350 anplick taind herzen versern, öch ist deß herzen geböt. vor melden behüet sie, werder
Göt!
ich wölt daß kain melder wer, er enpfund was diß tner 1355 offenbart von lieben plicken.
Die nünzehend regel soltu
schicken:
so üeb gen lieb uff pUcken tüt, gar selten do daß herz rüwt, es werd zittern und springen.
1360 daß und mer kan lieb bringen, wan üeb hört lieb nennen, do by mag man üeb erkennen: es tüt sich Verben und wirt im
haiß.
es geschieht mangem daß er nit
waißt
1329. der sechezehend b, de Bechsehest a. 1837. syt b, Bitten a.
1854. Er enpfond wan er d. m. b, fehU a.
1855. lieben b, melden a.
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26
1. Der Minne Gericht.
1365 Daß ist der zwainzgost regel
sit:
lieb mag sich verbergen nit. man verbürgt baß röß und man dan ain lieb, so es lieb tßt sehen
an.
dar nmb liebes hüpschkait 1370 ist wer sie haimlich and still
trait
mangem wirt von lieb nit ver-
zigen,
wan er wer stet und verswigen. Die ain und zwainzgost regel
ist:
von natur, als man oft lißt,
1375 nüwe lieb die alte vertribt aine by der andern nit belibt, daß alt müß werden zä gast, nüwe ding liebend vast,
[25*] mangem ist näch uüwem gäch,
1380 wie wol daß böst kumpt selten
hemäch.
lieb ön sach kains Wechsels gert Die zwo und zwainzgost regel
dich daß lert: Zucht und frümkait allain macht wirdig und rain 1385 ain yegklich mensch lieb zehaben. kain schnöder man sol lieb haben nöch öch kain schnöde frow, die ir nit mer gert zu schowen. es ist schad daß frümkait 1390 den lieb die ir lieb versait; waß in laid, mich nit verdrüsßt. wan ain man siner güte genüßt
und daß boßhait werd ver>
schmecht
von allen gelüpten, so gedächt 1395 jederman frümkait näch.
sust näch gewin ist yederman
gäch.
Die dry und zwainzgost regel
spricht:
ain yegklicher geliepter läßt
nicüt,
er hab forcht in siner lieb,
1400 daß es im ain ander nit ab dieb nnd daß sin wandel nit misse fall sinem lieb in schimpff nnd in
schall.
die forcht t&t im alweg we daß sinem lieb nit laid dar nß ge. 1405 lieb ön sorg nit mag bestön.
Die fier und zwainzgost regel
sich an:
lieb nß rechter sorgfeltikait sich mert nnd wechset nß stüti-
kait,
wan waß yemant besorgt im
entfliehen,
1410 daß tüt es gern früntlich ziehen, daß es belib und nit entwich, sorg der verlast macht lieb rieh. [^^'*1 wan zway nmb ain sach dingen, keiner läßt sich gern ver dringen. 1415 do mit sich lieb meren tüt.
Die fünff und zwainzgiost regel
rüwt
auch in diser regel sin:
wan lieb ain aigkwän tüt gewin
1371. wurd 6.
1376. andero b, fehlt a.
1380. best b.
1388 aus b, fehlt a.
1390. Dent 1. die ir a, Die 1. der b. Vgl. Anm. zu 490.
1394. gelipten a, lat,'- b.
1398. Dicht 5, nit a.
1399. sinem b.
1409. enffliehent mit geztrichenem t a. 1418. argwon d, argnng a, eigening 6.
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1. Der Minne Gericht.
27
daß ain ander sin lieb traüt,
1420 so wachset lieb und arbait,
so wer er willig zü allen Sachen, offt argkwän tät lieb starck
machen;
do mit Wirt lieb gedienot schön, lieb will zd lieb kainen gesellen
hön
1425 der nit macht lieb lieb nnd werd nnd tüt lieb waß lieb nmb lieb
begert
e ich mich von lieb verdringen
ließ,
ich tät e waß mich lieb hieß.
Non sol man mercken eben:
1430 der sechß und zwainzgost regel
leben
ist da^ lieb stättes bekAmern t&t. wer an lieb gedenckt, der selten
rüwt,
vil minner er schiäfft und ißt der an lieb gedenckt und nit ver¬ gißt,
1435 der sich an allen Sachen Aber trit; kain arzet mag im gehelffen nit. ye grösser lieb, ye grösser we, daß ist der minn sucht gemain e. der minner rdu;et zA kainer
stund.
1440 senen, sAffzen uß herzen grund. Aber sich blicken nnd schemlich
lachen,
ungeberd und unsin machen
1422. starck b, an a.
1425. lieb b, fehlt a.
1427. dringen 5, verdingen a.
1431. dan a. lieb (Mt ab.
1484. vnnd b, fehlt a.
1488. gemaine o.
1488. römet a, mwen b.
1440. Senen 5, Sinem a. vor nd ge- stridten: czA a.
1446. L. tr. a. ist freit a, L. lieb es a. fryt b.
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kan daß Abell, nnd waißt kain man wan der es hät getragen an.
1445 alle Abel es Aber trit. liebes tröst allain es fnt, und haisset wöl der schwer orden. daß seit der dem es ze tail ist
worden.
Nun merck waß ich dir sag.
1450 daß ist der xxvij regel klag: waß lieb dienst gen lieb send, aller erst zü fröden wirt es
ge ent
wan es sinem lieb wirt kunt dar umb liebt lieb zü aller stund. 1455 waß ains güts tüt uff erden, es fröwt nit, sölt es nit werden sinem lieb offenbar; so wer die arbait nit volbracht
gar.
lieb macht ring alle not,
1460 wan es lieb von lieb für güt hät. Der xxviij regel Zer ist daß ain wissend liebhaber nit anders gelobt güt ze sin den gedencken wie er schin 1465 sinem lieb zü gefallen
inemst, schimpff und schallen, was er lit, deß acht er nicÄt so es sinem lieb zü güt geschieht, sin gedanck und bewegen ist 1470 sinem lieb zü gefallen zü aller
frist,
und fröwt in nit waß er tüt,
1450. der b, de a.
1451. stend ab.
1460. für güt a, vemomen b.
1461. Der . . 1er b, Die . . er o.
1462. ein b, fehlt a.
1463. Über das eigeniümlidte g&t ze sin vgl. Grimm IV, 120. H.
1467. nicht b, nit a.
1469. bewegen a, begir b.
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28
1. Der Minne Gericht.
es dnnck den sin lieb gut. aller lieb wircknng stet in dem daß lieb zd lieb get,
1475 dan so wirt lieb mit lieb ver aint.
Die xxviiij regel maint: wo lieb gen lieb sich tut ver¬ tragen,
do mag lieb nit ver^a^en. daß waß ye stätter liebe art [•2?''']daß sie gen lieb nit spart.
1481 was lieb von lieb ye begert, daß Wirt lieb an lieb gewert. wie mag lieb do beston do sich lieb versagen kan?
1485 wan waß mir liebt, daß hon ich. wie m6ht ich het verzihen mich? daß ist warer lieb orden und
leben.
Die dryssigst regel merck eben: kain Meb uff erden 1490 mag von lieb erfült werden mit lust, frdden und fäg, es bedunck lieb nit sin genüg, wie lieb tüt lieb laben, so mag doch sie kain benügung
haben,
1495 sie gedenckt, es sdlt mer sin. dos bringt lieb offt grösse pin von mangem bößen claff^. dar umb nöt und nütz wer daß Oöt allen lieben ze stftr 1500 geschaffen hett ain warne t&r, daß niemend sech an kainen orten
1478. versagen b, laides haben a.
1479. ye ft, ir a.
1484. Do sich b, Wan waß mir lebt daß a.
1486. bet b, fehlt a.
1489. lieb h, laid a.
1496. Das b, Die o.
1500. Warner b.
1502. mit . . und b, tn o vertauecM.
1504. sp. heimUch y. b.
1507. mer 5, merer a.
wo sich lieb mit werck und
Worten
enphelhen tdt nach liebes gir, daß er sprech: ‘‘volgt mir 1505 und hört uff, es ist genüg,
der mercker sich es ze unfüg!” so belipt manig lieb mer ver-
schwigen,
die falsch claffer nit lat verligen. lieb ungemüt näch lieb ringt,
1510 dos selb ir gissen schaden
bringt
|xvr]so ist es doch also körnen her daß man ye fand falsch claffer, da für niemant ist gefryt, wan das glück will haben nit 1515 daß macht das manger wirt ter-
sagt
Als die xxzj regel sag^: von lieb ain clainer arckwon ain liebhaber zwingen kan daß er vill öösser züversicht 1520 dick nympt uß ainer dainen ge¬ schickt,
wan lieb tüt uß clainen Sachen dick ain gissen arckwon machen und schätz offf klain laid hoch, schwer, wit und brait.
1525 lieb mag nit wol gelaiden
daß man ir ycht tüt ab schniden, sie will ganz sin on betnegen. daß macht das lieb mit lieb tüt
kriegen
1510. Das ir selber b, Do selb ir a.
1514. Wan b, Was a. Vgl. 3 ne.
1515. wirt y. d, ynuersagt ab.
1516. clagt 5.
1519. yil bösser b, will wissen a.
1520. uß b, es uß o. geschit, dahinter geetriehenes k a.
1528. offt b, uff a.
1527. on betnegen d, ynbedrygen b, yn- betrOgen a.
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1. Der Minne Gericht.
29
zu manger stund one schuld.
1530 doch wechßt dar dick größ huld, wan lieb sin Unschuld verstät, daß es ain sach gez&met hät. es ist licht das lieb in eorn feit, dar umb doch kain liebe zerspelt, 1535 wan lieb will gezangket h5n.
Die xxxij regel sich an: der kan nit wol lieb tragen der by allen sinen tagen übrigen wolnust näch gfit hät; 1540 wan sin gedencken nit näch lieb
stät,
sunder wie er güt gewin. fröwen mät will haben die minn. [58'-]2war kainer recht lieb tregt der uff ander sach sin lust lett. 1545 lieb begert ze haben gemach on yorUeb sust yor all sach. als zwayen herren niemen dienen
kan,
also will lieb kain mit handel h5n. sie bedörfft aller sin allain.
1550 Die letschten regel trag mit dir
hain:
ain wärer liebhaber on underläß sines liebes gestalt nie yeryaß. es ist gebildet in sin herz, das er es in ernst und inscherz 1555 unyergessen tüt yor im sehen, dick in schlauff, daß müß ich
yehen.
lieb nympt lieb all zit wär.
Also hästu die regel gar und waß der lieben orden sy’,
1560 sprechend die frowen alle fry,
*die soltu durch unßem willen yerkünden öffenbar und stillen durch alle witte land, daß es sy niemand unbekant,
1565 beiden frowen und man,
die lieb zetryben willen hönd; daß sie hin für nit mer tryben der falschen lieb Wechsel schriben, als biß her ist geschehen.
1570 du solt die wärhait in yerjehen: wer f&rhin daß tät brechen, daß wir es alles wöllen rechen heimlich und öch öffenbär, daß mengklich mag niemen wär [^s^ldaß uns leid ist daß unßer orden 1576 also zä laster und sehend ist
worden
yon den falschen, bößen bülem, die nicht den den tusch gern und mit raim ir sach triben,
1580 und öch yon den bößen wiben, die mengen zö übel kerend die sust bültend näch eren. wann einer nit will dar an:
“ain ander! der sol «Wob hön" 1585 sprechend sie und ist nun sit.
dar umb manger gesell schond nit sunder gütter wiber er, der sust gern stät wer, so er yernympt dißen löff,
1590 daß man umb lieb machet köft. solicher handell tüt lieb zerschni-
den,
wir mögend es nit lenger liden.
1533. ist b, fehlt a. zorn fehlt a. 1535. Vgl. 4 tat.
1539. Vbrigen b, Verbringen a.
1540. lieb 6, gftt a.
1542. Vryen b.
1552. vergas 5, verdrofl a.
1554. er es b, es ist a.
1579. raim] mm b.
1584 nach b. Sin oder s. lob a.
1586. schont d, schon b, schand a. 1590. man b, fehU a. kauB b, r&B a.
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30
1. Der Minne Gericht.
es muß je gesträfft sin mit rechtem gericht nnd pin,
1595 daß ain getr&wer erber b&ler siner lieb niem nutz und er und der b6ß siner untrüw engelt. dar umb warn alle weit, daß sie vor sträff hütten sieb’,
1600 sprachen die frowen, ‘daß bitten
wir dich
nnß und allen geliebten zfi eren.’ Ich sprach: ‘frow, daß tät ich
geren
und wer willig, künd ich es wöl. ains ich Ach vor fragen sol: [■29'’]ir habt mir der lieben böt erzölt 1606 nnd iren orden uß erwelt. so wölt ich gern wissen daß waß lieb wer und uß waß sölich lieb wüechß und kdm,
1610 daß ich ir natur ganz vernem. so wöst ich döster bas es ver¬ künden
wie sich lieb tüt enzinden.’
Die fröwen sahen ain ander an und sprächend: ‘hör waß dißer
man
1615 von uns begert nun z& sagen, wer nit waißt, der mfiß fragen, wir haben dich vor under schaiden was lieb lieben tfi und laiden. nun wöUen wir dir verkünden hie 1620 waß sach die lüt zü lieb ziech.
. [^5*] daß geschieht von manger figur.
lieb kompt etwan von natur, daß ains dick ahn ist genaigt daß im früntschafft nie erzaigt 1625 und er es vor nie hett gesehen, die wärhait möhtest du also
jehen :
sichstu vil schöner frowen vor dir
ston,
der din her^ nie kuntschafft ge-
wan,
1630 aine uß den allen dir wöl gefölt^ die für sie all din herz begert sölich lieb selten lang wert, wan sie knmpt uß lichter natur
sach.
Wirt sy aber dar näch zwifach 1635 mit andern Sachen, die do ziehen zü lieb, mag niemand fliehen so rincklichen do von, wan so Wirt zwifach der ban. also wan ains der lieb haSten tüt 1640 mit stdttem dienst und mit g^t, so Wirt die natürlich lieb er^iciH und sich dan zü gewisser lieb
schickt
uß früntlicher dienstbar keit ; wan dienst nnd gäb sind liebes
klaid,
1645 nnd sölich lieb weret lang, so sie hät von' natur anfang.
Du solt öch wissen daß das kain sach zimmet baß
1601. geliebten 5, liebten a.
1609. hinter lieb gestrichen: k&m vnd a. 1612. Wie a, Vfi was sach b.
1626. w. müssen wir all j. b.
1627. frawen b, fowen a.
1628. din bercz b, ding hercien a.
1629 fehU ab.
1637. do o, me da b.
1639. haStra o, 'willen b.
1641. erquickt b, erkält a.
1642. g. L 8. b, Sachen gezalt a.
Bild: vor v. 1605: Das Innere eines Holzbaues. Der Dichter sitzt im Kreis der
Tugenden.
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1. Der Minne Gericht.
31
zü lieb dan stete gehaim.
1650 die ist der liebe haim,
dar uff sie gewonUch wachsen tdt. gehaim ist zfi aller lieb g^t, alle ander sach sie über tritt, was gehaim erwirbet nit,
[30*-] daß bringt man hart zfi gemach. 1656 gehaim macht mercklich yil sach, vor gheim bywesen mag kein lieb lang wesen, sie mfiß sich in lieb ergeben.
1660 uß den Sachen wechset liebes
leben.
Nun soltn fürbas hören mer: es sind noch dry 1er die lüt zfi lieb zu körnend laden, die soltu mercken one schaden. 1665 nutz, schön und erberkait, den ist lieb zfi dienen berait yil mer dan sinem wider tail. es macht frowen und man gail an iren lieben lieblich schon;
1670 sie zühet ser zfi liebes tron.
solt ich min sin zfi lieben keren, so hett ich ye die schönsten geren und die mit adel und erberkait für ander frowen weren beklait 1675 und öch mehtig an gfit sölichs yast ziehen tfit
zfi lieb und lieb mein, besunder der da bfilt näch eren. im lieber ain sölicher bfil wer 1680 dan arm, graw und nnmer; wie wol lieb nit mag und kan das allwegen gesehen an, wan was lieb ir usserwelt, daß für alle ding ir gefeit.
1685 daß ist wär, so lieb ist gethön. die sach tfit lieb fahen an. schdn, gfit, trüw und er [30»] ziehen fast und liebend ser, als dan wol billich ist.
1690 also sy dir geantwirt zfi dißer
frist
uff daß fragen’ sprächen sie all.
Ich danckt in mit schall ir nnderwisung und gfitter 1er, der wölt ich yergessen nymer mer 1695 und es yerkünden näch ir begir. ainer bett wart geyolg^ mir, do ich für die eilenden frowen bat die mir ir sach befolhen hat, do sie sasß by mir im graß,
1700 und um ir hörti yerurtailt waß. gnäd ward erwisßt und erbarmen uff min trüw der yil armen, daß fi’öwt mich gar ser. zfi letscht do frägt ich mer
1650. Der o.
1651. off a, nfi b.
1656. hert b, fehlt a.
1656. mercklich a, menglich b, mincklich ü. yilsach a.
1657. 58 atu b, fehlen a.
1663. ZQ k.] koimen b.
1666. Den d, Dienen ab.
1667. 68 vertauscht in b, doch statt 1667: Vnnd uil dick glnck ynnd heiL
1667. dan d, fehlt a.
1670. krön b.
1674. wer b.
1677. mem b, in eren a.
1679. lieber . . . wer a, übt . . . mer b.
1680. graw a, grob b.
1687. Schon 6, Scham a.
1695. es b, er a.
1696. wart gefolgt b, genolgent a. 1701. Der gnäd a.
Bild: nach v. 1704 : Landschaft {ohne Grün), im Hintergrund eine Stadt. Der Dichter steht mit erhobenen Händen einer Frau gegenüber {Venus?), tooM «m sich tu bedanken.
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32
1. Der Minne Gericht.
[51''] und sprach: ‘wie sol es dan
besten
1706 umb min frowen, die ich hön umb ir untrüw her geladen?’ sie sprachen: ‘es sol öch on
schaden
ain wil in gfitem wandel ston,
1710 und du soll wider z& ir gön und ir öch verkünden dise ge¬ schieht,
daß sie sich güttlich mit dir rieht und gewamet sy vor schaden, anders wir taind sie für laden 1715 für diß gericht uff den mayen, wan wir da zwischen dch zwayen din für gelete warhait. daß mäß ir ümer werden laid daß sie unßer geböt also ver-
schmecht
1720 thü öch als ir trüwer knecht und lauß ab die alten schuld, ob sie dich tröst mit irer huld. daß wir sie bitten, die fröwen din. will sie vor schand behüttet sin, 1725 so volg unßers rätes und 1er und trib sölichs nit mer! daß zimpt den eren wöl.’
Ich sprach: ‘frowe, ich sol üwer bett üch nit verzihen.
1730 will mir min frow nun tröst ver¬ üben,
ich wil vergessen und vergehen als mins laids, und min leben näch allem irem willen richten.
1713. vor 8. 5, Tor dißem s. a.
1716. Tch 5, 6cb a.
1717. Din b, Dan a.
1722. irer a, nnwer b.
1723. die b, mit o.
1724. schaden b.
1727. den a, jm b.
1730. Ynd mag mir jr lieb gediben b.
ain klainer tröst mag es wöl
schUchten
1735 und mir ringem alle pin.’ frow SUt sprach: ‘gesell min, du bist wirdig aller erren,
[31 ’l sit du din lieb nit tüst verkeren. wie wol sie dir vil laides hät be-
wißt,
1740 doch du sie nit uff gist und will ir zü gebot stön. das gehört ain stütten büler an.’ die andern frowen öch all dancktend mir mit schall,
1745 und ich ward gelöbt mit Sitten, danken ward nit vermitten von mir armen den werden, ich naigt mich zü der erden gen dem engelschüchen hör 1750 und sprach: ‘werder Göt, mir be-
schör
krafft und macht, daß ich es füg und diße ere wider bringen müg. daß tütt ich ganz mit willen
geren.
gnedige frowen, ich will keren 1755 von üweren gnäden wider zehaß und üwer gebött verkünden nß. dar umb bitt ich üwer urlöb milt und üwem segen mir zü schilt mit gunst mir ze lihen.’
1760 sie sprachen: ‘gesell, nit vezihe mögend wir dir kainer sach.
Göt behüt dich vor ungemach und hab dich in hüt mit fliß.’
1731 au$ b, fehlt a.
1732. myns leben b, lebes o.
1739. vil laides a, nit liebs b.
1742. steten b, st&tter a.
1752. w. bringen a, w. ve'dienen b. 1754. frawen b, frow a.
1760. sprachen b, sprach a.
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1. Der Minne GericM.
33
sie bntten mir ir hend wiß:
1765 ‘trut gesell, far mit bail, alles gelAck werd dir zetaiL’ ich danck in und waß frow.
Also von danen schied ich do. [32 r] ^evelliges dienst m&ß gl&ck wal¬ ten.
1770 was man yerhaißt, daß sol man
halten,
dar nmh wil ich gehorsam sin. als mir gebüten die frowen fin, so tain ich allen den verkünden die sich in lieb wöllen verbinden, 1775 der lieben geböt nnd iren orden, als er mir ist geben worden nß der schül der rechten minn, daß es jeder man mag werden
inn
wie man sOl lieb gen lieb hon. 1780 es sy frow oder man,
hiettend sich vor nntrüw nnd
hürt
and vor allem nnstettem gefürt, [35*1 dar durch lieb wirt gewert
und mangem dick sin eer versert, 1785 als mit remen, melden, claffen nnd Wechsel triben als die affen, und als die schiessend zä ainem
zill,
und untrdw jeger näch dem wild.
1767. danckt b.
1769. Qefelliges d, Beuelliges a, Gnedigs b.
1772. gebyten die frawen b, geb&t die frowe a. fin aus min a.
1773. ich b, fehlt a. den b, dafi o.
1778. ynn b, jnnen a.
1782. vnstetem 6, yngestettem a.
1784 aus b, fehlt a. machen b.
offt betriegen macht sie gail,
1790 do von ze sagen ist ir hail. manger nem nit hundert pfund daß er hält und wird nit kunt wie kan lieb do geben m&t do man alltag sie verratten tfit? 1795 Pfidich der schand die es tribent ander mannen oder wiben! wie mag lieb geheißen daß? es hieß billich liebes hasß.
[33>’] da man nun uner sücht,
1800 er abschnit, es sy verflücht! und alles gelück müß es fliehen daß sin sinn dar uff tfit ziehen, zwar es nit ungerochen belipt, im Wirt gegolten, wer es tribt 1805 daß end wirt zwar geren gfit, der näch eren werben tfit alle ding laussend sich begon, aber man sech daß end an: es wirt gern den wercken gelichl 1810 nun merckend eben, arm und
rieh,
waß ich üch verkündet hon, daß ir yt tfit brechen dar an (und wült mit trüwen gewamot
sin)
und öch schaffen andre pin,
1815 do mit ir gesträfft würt ob ir daß weßen überfürt.
1786/*. offenbar verderbt; vieJleieht ist eine Lücke vor 1787 anzuseUsen. R.
1788. Tndrfr 5, ainem a.
1790. ir b, mir a.
1795. ea a, sie b.
1807. vor sich gestrichen: sig a.
1814. Euch zehnten vor der p. d.
Bilder: vor v. 1769: JÄnliche Landschaft. Der Dichter verneigt sidt sum Abschied vor den Frauen.
nadi V. 1798: Landschaft; vom redUs reicht der Dichter einer Frau die Hand; seine Linke ist wie zur Warnung erhoben. Links eine Frau in rotem Kleid.
SeatMb« Text« de« llUteUlten. XXJV. 3
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34
1. Der Minne Gericht.
und es gefiel öch nit Gut wan ir über fort der eren gebüt. dar umb sind stet, biderb, frum
und trüw
1820 in üwer lieb, so wirt nüw üwer fröd mit grossem hail, und niemend mit dem gutten tail. uöl uff, fug glück und will mich
dar
das min lieb öch niem war 1825 diße sträff und ir geschieht
und sich mit güt dar nach rieht, daß ich noch tröst empfahe schier und nit bedörff sagen ir, ob sie nit wend dißen schaden.
1830 daß sie für gericht werd geladen und würd körnen zu grossem
schuer,
daß mir doch laid wer. zü ir werden gü ich höffen tu sie lauß es nit körnen dar zü 1835 und seh min stüt und trüw an.
Do mit sol diße red ain end
hon,
die ich, in stetter lieb ain knab
eilend,
allen geliebten zü wamnng send, daß niempt in trüwen hin für w'är 1840 näch tußend fierhundei-t fünffzig
und nün jär.
Sequitur alia materia.
2.
Minne und
[34 '] In dem fügt es sich also daß ich sach zwai aldo gegen ain ander grülich schlichen über ain Steg; yegklichs hieß
wichen
5 nun daß ander mit geding. es waß Lieb und der Pfenning.
Lieb die sprach bald; ‘wich mir!* der Pfenning: ‘sag an schier.
Pfennig.
wer bistu, das ich dir wichen sol? 10 dins höhmüts überhübstu mich
wöl.
uff erden lebt nit min gelich. mir dient gern arm und rieh, und küng und kaißer erend mich, wes über hebstu dich?
15 daß nimpt mich wunder von dir daß du nit wilt wichen mir.*
1823. Löff fflg a, Wol vff d, Daa f. b. 1833. gu] gütt b.
1831. schwe' fr, schaden a.
Büd: am Schluß: Landschaft, große Burg im Hintergrund. Vom steht der Dichter neben seiner Geliebten. — Wenn man das Bild gegen das LidU hält, sieht man darunter links am Rande eine weiß übermalte Federzeichnung desselben Künstlers. Sie reicht nicht ganz bis zur Mitte des Blattes und stellt eine Frau dar, die in eine Kapelle eintritt.
Zu 2.
1. Der Anfang scheint zu fehlen. 8. pf. antwort d.
3. Hier setzt d erst ein.
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3. Minne und Pfennig,
35
die Lieb sprach mit gfitter sit: ‘ich verste wöl daß du mich
kennest nit,
doch will ich mich dir nennen:
20 Lieb bin ich. kanstu mich erken¬ nen,
so wer es zwär gar laid dir, din über niemen gen mir. es ist mir geschehen nie. min gewalt hät geweret je 25 Ton dem und sich die weit an-
fieng,
nnd e ye ward kain pfenning, hön ich gehörst über alle ge¬ schieht.
sie haben sich mir ergeben eu
kneht,
wie sie alle sind geweßen.
30 kains ist vor mir geneßen, sie habend gedient mit lost mir. nit also ist geschehen dir:
[-54 »Imanger hät dich gar verschmäht, der mit begird waß min kneht 35 ich hon regiert mange land e du, Pfenning, ye wardst erkant lang zitt, daß ist wär. vil der menschen schar habend gelitten umb mich den
töd.
40 ich mach gering alle nöt, die nngestalten mach ich schön, mir dient aller musica gedön. ich mach sittig die jungen nnd zier mit züchten die zungen. 45 ich mach die ledige frow,
die alten jung, die jungen graw. ich 1er dich mit synnen er nnd g^t gewinnen.
28 nocä d, fehlt a.
45. Die czvng kan die a.
50. Danczen <2, Dancz a.
54. in fehlt a.
ich 1er reden und singen,
50 danzen, stechen und springen und alle ding sich zieren die mir dienen und hoffieren. ich won in allen herzen die in fröden wöllen scherzen,
55 und mag niemand rech ön mich inder weit fröwen sich, mich umb fahen ermlin wiß, mich schöwen clare öglin mit fliß, mich küßt manges mündlin röt;
00 so git man dich umb schnödes
köt
mich sehen münch und nunnen
gern,
die dich nit türren ern. kain macht gesigt mir an, als manger dir hät getön.
[35 »-ich bin yederman berait,
66 so bistu mangem versait, der dich, Pfenning, nit hät nnd dient mir frü und spät niemen ganz gesagen kan 70 waß fröd nnd Inst mir hanget an, nnd kain lust mag mir geliehen, dar nmb soltu mir billich wichen, daß tü, so gang ich min fart wan es ist ain alt gesprochen
wort:
75 lieb überwint alle ding.*
‘Nain’, sprach aldo der Pfenning, ‘du römst von höhen eren dich, bait, du sölt öch hören mich, du sagst von grössen rechten 80 die du habst in allen geschlehten, nnd din gewalt alle weit zwing, nnd waißt nit daß ich Pfenning deß mer hOn dann diner dry.
67. nit d, fehlt a.
75. 'Omnia vincit amor’: Vergü, Buco’ lica 10, 69.
79. grossen d, grossem a.
3*
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36
2. Minnt und Pfennig.
küng, f&rst, gräff oder fry,
85 kayßer, bäpst und kardinäl, bischoff, apt und provinciäl, pfaffen, m&nch und nnnnen, waß ir vemnfft hät gewannen und wie sie alle sind genant,
90 so sind sie mir baß dan dir er-
kant
min wird nnd stät ist gemert; wer mich hftt, der wirt geert. du gddest von grossen sacben die du, Lieb, kündest machen 95 an alten und an jungen,
[do*] an herzen und an zungen, und on dich sy kain fröd. din für niemen ist mir laid, din lust ist minem nit gelich.
100 ich mach wiß nnd rieh, geu;eltig, edel nnd Och schOn, nnd gibt daß alles süß gedün. wie der mensch ist gestalt, nngeschaffen, narr oder alt,
105 gebnr oder unzühtig, werden werd nnd düchtig so sie mich Pfenning gewinen mit arbait nnd mit sinnen, es stöllet yedermann näch mir, 110 und kan erfüllen kain begir. ye mer ich wird, ye lieber ich
bin.
kainer will mich werffen hin. ich bin abgot und rüff lut, ich mach hirat tind bmt,
115 ich kan alle zungen keren,
daß sie sagen daß ich hör geren. ich bin an allen enden werd
do man din nit begert; und wan du tüst erksdten,
120 so bin ich gewonlich by den
alten.
nnd zwar. Lieb, wo ich erwinde,
do bistn ganz eilende.
manger durch mich lit eilend und
WC,
daß er min gewin dester me.
125 man gewin mich mit kOff oder
mit brand,
mit wüchem oder mit schand, mit uff setz oder mit trugen,
[35'-] mit falschait oder mit lugen, mit kuppeln oder mit helen,
130 mit scholdem oder mit Stelen, oder wie man mich gewnnen hat, so bin ich geert frü nnd spät, man sicht gen mir kain laster an. hät er mich, so müß er gOn 135 by den besten yomen an der
spitz.
man acht nit an kunst nOch an
witz.
Adel, Lieb nnd Frümkait,
Schdne, Er, Oerechtikait müssen mir alle entwichen 140 nnd verschmecht näch schlichen, nnd wer nun hät pfenning vil, der ist gehalten wie er wil, und zü hoff ain werder man. niemand on mich kan er gehön. 145 als es nun stet Inder weit, so ist nit liebers dan gelt nnd frägt man näch minr stät nnd acht nit wie es der sei gät
90. Die syndt d.
101. Gewaltig d, Geueltig a.
102. gyb das aller sttsseste g. d.
104. Yngeschaffen d, Yngeschaffet a.
110. erfüllen d, gefallen a.
111. vor bin gestrichen: bin wird a.
114. beyrat d, bereit o.
116. bör icb a.
120. gewbnlicb d, gewolicb a.
123. mich] lieb <i. wee d, w a.
127. tagend a.
138 feJUt a, Seböny frow ere Tnd g. d.
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3. Minne und Pfennig.
37
mir Wirt gedient zwar ön spöt 150 mit mer fliß dan ettwan Göt. all arbait die wirt Tolbrächt, ist umb mich Pfenning erdacht, wie man mich wol gewinne, so bistu, arme Minne,
155 an mengen enden ön werde,
do man min von herzen begerte. man git dich umb mich, dar umb besser dan du bin ich. wer mich hät, der beknmpt din
wöl.
160 deß kempffes ist die weit völ,
[36*1 das du din lob selten z&hest hin wo ich Pfenning nit enbin, und do du ofit an bist verzagt, do Wirt mir Pfenning nit versagt 165 niemen kan mir nain jehen.
waß ich will, daß mäß geschehen, ich zier dich, Lieb, und mach dich
schlecht
billich bistu min kneht, wan du ön mich bist selten
genem.
170 dar umb. Lieb, dich nit schem mir ze wichen, dan din orden ist nun vast unwerd worden, daß man dich nimer will halten, falsch will dich zerspalten,
175 daß man selten zway sicht ainen die bede einander mit trüwen
meinen,
als es vor jären waß gestalt aber zwar min gewalt ward vor nie so größ,
180 du bist nit min genöß. dar umb bald wich mir, daß nit gewalt, daß b&t ich dir, anders dir wirt bekant’, sprach der Pfenning all zehand. 185 Frow Lieb staind f&r und
sprach :
‘lieber Pfenning, hör und heb
gemach . .*
und wolt iren glimpff haben er¬ zalt
do stiesß der Pfenning mit gewalt sie von dem Steg in den bach.
190 do ich eilender knab daß sach, ich erschrack und ylt schnell die frow rdff mit stime hei:
[37*-] ‘hilf durch Göt, es ist zitt
daß ich des lebens werd gefrytl* 195 ich tett es gern und lieff da hin und erwischt die frowen Min. sie was worden kranck und
schwach,
und zöch sie kom nß dem bach, daß sie lag als wer sie töd.
200 ich staind in grosses jomers nöt und clogt Göt diße mer, daß frow Lieb tod wer. in dem so nam ich wär daß sie nit töd waß gar.
205 ich tet sie schalten und wenden, biß daß sie mir am wort begund
senden
und sprach: ‘gesell, wie ist mir geschehen hie? ich danck dir. mag ich, ich will es nmb dich
151. die arbait umgeeteUt nach d. 204. nitt d, fehlt a.
182. nit d, mit a. 206. eyn wort d, fehlt a.
Büd: vor v. 193: Feld, quer durch fließt ein Bach. Auf hoher Holebrücke eteht der Pfennig m Oestalt eines sehwarsbärtigen Mannes, der offenbar einen Juden darsteUen soll. Frau Lid>e liegt im Bach, so daß nur ihr Oberkörper sichtbar ist. Links kommt der Dichter mit gekreusten Armen (sum Zeichen des Schreckens). Bechts im Hintergrund Türme und Windmühle.
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38
2. Minne und Pfennig.
[37*] verdienen; der Pfenning hät mich 211 nachend verderbt on schuld, mag ich haben von diner huld, so lanß es dir sin laid und hilff mir durch die haid 215 in die wftestin, in das feld do den stät min gezelt. ich bin so schwach daß ich nit
kan
on din hilff weder ston noch
gon.’
‘edle frow’, ich do sprach,
220 ‘mir ist laid &wer ungemach.
6öt waißt, kan ich es rechen, ich hilff ffch dißen höhmät
brechen
an dem Pfenning, ob ich kan. er mßß mir werden underton,
225 ftch ze dienen näch üwerm lust
und er;
er Wirt min her nimer mer, und will üch dienen mit stet und Volbringen Awer gebet, die ir mir habt tain sagen,
230 und will Ach selber tragen in Awer gezelt uff minem rAck, und seter mir es zA ainem glAck daß ich Ach, edle frow her, die ich vor also nie mer 235 recht getragen hon, nu tragen sol;
282. satzt a.
233. Das <2, Doch daO a.
234. ich d, fehlt a.
235. na] Tod ad.
239. nach lieb gestrichen: löbt mich a.
245. wonen d, wrmne a.
der lust tät minem herzen w'öl, wie wöl mir Awer liden ist laid, und dag mit Ach Awer kranck-
hait.’
frow Lieb danckt mir und löbt
min sin.
240 ich hüb sie uff und trüg sie hin. [38'‘Jsie clagt mir ser Aber daß feld biß in ir wnneckliches zeit, wie sie der Pfenning hett ver-
stössen
mit vil andren iren genössen,
245 daß sie all wone» mAsten all verschmecht in ii'er wAstin. der Pfenning wer worden also
werd
das ander tngent niemen begert. jedermann tßt allain sAchen in. 250 In der sag körnen wir hin do der werden gezelt waß uff geschlagen in dem graß. ich rente die edeln frowen Min und maoA2 böt dar inn.
255 do ich also tet vor ir ston und wolt mit urlöb von ir gön, [38*] do hört ich ain grosse c/ag vor dem zeit in dem hag. der geschieht wundert mich ser. 260 Lieb sprach: ‘es ist frow Er mit andern t^’ainenden frowen,
253. renne mit einem Punkt über dem eweiten Strich; rfinte = reinte 'reinigte'?
2öSf. DaUegt ich die edle fraw hyn Yn ergab mich irem gebot willig eyn d.
254. mag a. inn sin a.
257. dag d, sag a.
261. warnenden B., ainenden(.^ a.
Bilder: vor v. 241: Bach mit Brücke; der Dichier ndU hnieend Frau Liebe au» dem Wasser.
nach V. 260: Zdt der Frau Liebe; es kehrt auf den folgenden Bädern wieder, doch m wechselnder Größe, Gestalt und Farbe. Frau Liebe liegt im Bett (vgl. v. 254), der Dichter sUdä daneben, um sich eu verabschieden. Im Hintergrund hügelige Landschaft, doch hier wie auf einigen der folgenden Bilder flüchtig ausgeführt.
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2. Minne und Pfennig.
39
die hie inder wüsten owen all gar min nächbürin sind, von deß laidigen Pfennings pin 265 vertriben, also öch bin ich.
die wöllend villicht clagen mich.’ in der red sie do in giengen. . sie clagten sie nnd enpfiengen mich do als ainen gast 270 und sprachen: ‘frow, nit last nnd erzelt üwer kranckhait, wan es ist uns werlichen aUen
laid.
dar umb sind wir körnen her zä ver niemen diße mer.’
(sa»-] frow Lieb in ganz do erzalt 276 daß grösß unrecht und gewalt daß von dem Pfenning waß ge¬ schehen,
und wie er sie hett tain ve-
schmehen
und gestössen in des baches sere, 280 daß sie nahend ertruncken were, wan ich hett geholffen ir. des danckten sie alle mir.
Do frow Lieb daß hett erzelt, die werden frowen usßerwelt 285 sie bewainten diß geschieht, kaine mocht lang gereden nicht vor wainen, doch frow Er tröst do frow Lieben ser und sprach: ‘liebe gespil min,
290 der kumer ist nit allain din. da waß grössers nit gemitten, wir habens all vor gelitten
[39*] von dem Pfenning, daß ist war, lang zitt und vil jär.
295 wir sind worden von im ve-
schmecht
wenig sind nun unßer kneht. was Werder frowen, die ich hön jung genert mit eren schön, die macht der Pfenning in clainer
stund
300 an wirden nnd an eren wund, dar umb mösten wir fliehen und her in die wüeste ziehen, wan unßer 1er ist nit mer wert, wan yederman deß Pfennings be-
gert
305 und sicht nit an mich Ere. daß dag ich Göt ümer mere daß sich die weit hät verkert, daß man den Pfenning für mich
ert,
der etwan alzitt waß min kneht 310 und zwar, wenn ichs bedecht, so solt ich truren ser, des nöt tut sprechen mer. dem zwar nymmer misslingt der stets näch eren ringt,
315 sunder spricht: “ach Göt, wie ser get güt nun für er und gewalt für recht! daß dag ich armer kneht” es solten sich die jungen schämen, 320 wann sie verkerend der alten
namen.
die er höher wegend dan sterben.
263. Die all a.
265. vor bin gestrichen: ich a. 270. nit d, din a.
282 aus d, fehlt a.
291. Das o.
807. 306 umgestellt gegen ad. fOr d, fü a. 812. mir a.
314. Fehlen danach stoei Verse? H.
315. ach d, Och a.
319. schamO d, Schemen a.
Bild: nach v. 288: Fünf SchwesterUtgenden und der Dichter Stehen um das Bett herum. Frau Ehre klagt.
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40
3. Minne und Pfennig.
lässend laider mich umb den
Pfenning verderben, umb deß b6ßen, schndden Pfen¬ nings balde,
Got, du waist, on min schulde/
325 do mit frow Er ir red bescbl&ßt. Frowen Gerechtikait nit ver-
dr&ßt,
[40r]sie staind nff, als ich üch sag, und sprach: 4ch bin öch ain
dag
und vertriben uß der weit 330 daß macht öch daß böß gelt wa ich mich sol keren und wen¬ den,
so sicht man an allen enden: der Pfenning zücht hin, wie gerecht ich ymer bin,
335 wie wiß und wie kftnstig, schön und vernfifftig. der Pfenning an dem rechten tftt bannen und echten, bevesten und eitleren,
340 mit falschen zungen absolvieren; es ver zücht und verkert alle
recht
wan er will, so ist schlecht sin sach, und gewint die zehe. [40*]bytel, schriber und fürspreche,
845 procurator, juristen und advocat und wer gewalt an rechten hät, die stond alle dem Pfenning by,
827. Die d, Ich a.
832. man d, mich a.
887 nach d, Mer dem pf. dan die r. a. 838. Thüt d, Es t&t a.
842. üt es ad.
361. fftr d, fehli a. l. Oot?
wie ungerecht er ymmer sy, niemant by mir und den armen.
350 daß möß Göt ymmer erbarmen daß ßr mich, der Götz gewalt, der Pfenning wirt usserwelt, der doch die sei also verfürt’
355 satzt sich nider und fieng an frow Wißhait die wolgetön, und wolt öch die dag meren und sprach: ‘ich hön ainen herren [di**] laider öch an dem Pfenning,
360 der über alle er hät geding. wa ich by armen wonen thö, do bin ich terschmecht spät und
frü,
man heit den wißen der güt hät, der sust wöl tret der narren pfat 365 witz on pfenning tregt nit für, armer witz stat vor der tür, so richer gät in und uß, und verdirbt vil witz in armans
haß.
ist das nit ain kleglich ding 370 daß für mich der Pfenning geert söl werden allenthalben? er machet die wißen kalben, öch die geleiten, daß sie ir kanst alle ziehen zü siner gunst,
375 daß sie nit gebrachen eben
als sie Göt und ich in hön geben, wie der Pfenning tüt klingen,
854 fddt a, Dar nach vff dem selbigen gefert d.
860. h&t] min a. Der vbertiifft alle ding d. 362. Terschmecht B., fMt ad.
863. Man heit d, Vnd holt a.
867. vor in gestrichen: nfi Tnd a.
872. Er kan a, Das machet d.
Büder: vor v. 827: Frau Gerechtigkeit klagt. Der Didtter steht hier wie auf den folgenden Büdem am Bettende. Die Haltung seiner Arme deutet die Erregung an.
nach V. 858: Frau Weisheit sitzt am Bett der Frau Liebe und klagt. Links und reehls vom Bett Truhe und Kommode.
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2. Minne und Pfennig.
41
als tän sie in red nnd in singen, gewint ain armer ain wißen sin, 380 so zücht doch der rieh hin; er felscht kunst und wißhait daß sy Got von himel claid daß mich, die Got gewirdiget hät, der Pfenning yerdring frü nnd
spät*
[41 »] do mit schwaig sie der geschieht 386 Frow Frhmkait die ließ nicht, sie yerf&rt die dag nnd sprach: ‘ich lid größ ungemach von dem Pfenning, daß ist wär. 390 mir ist inder weit wonen schwer, der Pfenning gät über al für, so Frümkait stät hinder der tür nnd müß von im verschmecht be>
liben,
baide von manen und von wiben, 395 do der Pfenning ist zü hoff also
werd
daß man schlech der Frümkait
nit begert.
wer nit uffsatz und pfenning hät^ der gehört nit in der fürsten rät [45»-] kan er nit der nüwen list,
400 so hilfft nit daß er frum ist nnd wer frümkait rauten kan, man spricht, er sy ain schlechter
man
und nit von den höhsten sinnen, kan er aber güt gewinnen 405 mit uffsatz, wüchem nnd triegen.
378. thüt man d, tä a.
385. der d, die a. Vgl. 1 57«.
390. Her a. Ut fMt a.
391. gat d, fMt a.
406. Teingen a unklar; Bonben d. 412. Dan d, Do a. das fMt ad.
teingen, schmeheln und liegen und verschlahen als ein göckler, so ist er zü höff nit nnmer. schlecht frümkait on pfenning 410 hät in der weit kain geding. so Wirt der Pfennmg nit geren dan das man in tüt vast vil eren; deß Frümkait nit geren tüt, so dan g%Tt daß böß güt 415 wie wol mich Göt hät gebotten, so tüt die . weit doch min spötten wo ich ön pfenning bin und ste. daß klag ich Göt ymmer mer. also bin ich versmecht:
420 ich waß vor herr nnd bin nun
kneht*
da mit tet Frümkait schwigen.
Frow Edle staind uff mit nigen nnd wolt öch sagen iren sin und sprach: ‘ich hin üwer die-
nerin
425 nnd geher zü dienst üch werden, allen tagenden uff erden.
[4.9*’] wan ich wer Edel nit genant, mir weren dan tagend bekant und hielt iren orden und geböt 430 ich bin öch laider ze spöt von dem Pfenning worden, daß öch wenig miuen orden halten tain und öch eren. man will sich nyme dar an keren 435 daß min wird ist näch tagend
streben.
414. Als dan begert d, So er dan o.
417. ich On ich On a.
424. byn d, fMt a.
4StJ bis 429 stehen auch über dem Büd, sind aber da gestrichen a.
432. ich a.
Bilder: vor v. 385: Frau Frömmigkeit stM Klagend am Bett der Frau Liebe, vor V. 427 : Frau Adel kniet wehklagend am Bett.
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42
2. Minne und Pfennig.
und in falschen Sachen leben, süßt sin wir näch der natur stam alle körnen von Adam daß niemant edel ist besacht 440 dan der den tugend edel macht, also waß vor der alten sit. daß will man jetzund haben nit. [43»-] wenig taind näch tugend stellen, sunder sich zü dem Pfenning ge¬ sellen.
445 wer den hät und gewinnen kan, der haißt h&wer ain edelman und Wirt geert frd und spät, ob er tagend halt nit enhät, so Wirt er doch da von hoch
ge ert.
450 darumb hät sich der adell verkert, und ist worden nun sin löff wfichem, röben und falscher köff, spilen, schelten und schweren, höchfart triben und unerlich zeren. 455 daß was vor zitten grosse schand, daß ist nun er indem land. tetten es die fürsten unerlich
schetzen,
so ließ manger von sölichem
tretzem
und forte sin er dem adel näch 460 und wer näch dem pfenning nit
so gäch.
der liebt laider den allen so vil das nahend zwar des adels spil niemand schier sicht triben, durnieren, stechen, werden wiben 465 dienen mit ritterlicher Arunst.
man setzt nun den gunst in den pfenning und gewin. dar uff setzt yederman sin sin und hät der ritterschafft kain
acht.
470 yederman näch dem pfenning
tracht
mit wuchern und uneren.
Werder Got, thü es verkeren,
(/.?'] were dem adel schand, das ich wider indem land 475 wird werd als by den alten, ich mäß für ain schand halten daß nun der Juden spil der adel laider triben wil. es tüt sei und er betören.’
480 Do mit tett frow Edel hören dißer dag. so sach ich aber ain frowen miniclich uff staind öch do zü dißer hand, Gaistlichhait waß sie genant,
485 demüticlich in rüwer wat aldo öch an die dag trat [44 r] und sprach: ‘Lieb, du edler schätz, mir ist laid der groß traz den der Pfenning hät bewißet dir. 490 hör waß hät er öch ge tön mir. ich waß von Göt der weit geben, daß ich solt leren gaistlich leben, do mit die sei nun zü zieren, der Pfenning kan daß höffieren, 495 das man in ert und mich nit; und solt doch sin der gaistlich sit daß sie den Pfenning verschmecht nun ist sie worden öch sin kneht.
439. edel d, fehlt a. 485. geträwer a.
444. vor gesellen gestrichen: stellen a. 497. hat versch. a.
463. schiel a. 498. sie d, fehlt a.
465. riterlicher knnst d, ritterlichem last a.
Bild: nach v. 486: tVau Geistlichkeit in B'onnentracht kniet am Bett. Frau Liebe liegt hier und auf dem nächsten Bild mit entblößtem Oberkörper in einem Himmelbett.
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2. Minne und Pfennig.
43
ich sol sin fry, umb sust;
500 so kan deß Pfennings lieb und
gunst
nmb mich machen failen köff nun stAt näch köffmans löS. wer mer git näch marcktes schi-
nen,
der behelt mich z& dem sinen.
505 gar selten kan kain armer mer körnen zä der gaistlichen er. der pfenning bestet und licht und besetzt die weit und wicht bäbst, bischoff und kardinäl,
510 pfaffen, mfinch, nunnen über al; im ist bicht und bäß fail, und aller sacraroent hall ist alles zd sinen spilen berait; und waß gehört in der gaistlich-
hait,
515 daß solt alles umb sust sin. so wirfft der tftffel sin somen
darin;
[44 '] daß beschlecbt der Pfenning, ist es nit ain kleglich ding daß 6öt sin sacrament 520 der böß Pfenning also schent und verfürt köffcr und verköffer? hört öch nöch andre mer: wan sie den pfenning gesamnet
hönd,
kain nutz mag dar uß gon,
525 und söch by in kain hail
und macht sie ungehorsam und
gail,
daß sie irs ordens gar vergessen, sie wöllen wol trincken und essen, frölich sin als weltlich lüt
530 und öch schimpffen mit der br&t und ziehen sich als die layen und wöllen sin vornen am rayen, und waiy? nit waß in über belipt daß das almäßen nit tribt.
535 es tät stechen und tumieren, es tüt bälen und hofieren, hoffart triben, und Schemen sich daß sie sich ziehend geistlich, und weren sich platten tragen,
540 die doch sind ir pfläg und ir
wagen,
und niemend stettes daß almäsen
in
und wöllen doch nit pfaffen sin. zwar sölicher handel im nit zimpt der alltag Göttes almäßen in
nimpt.
545 er ist zwar den tod schuldig dar
an
der daß almäßen nit verbetten
kan.
es gehört den armen lütten [45’‘] und nit dar mit frowen trütten und wölnust triben dißer weit.
550 daß macht als das böß gelt daß ich Gaistlichhait wird ent¬ wicht.
Werder Göt, sie under rieht die dir zä dienst sind gegeben, daß sie fieren ain ander leben,
555 do mit sie der sei hail triben und lassen den Pfenning beliben in knehts löff und diene mir. so Wirt erfület min begir und würde der Pfenning wider
kneht
509. Kirchen bäbst a, Eylchen d.
513. sainen mit offenbar getilgtem a a.
514. in die d, l. an der?
521. konffer d, kOff a.
525. l. sacb = sacket.^ H.
533. waidt a.
540. sind (2, fehlt a.
543. Zwor d, Vnd czwar a. 555. sie d, ist a.
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44
2. Minne und Pfennig.
560 nnd min orden gehalten recht.* do mit macht sie ir red ain end.
Frow Lieb, kranck und eilend, [45 «] danckt in fast ir dag
mit kurzen werten, daß ir sag 565 ain end hett, dan sie waß kranck. dar näch nit gar lanck träten die frowen z& mir her und sprachen: * gesell, unßer
schwer
hastu gehört von deß Pfennings
gewalt.
570 wie ist es nun in der weit ge¬ stalt?
will es niergen verkeren sich? daß sag nnß, daß bitten wir dich, daß wir von dir niemen tröst und unßers kömers werden erlöst 575 nnd mögen wider mit eren wider haim in die weit keren.’ ‘ach, edle frowen*, ich do sprach, ‘mir ist laid Awer nngemacb, nnd t&t mir we, daß waißt Göt, 580 daß fich der Pfenning macht zd
spöt
[46'‘]iind also ich merck diß geschieht, so ist kain bessrung nicht ye lenger, ye erger in der weit, nnd Wirt nit geert dan daß gelt 585 bayden fürsten, stetten und lande wdchem nnd röben ist nime
schände.
wie wöl min sag bringt laid, so ist es doch die wärhait.
nnd wölt Göt daß ich sölt geleben 590 daß ir der weit wftrdent wider
geben
und söltend berschen und walten als da vor by den alten! dar umb wölt ich ain stum sin.’ Sie danckten mir deß willen
min
595 und sprächen: ‘geseUe, erbarms
Göt!
und bitten dich, biß unßer böt nnt t& es aller weit sagen daß wirs Göt wöllen clagen nnd bitten umb räch als lang und
vil
600 biß sin barmherzkait macht zil nnd end an dißem jamer quäl, der die sei senckt ab zA tal; und die sach mag nit besten, es mäß ain plag dar Aber gön,
605 die Aber all pläg schryet: wäffen! wie wöl es Got tAt vil strauffen, so will sich doch niemend dar an
keren
und allain den Pfenning eren nnd vergessen tugend und Göt’ 610 ich sprach: ‘frowen, Awerm geböt wer ich billich gehorsam, nnd wirckten es frowen nnd man: [46'] so fArcht ich nun es mach zom, und hab die arbait gar verlomu 615 doch dar umb will ich nit laussen.’ sie danckten mir und giengen ir
strässen:
592. ir da a, ir deten d. 611. ich d, ich a.
595. geselle d, gesellen a. 616. ginge d, ich gieng a.
610. eüwerm d, iwer a. _
Büder: nach v. 562: Links am Bettende steht der Dieder, reMs die sechs Frauen, deren eüu bemüht scheint, Frau Liehe besser eueudecken.
nach V. 566: Landschaft. Der Dithter verneigt sich vor einer Frau und reicht ihr sum Abschied die Hand; vier andere Frauen stetten dahinter.
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3.
und Pfennig.
45
'doch sol uns nit wunder niemen daß uns der Pfenning tfit ver Sche¬ men.
es tfit es Götes sun schöpffer,
620 den macht er sicher so nnmer daß man im me eren bewißt dan Göt, der nnß alle spißt.’
Ich nam nrlöb von frow Lieben
do,
die lag kranck und unfro.
625 ich bat sie mir Och urlob geben; sie sprach: 'gesell, sol ich leben, ich will din vergessen nicht und bitt dich, verkünd diß ge¬ schieht
allen die mich lieb hönd,
630 was mir der Pfenning hät gethon, wie er min gespilen und mich
sehend,
die wonen all hie indem eilend.’ [47 r] ich verhieß es ir mit fliß ;
sie bfit mir ir hendlin wiß:
685 'trut gesell, far hin mit hail, an allem glück sy din tail.’
Also schied ich und ließ sie
kranck.
mficht ich nun verdienen danck von den werden tagenden frowen, 640 die vertriben sind indie wüesten
owen
und verschmecht von dem Pfen¬ ning,
so doch hett ich min geding verbrächt und verkünt min gebot, dar zfi hilff mir, werder Göt,
625. mir d, fehlt a. 641. Vnd d, Waren a. 643. Hier bricht d ab. 652. ich.
645 zfi tröst und hail den alten eren! küng, fürsten und grössen herren und alle üwer ritter und kneht und sust alles menschen geschieht, geistlich und weltlich, rfiff ich an: 650 üch mit allen trüwen ich herman aller tagend und Göttes huld, das ir öch der tugend Unschuld betrachten wolt und das wenden das nit also an allen enden 655 Wißhait, Kunst, Frümkait und
Ere,
Lieb, Adel und Gaistlich Lere bezwungen werd von Pfennings
gewalt,
der die weit macht ungestalt. die höpter haben des me schuld, 660 daß sie in eren und haben gedult. tetten sie wficher und schand ver¬ schmähen,
do wdrden sie bald an sehen [47 •] das er w^c^er und schand verdirb und jederman näch eren wirb 665 und wird tugend werd als by den
alten;
sust wird ie die regel nit ge¬ halten.
das mich ert, das will ich eren. das merckt eben, ir fürsten und
herren :
wfilt ir nit wenden daß leben,
670 ir müst dört dar umb rechnung
geben.
halt tugend lieb und werd und den der sie sfichen begert.
657. ward. 660. in fehlt.
662. worden.
663. wonsch.
Bdd: nach v. 682: Der Dichter steht allein am Bett der Frau Liebe und reicht ihr eum Abschied die Hand.
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46
2. Minne und Pfennig.
und verscbmecht die näch laster
ringen,
wie sie den pfenning zu samen
bringen,
675 so habt ir die tugend wider erlößt und mangen biderman getröst, die yetzund verscbmecht und ver-
triben sind
und von dem Pfenning liden pin. so bringt ir wider die alten Sitten,
680 die hie schand haben vermitten, und Wirt die weit gebessert schön, und empfahen dar umb lön, der den güten ye was berait von Göt in der öwikait.
685 der verlieh in hail in allen dingen die alle zitt näch eren ringen, und behüt sie hie und dort vor
eilend !
do mit hab die red ain end.
3.
Der Minne Freud und Leid.
[4S»-] Es ist geweßen ye ain sit, wem bekümert herz wont mit, daß er gedenck an schuld, an
schaden,
das ers mit hail werd entladen.
5 also tett ich an ainem tag, do ich indißen gedencken lag; dan lieb tet mir etwa laiden. ich gedacht; ‘machstu schaiden laid von lieb, so wird dir baß.
10 und wie ab dich dar zü hilffe daß das du diner frowen zü aller zitt trüwlich dienst on wider strit? wie möht die gut so hört gesin? sie tett dan öch den willen din
15 und wiechß kain zom zwischen
unß baiden. also wird lieb von laid geschaiden, und lebst all zitt inder fröden
hnß.’
[48 '■J Min gedencken gieng mir uß;
ye mer ich gedacht, ie irrer ich
wari.
20 ich hüb mich uff an die fart und gieng zü walde in ain, do ich irret all ain, dar umb daß ich minen Sachen dester baß möht ende machen 25 mit gedencken näch dem hail. des Waldes lust macht mich gail,
676. vor getröst gestrichen: erl6ßt.
679. den.
Zu 3.
1. ain nachträglich vom Schreiber eingefugt.
2. herz fehlt.
12. hinter dienst gestichen: .czSl aller czitt 18. die] dir.
18. Vß minen.
19. ward] waß.
21. in oder an?
21 f. Der Beim ist offenbar verderbt.
Büd: über dem Anfang: Landschaß; der Dichter reicht mit dem Hut m der Hand einer Dame seine Bechte.
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3. Der Minne Freud und Leid.
47
daß waß mit fröden geziert, mit mangerlay blumliii gefloriert, daß zwar an im nit gebrach 30 an dem boden und obtach. deß sumers gewalt hett in ge¬ macht
mit allem fliß so wunecklich ge¬ sucht
daß mich wnndert von siner zier, des frowten sich die wilden tier, [i9 ••] der ain tail luffen und sprangen, 86 ain tail gailten und och sungen, als es ir natur het gemessen.
mines kömers und gedencken.
40 ye doch so tett ich wider sencken min gemüt uff den ersten sin, dar umb dan ich waß körnen hin, und gieng von weg ain gfite leng in dem wald biß an ain end eng, 45 do ich ungehindert also belib und min sinn zä samen trib, rin zu machen minen komer groß, der arbait mich nit verdroß.
Alß ich also gedacht und saß,
50 unlang dar nach do hört ich daß ain wipliche bild näch friem schal lieblich sang, und erhal so wunecklichen indem wald. ich erschrack and ylt öch bald 55 an den weg durch die dicken
und sprach; ‘min sach die will
sich schicken
d&ß ich müß aber lenger sorgen.’ ich kam zürn weg und staind ver¬ borgen
und sach daß dort her tratt GO in frowem möt uff ainem pfad ain mineckliches frölin zart und
fin,
daß sang so lut daß liedlin:
‘ein stet, ain tr&w mich erfröwt..’ min sinn wurden mir zerströwt 65 do ich an sach daß geziert bild. ir u'ät waß rot, und gieng im wild [Jö»] näch allem wünsch gebildet zwär. ain krenzlin trüg sie uff irem här. ich staint vergafft sie an ze-
blicken,
70 und ward es sich also schicken daß ich hört zu der andern hand ersüffzen ain bild ich do fand, des bald min äugen namen war. do sach ich truriclichen dar 75 engegen gön ain wunecliche magt, ir hend beschlössen, als ob sie
werlichen clagt ir wät was graw, ir höpt bedeckt, sust waß alle schön an sie gelegt und gar zühtig in dem wandel.
80 So macht sich also der handeil daß die frowen näch miner begier
32. gesacht aus gemacht. 60. frowen.
38 fehlt; man kann etwa ergänzen: Des 66. wSt fehlt, röt ir mnnd. Vgl. v. 77.
Waldes zier lie6 mich yergessen. 73. Bald min aigen wer.
47. rin = ring. 74. dar] dfirt her.
49. hinter also gestritten: so. 75. Erst hier setzt d ein.
57. Wan a, Daß E.
Bilder: nach v. 30: Feld, im Hintergrund Häuser; der Dichter geht spazieren, nach 0. 70: Zwei Frauen in rotem Kleide unterhalten sich stehend; die eine hat ein Kopftuch, die andre einen Kranz im Haar. Im Mittelgrund hinten sieht man den Kopf des Dichters, der im Gebüsch versteckt lauscht.
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48
3. Der Minne Freud und Leid.
begegneten ain ander nahend by
mir.
[50»-] sie waren gespilen, als ich ver-
nam.
die ain z& der andern kam 85 und wurden ain ander nahend, so früntlich begirlich umb fahend ge sähe ich nie; mit Worten süssen tetten sie ain ander grüssen:
‘sag an, gespil, mir die mer:
90 waß hät tain dich bringen her? war umb bistu singend also frow? läß mich wisßen*, sprach die graw, ‘ob ich icht mit diner fröd geringem müht min laid,
95 wan es tüt erfrüwen mich was zü hail süchet dich; daß soltu genzlich gelüben mir.'
Die rot spracÄ uß fryer begier: ‘mich wundert ser, dürst ich es
frägen,
100 was dich her hab getragen, daß du trurig vor mir stäst du solt mir sagen diner sorgi'n
last
[50*1 mir ist laid waß dir gebricüt miner fröd ich dich under rieht,
105 als du mich gebetten häst.
ich hön von ainem knaben trost. der liebt mir so gar iniclich daß ich in hab genzlich zü aller zitt in minem herzen.
110 yer sch wunden sind mir all min
schmerzen
wan ich sin trüw gedencken tü. in fröden ich allzitt rü, das macht sin werde güte, die mir trüst min gemüte,
115 und wölt uff erden kain fröd hön anders dan alzitt in sehen an. das wer wöl min himelrich. alle fröd sind ir nit gelich die lieb gen lieb kan machen.
120 kain ander ding mag es besachen das yolkomne fröd uff erden sy, es sy dan menschen minn da by. wer ich ain gewaltige kayßerin und trüg nit zü ainem knaben
minn,
125 so wer on fröd min gewalt, richtnm oder schön gestalt in minem herzen gar yeraicht was sol mir das do fröd zerbricht? fröd on lieb nit mag gesin.
180 dar umb fröw ich mich des kna¬ ben min,
der mir liebt zü aller stund, nun dar, gespil, dir ist kunt wor umb ich allzitt frölich bin. nun sag mir öch dinen sin, [5i»‘]trut liebe gespil, des bit ich dich.’
136 Die graw die sprach: ‘das tain
ich.
sit du din herz hast uffgetön, das min will ich dich öch wissen
lön.
nnser sinn sind gar nngelich:
140 ich trur, du bist frölich,
92. gra d, frow vad graw a. 95. Wan d, Wafl a.
98. rot sprach d, red sprachs a. 108. gebricht d, gebiist a.
106. bOn fröd lieb vnd t. a((f). 119. 120 umgestellt nach d. 122. minn] fröd a(d).
187 aus d, fehlt a.
Bild: nach v. 102: Wie das letzte, nur etwas von der Seite gesehen. Die Frauen hier wie auf den folgenden Bildern durch rotes und graues Eieid unterschieden.
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3. Der Minne Freud und Leid.
49
and körnend doch aß ainer sach, als ich dir das kaat mach, da fröwst dich lieb, so trar ich. diner törhait wandert mich.
145 da kanst nit wöl gdden von den grossen fröden. trat gespil, w61t es dir nit ver¬ schmähen,
so w61t ich an fahen and dir sagen minen mät.
150 din für niemen ist ye nit gfit. ich hon lieb, das wisß 6öt, och ain knaben, der min geböt halten tüt näch liebes art, dem min herz nie hät gespart 155 trüw and stett tailen mit. ich glob daß uff erd leb nit
in trüwen ich in and er mich
maint,
und kan her^r von lieb sagen,
160 so sol man ye das min fragen, das hät versüch ye der lieben spil mit allem last dick und vil in eren, als sich dan zimpt; und wer es recht vernimpt,
165 so sprich ich wöl uff minen aid: das hät hundert laid und kain fröd her gegen, gespil, ich will es aß legen: [üi^lich hon ain knaben, der mir ge¬ feit,
170 für all diß weit mir usser weit, den sich ich gern, daß ist min
fröd.
144. wandert d, daß w. a.
145. n. w. ge enden a, nit toI sagen vnd güden d.
149. mjnen d, dinen a.
157 fehlt a; dz sich hab eins de andere also vereint d.
158. hinter ich gestrichen: mich maint a.
DfoUeb« Text« dee Uittelxlter*. XXIV.
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höre da wider manig laid: wann ich in sich, so gedar ich
nicht
frölich gestellen min gesicht 175 und müß die fröd halb ver miden vor der falschen zungen schniden. villicht so merck es ain melder, so wird die fröd mir ze schwer und verwandelt in grosses we.
180 hör was ich dir sag me:
sich ich in nit, so ist min dag mit süffzen, sennen naht und tag. vor verlangen hön ich kain rü. ob es daß glück mir fügt dar zä 185 das wir ettwan zu samen körnen, so stond wir als die stömmen, und truren versucht unßer begir die künden bedi wir ain ander nit wöl erzögen.
190 er schrecken, zittern ist unßer
aigen.
die forcht mir alle fröd er wert, merck was lieb fröd beschert: tät man allzitt die warhait sagen, so wölt ich lieb dester lieber tra¬ gen.
195 trat gespil, du waist öch wöl, wer lieb recht haben söl, das er sie vil müß miden. das ist liebes das gröst liden. hon ich lieb, so müß ich besorgen 200 bede aubend und den morgen \52r] daß ich sie icht ver ließen tü. des gewint min herz nimer rü. sit es ist klain des lieb verdrüßt.
159. kan von herczen ad.
179. we verbessert aus schwer a. 187. versücht = verschiuht.
192. beschwert d.
202. Des d, Das a.
203. Vgl. 4 186 f.
4
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50
3. Der
Freud imd Leid.
und vil arckwanß dar uß be¬ schlüst,
205 so möß ich allwegen in sorgen sin das ich nit erzürn den knaben
min
und verließ min trüw und arbait, die ich uf! in hön gelait. licht erzürnt er sinen müt,
210 das er mir kippeln und küßen tut und tüt mich zihen daß des ich nie schuldig waß. das bringt mir sölich pin das ich lieber on lieb will sin.
215 sicht er mich zornlichen an,
[5-2''] das tüt mir durch min herz gön. Min gespil, hör fürbas mich: tüt es dan machen sich das ich zü im ain arckwan ge¬ winn
220 wie er ain andre hab im sinn, vor laid müht ich verzagen, das ferich will mir min herz ab¬ nagen
und läßt mich nit körnen zü güt. merck, gespil, was lieb tüt:
225 und es nun gelücA: mir ganz hilff näch miner begir, das mir der knab näch minem
müt
was mir gevait, genzlich tüt, und zwischen uns ist kain misß-
fallen,
280 die fröd wer ob in allen, wie wöl mir selten möge hön.
204. dar] das a.
205. seyn d, ston vnd sin a.
222. Die Torcht d.
225. ob das glück d, es nun gel&ckt a (es Oenitiv = des).
228. gewalt a. _
dannocht hangt laid dar an. ie lieber mir der knab ist, ye mer besorgen zü aller frist 235 müß ich das er mir nit sterbe oder sust von mir werbe, und das mich lieb icht bring dar
o
zu
das ich wider min er tü. wan wo lieb ist allain,
240 do ist vei'sagen nit gemain und kan lieb nit tain genug, das bringt lieben unfüg. das besorg ich für alle ding das mich lieb nit dar zü bring 245 das es dem claffer icht werd kunt dar umb sorg ich zü aller stund. Hör von lieben noch ain ge¬ schieht,
und macht mir vil fröden ze
nicht :
[55»‘] hon ich in lieb, so sich in geren 250 an gelück, an wird und an eren. dar umb haiß ich in ritten zü höffen, tumieren und öch
stritten,
über mer und gen Brüssen, gen Ysi>anien und gen Rüssen 255 und andre land nach ritter schafft, das bringt mir fröd und krafft. merck das liden das dar an hang^: stets mich näch im belangt; dar uß mir groß liden enstät 260 das ich nit waiß wie es im gät. so müß ich besorgen ymmer
231. mir] wirs d.
240. Do ist d, So a.
245. es d, er a.
250. Zü nemen an g. d, Sin g. a. 254. ysanien a.
Bild: nach v. 212: Wie das leUte, nur ist die Farbe der Kleide vertauscht.
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3. Der Minne Freud und Leid.
51
wie er verließ lib und er. dise sorg kömpt mir nit ab. nun merck was ich fröden hab,
265 und gelöb das ain tag fröd nit geweren mag on laid. laid aber wol geweren mag on fröd zwär mangen tag. ich will der fröd gern enberen,
270 das mich laid nit th& beschweren, und ob es mir gät näch minem
sin,
dannocht ist laid dar inn. uff mich man lügt und schryt, wan glück will haben nid.
275 nöch hon ich nit gar geseit was mir lieb bring laid, und kan niemend gar bedencken wie vil laids lieb tüt krencken. wer es recht besinnen wil,
280 so ist des laides also vil [55'] das ich billich trurig stön. dar umb möß ich wunder hön das du dich fröwst der torhait. wa ain fröd, da hundert laid.
285 wers versöcht, der ist min züg das ich laider nit lüg. es ist mir worden zä sur. nun waistu, gespil, wes ich trur und was ich an lieb schowe.
280 dar nmb ich in den wald flöhe, das ich des lidens sy vertragen, belib by mir und hilff mir clagenl’ sprach die graw die geschieht.
Die röt sprach; ‘das tfi ich
nicht.
295 als ich verste dinen m&t,
so syen wir by ain ander nit
g&t.
r>i '] da also doch halft do verclagen, dar uff will ich antwirt sagen: diner red wich wundert.
800 es haben gelebt manig hundert die wißer waren dan du und ich, die doch lieb fröwten sich, ye wisser, ye edler, ye richer, ye stercker, ye gelerter, ye ge-
licher
305 und ye mehtiger sie geweßen sind, ye e sind sie worden blind durch liebes fröden lust, und haben doch wöl öch gewißt was lieb laides und fröd brecht,
810 und sie dar umb nit verschmecht, sunder stets dar näch geworben, mancher ist dar umb gestorben, die andern litten grosse nöt. das alles die lieb gemacht hät.
315 wan nit lieb übte sich,
was wer fröd? das bitt ich dich, alle hüpschkait dißer erden tüt alle umb lieb werben, rieh und arm dient der min
820 biß her von der weit an begin. sie hät die weit alle in gewalt, schön, ungestalt, jung und alt. Adam flel, der erst man,
274. Vgl. 1 1614.
287. schwer ad.
28S. tniren a.
289 f. In d reimt schüch : flOch.
296. darunter getirichen v. 307 f. a.
297 unklar; So da dich als von lieb düst clagea d, Das also ich dich hört do cl. B.
298. wiU d, fehlt a.
299. Deyn red mich ser bekimmert d, D. Mden sich w. a.
819. arm mit der gemain a(d).
823. vor fiel gestrichen: ge a.
Bild: nach 0.296: Hügdige Landschafl. Vom die etoei Frauen im Gespräch.
4*
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52
3. Der Minne Freud und Leid.
do in Göt geschüff, von stunden
an
325 durch lust der lieb von siw ge-
böt.
David, den sunder liet lib Got, durch lust der lieb ainen mord
begieng.
Absolon, der schönst, flöhe und
behieng
an ainem böm durch liebes lust 330 und ward gestochen durch sin
brust.
Salomon der wissag, Gottes kneht, den zwang öch die lieb schlecht der ain mörin lieb gewan; des bat er ain abgöt an.
335 Samson, der sterckst, tet geben umb lust der lieb ögen und leben. Aristotiles, der gelertst in kunstj
laid
das in mit willen ain frow rait. Virgilius siner kunst vergaß,
340 das er in ainen korb saß;
der lust brächt in zä ungemach: er hieng, das in mengklich sach. Achilles und öch Tristan, die zwen edel kün man,
345 Hector und Paris, die werden
held,
Troillus, der junglin usserwelt, haben ir leben und liebe geben umb lust der wibe.
PiVamus, das edel herz,
850 mit sinem b&len umb liebes scherz
riben sich baide an ain sch wert: ir baider herz do das begert das macht alles der lieben spU. menig tußend mer und vil 355 haben durch den lust ir leben ge-
ent.
betten sie der fröd nit erkent, sie betten die wöl vermitten. ich will volgen den alten Sitten und nit wißer halten mich 360 dan sie alle, als du tflst dich.
['>C'] sich an was lieb kan bringen, sit ir lust kan also zwingen den stercksten und den he/-sten, den wißten und den gelertsten;
365 und mochten die nit sicher weßen, wie möcht ich dan geneßen? ich mäß näch lust der lieb stellen und mich fröwen mins gesellen und nit sehen claffen an,
370 dar vor sich nit gehütten kan: es w’ont bößen und glitten mit fürbas mag ich mer biten nit. ich bin die erst wo lieb tfit
zemen.
dar umb will ich mich nit Sche¬ men
375 und frölich sin lieb zü eren. gespil, du solt mirs nit verkeren und lauß ab din törhait din seltzmar sin ist mir laid; nun rüwe und setze da von 380 und laß uns wider haim gön’, sprach die röt, ‘das bit ich dich.
325. lust d, last a. lieb sin geböt a.
326. nach bet gestrichen: gut a.
332 aus d, fehlt a.
837. Aristoteles und Phyüis: v. d. Hagen, Gesamtabenteuer Bd. 1 Nr. 2.
339. Über das Korbabenteuer vgl. Gesamt- abenteuer Bd. 3 S. CXXXIX ff.
349. Priamus ad. das das a.
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850. l. schmerz ?
351. l. triben ?
363. huhsten a(d).
364. wjsesten d, widen a.
365. sicher d, sich a.
372. ich nit mer a.
373. wo die erst a, umgesUÜt nach H.
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3. Der Minne Freud und Leid.
53
es Wirt dir lieben, gewerstu mich, dar umb: wer ain getrüwen bülen
hät,
der fröwe sich, daß ist min rät, 385 wan trüw in der lieben orden ist nun gar seltzam worden, wan es lebt nit vor liebes krafft und ist ains herzen rechte aigen¬ schafft,
und mag kain herz frölich sin,
390 es schin dan lieb dar in.’
Als sie ir red beschlössen hät, [öö*-] ich uß dem busch zÄ ir trat, wan es was und ducht mich zit do zä entschaiden dißen strit.
395 ich größt sie iniclichen mit ge¬ berden ;
sie erschrecken baid vil werden, doch danckten sie mir mit fliß und boten mir ir hendlin wiß. ich sprach: ‘edeln frowen minic-
lich,
400 nit erschreckt und hört mich, ich bin ganz näch üwerm willen und beger den krieg stillen, ob ich künd, weßt ich die sach. mir \<^er laid öwer ungemach;
405 mag es gesin an uwer göt, so läßt mich wissen üwern mut. [37r\ ich will min sin dar an legen, ob ich öch bede möht verainen.’ Die frowen sahen ain ander an 410 und sprachen: ‘zwar dißen man das glück hät gefürt her. wir söllen im sagen diße mer
und gewalt geben von uns beden die sach zö entschaiden.’
415 es gefiel in wol und geschach. yegklich gelobt und sprach:
‘min gesell, nun entricht mit dinem urtail diß geschieht, wir wolgen dir kurz und lang.’
420 Ich sprach: ‘wer ich nit so
kranck
an sinnen, ich tett es geren. doch will ich üwer bett geweren, wan kainem ist kain ding zö vil do man im volgen wil.
425 üch zö dienst will ich wägen, wes ich nit waiß, daß möß ich . . frägen.’
sie danckten und erzalten mir zö baiden sitten ir begir, als es eben hett gelut.
430 also ward mir deß rechten ge-
truwt.
yecklich befalch mir iren tail. ich sprach: ‘nun dar mit hail! ich hön üwer sach vernömen, zö rechter zit bin ich körnen.
435 üch töt des kriegs nit nöt. üwer yegklichs zwär recht hät: wan ir ain ander recht verstond, baide ir mit ain ander haim gond. [•>7*’] als ich dan underschaid:
440 by lieb ist ye geweßen laid; von natur lieb fröd begert
bringen,
uß fröd dick laid entspringen, wie künd ich kennen die fröd.
388. mins a. 412. ym d, nan a.
405. an d, ön a. 413. von d, wo a.
407/". Als Beim darf wohl lain «legen) 417. vnd a.
: Terain(en) angesetet werden; lainen paßt in 418. Hier bricht d ab.
der Bedeutung nicht gane. 437. ir fehU. verstond atu verstand.
Bild: nach v. 406: Landschaft; links und rechts im Hintergrund hohe Bäume. Vom steht der Dichter swischen beiden Frauen und sucht sie su versöhnen.
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54
3. Der Minne Freud und Leid.
wan ich nit wißt was wer laid? 445 by dem snren kent man daß siesß. also ich Awern strit bieß. als ir rotte sprecht das do nit sy volkömen, ist die lieb do by fr6d nff erden, das ist wär,
450 als mich bedunckt, ^anz und gar. als ir graw’e setzt üwer gedenck wie lieb in groß laid sencA-, das mag ich üch gelegen nicht, als ich üch daß under rieht:
455 bringt nun lieb fröd,
so mdß sie öch bringen laid, das ains dem andern werd erkant. wer fröd nit früd genant.
460 wer sin wider sach dar leit und ye grösser lieb befacht, ye grösser laid do öch macht, wan es der totderfal also git dar solt enden vast der stritt:
465 wer wöl went, wol dem ist, wer übel went, dem yil gebrist nnd merck: zway tragend lieb ge-
lich,
das ain mag machen do von rieh, das ander macht arm do von.
470 also weit ir hie die sach verston. wer all sach versorgen tüt, der hät selten gütten müt. [58»']wer aber sin sach bevilcht dem
glück,
der schlecht vil sorg zu rück.
475 also mag öch sin üch baiden:
lieb von laid mag man nit schai-
den,
doch lieb das laid nngelich nert. aim ist von ir mer fröd beschert, dem andern mer laids nnd trieb-
sal.
480 das glück ist nit glich über al. dar umb tüt dick ains nit schelten das das ander muß engelten. also mag üch baiden sin. dar umbso hört daß urtail min.
485 merckt teas ich üch hon erzelt, ir baid frowen usßerwelt, dar näch sölt ir üch richten nun: offt zway als ir kriegen taind und habend doch baide recht.
490 da mit sig üwer sach schlecht, von dißem urtail niemend uß ain fröd nnd gond wider ze huß, und fröwt üwer bülen getrüwen nnd laußt üch nit rüwen 495 ob ir von lieb kumer lit; es lonet wider ain zitt das offt versagt ain jär. das glück feit her und dar: es ist hüwer der rötten allain,
500 es mag üch werden gemain baiden ze jftr, das fieg Göt und ander aller getrüwer rät’
Do ich also hett geschwigen, [5S»] die frowen mir baid nigen 505 und sprachen: 'gesell, wtr dancken
dir,
du hast erfült unser begir.
447. rette.
448. Ist ist = enist (tnhd. ensi) oder man besser mit JET. nit statt die?
452. senckt.
466. vor laid gestrichen: l&d.
469 fehlt.
462. Ye] In.
463. wider] ynder.
464. enden fehU.
seiet 466. went = wsenet oder wendet.
479. triebsal aus triebsail.
485. was fehlt.
500. nac6 üch gestrichen: magen. 601. Baide.
505. wr.
506. Da.
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3. Der Minne Freud und Leid.
55
wir sind der warhait under rieht, die wir vor wißten nicht.’
‘din 1er macht mich frow 510 und gibt mir trost’ sprach die
g^aw.
deß glichen tet öch die röt:
‘des danck ich dir frü und spät’, und sprachen baide: ‘trat gesell, 6ot behüt dich vor ungefell!
515 wir westen gern den namen din, möht es mit dinem willen sin, das wir k&nden kennen dich.’ ich sprach: ‘frowen, so haiB ich in rechten trftwen der eilend
knab.’
520 yegkliche mir ir hendlin gab. ich danckt in mit grösser begir. also schieden sie von mir.
4.
Der Traum im Garten.
159*"] Aines tages fügt sich daß das ich in ainem garten sas in dißen gedencken ganz allain wie ich miner werden frowen rain 5 näch irem willen möht gefallen in schimpft, in ernst und öch in
schallen,
und ir geböt ich nit über trett und gehorsam wer was sie mich
bett,
das nicht ganz an mir brech 10 und sunder früntlich zü mir
sprech :
‘näch allem wünsch so fröwstu
mich;
begerstu sin, das tain öch ich.’ so wer öch aller min will völ-
brächt !
Ich sas also infröden und ge-
dächt
15 den Sachen näch als tieft
das ich von rechter begir ent¬ schlieft.
mich ducht wie die schön minic-
lich
zü mir nider satzte sich und sprach: ‘gesell, ich bin by dir. 20 wiltn nun wissen min begir: das ich beger von dir, das ist min
tröst
da mit du dich bekümert häst.' ich sprach: ‘ja, min öwiger hört, ich gehör ye nie lieber kain wort 25 dan din willen nun zü wissen, den zehalten hön ich mich ge-
flissen
und will do mit enden min leben.’
Sie sprach: ‘gesell, nun merck
es eben:
laß dir kain sach bringen laid,
Zu 4.
9. Das = Das sie. 17. Micht mit gestrichenem t.
Bild: vor dem Anfang, Bl. 58*: Landschaft, links und rechts betoaldete Hügd; am rechten Hügd liegt der Dichter mit aufgestütztem Kopf und hält die rechte Hand flach an die Brust, Vor ihm im Mittelgrund steht $eine Geliebte, mit der er sich im Traum unterhält.
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4. Der Traum im Garten.
30 du wissest dan die rechten war-
hait.
[5fl»] wiltu das dir söl gelingen, so diene Gut vor allen dingen, fldch klaffen, nid und hasß. din gehaim sag nit fürbaß,
35 mit schweren soltu dich nit
rechen,
kainer frow'en soltu übel sprechen, vor allen dingen röm dich nicht, was dir von frowen gut geschieht, din lieb trag haimlich und still,
40 nit schrib an die wend waß sy
din will,
biß wärhafftig und verschwigen, din trüw lauß nit verligen, biß zühtig mit Worten und geber¬ den,
niemend getrüg mit geverden.
45 du sölt bülen näch eren, dinen bulen nit verkeren. biß milt, stet und fridlich, vor vil güden so hüt dich und nit lauß dich zorn überwin¬ den
50 und öch dich nit trnncken finden, hab gedult recht mit aller sach, by den lütten du dich früntlich
mach,
grüß sie vil und habs in eren. niemans soltu spotten geren,
55 hab dinen mund in stetter hüt. näch redlichen Sachen setz din
müt,
niemend verschmech und biß
muntber.
hüt dich vor schänden, ich dich
1er.
57. muntber wohl vom Schreiber verlesen aus yrinutber, das tum Sinn der vorhergehenden Verse besser paßt.
78. übe.
du solt dich zü den gütten ge¬ sellen,
60 näch büsem güt soltu nit stellen, ere, mfit., güt soltu brißen, was du nit kanst, das fräg die
wißen.
[60']trüwer sach soltu flißen dich; biß zierlich, herlich und weltlich. 65 du solt keck und manlich beliben w'o man ritterliche werck tüt tri-
ben,
und fiüch nit umb kain nöt, wig schand höher dan den tod. das gehör als die knaben an 70 die durch er zü bülen gön. das soltu als verkünden in, das sie mit dir mercken den sin. das ist min will in der gemain. Wiltu nun wissen waß mir
allain
75 von dir übel und wöl gefeit?’ sprach die schön usserwelt.
* lieber gesell, du hast ain sitt, du truwst mir übel, das darfst du
nit;
und ziehst mich öch argkwon 80 des ich nie sin und müt gewan, und verschwürst es w’er ge¬ schehen.
das mich belaidget, das müß ich
je^en.
also fremd bistu gen mir on nöt das mir öch lieber wer der töd 85 dan sölichs liden önverschult; und wer nit so größ min gedult, so möbt ich durch diß geschieht nit werden da mit nnder rieht ob die lieb die min herz treit,
79. l. durch arew. ?
83. bistu fehlt.
87. nach ich gestrichen: nit.
89. das erste die aus min.
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4. Der Traum im Garten.
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90 indir wer lieb oder laid.